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Schlagwort: Concert

Goblyns (Support: Haphazard) im KOHI, Kulturraum, am 7.02.2026

Goblyns (Support: Haphazard) im KOHI, Kulturraum, am 7.02.2026

Goblyns im KOHI am 07.02.2026
Goblyns im KOHI am 07.02.2026

Fast eine Zeitreise, was das KOHI am 07.02.2026 anbot. Die Goblyns besuchten die Stadt, taten das beschwingt und mit leichtem Fuß, doch einleiten liessen sie sich von den erdigen Rhythmen Haphazards. Die wiederum frönen dem Geist der frühen Jahre. Als hätte es Punk nie gegeben, hätte Metal nie das Ruder übernommen, halten sie die Flagge hoch für jene Richtung, die den Übriggebliebene die Tränen in die Augen treibt. 

Und alle andere staunen machen.

Haphazard müssen sich alles auf YouTube reingezogen haben, was in den Archiven gefunden wurde. Haben wahrscheinlich alle Plattensammlungen ihrer Ahnen geerbt und rocken nun den Stammbaum runter, als hätten sie die letzten 50 Jahre im Proberaum überwintert. Dabei sind sie jung, überraschend talentiert, schon verflixt nahe an den Vorbildern und damit auf dem besten aller Wege.

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

Wer sie nicht kannte, wird sie sich merken. Der Rest war schon im Fanmodus angekommen. Haphazard leitete das Ding ein, in klassischer Besetzung: Gitarre, Bass (mit Vocals) und Schlagzeug. Bewiesen wieder mal – mehr braucht es nicht. Das reicht, das funktioniert, das geht vor allem, wenn man die Riffs aufgesogen hat wie ein Schwamm. 

Vieles war noch Charme, musikalisch aber faszinierend ausgereift und packend. Ein gehöriges Bündel Zitate, dass sie da unter dem Arm trugen, ohne zur Kopie oder Cover zu werden. Eigenständig in Melodie, Komposition und dem Konstrukt. 

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

So waren sie den großen Namen auf den Fersen, hielten das Level oben, trieben es voran und konnten den Goblyns die Fackel locker übergeben.

Sollte man sich merken.

Die Goblyns, in ähnlicher Besetzung, präsentierten sich sehr viel instrumentaler. Ausgezeichnet mit einer treibenden Leichtigkeit, die irgendwo zwischen Jazz und Surf einen Rhythmus ausmachte, der in den Tiefen der Zeit verankert war, aber nur heute so funktionieren konnte.

Verliebt in detailreiche Melodien luden sie zum Tanz, verzückten mit einem herausfordernden Beat und Kompositionen, die sich überall bedienten. Aber eine eindeutige Signatur aufwiesen.

Goblyns im KOHI am 07.02.2026
Goblyns im KOHI am 07.02.2026

So schufen sie die Partymusik der abhebenden Generation. Sie zitierten orchestrale Sounds, verzichteten aber ganz locker auf den großen Instrumentenkasten. Ebenfalls nur ausgestattet mit der klassischen Besetzung aus Gitarre, Drums (Vocals) und Bass, lieferten sie dem KOHI den Soundtrack aus Raum und Zeit, Nostalgie und Vorschau. 

Die stilistische Versiertheit, die das Konzept bündig, nahtlos und ohne Brüche – dennoch mit Steigerungen und Abstufungen präsentierte – zeigt eine verträumte Beatband, die genug Soundtracks gehört und Lightshows gesehen hatte, um etwas zu erschaffen, was nun als Einheit herüberkommt.

Im Gesang verträumt und knackig in der Präsentation. Wie ihr Support holten auch die Goblyns Bilder hervor, die von einer besseren, unkomplizierten Welt zeugen möchten. Wilde Träume einer neuen Generation, verheißungsvolles Utopia für die nächsten und rauschende Nächte für die, die sich darauf einliessen. 

Beindruckend in der Konsequenz, der ausgelebten Liebe zu den Versatzstücken aus einer verspielten Zeit. Wurzeln überall und Mosaiksteinchen, wo man sie finden möchte. 

Die Goblyns sind der relaxte Spaziergang durch einen Park in San Francisco, wenn man in der Filmkulisse der Sechziger umherwandert.

Externe Links:

Goblyns – https://goblynsband.com

Haphazard – https://www.instagram.com/haphazard.music/

Kohi – https://kohi.de

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Berlin ist weit entfernt. So ist es kein Wunder, dass der letzte Besuch schon über ein Jahrzehnt zurück liegt. Masha Qrella war zum zweiten Mal in Karlsruhe. 

Dieses mal im Kohi in kleiner Besetzung. Keyboard ( aber auch Gitarre), die Leadgitarre (Masha selbst) mit Vokals und selbst das Schlagzeug als Background und Chor. Im Gepäck hatte sie: Bezaubernde kleine Popperlen. Ausgeklügelt und in aller Schönheit glänzend. 

Unprätentiös und in alle Bescheidenheit, fast schon mit einer bewundernswerten Lässigkeit, dafür mit wenigen Worten zeigte Masha Qrella, wie man das macht. In den Details gekonnt, mit einer Schnörkellosigkeit, die die Songs in ihrer reinsten Form darboten, erreichte sie ihr Publikum. 

