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Schlagwort: Jazz

Das North Sea Jazz Fesival Teil 3

Das North Sea Jazz Fesival Teil 3

Nubya Garcia auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Hier geht es zum Teil 1 & 2:

Im Dritten Teil geht es nun um die herausstechenden Konzerte auf dem North Sea Jazz Festival 2025. Tatsächlich ist das Festival nun schon seit einem  Monat vorbei. Zeit genug also, die mitgebrachten Platten und die Fotos zu betrachten. Die in großer Menge  vorliegen.

Da auf dem Festival bis zu 16 Konzerte gleichzeitig stattfinden, ist es nahezu unmöglich, alles zu sehen, zu erleben und mitzubekommen. In der Regel versucht man die Acts, die einem neu, interessant oder wichtig erscheinen im Vorfeld zu planen. Sowohl die Homepage, wie auch die Handzettel, die am Eingang gereicht werden, leisten hierbei Hilfestellung.

Ich werde daher nur die wichtigsten und beeindruckendsten Konzert in dürren Worten beschreiben. Man mag mir das verzeihen. Hin und wieder, bei der Besprechung einer Platte, kann dann noch mal die eine oder andere Anekdote einfliessen.

Fangen wir an mit

Nubya Garcia

Nubya Garcia auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Nubya Garcia -Tenor Saxophon 

Jan Buizer, Mirelys Morgan – Violine 

George Dumitriu – Viola

Chieko Donker Duivis – Cello

Lyle Barton – Keyboards

Max Luther – Doublebass

Sam Jones – Schlagzeug

Nubya Garcia gehört zu den aktuell herausragenden Saxophonistinnen im Jazz. Auch auf dem North-Sea-Jazz-Festival war vor allem zu erkennen, wie offen sie mit den Formen und Einflüssen des Jazz umgeht. Sie zeigt sich überrascht, von der sehr positiven Resonanz und Größe des Publikums. Doch angesichts, der charmanten und sympathischen Art, die sehr offen mit dem Thema Erfolg umging, war das kein Wunder. Nubya Garcia ist ohne Frage ein aufstrebendes Talent, von dem man durchaus sagen kann, dass sie die Anerkennung der Szene schon hat. Ihr Name wird fortan zu den Großen gehören.

Aja Monet

Aja Monet auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Aja Monet – Vocals

Marcus Strickland – Saxophone 

Brian Hargrove – Keyboards

Micah Collier – Bass 

Zach Morrow – Schlagzeug

Die Kunst der Aja Monet ist die Verbindung von Poesie mit Jazz. Ihre Lyrik gilt in dieser Kombination als wegweisend. Sie sieht sich in der Tradition der großen BeatkünstlerInnen, die ihre Vorträge als Life-Happings gestalteten. Die Verbindung mit Musik war zu jener Zeit nicht untypisch. Hatte heute etwas an Bedeutung verloren, aber Aja Monet greift diese vergangene Tradition wieder auf. Das ist wichtig und gut und sehr eindrucksvoll, aber auch etwas spröde, ernsthaft und nicht immer die leichteste Kost. Trotzdem und vielleicht gerade deshalb etwas, das man gerne mal erlebt haben sollte.

Terri Lyne Carrington – We insist 2025!

Christie Dashiell – vocals

Milena Casado – Trompete 

Matthew Stevens – Gitarre

Morgan Guerin – Bass, Saxophone

Terri Lyne Carrington – Schlagzeug

Terry Lyne Carrington ist eine renommierte, experimentierfreudig Jazz-Schlagzeugerin, über die es nicht viel zu sagen gibt, außer das man am Schlagzeug immer den Mut und die Freude habe muss, auch anderen Künstlern eine Plattform zu bieten. Sie tat und tut das. „We insist 2025“ ist ein Konzept, und vor allem eine politische Botschaft, die Terry Lyne Carrington zusammen mit einer Tänzerin zu einem Bühnenprogramm macht, das Jazz mit Protest und weiteren Kunstformen vermengt. „We insist!“ Ist dabei im Grunde eine Aufnahme von Max Roach, ihrem Mentor, aus dem Jahr 1960 im Rahmen der damaligen Protestbewegung, die sie wieder aufgriff, erneuerte und erweiterte. Allein das Vertrauen das Thema wieder aufzunehmen, aber auch darauf aufmerksam zu machen, gebührt Achtung und Respekt.

