Die Black Sea Shipping Company am 24.10.2025 im Tempel
Die Konzertsaison hat wieder begonnen, und so langsam häufen sich die Termine wieder. Am Samstag den 10.01.2025 gibt es ein Balkan-Special im KOHI. Es wir schnell werden, es wird ausgelassen und eine große Spannbreite zwischen Klezmer- und Balkanswing bieten. Dobranotch ist eine Band, die mir aktuell alle, die sich mit der Szene auskennen, ans Herz legen. Wenn die Vorzeichen stimmen, dann wird es voll werden, und das KOHI ausgelastet.
Was auch angesichts der Beliebtheit der Black Sea Shipping Company nicht überrascht. Die Black Sea Shipping Company hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre ihr Publikum gesucht und erobert. Die Swing-TänzerInnen kennen sie schon, die anderen sollten sie schnell kennen lernen. Die Spielfreude der Band sucht ihresgleichen, wird hier doch traditionelles Liedgut geschickt mit aktuellen Trends vermischt. Oft werden Elemente eingefügt und zitiert, die zeigen, wie offen die Band agiert, und das Genre-Bezeichnungen für sie keine Grenzen darstellen. Das was weitgehend unter Balkanpop, Klezmer und Gypsy-Swing zu verstehen ist, hält Einzug, doch damit findet es kein Ende.
Im KOHI hatten sie bisher noch nie gespielt, aber im Tollhaus, Tempel und Mikado waren sie schon gern gesehene Gäste. Die, die sie gesehen haben, werden ihnen folgen, der Rest darf sie entdecken.
Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Die Kombination ist sowohl ambitioniert, wie auch beeindruckend. Die Pforzheimer Schlosskirche St. Michael ist ein Ehrfurcht gebietender, von der Spätgotik geprägter Bau, der in seiner Tiefe und Höhe einen Rahmen bietet, dem man erst einmal gerecht werden muss.
Ohne vorzugreifen, ist es durchaus Respekt einflössend, wenn zwei Musiker ein Projekt dieser Größenordnung auf die Beine stellen. Dieses dann erfolgreich zum Laufen bringen – und auch noch eine zweite Vorstellung für einen Tag anzuberaunen – gilt es zu erwähnen.
Masou (PIano) und Leise (Schlagzeug) sind in diesen Tagen – der Adventszeit – auf einer Weihnachtstour. Untertitel „Zwischen den Zeilen“.
Die Auftrittsorte sind dabei Kirchen. Die Ausstattung ist üppig, dramatisch und ein opulentes Zusammenspiel aus Licht, einem kammermusikalischen Orchester und einer verspielten Farbigkeit in allen Tonlagen mit klassischen, modernen und folkloristischen Elementen.
Doch die Akustik eines sakralen Baus, der in seiner üppigen Räumlichkeit dem Klang schmeichelt, und in seiner Größe eine Weite für Beleuchtung und Klang offenbarte, gab auch der Singer-/Songwriter Sarah Weiss (Flensburg), die Möglichkeit ihre Stücke zu präsentiere.
Sarah Weiss in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Ausdrucksstarke, von einer markanten Stimme vorgetragene Werke, die von einer großen Erfahrung, aber auch von einem guten Gefühl für Melodie und Rhythmus zeugten. Begleitet vom Gitarristen Björn Koschnike, stellte sie sich dem Publikum mit Gitarre und Piano vor.
Dabei wurden ihre Songs auf ein Gerüst reduziert, dass die Intensität verstärkte, das Spiel der Instrumente klar herausstellte und der Kraft ihres Gesangs eine Option bot, die sie zu nutzen wusste. Fast bedauerlich nur eine Handvoll ihrer Kompositionen präsentiert bekommen zu haben, doch genug, um den Weg zurück zu finden, und in den nächsten Tagen ihre Alben – zwei sind es, beide auf Vinyl erhältlich – näher zu betrachten.
Masou und Leise schöpften aus dem Vollen. Die Bühne, der Altarraum der Kirche bot Platz für ein siebenköpfiges Streichorchester, einem Dudelsackspieler, einem ausufernden Arsenal an Drums und Percussion, sowie dem Piano von Masou. Es war augescheinlich pures Understatement der Komponisten, Produzenten und Arrangeure, sich selbst in den Hintergrund zu begeben, und dem Sound so die volle Entfaltung zu erlauben.
Was sie boten war ein Zusammenspiel aus den verschiedensten Elementen, die sich harmonisch in einander fügten und kraftvoll aus einer großen Stilbreite schöpften. Der weitgehende Verzicht auf Elektronik in der Instrumentierung, die Begrenzung auf die Akustik und die Entscheidung diesen Klangkörper damit – inklusive dem Gebäude und den beteiligten Musikern – in vollem Umfang zu nutzen, gaben dem Konzert eine Einmaligkeit, die staunen machte.
