Mustang Fang & Rev. Peyton‘s Big Damn Band im Kohi, Karlsruhe am 06.06.2025

Mustang Fang & Rev. Peyton‘s Big Damn Band im Kohi, Karlsruhe am 06.06.2025

Mustang Fang am 06.06.2025 im Kohi, Karlsruhe

Karlsruhe. Die Sommer können heiß werden. Dann dampft der Rhein, die Schwüle hält sich in der Ebene und alles ist viel näher am Mississippi als man glaubt. Kein Wunder also, wenn hier Bands wie Mustang Fang entstehen. Mustang Fang sind dann eine Hochgeschwindigkeitsfahrt durch die Altrheinarme. Stechmücken klatschen an die Scheibe, Blätter schlagen links und rechts ran, nichts hindert, alles bleibt zurück, und gedrosselt wird nicht.

Mustang Fang reißen das Ding schon seit 2019. Sind zu zweit, beschränken sich auf Gitarre und Schlagzeug und ziehen es durch. Als bliebe ihnen nichts anderes übrig. Dreckig, rau, verschwitzt und immer im richtigen Tempo. Blues für die festgestampfte Erde. Das geht, das funktioniert, und braucht einen Ort wie das Kohi, in dem alles nah, alles echt und alles in die Südstaaten gebeamt wird.

Der Abend war dem Blues gewidmet. Mustang Fang hatten die Ehre ihn einzuleiten, und sie taten es mit aller Wucht und Dreistigkeit. Das Schlagzeug so trocken, dass es brennen müsste, die Gitarre, die fast dagegen ankämpfte. Musik für Schuppen, in denen das Bier billig und Stunden gezählt sind. Wenn alle schon verschwitzt sind, jeder genug intus hat, und keiner heim will, dann ist das wohl die Zeit für Mustang Fang. Konnten ja bloß aus Karlsruhe sein, wo sonst kennt man das Gefühl, dass die Hitze nicht weichen will. 

Rev. Peyton‘s Big Damn Band im KOHI, Karlsruhe am 06.06.2025

Der richtige Opener für Rev. Peyton’s Big Damn Band. Zugegeben: ich hatte es vergessen, ich kannte die Band schon seit 10 Jahren. Es war an der Zeit. Waschbrett, Gitarre, Schlagzeug. Irgendwo zwischen Tradition und Moderne. So weit gereist, so intensiv auf Tour, dass die Choreographie und die ersten Minuten saßen. Rev. Peyton‘s Big Damn Band hatten alles im Griff. Ein Repertoire, das so ausreichend wie vielseitig war. 

„Washboard“ Breezy („The Miss Elizabeth of Country Blues“) schrubbte alles voran. Unterstützt von Jacob Powell an den Drums. Reverend Peyton war der stämmige Ruhepol, der Gitarrenvirtouse und Sänger. Eine Reise durchs Genre, zusammengerafft auf einen Auftritt. 

Die Verwandschaft zum Soul, die Tiefe des Rhythm‘n‘Blues, die Spuren des Rock‘n‘Roll, die treibende Kraft des Stadionrocks – alles in einem Ritt. Reverend Peyton spielte auf der Axt, „Washboard“ Breezy‘s Waschbrett fing Feuer und Jacob Powell trommelte auf Eimern. 

Genug um zu beweisen, dass ein kleiner Raum groß genug wäre. Eine Live-Band für den Tanzabend, den wir alle brauchten. Heilbronn, wo sie demnächst spielen, ist nur eine Stunde entfernt. Ihr habt noch die Chance. Sie sind kraftvoll, zielsicher und ihr werdet es nicht bereuen. Wenn ihr laut genug schreien und mit den Füßen aufstampfen könnt.

Externe Links: 

Rev. Peyton‘s Big Damn Band – https://www.bigdamnband.com

Mustang Fang (Bandcamp) – https://mustangfang.bandcamp.com

Das „Karlsruher Archiv“ – ein paar Worte zum Projekt

Das „Karlsruher Archiv“ – ein paar Worte zum Projekt

Das „Karlsruher Archiv“ - Bands und Musikerinnen in Karlsruhe und Umgebung.
Das „Karlsruher Archiv“ – Bands und Musikerinnen in Karlsruhe und Umgebung.

