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Schlagwort: Nationaler Bandurista Chor der Ukraine

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Musik, in all ihren Schattierungen,  ist ein Privileg, das vor allem freie Gesellschaften auszeichnet. Die Geschichte der Bandura als ein ukrainisches Instrument ist daher eng verbunden mit der Kultur ihres Landes.

Sie gleicht mit ihrem Klangkörper entfernt einer Laute. Doch ist ihre Saitenanzahl ungleich höher. Bis zu 65 Saiten findet man aktuell auf dem Instrument. Damit zeigt sie eine nahe Verwandtschaft zur Zither oder Harfe.

In ihrer Spielweise, beidhändig, oftmals aufrecht zwischen oder auf die Knie gestellt, vereinigt sie die Zupftechniken dieser Instrumente. Das macht sie zu einem vielseitigen Duettpartner für Gesänge, aber auch zu einem beliebten Instrument für schwungvolle Tänze der ukrainischen Volksmusik. 

Wie lange Zeit üblich, bedingt durch Wanderschaften, beeinflussten die verschiedensten Stile Osteuropas die sogenannten Banduristen (die Spieler der Bandura).

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

In ihrem Spiel finden sich daher neben Tänze, beliebte Melodien und Verweise auf westeuropäische Kompositionen. Ebenso wie Zugänge zu den Werken aus dem Balkan.

Die Bandura gehört damit nicht nur zu einem sehr einflussreichen Instrument aus dem Spektrum der Saiten-Instrumente, sie konnte durchaus als Bindeglied zwischen den verschiedensten Kulturkreisen angesehen werden. 

Im 20. Jahrhundert, in einer Zeit, in der die Bandura eine große Popularität genoss, ging diese Beliebtheit mit einer Blüte der Künste und einem erstarkten Patriotismus der Ukraine einher.

Die Sowjetunion, die einem Erstarken der nationalen Identität der Ukraine nicht interessiert war,  lud die Banduristen im Jahr 1935 zu einer gemeinsamen Konferenz nach Charkiw. Vorgeblich ging es um Lieder und Geschichten, die auf diesem Weg gesammelt werden sollten, tatsächlich wurden die Musiker exekutiert. 

In den folgenden Jahren war die Geschichte der Bandura von Verfolgung und Leid geprägt. Viele Musiker gingen ins Exil, so dass sich die Bandura heute auch in Kanada oder den USA findet.

Seit fast fünf Jahren wehrt sich die Ukraine mittlerweile gegen den russischen Überfall vom Februar 2022. In dieser Historie zwingt sich die Bandura geradezu als ein symbolisches Instrument auf. Von der Sowjetunion lange Zeit unterdrückt, steht sie heute für ein starkes Selbstbewusstsein und Stolz gegenüber dem Versuch einer Vorherrschaft durch Russland. 

Das Konzert des Nationalen Banduristen-Chors – mit seinen 60 Spieler – bündelte auf diesem Weg verschiedene Aspekte. Zum Einen stärkte es die Verbindung in der Diaspora, aber vermittelte gleichzeitig auch eine reichhaltige Kultur. Deren Spektrum erschloss sich von ruhigen, dramatischen Melodien, bis zu einem Potpourri beliebter Stücke.

Vielschichtig und mannigfaltig, mit einem ungebrochenen Schwung, einem faszinierenden Können und einer Liebe zu ganz unterschiedlichen Schattierungen ihrer Musik spielten die Banduristen auf. Gekleidet in den traditionellen Gewändern, deren typische Blusen mit Stickereien verziert sind, erhoben sie ihre Stimmen in der St.Bonifatiuskirche. 

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Dieser, über 100 Jahre alte Sakralbau bot jene hervorragende Klangqualität, die es erlaubte, einen Fächer aus Arien, Tänzen und traditionellen Gesängen zu spannen.

Der Ton, den die 60 Banduristen gemeinsam formten, wurde in seiner voluminösen Kraft nur von der erstaunlichen Virtuosität der Solisten übertroffen. Dabei vollzog das Programm – gleich einem Ritt durch einen Parkour – eine Leistungsschau der Möglichkeiten. Erhebend und beeindruckend in ernsten Momenten, mitreißend in den schwungvollen Augenblicken, dennoch dargeboten mit einer Liebe zum Detail und den ekstatischen Augenblicken.

Die Professionalität der Leistung war genauso nachhaltig, wie die Übergänge faszinierend. Allein die Menge der Solisten, die nach vorne vor das Mikrofon traten und ganz unterschiedliche Stimmen zum Ausdruck brachten, zeugten von einem gut justiertem und eingespielten Orchester. Im Instrumentarium fanden sich daher neben Schlagzeug, Klarinette, Flöte und anderen, auch wesentlich unbekanntere Klangerzeuger, wie z.B. die Buhaj. 

Letztere ist einer Trommel sehr ähnlich, aber wird über ein Seil aus Roßhaar gespielt, das oben aus der Mitte der vermeintlichen Trommel herausreicht und durch dessen Reibung ein klagender, a nhaltenderTon erzeugt wird.

Es war bereits das zweite Mal, dass ein Konzert der Banduristen in der Bonifatiuskirche stattfand. Zur Mittagszeit, bei freiem Eintritt, war es die faszinierende Möglichkeit eine außergewöhnliche Klangwelt zu betreten, die viele Gemeinsamkeiten aufzeigte. Sie offenbarte dem geneigten Blick eine reichhaltige, teilweise noch zu entdeckende Kultur. 

Es ist eben jenes – eingangs genannte –  Privileg, sie zu erhalten und zu geniessen.

Externe Links:

Ukrainer in Karlsruhe – https://ukrainer-in-karlsruhe.org

St.Bonifatiuskirche – https://www.allerheiligen-ka.de/ueber-uns/sieben-kirchen/st-bonifatius-2/