Norah Jones

Über Norah Jones etwas zu erzählen – das ist lediglich eine Ergänzung zu all den Anekdoten, die es schon gibt. Norah Jones hat jede Anerkennung im Jazz gewonnen, die sie verdient hat, und die möglich ist. Ihre Duette sind legendär. Ihre Hits ebenso. Im Grunde gibt es nichts, was sie falsch machen kann, und das Wagnis, sich nicht auf diese Lorbeeren zurückziehen, sondern auf dem North Sea Jazz Festival vor allem Material aus dem neuen Album zu spielen, war mutig, aber auch richtig. Norah Jones am Piano, weitgehend  solo ist ein eine verlässliche Größe und die Entscheidung, dieses Festival für die Vorstellung neuer Songs zu nutzen, war die Richtige. Sie beherrscht das Handwerk, und es bleibt zu sagen, dass nichts enttäuscht, alles aneinander anknüpft und damit einfach funktionierte.

Dora Morelenbaum

Dora Morelenbaum auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Brasilianische Sängerin

Dora Morelenbaum – Vocals, Gitarre, Keyboard

Guilherme Lirio – Gitarre

Guto Wirti – Bass

Daniel Conceição – Schlagzeug

Dora Morelenbaum ist eine brasilianische Sängerin, die einer bekannten Musikerfamilie entstammt. Wer der Geschichte der Musica Populäre Brasileira, aber auch des Bossa Novas kennt, dem ist der Name Morelbaum durchaus geläufig. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Als Tochter der Sängerin Paula Morelbaum und des Musikproduzenten und Cellisten Jacques Morelbaum, wuchs sie in einem musikalischen Haushalt auf. Somit scheint es nur naheliegend, dass auch die Tochter sich der Musik widmet. Auf der kleinen Außenbühne, die vorbehalten ist für junge, aufstrebende Talente präsentierte sie ihr Erstlingswerk und wußte zu überzeugen. Dora Morelbaum wirkte professionell, erstaunlich gereift und transportierte die Geschichte der Morenlbaums mit eigenen Werken in die Neuzeit. Frischer, und ungestümer, aber kenntnisreich. Überzeugte so, dass die Platte nun im Regal steht. Aber ich erwarte noch mehr von ihr. Und das wird kommen.

Thee Sacred Souls

Thee Sacred Fouls auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Soulgruppe

Josh Lane – Vocals

Sal Samano – Bass

Alex Garcia- Schlagzeug

Thee Sacred Souls wirbeln einen zurück in die große Zeit des Fouls. Mit ihnen wachen die Sechziger und frühen Siebziger wieder auf. Die Show, das Design, der Ausdruck, der Sound sowieso, alles war abgestimmt auf eine Zeit, die die wenigsten von uns erlebt haben, aber die meisten von uns ersehnen. Immerhin fallen einem alle großen Namen ein, wenn man sie hört, und dann schwelgt man. Alles eigenständig, keine Cover, und dennoch eine der authentischen Zeitreisen, die man machen kann. Sie befinden sich bei dem Label, bei dem schon Charles Bradley und Sharon Jones groß wurden, und damit in der richtigen Gesellschaft, um die Fackel und das Erbe weiter zu tragen. Das hat sein Reiz und es war schön sie zu erleben. Man will es ja nicht glauben, wenn man es auf dem Vinyl hört. Aber sie können das, ganz zweifellos und unbedingt.

