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Sophia Blenda und Pauls Jets im Kohi am 07.11.2025

Sophia Blenda und Pauls Jets im Kohi am 07.11.2025

Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Die Karlsruher Musikszene befindet sich in einer bedrohlichen Lage. Vor allem kleine Klubs, die ehrenamtlich und mit viel Engagement an dem Thema arbeiten, müssen aktuell ernsthaft um ihre Existenz bangen. 

In der Haushaltsdebatte von Karlsruhe wurden Kürzungen im Kulturetat beschlossen, die für alle Veranstaltungsorten zu empfindlichen Einsparungen führen werden. Im Rahmen der momentan Diskussion gibt es viel begleitendes Material in der örtlichen Presse, aber auch am 15.11. 2025 eine Demonstration auf dem Stephansplatz unter dem Motto: „Geht’s noch, Karlsruhe?“ (Eine Petition findet sich auf: https://gehtsnochkarlsruhe.de/)

Über ein Konzert zu sprechen, aber die momentane Situation zu verschweigen, macht wenig Sinn. Denn es sind genau diese kleinen, aber wichtigen Events, die dann verschwinden werden.

Die Musikszene in Karlsruhe ist breit gefächert. Aber jede Location hat – abhängig von der Örtlichkeit und dem Publikum – ein ganz eigenes Spektrum, dass es bedient. Bestimmte Genres funktionieren nur, wenn die Vorarbeit – die teilweise über Jahre gehen muss – geleistet wurde. Auch das KOHI ist daher etabliert, bekannt und wichtig, und eine Basis und Station für Bands und Talente, die aufstrebend, experimentell, auch mal laut und unter Umständen sperrig daher kommen. Die Toleranz, die das KOHI sich verdient hat, ist zum einen sein Kapital, wenn es darum geht, solche Acts und Namen überhaupt in die Stadt zu bringen, aber auch etwas, was schon Beachtung und Anerkennung, sowie einen Preis, eingebracht hat.

Wenn in einer Haushaltsdebatte von Einsparungen gesprochen wird, dann wirkt alles, was nicht in einer zweistelligen Prozentzahl liegt, erstmal harmlos. Das KOHI, das durchaus gegen kommerzielle Veranstaltungen konkurrieren muß, gehört jedoch zu den Einrichtungen, die – da nicht gewinnorientiert und als Verein organisiert – grundsätzlich mit den niedrigsten Kalkulationen arbeitet. 

Die Konzerte, die man im KOHI erlebt, sind für die BesucherInnen nicht nur bezahlbar – sie liegen, gerechnet an der Menge, die man für einen monatlichen Mitgliedsbeitrag erlebt – unter einem Vinyl-Preis. Damit auf derselben Ebene wie Streaming-Angebote und sind konkurrenzlos günstig, aber auch für jeden erschwinglich. 

Darum geht es in der Kultur: Sie muss erlebbar, live und teilbar sein. Für uns alle. Daher haben engagierte Stätten wie das Kohi nicht die Kürzung, sondern die Förderung, die Spende und den Soli-Beitrag verdient.

Es ist abzusehen, dass – wenn es zu einem Sterben der Klubs wie das KOHI, das NUN, die Alte Hackerei oder ähnlichen Orten kommt – es auf absehbare Zeit keine Alternativen, Neueröffnung oder Gründungen geben wird. Kürzungen im Kulturetat, die eine lebendige Szene betreffen, führen immer zu einem langfristigen Sterben, das viele Jahre braucht, um zu einer Neubelebung zu führen. 

Manche Städte konnten sich davon nie erholen. Es ist auch nicht so, dass Etats sich in den späteren Jahren erhöhen wird. Wenn die Szene es verkrafte, dass ihre Förderung gekürzt wird, gibt es keinen Grund in den nächsten Jahren an dem Betrag etwas zu ändern. Im Gegenteil: Der Beweis, dass es auch mit weniger geht, führt in der Regel dazu, es als Bestätigung des eingeschlagenen Weges aufzufassen, dabei zu bleiben, oder eine weitere Senkung in Betracht zu ziehen.