Vorneweg: Das „Karlsruher Archiv“ ist aktuell nur ein Arbeitstitel. Ob er beibehalten wird, oder aber langfristig die richtige Bezeichnung für das Projekt ist – das ist im Augenblick noch nicht festgeschrieben. 

Die Idee ist einfach. Karlsruhe hat – wie jede andere Stadt – eine reichhaltige Musikgeschichte. Das geht quer durch alle Genres, Vereine, Singkreise und Zeiten. Einiges ist durchaus dokumentiert. Es gibt ein paar Bücher, aber auch manche Webseiten haben in der Vergangenheit Gutes geleistet und sind zu loben. Ich werde in den folgenden Tagen noch darauf zurückkommen.

Unter https://jazznrhythm.com/bands-musikerinnen wird es erstmal nur ein wachsendes Listing mit Bandnamen und MusikerInnen geben. Wenn weitere Informationen auftauchen, dann werden sie auf einer eigenen Seite zur jeweiligen Band hinzugefügt. Einzige Voraussetzung, die es derzeit gibt: Es muss irgendeinen regionalen Bezug zu Karlsruhe oder der näheren Umgebung geben.

Dieser Bezug kann – von Fall zu Fall – weiter gespannt als vorgesehen sein. Manche MusikerInnen haben mehrmals den Wohnsitz gewechselt und sind, obwohl sie lange Zeit in Karlsruhe beheimatet waren, mittlerweile ganz woanders verortet. In bestimmten Fällen ist es eher das Plattenlabel, dass seinen Wirkungskreis in der Region hat.

Die Entscheidung, wie der Bezug zu Karlsruhe aussieht, fällt manchmal nicht leicht, und ist immer auf den Einzelfall gemünzt. Das kann diskutiert werden, aber soll auch in der Beschreibung der Band-Seite hervorgehoben werden.

Zu den wenigsten Namen liegen relevante Informationen vor. Die meisten Bands haben nur kurzzeitig in der hiesigen Szene gewirkt und sind entweder in neue aufgegangen oder das Hobby Musik ist anderen Interessen gewichen. Es besteht die Hoffnung, dass wir etwas von dem Enthusiasmus erhalten können. So interessiert uns weiterhin jede Band, auch wenn sie nicht mehr existiert. In vielen Fällen sind die Übergänge zu weiteren musikalischen Projekten fließend. Aus Band A ging Band B hervor, die Musiker waren vorher in einem Schulprojekt, einem Orchester oder einem Singkreis. Nichts fällt vom Himmel, nichts entsteht aus sich selbst.

Es gab eine gewisse Skepsis, ob wirklich jedes Genre Einzug in das „Karlsruher Archiv“ erhalten soll. Auch welche, die sich z.b. nicht durch eigenständige Werke, sondern eher durch die Interpretation fremder Stücke, auszeichnen. Die Entscheidung fiel gegen eine geschmackliche Eingrenzung. So manche musikalische Biographie zeigt große Wechsel zwischen den Genres auf. Heute in der Tanz-Combo, morgen in der Rockband und dazwischen eventuell Volksmusik – das ist nicht so ungewöhnlich, wie es sich vielleicht anhört. 

Zugegeben, das Archiv ist eine sehr aufwändige, langfristige und langwierige Aktion. Es bedarf Hilfe und Information. Viele Namen tauchen nur noch in Notizen auf. Es fehlen die Besetzungslisten, die Diskografien und beteiligten Personen. Es fehlen vor allem Anekdoten, historische Einordnungen und Bezüge. Wer etwas weiß, darf sich gerne an andreas@jazznrhythm.com oder an die Jungs von Dixigas-Records wenden. (https://dixigas-records.de/) . Tex Dixigas sammelt seit vielen Jahren alles was es an Tonträger aus der Region gibt, und ist sehr an weiterem Material interessiert. jazznrhythm.com hat dabei das Vergnügen, sein bestehendes Archiv zu sichten und chronistisch aufzuarbeiten. Helft mit, wenn euch der eine oder andere Name bekannt vorkommt.