Ohma Lay

Ohma Lay auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Über Ohma Lay gibt es nicht soviel zu sagen. Nur eine Handvoll Worte. Afrobeat ist in Deutschland nur eine exotische Randerscheinung, die von Hand zu Hand weiter gereicht wird. Die Wissenden können eine Palette Namen aufzählen und hin und wieder verirrt sich einer davon in unsere Gefilde. Die Niederlande feiern sowas jedoch in der größten Halle unter Jubel und singen mit. Ohma Lay, denn ich zu meiner Schande nicht kannte, sorry, räumte auf und ab. Das war eine geradezu sakrale, wilde Show mit vielen Elementen, vollkommen unsichtbaren Musikern und ungenannten Sängerinnen, aber eine Party auf dem Floor. Und von daher: Der Mann hat das schon drauf. Das kann man lassen. Und er hatte Hits, die ich wenigstens mal gehört hatte, aber irgendwie in der Gänze verpasste. Hier , im Mas vom Ahoy, war das fetter, feinster, frecher Afrobeat von der besten Sorte.

Samara Joy

Samara Joy – Vocals 

Kendric McCallister – Tenor Saxophon

Jason Charos – Trompete

Donavan Austin – Trombone

Connor Rohrer – Piano

Paul Justin Sikivie – Bass

Evan Sherman -Schlagzeug 

Was soll man über Samara Joy noch sagen? Die Frau hat einen Berg Alben herausgebracht, die beweisen, dass sie im Vocal Jazz die wahrscheinlich angesagteste Interpretin der Klassiker ist. Und das in einer Bescheidenheit und Freundlichkeit, die staunen macht. Samara Joy ist die Höflichkeit und Zurückhaltung mit einer gleichzeitigen Größe und dem Können, dass sie in einer Reihe mit ihre Vorbilder stellt. Pefektion und alles was dazu gehört. Keine Ahnung, wie ich das noch ausdrücken kann. Ich hatte sie ein paar Tage zuvor im Tollhaus, Karlsruhe verpasst. Wird mir nicht mehr passieren.

Béla Fleck/Edmar Castaneda/Antonio Sanchez

Bela Fleck, Edmar Castaneda und Antonio Sanchez auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Béla Fleck – Banjo

Edmar Castaneda – Harfe

Antonio Sanchez – Schlagzeug

Wenn man von dem weltbesten Banjospieler spricht, dann fällt der Name Bela Fleck. Und das nicht zu Unrecht. Bela Fleck gilt als bescheiden, und zurückhaltend. Daher beweist er seine Fähigkeiten eher damit, dass er immer wieder neue Kooperationen und Sessions mit ganz anderen Musikern wagt. Das Konzert im North Sea Jazz Festival zeigt einmal mehr, welche Möglichkeiten das Banjo bietet, wenn es Bela Fleck spielt. Ursprünglich im Bluegrass beheimatet, schreckt er nicht davor zurück, auch Jazz- und Klassikstücke einzuspielen. In der Kombination mit Edmar Castaneda an der Harfe und Antonio Sanchez am Schlagzeug zeigten die drei Musiker, was möglich ist, wenn man die bekannten Pfade verlässt. Auch Edmar Castaneda ging dabei mit der Harfe weiter als man vermutet hätte. Ein ungewöhnliches, faszinierendes Konzert.

Amsterdam Funk Orchestra 

Amsterdam Funk Orchestra auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Lilian Vieira – Vocal 