Wenn es also nun darum geht, dass am gestrigen Abend Sophia Blenda und Pauls Jets aus Wien das KOHI besucht haben, dann darf man nicht vergessen, dass eine siebenstündige Autofahrt, der unbezahlte Einsatz von Tontechnikern, Thekenkräfte, Einlasskontrolleure, Bookern, Admins – und wie man die Jobs zwischen Plakaterstellung und Webseitenbetrieb noch nennen will – für die Möglichkeit gesorgt haben, dass zwei Bands an einem Abend in der Südstadt für ein Highlight gesorgt haben.

Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Sophia Blenda, eine junge Songwriterin am Keyboard – begleitet von Geige und einem Percussionisten, bot in diesem Rahmen, eine zerbrechliche Palette mutiger Songs. Mehrsprachig, pendelnd zwischen Englisch und Deutsch, zeigte die 3 köpfige Band eine moderne Variante dunkler Chansons. 

Geflochten aus der Lyrik, die,  nach ihren Aussagen , die Auswirkungen patriarchaler Strukturen und dem queeren Lebensgefühl aufzeigen, baute Sophia Blenda sehr persönliche und transparente Songstrukturen. Gaben ihrer Stimme damit Raum, und unterstrichen in Wirkung und Begleitung, die Aussagen. Skizzen, Beschreibungen, oftmals Bilder, durchaus mehrdeutig, formten gefühlvolle Strukturen, in denen über das reine Liedermachen, nicht nur Worte, sondern der gesamte Komplex aus instrumentaler Begleitung, Stimme und Ausdruck das Werk waren.  

Der Chanson drängt sich auf, denn die Beschäftigung mit komplexen Themen, deren poetische Verarbeitung, aber auch der Vortrag in dem sich so viel Ausdrücke vereinen und von Trotz, Wut, Verletzlichkeit erzählen, ist eine Spannbreite, die den Begriff Pop nach links und rechts ausfransen. Mut und Entschlossenheit, aber auch die entsprechende Sensibilität beim Setzen der Worte und dem Vortrag prägten ihren Beitrag.

Pauls Jets im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Pauls Jets im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Ganz anders Pauls Jets. Geradeheraus, bereit sich zu bedienen, mit viel Gefühl für Wumms, Kalkül und Tanzbarkeit, haben die drei eine Menge Spaß. Und diesen selbstverständlich auch mit ihrem Publikum. Pauls Jets bewegen sie mit einer lausbubenhaften Ironie im Synthesizergerausche früher Krautrocker, um das Ding dann frechweg mit Gitarrensound aufzufrischen. Das hat Charme, die richtige Portion Unruhe und eine ganze Menge Humor. Aber auch Selbstbewusstsein, das Staunen macht. 

Allein der Aufbau – ein Tisch vor ihnen, zwischen den Musikern und dem Publikum – wirkte schon mutig genug. Doch trotzdem den Kontakt nicht zu verlieren, dran zu bleiben und den Laden zum schwingen zu bringen, ist Chuzpe und nötigt Respekt ab.

Pauls Jets verkündeten, dass mittlerweile vier Alben vorliegen, und das möchte man ihnen locker glauben, schließlich scheint das Ding von alleine zu funktionieren. Die richtigen Knöpfe kannten sie, und rockten entschieden durch bekanntes und gut eingespieltes Material.

Da ist die Anspielung auf das Jazzfestival, mit einem Dialog der schmunzeln lässt, Verweise und Zitate, die an die Aufbruchjahre der deutschen Welle erinnern, und Bassläufe, die entschlossen funky alles unterstreichen. 

Eigentlich, und fraglos, alles was man sich von Pop wünscht, lieferten Pauls Jets ab. Sie sind die, die irgendwann eine Hymne haben werden, die wir dann alle kennen und jene, die wir gerne auf Festivals sehen möchten. Gitarre, Bass und Keyboard reichen vollkommen aus, um das Herz zu erfreuen. Haben sie gezeigt. Mit Witz, und Remmidemmi. 

Dickes Blech im JUBEZ (Support:Skullrose) am 31.10.2025

Dickes Blech im JUBEZ (Support:Skullrose) am 31.10.2025

Skullrose im Jubez am 31.10.2025
Skullrose im Jubez am 31.10.2025

Halloween. Überall fette Partys. Auf der Suche nach einer Alternative landete ich im Jubez. Das Jugend- und Begegnungszentrum am Kronenplatz pflegt ein eigenes, zurückhaltendes Understatement in seinen Ankündigungen. Ich verpasse in der Regel fast alles, aber hier bot sich das Konzert von Dickes Blech und dem Support-Act Skullrose an. 

