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Schlagwort: Platten

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche
Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Bereits zum 9. Mal veranstaltet der Vinylexpress seinen Vinyl-Flohmarkt. Immer nach dem Motto: Klasse statt Masse.

Mittlerweile ein Anziehungspunkt auch weit über die Grenzen von Karlsruhe hinaus, zeigt der Vinyl-Flohmarkt wieder mal, wie breit und bunt das Spektrum des Schallplattensammels sein kann. Kein reiner Schnäppchenmarkt, und auch nicht der Platz, an dem sich fünfundzwanzig Kisten mit den immer gleichen Ladenhütern finden, sondern eine faszinierende Mischung aus Neu-, Importwaren und sehr seltenen Stücken.

Wie immer eine gute Auswahl aus befreundeten Händlern aus den benachbarten Städten und Regionen. Legendär ist dabei schon der Anteil französischer Spezialisten, die teilweise ganz erstaunliches aus dem asiatischen oder afrikanischen Sektor anbieten.

Natürlich bietet der Vinyl-Flohmarkt auch ambitionierten, privaten Sammlern die Möglichkeit ihre guten Stücke anzubieten. Es ist die Zusammensetzung und der hohe Kenntnisstand der Beteiligten, der den Vinyl-Flohmarkt zu einem viel besprochenen Event macht. Plattenbörsen gibt es viele, der Vinyl-Flohmarkt jedoch grenzt sich schon mit seinem Namen ab.

Die Location in der Kulturküche ist kein Zufall. Hat sie sich doch in den letzten Jahren als Glücksgriff erwiesen. Sie bietet einen geräumigen, atmosphärisch angenehmen Innenhof, und in ihrer zweiten Etage Rückzugsorte, die für manches Fachgespräch taugen.

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Die Kulturküche ist einem der ältesten Häuser in Karlsruhe untergebracht, damit in einem genutzten Denkmal, betreibt ein ambitioniertes Setting aus bezahlbarer Küche und Platz für die unterschiedlichsten Initiativen und Aktionen. Vom Konzept auf einer Basis aus ehrenamtlichem Engagement, gespendeten Kuchen und relaxten Cafe aufgebaut, ist sie für positive Überraschungen gut und hat dem Vinyl-Flohmarkt einem ganz eigenen Charme verliehen. 

Unterm Strich hat der Vinyl-Flohmarkt mit seinem breiten Charakter und fein justiertem Angebot bisher für alle etwas geboten und trotzdem die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Man kennt sich mittlerweile, pflegt die familiäre Grundstimmung und ist nicht dem bloßen Wachstum, sondern der Qualität verpflichtet. Etwas, was man in dem mittlerweile unüberschaubaren Plattenmarkt zu schätzen weiß. 

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Während die Industrie versucht das Preisgefüge nach oben aufzuschrauben, alles mit Reiusses und Deluxe-Ausgaben zu überschwemmen, bedienen die kleinen Händler in ihren Shops oft die Nischen, Eigenheiten und skurrilen Veröffentlichungen. Eine ganze Gruppe von Ihnen – mal gesammelt anzutreffen – das bringt so manche begehrte Scheibe ans Tageslicht und macht Entdeckungen möglich. Daher: Sehr empfohlen. Nicht entgehen lassen.

Externe Links:

Vinylexpress (Instagram)- https://www.instagram.com/vinylexpress_karlsruhe/?hl=de

Kulturküche Karlsruhe – https://kulturkueche-karlsruhe.de

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Am 16.05.2026 ist es wieder soweit: Der Vinylexpress präsentiert den 8ten Vinylflohmarkt in der Kulturküche Karlsruhe. In der Kombination handelt es sich um eine einmalige und liebenswerte Tradition, über die schon auf jazznrhythm.com berichtet wurde.

Der Vinylflohmarkt ist eine Institution für Plattensammler, Vinyl-Liebhaber, aber vor allem für jene Sorte Mensch, die sich freut auch ein bißchen neben dem Mainstream zu fischen und die Händler persönlich kennen zu lernen. Dabei in einer sehr gemütlichen Atmosphäre den Tag zu verbringen.

