Der Spieler – Teil 45

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfundvierzigste Teil, in dem es dunkel bleibt, aber Klischees Kapriolen schlagen.Andreas Allgeyer, 19.03.2026
Sie führten mich in der gebückten Haltung vor sich her. Ich hätte ein Rammbock darstellen können. Doch ich befand mich einem schattigen Universum, dass mir kein Halt, keine Sicherheit und vor allem keine Zukunft bot. Ich war komplett in ihrer Hand. So wie sie meine Hände und Arme hielten, blieb mir keine Möglichkeit sie selbständig zu bewegen. Im Gegenteil, jedesmal, wenn ich stolperte, zerrte es an meinen Muskeln, als ob mich ein Schwert durchfuhr.
Es gelang mir nicht mal zu schreien. Die Luft wurde feuchter. Mittlerweile war ich fest davon überzeugt in einem Berg zu sein, anders ließ sich das nicht erklären. Der Gestank verriet Schimmel, aber auch feuchte Erde.
Meine Füße spürten immer wieder Nässe. Als wenn kleine Bäche und Pfützen den Weg kreuzten. Es wurde kühler, je weiter wir voran kamen. Der Luftzug war immer noch zu spüren. Das hieß, es musste außer dem Eingang noch weitere Öffnungen geben. Die konnten aber überall sein. Ich hatte ja nicht die geringste Ahnung, um wieviele Gänge es sich möglicherweise handelte. Der Luftzug konnte helfen, aber auch durch den Bau eines Tieres verursacht sein.
So stolperte ich vor ihnen her, immer bemüht, nicht schon wieder zu fallen oder sonst wie zu straucheln. Als ob es mir die Arme rausriss. Ich gehorchte wie ein williger Hund. Ich hasste mich, mein Leben, aber vor allem diese Platte und alles was damit zusammenhing.
Irgendwann blieben sie unvermittelt stehen. Hätten sie mich nicht festgehalten, ich wäre zu Boden gesunken. Stehen zu bleiben verunsicherte mich fast mehr als das Gehen. Wenn ich mich nicht stark konzentrierte, verliess mich das Gefühl für unten oder oben. Aber sie hatten mich fest im Griff. Wie eine schlaffe Puppe hing ich in ihrer Mitte. So verharrten wir eine halbe Ewigkeit. Es kann kürzer gewesen sein, oder länger oder gar nicht stattgefunden haben. Mein Gehirn spielte Momente durch, die fern der Realität in einer Zukunft oder einem Deja Vu stattfanden. Ich wußte es nicht. Ich hatte Angst. Das System arbeitete unkontrolliert vor sich hin, suchte so etwas wie Hoffnung, aber fand nichts.
Ich hatte mich früher schon gefragt, wie einem die Verrücktheit befällt. Nun spürte ich, wie sie mit freundlicher, schützender Hand nach mir greifen wollte. Hätte es nur die geringste Chance gegeben in einen Nebel aus Chemie, Adrenalin und Wahnsinn zu treten, ich hätte alles angenommen. Einfach so. Sofort.
Wir standen da, und sie warteten wohl auf etwas. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es ein Fahrstuhl war, aber nach einem Schritt vor, weiterem Warten und der Tatsache, dass es unvermittelt nach oben ging, plumpste ich erschrocken in eine ungünstige Position, und schloss daraus, verdammt, ein Fahrstuhl. War ich bisher von einer uralten Höhle ausgegangen – und ich war mir darin vollkommen sicher – befand ich mich nun in einem Fahrstuhl, der mich schwebend nach oben brachte.
Mit einem Fahrstuhl in einem Berg spielte ich im Kopf alle Varianten durch. Filme, Erklärungen aus Verschwörungstheorien, Dinge, die nicht sein konnten, Alpträume, die mich in den schlimmsten Nächten befallen konnten, Vorstellungen, die ich davon hatte, wie und wo das Verbrechen existiert.
Ich war beeindruckt und hatte fürchterliche Angst.