Skullrose liegen schon seit einigen Tagen im Regal, Dickes Blech taucht sowieso überall dort auf, wo man sie nicht vermutet. Scheinbar auch jedes Jahr um dieselbe Zeit im Jubez. Traditionell laden sie dazu als Vorband ein.

In fast klassischer Besetzung (2 Gitarre, eine mit Gesang, Bass und Schlagzeug) preschen Skullrose erstaunlich altklug und forsch vor. Es gab mal eine Zeit, in der Punk noch kein Thema war, GlamRock glitzerte, und die amerikanischen Jungs den Garagenrock entwarfen. 

Um es mal gleich zu sagen: Das machen sie nicht. Aber sie klingen, als hätten sie die Platten ihrer Väter gehört, und sie mit einer respektlosen Attitüde runtergerotzt,.

Bis es so etwas wie ihr eigener Sound war. Eine Mischung aus dem poppigen Hardrock, der Ernsthaftigkeit des Heavy Metal und der Schnoddrigkeit des Punks. Heraus kommt dabei ein sehr straighter, lauter Wurf, der schon auf dem Album klingt als möchte er alle Banger mitnehmen. 

Live bedient sich die Band auch beim Blues. Fett und wild – und rockt sich dabei dreckig durch die Zeit. Das ist keine schlechte Mischung, kommt wunderbar geradeaus. Und verwurstet selbst Beatles-Songs zu kernigem Material. Man möchte ihnen alles Gute wünschen. Vor allem, dass sie so bleiben. In diesem Mittelding aus verhaltenerem Trotz, spürbarer Energie und dem Entschluss keine Ehrfurcht vor Klassikern zu haben. 

Im Gesang druckvoll, kerniger als man es ihrer Jugend zutraut,. Auf dem Weg daraus was zu machen. Das ist nicht der Zeitpunkt um perfekt zu sein, sondern eben jener, um ein Statement abzugeben. 

Dickes Blech am 31.1ß.2025 im Jubez
Dickes Blech am 31.1ß.2025 im Jubez

Zu Dickes Blech muss man ein paar Worte sagen. Die Band ist kurz vor der Vollendung ihres 20 Jahres, Damit gehören sie mit zu den Bands, die ihre schwierigste Zeit überlebt haben und nun die Lorbeeren ernten. Dickes Blech läuft sozusagen unter der Schirmherrschaft der Lebenshilfe. Ihr stehen Betreuer zur Seite, aber die Freude auf der Bühne zu sein, die vermitteln sie selbst. 

Was sie auszeichnet, das ist ihr Herzblut und Begeisterung. Der Enthusiasmus, den sie ausstrahlen, wenn sie auf der Bühne stehen – darin kann ihnen kaum jemand das Wasser reichen. Für Dickes Blech ist der Auftritt ein Fest, die Fans sind ihre Familie, dem Team sind sie in Dankbarkeit verbunden. Und sie werden nicht müde, diesen Geist, der über dem Projekt schwebt, zu betonen und wertzuschätzen. 

Ihre Musik ist eine spannende Mischung aus Neuer Deutscher Welle und Pop, mit einigen Rockzitaten, aber ihr eigentliches  Kapital sind die Refrains, die ihr Publikum mitsingt, feiert und von Konzert zu Konzert trägt.

Mit einem großen Sympathiebonus entzieht sich dieses Herzensprojekt der formalen Konzertkritik – aber bleibt ein Ereignis, dass man erlebt haben muss. Selten sind MusikerInnen so in der Beziehung mit ihrem Publikum und allen Beteiligten verstrickt und erfüllen alles mit einer gemeinschaftlichen Wärme, die schmunzeln und teilnehmen lässt.

Nächstes Jahr wird es also – wie bereits erwähnt – 20 Jahre rund. Termin und Ort stehen noch nicht fest, aber es ist natürlich vollkommen klar : wird es nur mindestens so wie im Jubez, dann ist es schon Grund genug hin zu gehen.  Um ein paar Menschen zu erleben, die den Spaß, den sie damit haben, verdammt gut vermitteln können.

Ihre Songs drehen sich um die kleinen Dinge, den Arbeitstag, die Freundin, ihr Verhältnis zum Publikum . Sie beschreiben all das mit einem Augenzwinkern, und einem unschuldigen Witz, den sie gerne teilen. Sie machen einfach Spaß, und den sollte man sich gönnen.

