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Schlagwort: Grunge

Attic Ocean (Support: Lone Aires) im KOHI am 21.02.2026

Attic Ocean (Support: Lone Aires) im KOHI am 21.02.2026

Attic Ocean im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Attic Ocean im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026

Manche Kombinationen scheinen ungewöhnlich, aber funktionieren dann doch. Kuratiert vom KOHI ergeben sich dadurch spannende Events, die Bands zusammenführen, aber vor allem Spaß machen. 

Attic Ocean hatten das Vergnügen, den Abend mit Lone Aires zu verbringen. Einer Band, die aufgrund der räumlichen Nähe – sie kommen aus Mannheim – ein Name ist, dem wir wahrscheinlich in Zukunft häufiger begegnen. 

Mit einem kleinen Instrumentarium (Bass, Gitarre, Schlagzeug) ging es direkt und geradeaus in die Tiefen eines melancholischen Grunge-Fundaments, dass sie lustvoll und energisch zu kleinen Hymnen verarbeiteten.

Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026

Im Rhythmus beständig, in der Kraft entschlossen und mit der Bereitschaft, das Ding in aller Breite zu rocken, bewiesen sie ein Verständnis für die richtige Kompromisslosigkeit und die wichtigen Gesten. Lone Aires surften gekonnt durch die ruhigen Passagen, um in zorniger Zügellosigkeit der Spannung Raum zu geben. Das funktioniert beachtlich gut. 3 Mann auf der Bühne, von einem sonoren, heftigen Bass geleitet waren der Auftakt für die richtige Show, der gute Einleiter und ein Beginn, wie man es sich wünschen konnte. 

Lone Aires haben den Takt, und die dazu passende Performance, sowie eine Menge Verständnis für den richtigen Wall of Sound, den es dazu brauchte. Kernig durchgezogen, mit der Vehemenz einer Band, die will dass man sie in Erinnerung behält. Sehr gekonnt in dem Spiel zwischen Trotzigkeit und Entschlossenheit. Haben sie gut gemacht.

Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026

Attic Ocean haben ein Konzept, das gerne mit Dream Pop oder Shoegaze umschrieben wird, aber damit natürlich nur eine Idee vermittelt. Wahrscheinlich wird das keiner Band der Welt gerecht.  In ihrem voluminösen Gitarrensound, der gegeneinander, miteinander und übereinander gelegt seine Wucht entfaltet, verbergen sich Details, die zum Tanzen, aber auch verhaltenen Zuhören anregen.

In phantasievollen Outfit, umgeben von drei Gitarren und einem Schlagzeug, entwickelte die Sängerin Hanni Nasirat eine fast entgegen wirkende Stimmung, die den reizvollen Kontrapunkt zu dem kraftvollen Sound darstellte.

Anleihen und Zitate aus mannigfaltigen Richtungen – der psychodelischen und traumwandlerischen Lärmfraktion der letzten Jahrzehnte – wurden ergänzt und abgelöst, von sehr tanzbaren, fast leicht verspielten Akzenten, die sich vor allem bei der Vorstellung des neuen Materials zeigte.

Attic Ocean im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Attic Ocean im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026

Im Ansatz viel Bereitschaft zum Wohlklang. Dennoch unabhängig genug, um was ganz Eigenes durchzuziehen, zeigte sich Attic Ocean von eine Seite, die zwischen Traum und Realität eine laute, hörbare Sprache suchte.

Dabei war vor allem der Gesang eine Komponente, der im entsprechenden Harmonieverständnis einen Part erfüllte, der den Kompositionen erkennbare Rundungen und beeindruckende Nahbarkeit gab. 

Attic Ocean und Lone Aires ergänzten sich in ihrem Vermögen, eine Brücke zwischen Pathos, sentimentalen Tönen und wilder Party entstehen zu lassen, die das Programm für einen Samstagabend verflixt gut auszeichneten. Wie gesagt, hat funktioniert.

Nachtrag: Daënk/Twin Noir in der Stadtmitte (11.10.2025) – Eskorzo im Tollhaus (18.10.2025)

Nachtrag: Daënk/Twin Noir in der Stadtmitte (11.10.2025) – Eskorzo im Tollhaus (18.10.2025)

Daënk in der Stadtmitte Karlsruhe am 11.10.2025
Daënk in der Stadtmitte Karlsruhe am 11.10.2025

Eine kurze Einleitung, sehr privat und spontan, vorne weg: Hin und wieder klappt es nicht mit den selbst gestellten Aufgaben. Dann kommt eine Erkältung dazwischen, dann schleudert es mich kurz aus der Kurve. 

Ich hätte in solchen Fällen gerne  Material vorbereitet, würde eher etwas zwischen rein schieben, was schon vorhanden ist – aber so läuft es leider nicht. Was sich hier findet, das hat zwar eine Vorbereitung, aber liegt nicht auf Halde, sondern fließt immer direkt auf die Webseite. Daher nun zwei kurze Rezension von zurückliegenden Konzerten, die leider etwas zu spät einfließen. Sorry.

