Der Spieler – Teil 36

Der Spieler – Teil 36

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der sechsunddreißigste Teil, und Cörd geht es immer noch nicht gut, aber Söhne sind halt nervig.

Andreas Allgeyer, 03.03.2026

Ich hätte schon früher drauf kommen können. Hebel nach unten. Ich schwenkte die Waffe schnell hin und her. Blumscheid sah es sofort, und zischte. Hielt er mich bisher für einen Vollpfosten, war ich nun der Vollpfosten mit einer entsicherten Waffe. Schwer einzuschätzen. Er liess sich stöhnend in den Ledersessel nieder. 

Der Junge vor mir wirkte blasser als sein T-Shirt und trat einen Schritt zurück. Ich einen auf ihn zu. Cörd war jetzt zwischen uns und spuckte Blut. Ich hörte „Geht gleich wieder!“ Und sah, wie seine Hand Halt suchte.

Mir war schlecht. Denn Blumscheid hatte recht, mit einer entsicherten Waffe war ich gefährlicher. Nicht nur für ihn. In seinem Gesicht spielte sich gerade viel ab. Ich beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Er war mit Oberwasser als arrogant einzuschätzen. Ich mochte ihn nicht, aber in Panik konnte ich mir noch keinen Reim auf ihn machen. 

Sein Junge stand mit erhobenen Händen vor Cörd. Ich deute auf meinen Freund, dann auf den jungen Blumscheid und wies ihn an.

„Hilf ihm hoch! Er schafft das nicht!“

Der Radfahrer wirkte unentschlossen. Er liess die Hände sinken, aber sein Blick blieb auf mir und der Waffe kleben.


„Na, los, mach schon. Wir haben nicht ewig Zeit!“

Cörd wollte nicht so richtig. Er wollte den Jungen abwehren. Der schien sich mit alten Männern auszukennen. Er packte ihn unter den Achseln, zog ihn hoch – Cörd war schwer. Riss ihn fast in die Höhe. Versuchte ihn auf die Füße zu stellen und lehnte ihn an die Scheibe. Cörd klebte daran nun wie eine Qualle, die man rangeklatscht hatte. 

Sein Kopf baumelte an ihm herum, als würde die Erde noch nicht komplett gerade sein, oder der Seegang zu hoch. Er sah mich von seitlich unten an und murmelt: „Nicht gut, Klaus, gar nicht gut!“

„Nein, es ist scheiße, Cörd, das weiß ich schon, aber da ich ein Mörder bin, sollten sich die beiden etwas sputen.“

Der Junge sprang einen Schritt zurück. Blumscheid brüllte etwas, und ich rotierte mit der Waffe wie ein Helikopter. 

„Ruhe!“ Schnauzte ich. „Alle Beide! Jetzt! Sofort!“

Wie Cörd sich in der Geraden hielt, war ein physikalisches Rätsel. Er glich einer Marionette, die man abgestellt hatte. Ich konnte weder auf ihn Rücksicht nehmen, noch mich um ihn kümmern. Ich hoffte, das er nicht zusammenklappte. Er erriet meine Gedanken und machte abfällige Handbewegungen.

Sollte mich beruhigen. Tat es nicht, aber ich lotste den Sohn trotzdem ins Wohnzimmer. Und platzierte ihn rechts von seinem Vater. Ob das eine gute Lösung war, wußte ich nicht. 

Ich hatte keine Erfahrung damit, aber es strengte unglaublich an, sie beide im Auge zu haben. Ich mußte das vereinfachen. Mein Kopf fühlte sich an, als würden tausend Hummeln darin surren. Das Viehzeug stach mir zudem in die Synapsen. 

„Wir kommen jetzt alle mal runter!“ Damit meinte ich hauptsächlich mich. Deswegen klang meine Stimme tiefer, langsamer und voluminöser als gewohnt. Ich sah nicht nur wie ein alter Sack aus, ich konnte auch so klingen.

Ich setzte mich auf einen der verteilten Wohnzimmertische, fühlte etwas Last von mir abgleiten, und machte einen krummen Rücken, was mir verdammt gut tat. Die Waffe legte ich, ohne sie los zu lassen, in meinen Schoss.

Cörd spuckte wieder Blut, wollte sich von der Scheibe abstoßen, aber liess es lieber und sah wieder in den Wald.

„Wir müssen reden, Blumscheid!“ Ich hoffte, das klang entschlossen. Ich hob die Waffe, richtete sie auf seine Stirn.

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