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Schlagwort: Concert

Güner Künier im Kohi, Karlsruhe am 19.02.2026

Güner Künier im Kohi, Karlsruhe am 19.02.2026

Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026
Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026

Der Drumcomputer war schwer, das Schlagzeug reduziert, und alles zusammen kletterte in die Höhe, um das KOHI zum Tanzen und Schwingen zu bringen. Irgendwo in dem Umfeld, in dem Electro und Punk angesiedelt sind, bilden sich kleine, radikale Subgenres. In Berlin fällt das auf fruchtbaren Boden. Just da kommen Güner Künier her, formen alles zu ihrem Eigenen, und vermischen Türkisch mit Englisch, auch das Ekstatische des New Wave und alles mit der Wucht der Krachgitarren.

Was sich zu Beginn fast verzögert, ein bißchen schleppend, aber durchaus cool ankündigte, gab spätestens im zweiten Drittel der Hektik, der Energie und Schlagkraft Platz. Mit klarer Linie, und überschaubarer Besetzung (Bass, Gitarre plus Vocals plus Synthie/Drumcomputer und Steh-Schlagzeug) war die Mimik der begleitenden Musiker fast stoisch abgeklärt, während Güner Künier (Sängerin und Namensgebern der Band) mit aller Kraft ihr Publikum durchschüttelte. 

Umgeschmissenes Bier, verhaltener Ton am Mikro, abstürzende Instrumente – gemach, Güner Künier zielten auf Beine und Bauch, bewegten die Menschen vor sich und zogen schnörkellos ihr Programm durch. 

Nach einer Dreiviertelstunde war es dann auch beendet, das letzte Lied, keine Zugabe, kawumms und raus. Güner Künier zeigten eine Rauheit, die Abstand und Nähe gleichermaßen vermittelte. Sie zogen an, hatten die richtigen Rhythmen, eine verständliche Kompromisslosigkeit und damit die Anforderungen erfüllt, das Soll gebracht und den Abend zwar schnell beendet, doch nahtlos an das angeknüpft, was die Erwartungen waren. 

Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026
Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026

Die Schläge auf den Bauch und die Gitarren verzerrt. So blieb das haften, was den Sound ausmachte, und die Geschwindigkeit der einzelnen Teile zu einem funktionellen Gesamtbild formte. Güner Künier sind ungestüm genug um die Authentizität des Punks zu bewahren, und  trotzdem von einer eigenen Handschrift geprägt, die immer vermittelte: Sie wollen auch die Party, den Fun und den wilden Tanz.

Güner Künier haben gezeigt, wie man die Wucht der kleinen Aufstellung zu einer Aussage bringt, die eine Kante zeigt und dennoch zwischen Disco, Pogo und Fußwippen angesiedelt ist. Mit der richtigen Portion Härte klappte das gut. Und das Bewusstsein für die großen Rhythmen der frühen Jahre hilft natürlich. Alles durchaus fit, clever und geradeaus. Spannend, was in der Hauptstadt so passiert. 

Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026
Güner Kunier im KOHI am 19.12.2026

Externe Links:

Güner Künier auf Instagram – https://www.instagram.com/guenerkuenier/?hl=de

Güner Künier (Bandcam) – https://guenerkuenier.bandcamp.com

KOHI – https://kohi.de

Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026

Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026

Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026
Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026

Die Bordkapelle Akkermann kommt von den Küsten Pforzheims. Dort wo die Wellen hoch, die See stürmisch und die Piraten gestrandet sind. In bester Trompetenpunk-Tradition verkörpern sie alles, was seit Jahren aus Pforzheim über die Live-Clubs hereinbricht.

Standfest, kernig, und mit einem Bein im Meer, beschworen sie den Punk, den Verlust und den Widerstand gegen alles Rechte. Trinkfest, launig, vor allem bereit das Ding voran zu treiben, hielten sie die Alte Hackerei am Laufen, brachten sie zum Tanzen und genug Erfahrung mit, um den Los Fasdidios den Boden zu bereiten.