Zu loben sind die beiden Beteiligten: Der Vinylexpress als Veranstalter, und die Kulturküche als Location, die ebenfalls ein sehr gelungenes, eigenständiges Konzept anbieten kann. Bei der Kulturküche handelt es sich um ein soziales Angebot für die Gemeinschaft. Untergebracht in einem der ältesten Häuser der Innenstadt bietet die Kulturküche einen Treffpunkt für alle an, an dem keine festen Preislisten ausliegen, sondern mit gespendeten Kuchen das gezahlt wird, was angemessen ist bzw. das Portmonee hergibt.

Es war also an an der Zeit mit Lucas vom Vinylexpress über das Konzept und die Idee hinter dem kleinen Vinylflohmarkt zu sprechen. Da er sowohl mit der Ausrichtung, aber auch der Gestaltung sehr eigene Wege geht – und der Erfolg ihm Recht gibt -war es sehr interessant, einmal die Unterschiede zu den bekannten Schallplattenbörsen aufzeigen.

Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe
Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ich habe viele Jahre nicht in Karlsruhe verbracht und deine Vinylexpress-Zeit gar nicht mitbekommen. Ich stelle mir das so vor: Du bist mit dem Fahrrad zu Flohmärkten gefahren und hast dort Platten verkauft. Stimmt das?

Lucas (Vinylexpress):
Halb. Ich bin tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren, aber es war ein altes Lastenrad, so eine frühe „Long John“-Variante mit Ladefläche vorne. Die wurden früher für Post oder Bäckereien genutzt. Die Idee kam von jemandem aus der Schweiz, den ich auf Instagram gesehen habe – der hat genau so Platten verkauft. Ich fand das super und habe mir innerhalb einer Woche selbst so ein Rad besorgt.

Wir haben dann eine Box draufgebaut und ich bin damit auf Flohmärkte gefahren. In der Praxis war das aber ziemlich anstrengend. Mit 200 Platten, Box und meinem eigenen Gewicht war das kaum noch fahrbar. Es sah gut aus und hatte einen starken Werbeeffekt, aber praktisch war es nicht. Deshalb hat oft ein Freund meine Platten mitgenommen und ich bin nur hinterhergefahren.

Andreas:
Warst du nur in Karlsruhe unterwegs?

Lucas:
Ja, hauptsächlich lokale Märkte, Messplatz, Stephanplatz oder kleinere Aktionen wie Hof-Flohmärkte. Aber es war insgesamt überschaubar. Später hat sich das Ganze ohnehin verlagert, weil ich einen Platz im Laden in der Südstadt bekommen habe. Dort wurde der Raum zum eigentlichen Anlaufpunkt, das Fahrrad stand eher als Blickfang davor.

Irgendwann habe ich es verkauft – kurz vor der Geburt meines Kindes. Es war schön, aber stand am Ende mehr rum, als dass ich es genutzt habe.

Andreas:
Dein Schwerpunkt liegt klar im Hip-Hop-Bereich, oder?

Lucas:
Ja. Ich komme ursprünglich aus dem Hip-Hop, habe über ein Schulpraktikum eine Radiosendung gemacht und darüber viele Künstler kennengelernt. Später habe ich auch Konzerte organisiert, vor allem im Bereich 90er-Hip-Hop. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden, und so hat auch das Sammeln angefangen.

Mein Musikgeschmack ist privat inzwischen breiter – viel Gitarrenmusik, auch Elektronisches, ein bisschen Jazz. Aber beim Verkaufen konzentriere ich mich bewusst auf wenige Genres, vor allem 90er-Hip-Hop. Das ist der Bereich, in dem ich mich auskenne.

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Andreas:
Warum diese klare Fokussierung?

Lucas:
Weil alles andere mich überfordern würde. Wenn du auf Flohmärkten einkaufst, müsstest du sonst jede Kiste komplett durchgehen. Das ist extrem anstrengend. Ich konzentriere mich lieber auf das, was ich kenne – da weiß ich, was Sinn ergibt, was gefragt ist und was Qualität hat.

Mir ist auch wichtig, keine Massenware zu haben. Lieber eine kleine, gut kuratierte Auswahl. Ich habe meist vier Kisten dabei, und die sollen so zusammengestellt sein, dass man nicht überfordert ist. Qualität statt Masse.