Licht, Laser, überhaupt das komplette Design der Illumination verrieten akribische Feinarbeit und Abstimmung in Klang und Planung. Was ineinander greifen konnte, das tat genau dieses.
Der Umfang der detailreichen Kleinarbeiten, die zum Gelingen des Projektes beitrugen, verdient schon deswegen große Aufmerksamkeit, weil die beiden Musiker unabhängig und fast unter dem Radar agierten.
Die opulente Inszenierung war beruhigend, spannend und dramatisch gleichermaßen. In den Elementen klassisch, aber auch neo-klassisch, offen für progressive bis volkstümliche Akzente. Es waren Bezüge zum Aufbau der hymnischen Filmmusik ebenso erkennbar, ohne diese zu zitieren oder gar auf eine eigene Handschrift zu verzichten.
Masou und Leise präsentierten ein farbgewaltiges, optisches und musikalisches Werk, das eine große Liebe und Leidenschaft zu diesem Projekt zeigte. Sie erzeugten Bilder, die das Publikum in ihren Herzen heimtrugen. Ein Event, das sicherlich in die Traditionen einfliessen darf.
Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Wenn das KOHI in die Endphase des Jahres tritt und die Auftritte nur noch sporadisch erfolgen, dann darf es trotzdem noch etwas lauter werden. Draußen rüsten sich schon alle für den vierten Advent, die Weihnachtsbeleuchtung steht schon, aber auf der kleinen Bühne wird noch mal geschwitzt und mit der Melodie gerungen.
Stress gingen das Thema direkt an, knallten es raus, formulierten es zackig und zeigten zu fünft, wie man das macht. Immer am Punk – und gleichzeitig der Melodie – zu werkeln. Drei Gitarren, ein Sänger, die Drums und alles aufgeregt vermischt, so arbeiteten sich Stress durch den Chorus. Im Detail durchaus Pop-verliebt zeigten sie der Spielfreude was eine Harke ist und bewegten sich durch ein bündiges, enthusiastisches Set.
Großstadtkinder, immer dem richtigen Durcheinander aus Sport, Cops, Kölle am Meer, dem Krankenschein und der Flucht aus Baden-Württemberg verpflichtet. So waren sie der richtige Act. Das KOHI hatte gerade seinen Bestand gesichert, der Laden war voll, die Besinnlichkeit durfte draußen bleiben, und Stress taten alles für die richtige Stimmung. Die Jungs liessen wippen, Kopfnicken, angenehm rumwackeln, aber bestimmt nicht stillstehen.
Klare Linie, verspielt an den richtigen Stellen. Auf jeden Fall in Fahrt genug, um wieder zu kommen. Hat gefallen, war rund. War rotzig, war frech und nett in den Ansagen. Der richtige Charme also, den alle mögen. Von daher, die passende Überleitung zu Iedereen.
Iedereen im Kohi am 17.12.2025
Was für ein Name, was für eine Band. Ein Konzept mit der Handkante. Klar definiert. Iedereen werden andauernd falsch geschrieben, und ich werde mein Möglichstes tun, mich da – irgendwie – durch zu mogeln.
Mehr als Drums und Gitarre brauchte es nicht. Der Wettstreit war, wer der beiden wohl schneller ist. Iedeeren kennen keine Pause, keine Ruhe, keine Zurückhaltung, führen das Ding an den Rand, möchten darüber hinaus und spielen eine Mischung aus Power-Pop, Punk und einem Rock-Kram, der so frech daher kommt, als gehöre er ihnen.
Sie waren etwas zum Feiern. Das KOHI gab ihnen, was sie wollten. Die Gasse der Liebe, der Spaß im Publikum, und immer das treibende Schlagzeug. Die Kraft der Drums, und eine Gitarre, die alles aushielt und nie nachgab. Iedereen beherrschten die Gratwanderung in die Füße zu gehen, den Kopf anzusprechen und die Solidarität hervorzurufen.
Bei aller stürmischer Hingabe – und dem Charme der Nahbarkeit – wiesen sich doch so Themen wie Chauvinismus und Alkoholsucht in das Hirn (und die Herzen) der Anwesenden.
Iedereen schmissen das Ding nach vorne, rissen es wieder heran, hauten in die Felle und Saiten, wie es schneller nicht gehen wollte. Sie wußten alle zu begeistern.
Iedereen im Kohi am 17.12.2025
Sie waren zu zweit! Man darf es nicht vergessen. Alleine, deutschsprachig, den Krach in all seiner Vielseitigkeit beherrschend und mit einer Gabe aus Schweiß und erstaunlicher Lässigkeit rissen sie alle mit sich.