In Pforzheim scheint sich jeder zu kennen, die Bands alle mit einander verschwägert zu sein, und so war es kein Wunder, die Recken irgendwo schon mal gesehen zu haben. Across the Border – Umfeld wahrscheinlich.

Bordkapelle Akkermann in der alten Hackerei am 12.02.2026
Bordkapelle Akkermann in der alten Hackerei am 12.02.2026

6 Mann hoch, und damit schon eine gute Füllung für jede Kajüte – fast schon orchestral – brachten sie neben drei Gitarren, dem Schlagzeug, den Vokals, noch ein Keyboarder mit, der besagte Trompete zu einem prägnanten Thema machte. 

Die Jungs beherrschten ihr Spiel, die Party, die ungestüme Lust an dem kompletten Klischee, erzählten ihren Seemannsgarn, behielten beinhart ihre Stellung bei und beackerten dabei ihr eigenes Genre, das natürlich sehr Pforzheim, aber vor allem irgendwo drüber und drunter Im Ska-Punkt-Gemenge angesiedelt war. Gute Sache das, und die Connection zu Karlsruhe macht froh. Man sieht sich schließlich bald wieder.

Los Fastidios sind die am härtesten arbeitende Ska-Band Italiens. Ständig auf Tour, omnipräsent und schnell in den sozialen Medien, quasi überall. Und spätestens nach einem halben Jahr glaubt man jeden in der Band persönlich zu kennen. Es gibt wahrscheinlich keinen Club in Europa, in dem sie nicht schon aufgetreten sind. Aber gleichzeitig hat man den Eindruck, das sie ihre aktuelle Tournee nie beenden, aber schon wieder in der Stadt sind. Gottseidank.

Mit klarer Position, einem halben Schlagzeuger (der linke Arm verharrte in der Schlinge  – wie gesagt, härtest arbeitende Skaband Italiens), Bass, E-Gitarre, Sänger und Sängerin – präsentierte sie in der fast ausverkauften Hackerei ihr Programm. Geradeaus, fordernd gegen sich selbst und anderen, mit klaren Botschaften, sichereren Hymnen und Reminiszenzen gegenüber den Leuten, die das alles mal auf den Weg brachten. 

Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026
Los Fastidios (Support: Bordkapelle Akkermann) in der alten Hackerei am 12.02.2026

Los Fastidios leben den Ska. Die Vielfalt, die richtige Linie, und den Standpunkt. Die Parts an der Front teilten sich Enrico und Elisa Dixan mit unerschöpflicher Energie, einem Willen zur Party und der entsprechenden Ansagen.

In der Mischung aus englisch und italienischem Material offenbarte sich eine allgemeinverständlich Kraft, die den Raum zum rocken brachte und die Anwesenden vereinnahmte. Ska, wie er sein sollte. Eine Linie, die abgrenzt, schweißtreibend ist und immer Stellung bezieht. Für das Vegane Leben, gegen die Ausgrenzung, für die Farbigkeit und für die Migration. 

Los Fastidios erhöhten das Tempo beständig, hielten die Flagge hoch, und wollten kein Ende finden. Trotz der vielen Jahre auf der Straße, den hunderten von Konzerten, die sie pro Jahr in einem kraftvollen Marathon geben, blieb der Eindruck der Einzigartigkeit und das Gefühl eines der wichtigsten Events des Jahres miterlebt zu haben. Respekt den Leuten. Die Blaupause für aktuelle Skabands.