Andreas:
Du hast dich bewusst für einen Vinyl-Flohmarkt entschieden und nicht für eine klassische Börse. Warum?

Lucas:
Weil mir Börsen oft zu stressig und ungemütlich sind. Es geht dort hauptsächlich ums Verkaufen, die Atmosphäre ist häufig hektisch. Ich komme aus dem Veranstaltungsbereich und habe einen anderen Anspruch: Für mich muss ein Event als Ganzes funktionieren.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich gern aufhält. Gute Location, Essen, Getränke, Musik – und natürlich Platten. Aber eben nicht nur als Verkaufsfläche, sondern als Treffpunkt. Auf Börsen gehst du rein, kaufst und gehst wieder. Bei mir sollen die Leute bleiben.

Andreas:
Das Konzept ist also bewusst kuratiert?

Lucas:
Ja. Ich schaue genau, wer kommt. Keine großen Händler mit riesigen Ständen, sondern eher kleinere Anbieter, Semiprofis und Privatleute. Unterschiedliche Genres, aber keine Massenware.

Mir ist wichtig, dass es eine Mischung gibt: Spezialisten, Plattenläden und auch private Verkäufer. Gerade die privaten sind spannend, weil man nie weiß, was sie dabeihaben. Das macht für mich den Flohmarkt-Charakter aus.

Andreas:
Man merkt auch, dass Händler aus dem Ausland kommen, etwa aus Frankreich. Das ist ungewöhnlich.

Lucas:
Ja, viele davon trifft man sonst nirgends. Die kommen gezielt, weil sie das Konzept mögen. Und umgekehrt wissen die Besucher auch: Da sind Leute, die man nicht überall sieht. Das schafft eine andere Dynamik als auf klassischen Börsen.

Andreas:
Ist dein Publikum anders als bei klassischen Börsen?

Lucas:
Ja, deutlich jünger und gemischter. Viele Studenten, viele Leute aus der Szene, auch Menschen, die zum ersten Mal Platten kaufen. Dazu kommen natürlich auch erfahrene Sammler, aber insgesamt ist es weniger dieses klassische „Nerd-Publikum“.

Das liegt auch daran, wie ich werbe – viel über Social Media und weniger über klassische Plakate.

Andreas:
Bleibst du bei der Kulturküche als Location?

Lucas:
Ja, solange es für alle passt. Das Konzept dort finde ich sehr besonders – viele Nischenangebote, viel Engagement, ein offener Rahmen. Das passt gut zum Flohmarkt.

Die Einnahmen aus den Standgebühren gehen komplett an die Kulturküche. Ich verdiene daran nichts, das ist bewusst so. Für mich ist das ein Hobby und ein Projekt, das sich inhaltlich stimmig anfühlen muss.

Andreas:
Planst du Erweiterungen, etwa größere Events?

Lucas:
Ich habe überlegt, im Sommer etwas Größeres oder auch draußen zu machen, vielleicht in Kombination mit anderen Veranstaltungen. Aber das ist organisatorisch nicht so einfach. Viele Locations überlegen genau, ob sich so etwas lohnt.

Grundsätzlich will ich das Format aber bewusst klein halten. Sobald es zu groß wird, verliert es seinen Charakter.

Andreas:
Wie wählst du die Teilnehmer aus?

Lucas:
Es gibt Stammleute, die ich früh informiere. Dazu kommen neue Anfragen, sowohl von Privatleuten als auch von Händlern. Ich schaue mir immer an, wer sich bewirbt und was angeboten wird.

Private Verkäufer ziehe ich oft vor, weil sie den Flohmarkt-Charakter stärken. Wichtig ist mir eine gute Mischung. Wenn es zu einseitig wird, verwässert das Konzept.

Andreas:
Also bewusst Auswahl statt „jeder kann kommen“?

Lucas:
Genau. Nicht aus Arroganz, sondern weil es sonst nicht funktioniert. Der Rahmen ist klein, und ich möchte, dass das Gesamtbild stimmt – für die Verkäufer und für die Besucher.


Mit ziemlicher Sicherheit wird auch der aktuelle Vinyl-Flohmarkt auch wieder über die Grenzen von Karlsruhe Sammler anziehen, und man darf gespannt sein, wer sich alles einfindet. Soweit bekannt wird auch der Podcast „Vinyl und“ anwesend sein und Live vom Flohmarkt berichten. Auch hier handelt es sich um ein sehr neues, für Karlsruhes Szene interessantes Konzept.