Das machten sie mit solcher Kunst, dass viel Raum blieb. Für Sprünge, Posen, Ansagen, Spiele und dem Spaß, den sowas immer braucht. Iedeeren hatten den Raum im Griff, waren geübt, spontan, frech und sich ganz bewußt, wo sie waren. Das Kohi bleibt und hing als große Botschaft zum Schluss hinter ihnen. Also gute Chancen, sie wieder zu sehen.
Es war das Jahresabschlusskonzert im NUN. Schon aus diesem Grund etwas besonderes, aber auch die Möglichkeit mit einem Hut-Konzert noch einmal zu zeigen, was das NUN im Umfeld der Oststadt leisten kann.
Ein Hutkonzert ist für MusikerInnen eine Variante, mit der sie – ohne Eintrittsgeld zu verlangen – vor einem Publikum spielen, das am Ende einen Beitrag in einen „Hut“ (meistens ein anderes Gefäß) – ähnlich wie bei einer Straßen-Performance – legt. Und damit die Anerkennung und Wertschätzung für das Dargebotene ausdrückt.
Wenn im NUN ein solches Konzert stattfindet, zeigen die Verantwortlichen (alles ehrenamtliche Mitarbeiter), auch auf, was kleinere Bühnen für die örtliche Kultur, die Nachbarschaft, aber vor allem für junge KünstlerInnen leisten können.
Seit Live-Konzerte ein wichtiges Standbein in der Musik wurden, ist diese Arbeit nicht zu unterschätzen. Streamingdienste sind, ähnlich wie Social Media, sehr wichtig für die Bekanntheit und Erreichbarkeit der Bands. Ohne Zweifel gibt es dadurch neue und weitere Veröffentlichungsmöglichkeiten. Doch die Menge der Neuerscheinungen machen es schwer hervor zu stechen. Noch schwieriger ist es, mit Musik Geld zu verdienen.
Kulturstätten wie das NUN bieten in diesem Entwicklungsprozess die Chance die erste und vielleicht wichtigste Live-Plattform zu sein, um der Musik eine Publikumsbindung zu schaffen. Jedoch auch um den Merch (also Dinge wie Tonträger, T-Shirts und andere Artikel) zu verkaufen, die teilweise die einzige Einnahmequelle sind. Denn Streaming, selbst wenn es gut läuft, reicht selten um das Leben, aber auch nicht um den Aufwand von Touren, zu finanzieren.
Animat im NUN am 13.12.2025
Animat sind eine junge Band aus Paderborn. Anna Meier, Tabea Niewerth und Milena Wagner nutzten sie die Räumlichkeit, die ihnen das NUN bot, mit einer Instrumentierung, die ein breites Spektrum aufzeigte.
Animat, die durchaus Bezüge zum Folk aufweisen, brachten sowohl ein Cello, wie auch eine Geige in ihre Stücke ein. Im Gesang, wechselseitig und harmonisch, dreistimmig von unterschiedlichen Klangfarben geprägt, zeigte sich eine feine Linie, die zwischen Pop, Americana und Ansätzen im klassischen Format zu schweben vermochte.
Auf ihrer ersten EP „Slowwalker“, eine Wortschöpfung, die auf die Notwendigkeit der Ruhe und Besinnung verweisen möchte, ist ihre dreiköpfige Formation aus Gitarren und Keyboard, noch verstärkt von weiteren MusikerInnen, inklusive der Begleitung durch Drums. Doch im NUN, das aus der Not eine Tugend macht, und seine Konzert in einem ruhigen Umfeld quasi „Miethaus-kompatibel“ herunterschraubt, präsentierten sie ihre Stücke akustisch, stark von den Stimmen, und der Transparenz der Kompositionen gezeichnet.
Zwar war mit „Fertilizer“, dem schwungvollsten Werk, eine Variante möglich, die zeigt, wohin die Reise gehen kann – Animat bewiesen aber mit großem Geschick und einem perfekt abgestimmten Set, das vor allem in der Langsamkeit und Ruhe ein nicht zu unterschätzendes Potential der Band offenbarte.
Ihre Songs präsentieren eine abgestimmte Zusammenarbeit und gute Ergänzung, die es schafft, Kleinode zu entwickeln, deren Qualitäten sowohl in der Komposition wie Lyrik liegt, und eine sympathische Eingängigkeit präsentierten.
War das Oeuvre zwar auf die EP begrenzt, so darf man durchaus auf die weiteren Werke gespannt sein, denn die unveröffentlichten Stücke, die schon Inhalt des Konzertes waren, und noch der Reife entgegen streben, zeigten bereits ein gutes Gefühl für das, was man von einem Pop-Song erwartet.
Sie können das. Sie haben ein eigenen Sound, ein charmantes Zusammenspiel und Auftreten, und wissen die Optionen zu nutzen. Da wird noch etwas kommen.
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