Babette Jane, Matthijs Klinkert  – Alt-Saxophon 

Efraïm Trujillo – Saxophone 

Jiri Rutten, Pablo de Haas – Tenor- Saxophone 

Annette Greeuw de – Baritone-Saxophone 

Coen Hamelink, Leia Lin, Leo Alleman, Luc Stakenborg  – Trompete

Lucas Figueiredo Santana – Leitung, Flöte 

Arjan van Zuuk, Ody Delis, Ron van Twuijver, Siûrd Bartstra – Trombone 

Ivo Meijer – Gitarre

Jina Sumedi – Keyboards 

Corné Los – Bass  

Lucas Roorda – Schlagzeug 

Bart Dijkstra, Mohan Chandie Shaw – Percussion

Das Amsterdam Funk Orchestra ist sowas wie ein Hoffnungsträger. Bei lokalen Acts, die aus den Niederlanden stammen, hat das North Sea Jazz Festival ein gutes Händchen und versucht das internationale Niveau zu halten. Insofern darf man neugierig sein, und sollte es nicht unterschätzen, denn wer dort auftritt, hat es verdient. Das Amsterdam Funk Orchestra kam dabei in großer Stärke auf die kleine Frei-Bühne und füllte sie, sowohl vom Sound, wie auch von der Anzahl ihrer Musiker vollkommen aus. Da ihr aktuelles Album stark vom brasilianischen Sound beeinflusst ist, stand dieser – mit allen afrikanischen Einflüssen – im Vordergrund. Und was die Musiker dabei ablieferten, konnte sich sehen und hören lassen. Fette, satte Sounds, funkige Grooves, knackige Beats und die passende Gesangsleistung von Lilian Viera. Das Amsterdam Funk Orchestra war eher eine zufällige Entdeckung. Ich hatte sie nicht auf dem Schirm, da sie mir bisher unbekannt waren. Sind sie nun nicht mehr.  Gute Leute. Tolles Konzert. Darf man nicht übersehen.

Roberto Fonseca im Tollhaus, Karlsruhe am 06.08.2025

Roberto Fonseca im Tollhaus, Karlsruhe am 06.08.2025

Roberto Fonseca im Tollhaus am 06.08.2025
Roberto Fonseca im Tollhaus am 06.08.2025

Kubanischer Flair ist angesagt, wenn Roberto Fonseca auftaucht. Bewandert im Jazz, virtuose am Klavier, begeisterte er sein Publikum im Tollhaus. Alles gespickt mit Reminiszenzen an den berühmten Buena Vista Social Club. Umgeben von einer Begleitband, deren Mitglieder auch als Solisten glänzten, konnte Roberto Fonseca am Klavier seine Liebe zu den Klassikern genauso zeigen, wie seine Leidenschaft für Mambo, Salsa und der afro-kubanischen Musik überhaupt. 

Schlagzeug und Percussion, sowie ein Stehbass, boten neben dem Bläsern (Bariton-,Tenorsaxophon und Trompete) ein solides und stabiles Fundament für die Vorstellung seines aktuellen Projektes und ein durchtanztes Konzert. Bekannte Melodien mischten sich unter seine neuen Kompositionen. So klang, in einem lateinamerikanischen Kleid, plötzlich der Refrain von Hey Jude auf, riss das Publikum mit, begeisterte zum Mitsingen und leitete über in verwegene Rhythmen. 

Jeder Musiker konnte mit einem ausschweifenden Solo überzeugen, und jedes Solo ging wiederum über eine gut choreographierte und eingespielte Rhythmik über, die die Band wieder aufnahm. Roberto Fonseca konnte als Entertainer überzeugen. Charmant kündigte er den nächsten speziellen Song an, der dieses mal aber wirklich – wie schon zuvor – speziell war, weil eine Hommage an einen berühmten Kollegen aus Kuba oder Oscar Peterson oder gar Glenn Gould war. Er verwies gerne auf seine großen Vorbilder, um dann mit Begeisterung und ständiger Freude an der Improvisation und dem Spiel mit Umwegen zur Melodie wieder zurück zu kehren in den Hafen seiner Kompositionen. 

Kuba hat ein reiches musikalisches Erbe, und eine wilde Geschichte, die ihre Einflüsse in der Musik geltend macht. Roberto Fonseca hat die Gabe all das in seinem Spiel zu vereinen. Der Jazz ist ihm so nahe, wie die Tradition der Tänze, so daß das eine nicht ohne das andere auskommen mag. Und unmerklich schlechte sich dann immer eine verzwickte Reise in Verwandtes und Bekanntes ein.