Externe Links:

Vinylexpress – https://www.facebook.com/vinylexpresskarlsruhe

Kulturküche Karlsruhe – https://kulturkueche-karlsruhe.de

Vinyl und – https://www.instagram.com/vinylund/

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Wer Norwegen kennt, vor allem im Winter, wird wissen, wie sehr das Land von geprägt ist von seinen scheinbaren endlosen Wäldern, schneebedeckten Bergen, aber auch welch eine spannende Musikkultur dort möglich ist. Meine Reise durch einen kleinen Teil Norwegens führte mich vor allem durch Konzerthallen und Plattenläden der Städte Oslo und Bergen. Geprägt von einer einzigartigen Metalkultur, hat sich in Norwegen auch eine lebendige Jazzszene und etwas, das sich Nordicana nennt, etabliert.

Im Rahmen meiner Reise lud ich Eindrücke auf diese Webseite, aber auch in Social Media, hoch Und lernte dabei DJ Wendelgaard durch einen Austausch auf den bekannten Plattformen kennen. Sie überraschte mich durch sehr eigene Events in beneidenswerten Locations. Fernab von den Tanzflächen dieser Welt bewegt sich dabei in einem Ambiente, das neidisch und staunen macht. Es ist die nicht zu unterschätzende Aufgabe des kuratierens, die in der Wirkung mit Ort und Gelegenheit einem Event zur entsprechenden Stimmung verhelfen kann. Ich wollte mehr darüber wissen, und wir verabredeten die Aufnahme eines Podcasts. 

Ich bin der langsamste, und unentschlossenste Podcaster, der sich im Netz findet, hadere immer mit der Tonqualität und so kommt es nun zu dazu, dass das, was einst als Podcast geplant war, ein transkribiertes Interview ist. 

Andreas (JAZZNRHYTHM.com): Samanta, ich freue mich sehr, dass wir unser Gespräch wiederholen können. Beim letzten Mal ist die Aufnahme leider verloren gegangen. Umso schöner ist es, dass wir heute noch einmal zusammenkommen. Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Wendelgaard (DJ): Das verdanken wir deiner Norwegen-Reise. Du warst in Oslo und Bergen unterwegs und hast Konzertlocations, Plattenläden und Veranstaltungen porträtiert. Besonders dein Bericht über den Plattenladen Apollon Records in Bergen hat mich angesprochen. Ich habe mir daraufhin deinen Blog und deine Instagram-Seite angesehen und war beeindruckt von deiner Leidenschaft für Musik. So sind wir schließlich in Kontakt gekommen.

Andreas: Ich erinnere mich gut. Aufgrund deines Namens dachte ich zunächst, du würdest aus Norwegen stammen.

Wendelgaard: Das passiert tatsächlich häufig. Ich komme zwar nicht aus Norwegen, aber ich liebe Skandinavien. Seit etwa fünf oder sechs Jahren reise ich regelmäßig dorthin und verbringe viel Zeit in Norwegen und Schweden. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in meinem Künstlernamen wider.

Andreas: Was fasziniert dich so sehr an Skandinavien?

DJ Wendelgaard  bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg
DJ Wendelgaard bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg

Wendelgaard: Es ist die Kombination aus Natur, Kultur und Lebensgefühl. Die Weite der Landschaften, das besondere Licht und die Ruhe inspirieren mich. Gleichzeitig sind die Menschen offen für Kunst und neue musikalische Ideen. Diese Mischung hat mich von Anfang an begeistert.

Andreas: Als ich mich näher mit deiner Arbeit beschäftigt habe, fiel mir auf, dass du an außergewöhnlichen Orten auflegst – nicht in Clubs, sondern in stilvollen und exklusiven Locations. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Wendelgaard: Sehr gern. Ein besonders prägendes Engagement hatte ich in den historischen Frescohallen in Bergen. Dort habe ich klassischen Jazz auf Vinyl aufgelegt. Die Atmosphäre war einzigartig – die Musik fügte sich perfekt in die Architektur und das Ambiente ein. Es war ein unvergesslicher Moment für mich.