Externe Links.

Skullrosehttps://www.instagram.com/skullrose.official/

Dickes Blechhttps://www.dickes-blech.de

JUBEZhttps://jubez.de

Black Sea Shipping Company im Tempel, Karlsruhe am 24.10.2025

Black Sea Shipping Company im Tempel, Karlsruhe am 24.10.2025

Die Black Sea Shipping Company am 24.10.2025 im Tempel
Die Black Sea Shipping Company am 24.10.2025 im Tempel

Gäbe es diesen Begriff Klezmer-Fusion,  (und wäre Klezmer nicht sowieso eine Vermischung der wildesten Stile), dann möchte man die Black Sea Shipping Company eine Klezmer-Fusion-Band nennen. Aber Genres sind Schall und Rauch. Spätestens dann hinfällig, wenn eine Entwicklung stattfindet.

Die Black Sea Shipping Company spielte im Tempel. Es muss die gut funktionierende Mundpropaganda sein, die aus dem Gemisch aus Social-Media, Tagespresse und  Newsletter entstanden ist, die der Band mittlerweile eine stabile Publikums-Basis verschafft. 

Mit einer Melange, die einiges verbindet – vor allem aber Rhythmen aus dem Balkan, jüdische Musik und Stücke aus dem Französischen – führt die Black Sea Shipping Company die Tanzenden in Songwelten, die viel zitiere und sich an manches anlehnen.

Der Tempel, alle Stühle beiseite geräumt, die Fläche frei, bot damit den richtigen Ort zur richtigen Zeit. 

Das war eine ganze Menge Swing, eine Verwandtschaft zum Ska und das raue Spiel des Delta-Blues. Der Einfluss ganz unterschiedlicher Richtungen mag auch aus der Instrumentierung folgen. So ist die Band, ausgestattet mit Geige, Saxophone (aber auch Klarinette und Querflöte), sowie Bass und Banjo, und Gitarre, – nicht zu vergessen  – Drums, vielseitig und in manchen Genres zu Hause. 

Alles einend bleibt Klezmer das grundlegende Element. Doch wie schon erwähnt: Klezmer ist eine sich wandelnde Richtung, immer auf der Reise, immer Wirrungen, Reisen und den unterschiedlichsten Strömungen ausgesetzt.

Im Tempel zeigte sich die Black Sea Shipping Company in einem wachsenden Selbstbewusstsein. Stilsicher im Repertoire konnte sie daher auch charmant damit umgehen, dass der Steg des Kontrabass mit einem Schlag plötzlich umkippte, eine Pause nötig war, aber kurz darauf nahtlos die Stimmung gehalten wurde.

Es ist ein Wiedersehen und ein Treffen. Lauschte man den Anwesenden, so folgen sie ihnen durch die Veranstaltungsorte von Konzert zu Konzert, kannte sie von jenem Abend und tauschten Anekdoten von einem Anderen.

In Struktur und Zusammensetzung waren die Besuchenden ähnlich vielschichtig wie die Zusammenstellung der Songs. Jung, Alt, bunt gemischt, begeistert vom Walzer, verliebt in den Swing, ausgelassen bei den rockigen Ausflügen, und offen für alles was auf der Bühne passierte. 

Die Black Sea Shipping Company befindet sich auf ihrem guten Weg zu expandieren und weitere Gewässer und Binnenhäfen zu erobern. Man darf gespannt sein.

Am 10. Januar 2026 treten die Black Sea Shipping Company mit Dobranotch im KOHI, Karlsruhe auf !

Externe Links:

Black Sea Shipping Company – https://www.blackseashippingcompany.de

Tempel, Karlsruhe – https://www.kulturzentrum-tempel.de

Dobranotyh – https://dobranotch.com/english.html

KOHI – https://kohi.de

Emma Elisabeth & Reema im KOHI am 4.10.2025

Emma Elisabeth & Reema im KOHI am 4.10.2025

Emma Elisabeth und Reema im KOHI , Karlsruhe am 04.10.2025
Emma Elisabeth und Reema im KOHI , Karlsruhe am 04.10.2025

Es gibt eine lange Linie bekannter und prägender Frauenstimmen in der Rock- und Popmusik. Ihnen gemeinsam war, dass sie mutiger, künstlerischer und prägnanter sein mussten, um herauszustechen. Die inspirierende Einmaligkeit zwischen Jazz und Folk eine Brücke zu schlagen, wie es einst Joni Mitchell tat, die Lässigkeit einer Rickie Lee Jones, die vergleichsweise brav und dennoch frech und aufmüpfige wirkte oder die Symbiose zwischen Baudelaires Dichtkunst und Punk zu erschaffen, wie es Patti Smith mit der Kraft ihrer Kompromisslosigkeit konnte. 