Externe Links:

Los Fastidios – https://www.losfastidios.net

Bordkapelle Akkermann – https://www.facebook.com/bordkapelleakkermann/?locale=de_DE

Alte Hackerei – https://www.altehackerei.de

Goblyns (Support: Haphazard) im KOHI, Kulturraum, am 7.02.2026

Goblyns (Support: Haphazard) im KOHI, Kulturraum, am 7.02.2026

Goblyns im KOHI am 07.02.2026
Goblyns im KOHI am 07.02.2026

Fast eine Zeitreise, was das KOHI am 07.02.2026 anbot. Die Goblyns besuchten die Stadt, taten das beschwingt und mit leichtem Fuß, doch einleiten liessen sie sich von den erdigen Rhythmen Haphazards. Die wiederum frönen dem Geist der frühen Jahre. Als hätte es Punk nie gegeben, hätte Metal nie das Ruder übernommen, halten sie die Flagge hoch für jene Richtung, die den Übriggebliebene die Tränen in die Augen treibt. 

Und alle andere staunen machen.

Haphazard müssen sich alles auf YouTube reingezogen haben, was in den Archiven gefunden wurde. Haben wahrscheinlich alle Plattensammlungen ihrer Ahnen geerbt und rocken nun den Stammbaum runter, als hätten sie die letzten 50 Jahre im Proberaum überwintert. Dabei sind sie jung, überraschend talentiert, schon verflixt nahe an den Vorbildern und damit auf dem besten aller Wege.

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

Wer sie nicht kannte, wird sie sich merken. Der Rest war schon im Fanmodus angekommen. Haphazard leitete das Ding ein, in klassischer Besetzung: Gitarre, Bass (mit Vocals) und Schlagzeug. Bewiesen wieder mal – mehr braucht es nicht. Das reicht, das funktioniert, das geht vor allem, wenn man die Riffs aufgesogen hat wie ein Schwamm. 

Vieles war noch Charme, musikalisch aber faszinierend ausgereift und packend. Ein gehöriges Bündel Zitate, dass sie da unter dem Arm trugen, ohne zur Kopie oder Cover zu werden. Eigenständig in Melodie, Komposition und dem Konstrukt. 

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

So waren sie den großen Namen auf den Fersen, hielten das Level oben, trieben es voran und konnten den Goblyns die Fackel locker übergeben.

Sollte man sich merken.

Die Goblyns, in ähnlicher Besetzung, präsentierten sich sehr viel instrumentaler. Ausgezeichnet mit einer treibenden Leichtigkeit, die irgendwo zwischen Jazz und Surf einen Rhythmus ausmachte, der in den Tiefen der Zeit verankert war, aber nur heute so funktionieren konnte.

Verliebt in detailreiche Melodien luden sie zum Tanz, verzückten mit einem herausfordernden Beat und Kompositionen, die sich überall bedienten. Aber eine eindeutige Signatur aufwiesen.

Goblyns im KOHI am 07.02.2026
Goblyns im KOHI am 07.02.2026

So schufen sie die Partymusik der abhebenden Generation. Sie zitierten orchestrale Sounds, verzichteten aber ganz locker auf den großen Instrumentenkasten. Ebenfalls nur ausgestattet mit der klassischen Besetzung aus Gitarre, Drums (Vocals) und Bass, lieferten sie dem KOHI den Soundtrack aus Raum und Zeit, Nostalgie und Vorschau. 

Die stilistische Versiertheit, die das Konzept bündig, nahtlos und ohne Brüche – dennoch mit Steigerungen und Abstufungen präsentierte – zeigt eine verträumte Beatband, die genug Soundtracks gehört und Lightshows gesehen hatte, um etwas zu erschaffen, was nun als Einheit herüberkommt.

Im Gesang verträumt und knackig in der Präsentation. Wie ihr Support holten auch die Goblyns Bilder hervor, die von einer besseren, unkomplizierten Welt zeugen möchten. Wilde Träume einer neuen Generation, verheißungsvolles Utopia für die nächsten und rauschende Nächte für die, die sich darauf einliessen. 