Andreas: Wird bei solchen Veranstaltungen getanzt, oder steht die Musik eher im Hintergrund?

Wendelgaard: Beides ist möglich. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Atmosphäre. Die Musik begleitet das Essen und die Gespräche, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht um Genuss und Entspannung.

Andreas: Ein ähnliches Setting hattest du auch in Schweden, richtig?

Wendelgaard: Ja, in Strömstad, das oft als „schwedische Riviera“ bezeichnet wird. Dort habe ich in einem Spa- und Resort-Hotel Lounge-Musik auf Vinyl gespielt. Die Musik fügte sich harmonisch in die Umgebung ein und schuf eine besondere Stimmung.

Andreas: Wie kommst du zu solchen Engagements?

Wendelgaard: Sowohl durch eigene Initiative als auch durch Anfragen. Wenn ich eine Location entdecke, die mich inspiriert, spreche ich die Betreiber an. Oft entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig melden sich Veranstalter bei mir über Social Media oder Empfehlungen.

Andreas: Für viele Veranstalter dürfte das ein Experiment sein.

Wendelgaard: Das stimmt. Der erste Auftritt ist immer eine Art Versuch. Doch die Resonanz ist meist sehr positiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen die Musik genießen und gemeinsam besondere Momente erleben.

DJ Wendelgaard In der SPIN Bar - Listening Bar in München
DJ Wendelgaard In der SPIN Bar – Listening Bar in München

Andreas: Welche Rolle spielt Vinyl in deiner Arbeit?

Wendelgaard: Eine sehr große. Vinyl hat eine besondere Klangqualität und vermittelt ein Gefühl von Authentizität. Außerdem verleiht es den Veranstaltungen eine zusätzliche Wertigkeit. Das bewusste Auflegen von Schallplatten passt hervorragend zu stilvollen und ruhigen Settings.

Andreas: Welche Künstler finden sich typischerweise in deinen Sets?

Wendelgaard: Vor allem Klassiker des Jazz: Nina Simone, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Blossom Dearie. Auch Frank Sinatra und Dean Martin gehören dazu. Ergänzend spiele ich Künstler wie Gregory Porter, Norah Jones oder George Benson.

Andreas: Du bist musikalisch sehr vielseitig.

Wendelgaard: Ja, ich bleibe offen. Selbst Fleetwood Mac integriere ich gelegentlich in Lounge-Sets. Stücke wie „Dreams“ passen hervorragend in eine entspannte Atmosphäre.

Andreas: Das zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Jazz, Lounge und Pop sein können.

Wendelgaard: Genau. Entscheidend ist die Wirkung eines Songs. Wenn er zur Stimmung beiträgt, findet er seinen Platz im Set.

Andreas: Wie reagieren die Gäste auf deine Musik?

Wendelgaard: Oft sprechen sie mich an, wenn sie ein Stück wiedererkennen. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit der Musik. Das macht solche Momente besonders emotional und schön.

Andreas: Zu welchen Tageszeiten finden deine Auftritte statt?

Wendelgaard: Meist tagsüber – zum Frühstück, Brunch oder Dinner. Jazz ist vielseitig und eignet sich für viele Gelegenheiten.

Andreas: Spricht deine Musik ein bestimmtes Publikum an?

Wendelgaard: Nein, sie ist generationsübergreifend. Die gleichen Menschen, die abends im Club tanzen, genießen tagsüber entspannte Jazzmusik.

Andreas: Wie bist du selbst zur Musik gekommen?

Wendelgaard: Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik allgegenwärtig war. Das Radio lief ständig, und ich wurde mit unterschiedlichsten Genres vertraut. Musik war immer ein Bestandteil des Lebens.

Andreas: Gab es einen konkreten Moment, der dich zum Auflegen brachte?

Wendelgaard: Ja, in Schweden. In einem Secondhandladen entdeckte ich rund dreißig Jazzplatten für jeweils einen Euro. Ich nahm sie alle mit und fragte mich anschließend, was ich mit ihnen tun sollte. Mir wurde klar, dass Musik gehört werden muss – und so begann meine Reise als DJ.

Andreas: Wann hattest du deinen ersten Auftritt?