IRMA – Neue Veröffentlichungen 05.2025 (Teil 1)

IRMA – Neue Veröffentlichungen 05.2025 (Teil 1)

IRMA Veröffentlichungen

Ein paar Labels haben es geschafft meine Aufmerksamkeit mehr auf ihre Veröffentlichungen zu richten, als tatsächlich auf ihre KünstlerInnen. Das ist nicht ganz fair. Was wären die Labels schließlich ohne ihre KünstlerInnen? Doch Labels, wenn sie gut und enthusiastisch geführt sind, können eine kuratierende Aufgabe haben. Große Jazzlabels waren immer schon Qualitätsmerkmale. Bei manchen kann man ungehört die neuen Veröffentlichungen erwerben, und macht selten einen Fehler.

IRMA ist ein italienisches House, Soul und Acid Jazz Label. Alle drei Genres bedienen sie mit allen relevanten Subgenres, den Einflüssen brasilianischer Musik und den Experimenten diverser DJs im Umfeld.

Das führte dazu, dass viele Künstler, die einst in den Popjazz-Wellen, die über England schwappten, prägende waren, plötzlich nach Jahren ihre Heimat bei IRMA fanden. 

Während andernorts Wellen gerne abgelöst werden, und dann gnadenlos verschwinden, gab es in Italien vor und nach AcidJazz, NuSoul, Urban Soul und wie immer man all das nennen wollte, genau diese Richtungen, allerdings niemals mit den genannten Bezeichnungen. Der leichte, durchaus vom Jazz beeinflusste Sound, den vor allem DJs schätzten, weil es immer noch tanzbar blieb, war ein Element, dass dann wahlweise als moderne italienische Musik, oder House oder Disco oder in einer gesunden Mischung davon, auf hundert Compilations zu finden war.

Auf IRMA wurde ich genau auf diesem Weg aufmerksam. Ich stolperte geradezu über ihre Sampler. Sie brachten sie eine Zeitlang  im Stakato heraus. Großartige, ständig neu zusammengestellte Mischungen, bewährter Künstler wie Jestofunk, Gazzara, Bossa Nosta und Sarah Jane Morris. Stoff, der tauglich für den Tanzboden und Cocktailabende war. Die Veredlung großartiger Soulnummern , aber auch die Verehrung für Jazz-Klassiker.

Was dabei ein bißchen aus dem Fokus geriet, das war das IRMA ein durchaus aktives, innovatives Label mit Platten war, die es verdient hatten unter Namen den vertretenen MusikerInnen zu betrachtet zu werden. Wie üblich gab es natürlich auch hier viele Kollaberationen und Zusammenarbeiten, Remixe von KollegInnen und EPs, die irgendwie untergingen, aber später wieder auf dem nächsten Sampler auftauchten. 

Was mich im Zusammenhang mit Streaming und Online-Shops immer störte, ist, dass es fast nicht möglich ist, ein Label als ordnendes Kriterium zu nutzen. Soll heißen: Wie konnte man das unendliche Angebot eines Musikanbieters auf ein Label konzentrieren und Filtern? IRMA nutzte oft den eigenen Namen als Titel einer Compilation, aber ansonsten war es eine Suche , die nur über die beteiligten Künstlerinnen funktionierte

Deswegen werde ich in den nächsten Tagen das ein bißchen vereinfachen, und die aktuellen bzw. Kommenden Neuveröffentlichungen des Labels vorstellen. Ich werde selbstverständlich auch ein paar historische Sampler erwähnen, die heute noch in den Streamingdiensten oder auf den großen Online-Plattformen erhältlich sind. Anderseits, und das in eigenem Interesse, bin ich ständig an den Vinylausgaben interessiert.

Die weiteren Teile folgen in den nächsten Tagen.