Beindruckend in der Konsequenz, der ausgelebten Liebe zu den Versatzstücken aus einer verspielten Zeit. Wurzeln überall und Mosaiksteinchen, wo man sie finden möchte. 

Die Goblyns sind der relaxte Spaziergang durch einen Park in San Francisco, wenn man in der Filmkulisse der Sechziger umherwandert.

Externe Links:

Goblyns – https://goblynsband.com

Haphazard – https://www.instagram.com/haphazard.music/

Kohi – https://kohi.de

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Berlin ist weit entfernt. So ist es kein Wunder, dass der letzte Besuch schon über ein Jahrzehnt zurück liegt. Masha Qrella war zum zweiten Mal in Karlsruhe. 

Dieses mal im Kohi in kleiner Besetzung. Keyboard ( aber auch Gitarre), die Leadgitarre (Masha selbst) mit Vokals und selbst das Schlagzeug als Background und Chor. Im Gepäck hatte sie: Bezaubernde kleine Popperlen. Ausgeklügelt und in aller Schönheit glänzend. 

Unprätentiös und in alle Bescheidenheit, fast schon mit einer bewundernswerten Lässigkeit, dafür mit wenigen Worten zeigte Masha Qrella, wie man das macht. In den Details gekonnt, mit einer Schnörkellosigkeit, die die Songs in ihrer reinsten Form darboten, erreichte sie ihr Publikum. 

Für einen Donnerstag, fast noch unter der Woche, war das Kohi gut gefüllt. Aber all das hätte ohne Schwierigkeiten auch auf größeren Bühnen funktioniert. Dafür scheint es gemacht. Eingängige, kleine Melodien, die schnell und griffig zum Mitwippen und Tanz einluden. 

Im Sound dennoch größer präsentiert, als es für 3 MusikerInnen möglich war, aber daher auch nahe dran an der abgestimmten Produktion und dem neuesten Album. Mit ihrer aktuellen Platte „Songbook“ stellte Masha ein ausgereiftes Songwriting und ein gute Wahl in der Interpretation von Coverversionen vor. 

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Mit „I wanna dance with somebody“, einst eine Hymne von Whitney Houston, ging sie den mutigen Weg dieses Werk in ein einfühlsames Indie-Pop-Gewand zu kleiden. Mit ihren eigenen Songs spielte sie humorvoll und rhythmisch das Thema Tanzbarkeit an. Wechselte von Englisch zu Deutsch, und wieder zurück. Was dann auch betonte und zeigte, dass der internationale Vergleich nicht gescheut werden muss.

Gutes Pop-Handwerk, wenn es ernsthaft betrieben wird – die Songs gefeilt und mit Liebe gestaltet sind – macht live zwei mal soviel Spaß, wenn durch das Set und die Zusammenstellung die Begeisterung dafür aufs Publikum überspringt.

Masha Qrella gehen diesen Weg mit einer ungewöhnlichen Zurückhaltung, halten sich fern von Posen, zeigten sich aber vielseitig und versiert in der Wahl und dem Gebrauch ihrer Instrumente.

Überzeugend, mit einem sauberen Sound, dem richtigen Händchen für mögliche Hits und einer Stimme, die unaufdringlich aber klar und deutlich das Songwriting betont, konnte Masha einiges auf der Habenseite verbuchen. 

In Berlin müssen sich die Bands gegenseitig auf den Füßen stehen. Jedes Mal denkt man, wo kommt ihr her? Was habt ihr gemacht, dass man noch nicht von euch gehört hat? Man möchte ihnen die Provinz vorschlagen, die Rückkehr und ein Wiedersehen in kürzerer Zeit. 

Masha Qrella geben dem Pop in seiner schönsten Schreibweise eine Chance, halten die Flagge hoch und machen ihn clubtauglich. In aller Liebenswürdigkeit trotzdem rau und unabhängig.

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Externe Links:

Masha Qrella – http://mashaqrella.de/

KOHI – https://kohi.de