Wendelgaard: Ein Bekannter vermittelte mir einen Gig in einer Bar in Köln. Dort konnte ich erstmals auflegen und merkte sofort, wie viel Freude mir das bereitete.

Andreas: Deine Musik richtet sich eher an Genießer als an Tänzer.

Wendelgaard: Genau. Wenn getanzt wird, dann eher langsam – und manchmal hilft auch ein Glas Wein. (lacht)

Andreas: Du verbringst viel Zeit in Skandinavien. Wie verteilt sich das?

Wendelgaard: Etwa 30 Prozent meiner Zeit verbringe ich in Norwegen und Schweden, den Rest überwiegend in Köln und Umgebung.

Andreas: Wie erlebst du die Jahreszeiten im Norden?

Wendelgaard: Die Winter sind lang und dunkel, während die Sommer von nahezu endlosen Tagen geprägt sind. Beide Extreme haben ihren eigenen Reiz und inspirieren mich auf unterschiedliche Weise.

Andreas: Bergen hat dich besonders beeindruckt.

Wendelgaard: Ja, es ist eine echte Jazzstadt mit einem eigenen Jazzfestival. Die Offenheit gegenüber neuen Klängen ist faszinierend.

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Andreas: Während meiner Norwegenreise fiel mir auf, dass das Land stark von Heavy Metal geprägt ist. Umso überraschender war deine Jazzpräsenz.

Wendelgaard: Das macht den Reiz aus. Skandinavien ist musikalisch vielseitig – von Metal bis Free Jazz. Diese Vielfalt ist inspirierend.

Andreas: Welche musikalischen Einflüsse prägen dich besonders?

Wendelgaard: Neben den Jazzklassikern schätze ich auch Bossa Nova, Swing und Lounge-Musik. Entscheidend ist für mich die emotionale Wirkung.

Andreas: Gibt es besondere Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Wendelgaard: Ja, wenn Gäste lächelnd zuhören oder sich für die Musik bedanken. Diese Augenblicke sind unbezahlbar.

Andreas: Du schaffst also Klangräume, die Erinnerungen entstehen lassen.

Wendelgaard: Das ist ein schönes Bild – und genau das ist mein Ziel.

Andreas: Zum Abschluss eine Gegenfrage: Welche musikalische Entdeckung hat dich zuletzt überrascht?

Wendelgaard: Eine musikalische Entdeckung, die zwar schon ein paar Jahre her ist, aber mich bis heute immer wieder begeistert, ist die US-amerikanische Jazz-Pop-Band Lake Street Dive. Die Musiker mischen herausragend Jazz, Pop und auch Soulelememte und setzen mit ihren guten Texten noch einen oben drauf. Ich bin nachhaltig begeistert von der musikalischen Leichtfüßigkeit und Authentizität. Welche musikalische Entdeckung ist es denn bei dir?

Andreas: Mich beeindrucken immer wieder junge Bands in kleinen Karlsruher Locations wie dem KOHI oder dem nun. Zuletzt haben mich Flora Falls, Paula Paula und die Punkband Sexbeat nachhaltig beeindruckt. Außerdem freue ich mich auf ein Wohnzimmerkonzert der Singer-Songwriterin Anne P.

Wendelgaard: Das klingt wunderbar. Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

Andreas: Samantha, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

Wendelgaard: Ich danke dir. Es hat mir große Freude bereitet.

Andreas: Bis zum nächsten Mal.

Wendelgaard: Sehr gern. Auf Wiedersehen!

Externe Links:

DJ Wendelgasard – https://linktr.ee/dj.wendelgaard?

Birdy Sanjazz beim VinylExpress am 20.12.2025

Birdy Sanjazz beim VinylExpress am 20.12.2025

Birdy SanJazz in den Räumen vom Vinyl express am 20.12.2025
Birdy SanJazz in den Räumen vom Vinylexpress am 20.12.2025

Es kommt selten vor, dass der VinylExpress seine Tore öffnet. Wenn, dann hat es immer den Charme einer Speakeasy Kneipe. Anmeldung per Mail oder Direktnachricht, Rückantwort mit Adresse. Handverlesene Teilnehmerzahl. Coole Musik, und alles in einem Hinterhof, zu einem vereinbarten Zeitfenster. Aber dann: Alles relaxt, ausgesprochen angenehm. Wie ein elektronisches Wohnzimmerkonzert. 