Für einen Donnerstag, fast noch unter der Woche, war das Kohi gut gefüllt. Aber all das hätte ohne Schwierigkeiten auch auf größeren Bühnen funktioniert. Dafür scheint es gemacht. Eingängige, kleine Melodien, die schnell und griffig zum Mitwippen und Tanz einluden. 

Im Sound dennoch größer präsentiert, als es für 3 MusikerInnen möglich war, aber daher auch nahe dran an der abgestimmten Produktion und dem neuesten Album. Mit ihrer aktuellen Platte „Songbook“ stellte Masha ein ausgereiftes Songwriting und ein gute Wahl in der Interpretation von Coverversionen vor. 

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Mit „I wanna dance with somebody“, einst eine Hymne von Whitney Houston, ging sie den mutigen Weg dieses Werk in ein einfühlsames Indie-Pop-Gewand zu kleiden. Mit ihren eigenen Songs spielte sie humorvoll und rhythmisch das Thema Tanzbarkeit an. Wechselte von Englisch zu Deutsch, und wieder zurück. Was dann auch betonte und zeigte, dass der internationale Vergleich nicht gescheut werden muss.

Gutes Pop-Handwerk, wenn es ernsthaft betrieben wird – die Songs gefeilt und mit Liebe gestaltet sind – macht live zwei mal soviel Spaß, wenn durch das Set und die Zusammenstellung die Begeisterung dafür aufs Publikum überspringt.

Masha Qrella gehen diesen Weg mit einer ungewöhnlichen Zurückhaltung, halten sich fern von Posen, zeigten sich aber vielseitig und versiert in der Wahl und dem Gebrauch ihrer Instrumente.

Überzeugend, mit einem sauberen Sound, dem richtigen Händchen für mögliche Hits und einer Stimme, die unaufdringlich aber klar und deutlich das Songwriting betont, konnte Masha einiges auf der Habenseite verbuchen. 

In Berlin müssen sich die Bands gegenseitig auf den Füßen stehen. Jedes Mal denkt man, wo kommt ihr her? Was habt ihr gemacht, dass man noch nicht von euch gehört hat? Man möchte ihnen die Provinz vorschlagen, die Rückkehr und ein Wiedersehen in kürzerer Zeit. 

Masha Qrella geben dem Pop in seiner schönsten Schreibweise eine Chance, halten die Flagge hoch und machen ihn clubtauglich. In aller Liebenswürdigkeit trotzdem rau und unabhängig.

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Externe Links:

Masha Qrella – http://mashaqrella.de/

KOHI – https://kohi.de

Fabian Willmann Trio im KOHI am 10.12.2025

Fabian Willmann Trio im KOHI am 10.12.2025

Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI
Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Das Setup war angenehm klassisch. In dieser Konstellation spielten Jazzgrößen. So wurde schon immer das geschaffen, was wir in Erinnerung behalten. Und genau da reihte sich das Fabian Willmann Trio ein.

Bestehend aus Fabian Willman am Saxophon, Arne Huber am Bass und Jeff Ballard an den Drums, bewegten sich sich schnörkellos und gradlinig durch die Nacht. Spielten genau jenen Jazz, der zum Nieselregen, den Autoscheinwerfern und einem Schwarzweßfilm von Woody Allen oder Jim Jarmusch passen würde. Der perfekte Soundtrack für die Straßen von New Orleans und der gewünschte Swing, um Jazz voll Spielfreude auf das zu reduzieren, was er mal war.

Mit gut gesetzten Solis, den richtigen Balladen und einem Gefühl für Breaks und Rhythmus gelang es ihnen, das KOHI in einen Jazzclub der frühen Jahre zu transformieren. Das Fabian Willmann Trio spielte dabei beflissen, detail- und variantenreich in der Modernen, zitiert gerne, aber verzichtet auf Gimmicks und blieb in der Instrumentierung geradezu puritanisch der Tradition verbunden. 

Spannend im Zusammenspiel, aber auch in der Auswahl ihrer Stücke, die fast alle selbstkomponiert und aus der Feder von Fabian Willmann stammten. Ein bündiges, transparentes Gesamtwerk, dass im langsamen wie schnellen Bereich die Möglichkeiten, die sich ihnen boten, zu nutzen wussten.

Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI
Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI


Das Fabian Willmann Trio sei all jenen ans Herz gelegt, die gerne dem Saxophon Raum geben, das Bass in all seiner Lässigkeit und Coolness vernehmen wollen und den Schlagzeuger lieben, der seine Drums mit Enthusiasmus, trocken und rührig durch die Melodien trägt. Mit einer hingerissenen Mimik, die alles noch viel fühlbarer macht.

Das Detailreichtum der einzelnen Stücke verlangt Aufmerksamkeit, aber der Groove, der kurz darauf folgt, den wippenden Kopf, die schnippenden Finger und heimliche Ausfallschritte. Das Fabian WIlmann Trio hat eine Herangehensweise und Flexibilität, die gleichermaßen sympathisch und poetisch wirkt. Die 

So locker wie es daher kam – geschlendert fast –  so lyrisch und anmutend konnte das Saxophon einen Part übernehmen, der in seiner Intensität und Klangfarbe den balladesken Stücken eine ganz eigene Melancholie einflößte.