Roberto Fonseca im Tollhaus am 06.08.2025
Roberto Fonseca im Tollhaus am 06.08.2025

Alles funky genug, um immer wieder tanz- und nahbar zu sein. Selbst als man nur an einem Tisch saß, für einen kurzen Moment, die Atmosphäre einer Bar und eines späten Abends aufkam, wirkte die Truppe diszipliniert. In ihrer erstaunlichen Gelassenheit und sichtbaren Freude, so eingespielt und abgestimmt, das die Percussionenelemente saßen, die Trompete und das Saxophon die Grundlage für eine wiegende Melancholie bot und es immer nur ein kurzer Schritt zur Ausgelassenheit war. Sie konnten das alles mit einer Leichtigkeit, die ich schon einmal im letzten Jahr in Rotterdam auf dem North Sea Jazz-Festival bewundern konnte. 

Roberto Fonseca gehört seit dem zum Pflichtprogramm, und den aktuell wichtigsten Vertretern und Erneuerern der kubanischen Tradition. Die Verschmelzung mit den afro-amerikanischen Wurzeln trägt zur Authentizität, aber auch zur Kunstfertigkeit bei. So kann das gerne noch weiter gehen. Und das wird es. Mit Sicherheit.

IRMA – Neue Veröffentlichungen 07/08.2025 (Teil 3)

IRMA – Neue Veröffentlichungen 07/08.2025 (Teil 3)

Irma Records Releases 07-08.2025
Irma Records Releases 07-08.2025

Ein paar Sachen sind noch in der Pipeline. Das rührige Label IRMA war in den letzen Wochen sehr aktiv. Ich jedoch weniger. Es gibt also einiges nachzuholen:

Vitolino Bellisario – Waiting for the Weekend. Funky, schleifender Disco-Beat mit der nostalgischen Sirene im Background. Schwerer Stampfer für den Tanzboden. Dort wo er noch festgetreten werden muss. Das ist der Spaß am nostalgischen Sound, der Monotonie und dem fettesten Beat. Kickt den Sommer mühelos, braucht aber eine Bar.

Kid Mark – Soul of House  – Muss man Zeit lassen, schöne Soul-House-Nummer, klassischer Machart. Feine Stimme, wie man sie aus den geradlinigen Neunziger kennt – als die Rege-nl noch klar und unkompliziert waren. Für den richtigen Raum eine Zeitreise.

J.Soul – Like Me – Ruhig, angefunkte Nummer. Für beschwingtes Cruisen. Hübsch eingespielt, als wäre es Teil eines Albums einer vergessenen Popkönigin. Soulpop mit dem Discofeeling – das zum Rollschuhlaufen einlädt.

Groove on Commission – When the Time is right. Instrumentales, dichtes Werk, das soviel verschlepptes Drum- und Orgelmaterial in sich trägt, dass es für die Disco zu gewagt, aber für den Acid-Jazz-Laden genau das richtige Futter darstellt. Macht enorm neugierig, was die Jungs noch so machen. Das ist verwickelt konstruiert über einem treibenden Beat, der alles hat, vor allem seine Berechtigung. Viele Zitate aus der richtigen Zeit, als der Jazz die Clubs stürmte. Mag ich sehr. Führen sie konsequent und verspielt in allen Nummern der EP fort.

Grindalf – Code. Ganz dem künstlichen Sound verschrieben. Tönesammler und -Tester, die vor nichts zurückschrecken, und die Floors anzünden wollen. Treibendes Material, sehr elektronisch. Flirrend und vielschichtig. Bummert und sucht den Climax. Reizt die Autoboxen aus, und gehört in die schnellen Clubs.

Garcia & Belladonna – Alternative Muffin. Raggastyle. Der Toaster hetzt dadurch, der Rhythmus hat eine schnelle Reise aus Jamaica hinter sich. Dazu ein Tüpfelchen Acid Jazz, die Orgel, die vor nichts zurück schreckt, das Piano mit authentischen Geklimper einer Danceparty. In der Mischung drängt sich der Kram mal kräftig in die Gehörgänge. Klingt, als wäre die Nacht schon am höchsten Punkt, alle schon im Pool und der Rest will noch Tanzen. Hübsche Swingnummer, trotz der ganzen Zutaten. Die Bandbreite reicht aber bis rüber zur Cocktail-Bar. Hübsches Verständnis einer lauen Nacht.