Plattenkisten, Sammler, Gesichter, die man kennt, Namen, die einem bekannt vorkommen, Material, dass ausgesucht ist. Bekannt ist der VinylExpress von seinen umtriebigen Börsen-Auftritten, und vor allem vom VinylFlohmarkt.

Der findet an unterschiedlichen Locations statt, scheint sich aber in der Kulturküche zu etablieren. Was der Veranstaltung gut tut und eine nette Atmosphäre bietet, da mittlerweile ein sehr familiäres Klima herrscht. Die Händler kommen aus dem Umland, aber auch aus Frankreich. 

Die Connection nach Frankreich ist nicht zu unterschätzen, denn irgendwas ist dort anders. Kann sein, dass es größere Präsenz der Weltmusik ist, der afrikanische Einfluss oder das smoothe HipHop-Verständnis jenseits des Rheins. 

Das richtige Stichwort. Den Soundtrack zur gemütlichen Plattensichtung lieferte dieses Mal Birdy SanJazz. Einer, der den Sound zusammen werkelt, was neues daraus schweißt, Samples zu nutzen weiß, und etwas Rundes daraus macht. Das heißt, zurückhaltende Nachmittagsbeats, verschlurfte Rhythmen, sehr verfrickelt im Detail, aber geradezu passend, um sich all die Zeit zu nehmen für tiefere Vinyl-Grabungen. 

Eigentlich pures Understatement, dass dem guten Mann bisher nicht begegnet bin. Die erste Nachricht datiert irgendwo im Oktober 24, also kurz nachdem jazznrhythm.com seinen Relaunch hatte. Der Name machte neugierig, die Musikauswahl, die er immer mal wieder lancierte und in den sozialen Medien zeigte, taten ihr übriges. Berührungspunkte, Kenntnisse, und eine Idee davon, was es sein konnte. 

Für den Vinylexpress naheliegend, ist das Faible für HipHop doch ein klarer Konsens in dessen Kisten. Viel rares Zeug, viele Klassiker, schönes Old School-Material und vor allem, beweist der Mann mit den unzähligen Platten, dass er sein Lieblingsgenre bis in die Tiefe pflegt. Die Wahl und Kooperation mit Birdy – folgerichtig, der Zeitpunkt ideal. 

Birdy kommt unaufgeregt, geradezu lässig daher, glänzt mit den Details, spielt sie aber nicht sofort aus. Kein Schimmer, wo die Samples herkommen, die Quellen scheinen mannigfaltig, Genregrenzen vollkommen schnuppe, und vermutlich schreckt der Mann nicht davor zurück, die Klassiker und die Moderne mit privaten Gesprächsschnipsel und Arbeitsprozesse zu vermischen. Das bleibt immer angenehm, immer bündig, immer frei von unangenehmen Brüchen, aber tauglich für das lockere Mitwippen. Schleicht sie sowieso ein. 

Bringt stark limitiertes Vinyl raus, und die Kassetten werden durchnummeriert und viel zu schnell zur Sammlerware. Auf Bandcamp ist alles ausverkauft, was man greifen kann, digital sollte man es sich aber gönnen. 

Birdy lässt sich Zeit, und alles einfliessen, was noch in der Ecke herumliegen will. Das Zeug mag aus den Sechzigern, vielleicht auch Fünfzigern stammen – jedoch, der Beat, die verhaltene Verzögerung, die Möglichkeit das Bier zu kippen, den Tag zu reflektieren: All das macht es richtig zu dieser Zeit, dem Moment und einer gehörigen Portion Sonneneinstrahlung. 

Es ist ein angenehmer Tag heute, das Tape läuft nebenher, begleitete mich gerade zum Cafe, und mehr als eine Empfehlung bleibt mir jetzt nicht. 

Halte euch an den Vinylexpress, das lohnt sich, und geniesst Birdy dabei. Zu Beiden wird noch was kommen. Eine Platte von Birdy wird noch besprochen, und zum Vinylflohmarkt rollen wir demnächst mal die Geschichte aus.

Cassetenrelease von Birdy San Jazz letzten Album Birdynismus 3
Cassetenrelease von Birdy SanJazz letzten Album Birdynismus 3