Ihre Namen und der Sound ihrer Werke sind nicht mehr wegzudenken. Ihre Nachfolge mag schwer sein, aber es gibt Gründe sie zu erwähnen.

Ihnen gemeinsam waren alle Facetten der Möglichkeiten, die ihnen ihre Zeit bot, bewusst zu nutzen – und etwas ganz eigenes, prägnantes daraus zu formen. Emma Elisabeth setzt eine Reihe fort. Als sei sie hingeboren, hineingewachsen und hätte alle die Lehren dieser großen Frauen aufgesogen. Erweitert sie dabei. Das Talent für Songwriting ist ihr gegeben, die Eigenständigkeit ebenfalls.

Die Chance zwei durchaus differente Künstlerinnen zu erleben, die im Duett gekonnt harmonieren, gibt es selten. Der Auftritt von Emma Elisabeth und Reema im KOHI bot die Möglichkeit einer Bandbreite und Abstimmung gewahr zu werden, die man Glücksfall nennen darf.

Die erste Hälfte des Konzertes bestritt Emma Elisabeth alleine. Nur sie und ihre E-Gitarre, die zu Beginn fast zurückhaltend gespielt wurde, aber im Laufe ihrer Songs Wurzeln im Blues fand, Spuren im Americana berührte und immer wieder von der Form und Kunst ihrer Stimme unterstützt wurde. Sie erzählte im besten Storytelling, wechselte, passte an, klang zärtlich, zurückhaltend, herausfordernd und von überraschender Ernsthaftigkeit. Es ist die alte Kunst, in einem Song die Farbe des Dialogs und der Emotionen in das Spiel einfliessen zu lassen. 

Ihre Sprache bleibt dabei klar. Ihre Themen deutlich, verbindlich, aber um Konsens bemüht, und ihre Songs eingängig und griffig. Spielte sie nicht die Gitarre, so nutzte sie das Keyboard. 

Den Abschluss des ersten Sets bildete ein Duett mit Reema. In der Art und Weise der Interpretation, sowie der Färbung der Stimme, gab es faszinierende Unterschiede, dennoch konnten sie sich nicht besser ergänzen. 

Wo Emma Elisabeth eine eher angloamerikanische Variante in der Betonung und Instrumentierung wählte, ist die Höhe und Weite, in der sich Reemas Stimme bewegt, in der europäischen Melancholie beheimatet. 

Ihre Songs weisen traditionelle Strukturen auf. Sie beetrachten in einer ganz eigenen Ruhe und Selbstreflexion die schwierigen und heilsamen Zeiten. Reema lässt und nimmt sich die Zeit, mit Charme und Wärme ihr Publikum zum Verharren einzuladen. 

Ihre Geschichten sind geformt aus schwebenden Worten. Sie berühren allein durch den Klang ihres Gesangs. Ihre Ansagen dazwischen sind  sympathische, geradezu liebenswerte und höfliche Anekdoten. 

In der Kombination mit Emma Elisabeth waren diese Unterschiede das größte Kapital. Das was daraus entstand pure Bereicherung. 

Ein ungewöhnlicher Abend, weil er soviel bot, in einem solch kleinen Rahmen. Beide Musikerinnen teilten sich eine Gitarre. Das Keyboard wurde kaum genutzt, und dieser Minimalismus trug nur dazu bei, die Wertigkeit zu unterstreichen. 

Und um die Kurve zu bekommen, den Kreis zu schliessen, bleibt zu sagen, dass – gemessen an all den Frauenstimmen und dem Songwriting, dass damit verbunden ist – von beiden etwas sehr Persönliches und Einzigartiges geschaffen wurde, dass mehr Beachtung verdient hat und bekommen wird. Den sie gehören zu den Stimmen, die einfach haften bleiben.