Filippo Perbellini & Ken@Work – Papa was a rollin’ stone. Die Kunst besteht natürlich darin, der Nummer, die wir alle kenne, nochmal etwas Power zu vermitteln. Also etwas schneller, die Geigen fetzen etwas mehr, die Gitarren eine Prise funkiger, und den Chorgesang kräftiger. Aber immer noch so nahe am Original, dass es niemanden erschrickt. Darf man das? Klar. Muss man das? Wenn es funktioniert, aber immer. Satte Bläser, und vor allem – mehr von allem. Klingt so sauber, und straight, als wäre der Remix nötig gewesen. Kann sich mit der historischen Nummer von „Was not was“ durchaus messen, und das will ja auch was heißen.

Danny Losito & Visnadi – Melody. Beginnt fast ein wenig zu zurückhaltend. Scheint nicht zu greifen, um dann – aber dann – dick aufgetragen, die Streicher nur noch als Tragfläche für einen Beat so fest und breit wie Pudding zu nutzen. Kommt und geht wie eine Welle, immer dann, wenn mit nichts böses ansonsten gerechnet wird.

Melody, Alter, die haben Humor. Immer waten, immer eine komplette Mauer errichten. Immer Dampf im Stampf.

Banda Brasileira – Goodbye Stranger. Das sich jemand mal an eine Nummer von Supertramp ranwagt, diese mit einem Samba-Rhythmus unterlegt und damit zu einem Stück Club-Kultur macht, hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Kann man anhören, auch wenn das nicht wirklich nötig gewesen wäre, aber so richtig schlimm ist es nicht. Denn irgendwie funktioniert es sogar. Lustig.

Mehr von Irma Records: (Externer Link)https://www.irmagroup.com/irmarecords/?lang=en

North Sea Jazz Festival, Rotterdam,  11-13 Juli 2025 (Teil 2)

North Sea Jazz Festival, Rotterdam,  11-13 Juli 2025 (Teil 2)

Dora Morelenbaum auf der Bühne des Mississipi auf dem North Sea Jazz Festival 2025

Teil 1. des Berichtes findet sich hier: https://jazznrhythm.com/north-sea-jazz-festival-rotterdam-11-13-juli-2025-teil1

Das North Sea Jazz Festival in Rotterdam ist auf dem Messegelände auf dem Ahoy angesiedelt. Beim Ahoy handelt es sich um einen Hallenkomplex, der sowohl für Konzerte, wie auch für Kongresse und Fachmessen geeignet ist. Während der Coronazeit waren hier die Impfzentren untergebracht, aber auch Betten um Erkrankte zu isolieren. In diesen Jahren fiel das North Sea Jazz Festival aus. 

North Sea Jazz Festival - Ahoy Rotterdam Im Jahr 2018
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam Im Jahr 2018

Ursprünglich, so die Legende, fand das North Sea Jazz Festival nicht in Rotterdam, sondern im nahegelegenen Den Haag statt. Irgendwann wurde der Andrang und die Namen zu groß, so dass sich das Festival schließlich in Rotterdam ansiedelte.

Das North Sea Jazz Festival hat sich im Laufe der Jahre als Veranstaltungsreihe etabliert, so dass auch außerhalb der regulären Festivaltage im Juli, weitere Konzerte unter diesem Label stattfinden. Abgesehen davon gibt es seit einigen Jahren ein zusätzliches Festival unter diesem Namen, dass in Curacao residiert und mit einer ähnlichen Besetzung auftrumpfen kann. Das North Sea Jazz Festival hat sich zu einer erfolgreichen Marke entwickelt. Einige der legendären Aufnahmen, die im Rahmen der Tage entstanden, finden sich heute auf Platte, auf CD oder online. Spektakulär sind z.B. die Konzerte mit dem Metropol Orkestra, die sich oft in ihrer gesamten Länge auf YouTube finden. 