Präsentiert sich das KOHI als Jazzclub, dann ist das immer auch ein starkes Stück Authentizität, das erlaubt Gruppen dieser Größenordnung, eine Bühne zu bieten, die sie so nahbar und erlebbar macht. Die Reduzierung – auf Bass, Saxophon und Drums – wird dadurch mehr als glaubwürdig. Denn, umrahmt von all den Plakaten, bekommt die Räumlichkeit eine Zeitlosigkeit, die dem Jazz, genossen auf schnell aufgestellten Bierbänken, nur gut tut. 

Das Fabian Willmann Trio wußte das zu nutzen. Sie überzeugten auf diesem Release-Konzert für ihr neues Album „Freedom“. Zum schnippen, zurücklehnen, an einem Mittwochabend, während draußen der kalte Regen über das Land zieht, einfach das Beste, was man machen konnte.

Externe Links:

Fabian Willmann Triohttps://fabianwillmann.com

Kohi https://kohi.de

Yasmo & die Klangkantine im KOHI, Karlsruhe am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine im KOHI, Karlsruhe am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025
Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025

Vielleicht muß man es einfach feststellen: Österreich ist doch ein bißchen anders. Yasmo & die Klangkantine haben das KOHI besucht. 

Die Band um der Sängerin und Poetry Slammerin Yasmin Hafedh stammt aus Wien. Also aus aus dem Herzen der Kaffehaus-Kultur und einer ganz eigenen Lässigkeit. So zeigte es sich wieder mal, wie eine regionale Variante dieser Musikrichtung eine Prägung erhält, die kunstvolle Lyrik österreichischer Gangart mit einem ausgesprochen satten Groove vermischt.

Die Klangkantine präsentierte sich damit als versierte, kraftvolle, aber vor allem relaxte Band. Ausgestattet mit Gitarre, Bass, Drums und Keyboard und Yasmins Sprechgesang, traten zwar nur fünf Mitglieder der bis zur neunköpfigen Band auf – daheim blieben die Bläser – , aber trotzdem vermittelten sie einen guten Eindruck von dem, was möglich war. 

Entschieden, fordernd, engagiert, und vor allem mit  schlagkräftigen Interpretation ihrer eigenen Texte schon über zehn Jahre auf den Bühnen, beherrschte Yasmin eine charmante Wortgewandheit. In kleinen Portionen eingebaut – und erklärt – war der Wiener Dialekt, jenes bunte Element einer liebenswerten Sprachfarbe, natürlich ein sympathischer Weg in die Herzen des Publikums. 

Aber es scheint den österreichischen Rap auszuzeichnen, dass die Musik handgemacht, zwischen Jazz, Soul und lockeren Disco-Reminiszenzen angesiedelt ist. Es bewegte sich auf leichten Füßen, forderte zum Tanz auf, ließ den Fuß wippen, der Cooleness ihren freien Lauf.

Yasmo und die Klangkantine haben eine Botschaft, eine Message und ein Ziel. Ganz klar für Gleichheit, auf jeden Fall gegen die Unterdrückung und immer für die Freiheit. Doch so entschieden ihre Sprache ist, so klar und deutlich ihre Worte gewählt sind, scheint es eine Tradition der gewählten, akzentuiert  und gut gesetzten Reime zu geben. Die österreichische Variante, so wirkt es,  ist ein Bemühen um Verständlichkeit und ein Weg in die Herzen und Beine.

Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025
Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine machten Lust auf mehr. Der Sound enthielt Versprechen, die die Abwesenheit der Bläser zwar verkraften liess, aber eine Vorstellung bot, wie fett es wohl klingen mag, wenn sie dabei sind.

Sie wagten  dabei den Kunstgrif,  einen sehr entspannten, aber dennoch vor allem aufbauend Abend zu bieten. Bewegte die Grenzen in den Köpfen. Erfreute die Seele. Aber blieb vor allem beschwingt. In den Ansagen, aber auch in den kurzem Ausflug, des reinen Vortrags – ohne musikalische Begleitung – auf den Punkt und die Stimme gebracht, konnte Yasmin mit dem Gesamtkonzept aus  natürlicher Überzeugungskraft, einer guten Modulation, verbindlichen Sprache, sowie klugen Punkten überzeugen.

Die Verbindung aus einer Band, die durchaus instrumental zur Größe gereicht, und in einem solchen Part die Wurzeln aufzeigte, mit eindrucksvollen Texten, die bühnenerprobt und dementsprechend geschliffen, dargeboten werden, sind ihr Vermögen und ihre Kunst. Und natürlich das, was den Abend ziemlich rund machte. 

Dürfen gerne bleiben. Wollten ja sowieso ins KOHI einziehen. Können sie machen. Hausband. Willkommen.

Externe Links:

Yasmo & die Klangkantinehttps://www.yasmo-klangkantine.com

KOHI https://Kohi.de