Daënk spielte am 11.10.2025 in der Karlsruher Stadtmitte in einem Doppelkonzert mit der Berliner Gruppe Twin Noir. Begleitet dieses Mal von einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, sowie dem Produzenten am Notebook für die restlichen Instrumente und Effekte  Damit präsentierte er sich merklich kraftvoller und schweißtreibender. Die Energie, die seine Begleiter vermittelten, wirkte sich bei diesem Clubauftritt sichtbar auf die Performance und den Vortrag aus.

Seine tiefe Stimme, wie geschaffen für die Dramatik eines guten Rocksongs, ergänzte das Gitarrenspiel und die Drums, in einer Weise, die heraus kristallisierte wo der Sound herkommt und wo er hingehen wird. 

Daënk präsentierte mit seinem deutschsprachigen Rock eine Schnittstelle zum Verständnis für den Chanson und die Dinge, die ihn bewegten, sowie der Intensität seiner Wurzeln im Grunge. Aussagen, die in dieser Form , verletzlicher, näher, aber auch wirkungsvoller rüberkamen. 

Es war spür- und sichtbar, dass die Stücke für die Bühne gemacht sind, in ihrer Wucht ihr Publikum fanden und im Aufbau und Struktur immer eine Steigerung im Zusammenspiel finden.

Die Bühne der Stadtmitte, oft genug der härteren Gangart verpflichtet, war damit der richtige Ort für die Präsentation seines neuen Albums. 

Twin Noir in der Stadtmitte Karlsruhe am 11.10.2025
Twin Noir in der Stadtmitte Karlsruhe am 11.10.2025

Danach Twin Noir. Schwarz verpflichtet, zwei Gitarren mit einer Handvoll Effekte, reduzierten die Beiden aus Berlin den Sound auf ein gerades, klares Konzept, das sie entschlossen voran trieben. 

Twin Noir zitieren dabei die frühen Jahre des Punks, deren Kompromisslosigkeit und einfachen Struktur, aber auch die Tanzbarkeit des New Wave und der Neuen Deutschen Welle. Sie erhalten sich ihren Humor, schieben das Ding voran, mit einem satten, geraden Sound, möglichst laut, um jeden mitzunehmen. 

Das macht Spaß, das reißt das Publikum mit, das ist rotzig und vom Selbstverständnis ehrlich und arrogant genug, um eine Linie zu sein, die nicht kalt lässt. Sie sind dabei eine jener Bands, die mit großer Kenntnis zitieren, aber einen eigenen Stil daraus entwickeln, der irgendwo zwischen Retro und Zukunft angesiedelt den wilden Gitarrensound der Garagenpunks weiterentwickelt.  Das ist voll Glimmer, Selbstironie und grandioser Entschlossenheit. Da gibt es nichts dagegen zu sagen, das nimmt man erstaunt mit, das gefällt und will man wieder sehen.

Eskorzo im Tollhaus am 18.10.2025
Eskorzo im Tollhaus am 18.10.2025

Aus einer ganz anderen Ecke und auch in einem anderen Umfeld angesiedelt und auf die Bühne gebracht ist Eskorzo. Ich hatte schon mal enthusiastisch über sie berichtet, und das dürfte nun ein Jahr her sein. Dem etwas an zu schließen fällt fast schwer. Eskorzo spielten gewohnheitsmäßig im Tollhaus. 

Dabei fuhren sie wiedermal eine wilde Mischung aus Ska, lateinamerikanischen Sounds, sowie gut platzierte Anteile aus dem Rock auf, aber auch aus sonst allem, was zwischen Brass und Gitarre möglich ist.

Eskorzo, das ist ein Schlagzeug, ein Percussionist, zwei Bläser, ein Gitarrenspieler, einmal Bass und ein Sänger. Die kleine Bühne im Tollhaus war damit voll. Ganz abgesehen davon, das Eskorzo quasi immer in Bewegung sind. Sie rennen, sie tanzen, sie haben ihre eigene Choreographie, sie springen ins Publkum – kurz, die Show ist energiegeladen, packend, wild und nimmt alle ab der ersten Minute mit. Das ist die Regel, das ist das Muss. So geht das aus.

Allen voran ein Sänger, bärtig, bunt und entschlossen, der es immer wieder schaffte, die Menge vor der Bühne aufzufordern. Er sang, er sprach, er rief, er brummte und tappte,  er flirtete – während die restliche Band, die Seiten wechselte, auf der Bühne hin- und hersprang, so dass es keine ruhige Minute gab. Eskorzo nehmen traditionell die Bühne im Sturm und lassen sie nicht mehr los. Das ist und war das Programm, das war schon im letzten Jahr so, darauf freuen wir uns auch im nächsten Jahr. Wer ein Herz für das Sammelsurium lateinamerikanischer Stile hat, mit allem, was diese Bewegung mitbringt, der wird in Mestizo verliebt sein. Eskorzo gehören zu den lebhaftesten und anregendsten Vertretern des Genres. Lohnt sich.