Externer Link:

IRMA – https://www.irmagroup.com/

Thom and the Wolves im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 24.05.2025

Thom and the Wolves im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 24.05.2025

Thom and the Wolves im NUN Kulturraum, 24.05.2025 in Karlsruhe

Es war die Stimme. Fällt als erstes auf. Hatte man nicht erwartet. So rau und kräftig. Mit all dem Mut, den Nuancen, und verwegenen Hochtönen. Thom and the Wolves ist ein Projekt, das zwei elektrische Gitarren vereint, den Gesang hervorhebt und seine Wurzeln nicht verleugnen kann. 

Die Straße und das direkte Publikum müssen prägend gewesen sein. Alle Songs griffig, schnell angeschlagen und geradezu schnörkellos präsentiert. Dabei nutzte Thomas Bewernick und der Niederländer Hugo Tromp die Kanten und Ecken, sowie Kunstgriffe, die sich ihnen boten. Trieb Thomas Bewernick die Melodie vor sich her, so beackerte Hugo Tromp den Boden, das Land, die Weite und den ruhigen Moment. Arbeitsteilung. Klar vorgegeben. 

Die Bühne dabei fast dunkel, gerade zu leer – was im NUN eine Leistung ist und auf Verzicht hindeutet – hatten Thom and the Wolves erstaunlich viel Platz. Schon anders erlebt. Das war die pure Bescheidenheit. Lorenzo hatte bei der Einführung erwähnt, wie er Thomas Bewernick damals auf der Straße erlebt hatte. 

Man konnte es sich vorstellen. Die markante Stimme, lautstark in Dresden. Nachvollziehbar. Hätte man ihre Herkunft also auch gesucht.

Das NUN ist bekannt für seine Entdeckungen. Künstler, die irgendwo – auf Festivals, in den sozialen Medien oder einfach nur auf Straßen – es schaffen, im kleinen Kreis zu brillieren. Die mit einem Instrumentarium, das zurückhaltend eingesetzt wird, Akzente und nachhaltige Momente schaffen.

Thom and the Wolves haben zwei CDs draußen, eine dritte soll dieser Tage auf Bandcamp zum Download bereit stehen. Sie arbeiten dabei mit dem schnellen Rhythmus der Leadgitarre von Thomas Bewernick und der ruhigen, fast zurückgelehnten Begleitung von Hugo Tromp

Etwas was den kompletten Auftritt durchzog. Hugo Tromp sitzend, eher etwas im Hintergrund, ohne Mikrofon, Thomas Bewernick alleine, stehend, ohne Chor, ohne Loop, bauend auf die Facetten seines Gesangs, der nach Kneipe, Prärie, Tod und Teufel, Liebe und Leben klang. Also alles. Mit allen Spuren, die es brauchte.

Dazwischen, kleine Geschichten, zurückhaltend erzählt, aber eher verzichtend auf große Worte, Ausführungen und mannigfaltige Deutungen. Wozu auch? Das Gebäude, das sie errichteten, war ein Konstrukt aus einem eigenen Sound, der für sich selber stand. Geradezu abgenagt auf die notwendigen Bestandteile, hielt das Fundament, taugte für neues, unbekanntes Material und forderte zur Zugabe. 

Thom and the Wolves haben ein sehr eigenes, karges Rezept, dass sich auf eine überschaubare Menge an Bestandteile verlässt, aber vor allem, gutes, gerades Songwriting ist. Fetter möglich. Muss aber nicht sein. Und das zeichnete es aus. 

Gespannt wie es weiter geht. Wohin es geht. Auf Bandcamp kann man sich ja benachrichtigen lassen. Machen. Reinhören.

Nachtrag: Auf der Homepage von Thom and the Wolves ist das dritte Album schon erhältlich. Auf Bandcamp dauert es wohl noch. Link unten.

Externe Links:

Thom and the Wolves Homepage – https://thomandthewolves.com

Thom and the Wolves auf Bandcamp – https://thomandthewolves.bandcamp.com/album/thom-and-the-wolves

NUN Kulturraum – https://nun.cafe/