North Sea Jazz Festival - Ahoy Rotterdam
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam

Es handelt sich hierbei um sehr exklusive Aufnahmen von Konzerte, die in dieser Form nur hier stattfinden. Das Metropol Orkester studiert dafür mit einigen der größten Stars der Szene großartige Orchesteraufnahmen ein, die nur ein, maximal zweimal aufgeführt werden. Berühmte Namen in diesem Zusammenhang waren Jonathan Jeremiah, Laura Mvula, Joe Bonamassa und zuletzt, 2025, Jacob Collier. Die Chance mit diesem Orchester zu spielen, gehört nicht nur zu einem der Highlights, sondern auch wahrscheinlich zu einem der größten Lockmittel des Festivals.

Das Festival selbst übt über den Zeitraum der drei Tage einen prägenden Einfluss auf ganz Rotterdam aus. Die Stadt ist gefragt, und bietet mit „Jazz around the town“ eine kostenlose Reihe an, die sich über verschiedne Stationen im gesamten Innenbereich der City erstreckt. Überall spielen Bands auf öffentlichen Plätzen, auf Bahnhöfen, vor Restaurants, in Metro-Stationen, auf Straßen, Fußgängerzonen, in Kneipen und vielen anderen Orten.  Dabei handelt es sich in der Regel um regionale und lokale Bands aus den Niederlanden, die allerdings von einem erstaunlichen Niveau und einer ausgereiften Spielweise zeugen. 

North Sea Jazz Festival - Ahoy Rotterdam
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam

Der Genremix geht dabei weit über Jazz hinaus. Mittlerweile hat das North Sea Jazz Festival ein großes Herz für Weltmusik, Soul, Hip-Hop, ja selbst Electronica gefunden. Also ist auch im Umfeld viel tanzbares, alte Klassiker der Motown – und Philly-Ära und vieles mehr anzutreffen. Ähnlich wie das Festival in Montreux ist, wenn man es von der Position der Jazz-MusikerInnen sieht, die Welt groß und breit und bereit für Crossovers. 

Das North Sea Jazz Festival hat sich hier immer bereit für Neurungen, Avantgarde und unabhängige Künstler gezeigt. Es war fast selbstverständlich, dass auf eine der teilweise bis zu 16 Bühnen mindestens eine (das Darling) neuen Künstlerinnen gewidmet war. Hier traten Namen auf, die gerade im Sprung waren, vielleicht einen Hit hatten – diesen aber eher in Instagram oder TikTok – oder sonstwie im Visier auftauchten.

North Sea Jazz Festival - Ahoy Rotterdam
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam

Das North Sea Jazz Festival bietet innerhalb des Hallenkomplexes eine Reihe ganz unterschiedlicher Bühnen. Zum einen gibt es das Maas, mit einem mehrstöckigen über mehrere Emporen verteilter Publikumsbereich, zum anderen das Nile. Bei beiden Bühnen handelt es sich um die Hauptveranstaltungsorte, die für die größten Acts ausgemacht sind.

Missippi dagegen ist eine Außenbühne. Hier finden sich oft Weltmusiker, also Gäste aus Lateinamerika oder solche, die eine Richtung vertreten, die zwar schwungvoll, jedoch nicht ganz so populär ist. Jon Batiste hatte hier seinen ersten Auftritt in Rotterdam, sowie die Amsterdam Klezmer Group oder das Amsterdam Funk Orchestra.

Um alle Bühnen im Einzelnen vorzustellen, werde ich einen weiteren Teil bemühen, in dem ich auch auf die diesjährigen Künstler stärker eingehe. Seid also gespannt auf Teil 3.

Das Amsterdam Funk Orchestra auf der Mississippi Bühne des North-Sea-Jazz-Festivals 2025