Jazznrhythms Podcast Nr.02 vom 09.10.2025 mit DAËNK

Jazznrhythms Podcast Nr.02 vom 09.10.2025 mit DAËNK

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Daenk - Cover des kommenden Albums "Alles hat einen Sinn" (September 2025)
Daenk – Cover des kommenden Albums „Alles hat einen Sinn“ (September 2025)

Vor einigen Wochen trat Daënk in den Räumen von Dixigas-Records auf, stellte sein neues Album vor und die Zeit ist also genau die richtige, sich näher mit ihm und dem Projekt zu beschäftigen. In der Stadtmitte Karlsruhe wird ein weiterer Auftritt am Samstag, dem 11.10.20025 folgen. Also eine gute Möglichkeit ihn live (mit Band zu erleben). Wie es zu der Platte kam, was ihn dazu bewegte, aber auch, wie der Name zustande kam und warum er deutsch singt, erfahrt ihr im Podcast.

Daënk bei Dixigas-Records am 23.09.2025 (Release-Konzert)

Daënk bei Dixigas-Records am 23.09.2025 (Release-Konzert)

Daënk bei Dixigas-Records in Karlsruhe am 23.09.2025
Daënk bei Dixigas-Records in Karlsruhe am 23.09.2025

Jahre später will jeder dabei gewesen sein. Alle erzählen dann davon, und die meisten kennen Details. So ist das mit Releasekonzerten. Das ist schon ein wichtiger Grund tatsächlich dabei gewesen zu sein. 

Daënk stellte in den Räumen von Dixigas Records sein neues Album „Alles hat einen Sinn“ in kleinem Kreis vor. Dixigas Records präsentieren in unregelmäßigen Abständen für freien Eintritt bzw. sogenannten Hut-Konzerten regionale KünstlerInnen, die ihre neuen Veröffentlichungen feiern möchten. Einladungen erfolgen dabei meist über die sozialen Medien, also Instagram, Threads, Facebook und ähnlichen Plattformen. 

Die Chance nutzte Daënk . (Nebenbei: Das verflixte ë erreicht man beim Mac übrigens über Option+U und danach einfach e klicken. Beim Iphone/Ipad lange genug auf dem e mit dem Finger bleiben, dann gibt es eine Auswahl. Bei Windows ist es Alt+0235 (Alt + 137). Wer in Zukunft so tun will, als wäre er oder sie dabeigewesen: Damit schreibt sich das richtig.)

Ursprünglich aus der Liedermacherszene, also mit Stimme und akustischer Gitarre unterwegs, ist der Sound nun kräftiger, voluminöser und stark geprägt von der Band, die ihn live unterstützt. Aufgrund der Platzsituation kam bei diesem Auftritt nur Notebook zum Einsatz, allein Daënk repräsentierte den kraftvollen Sound. Während sein Produzent, gleich einem emsigen DJ,  die instrumentale Begleitung ausbreitete. 

Ungewöhnlich und ausgesprochen kraftvoll setzt er dabei die deutsche Sprache ein. In der Orientierung an dem Rocksound der 90 angelehnt, mit aktuellen Verweisen und entsprechenden Spuren, nutzt er die intensiven Möglichkeiten, die ihm seine Stimme bietet. Das kommt schmeichelnd, und dann wieder wuchtig, das kommt fett und gesteigert mit der richtigen Einstellung. 

Release-Konzerte sind Überzeungsarbeit. Auf beengtem Raum, zwischen Plattenkisten, und einer durchaus beeindruckenden Lightshow blieb nicht soviel Platz für eine Live-Performance, doch eine Ahnung davon, wie Daënk die Bühne ausnutzt, wenn er demnächst in der Stadtmitte (am 11.10.2025) auftreten wird. 

Das alles im Rahmen der Veröffentlichung des neuen Albums, das in der Vinylversion auch bei DIxigas-Records zu erhalten sein wird. Allein die Tatsache, dass seine Texte komplett in Deutsch eine Melange aus Chanson und Rock-Akkorden bilden, gebührt Anerkennung. Geht er doch den mutigen Weg nicht nur die tragischen Momente, und Zeiten der Melancholie zu besingen, sondern auch die Liebe, die Möglichkeit dieser wieder zu begegnen und die Freundschaften zum Thema zu machen. Etwas, was die Bandbreite der Optionen ausnutzt und nicht nur wohlwollend, sondern lobend zur Kenntnis genommen wird. 

Daënk hat damit den Mut bewiesen, sich mit voller Stimme und Ausdruck in ein Feld zu begeben, dass ihn zu einem Act macht, den ihr nicht all zu oft verpassen solltet. Gebt dem Mann die Bühne, die er braucht.