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Schlagwort: Rap

Plattenläden in Den Haag (4): 3345

Plattenläden in Den Haag (4): 3345

3345 Den Haag
3345 Den Haag

3345

Noordeinde 87G, 2514 GD Den Haag (Externer Link: https://3345.nl/)

3345 trägt das Programm schon im Namen. Prägnanter geht es kaum. 3345 haben sich auf Neuware spezialisiert. Im Umfeld einiger hipper und angesagter Läden passt sich 3345 mit seinem offenen Design, und der lichten Atmosphäre vorzüglich an.

Im hinteren Bereich findet sich auch Second-Hand-Ware, allerdings in einem thematisch sehr interessanten Feld. So ist einer der Schwerpunkte (neben den regulärem, gut sortierten Pop und Rockbereich und Hip-Hop-Regal) dort z.B. auch ein sehr umfassendes Electronic und Minimal-Musik bzw. „Neue Klassik“-Fach. Letzteres habe ich in der Ausprägung nirgendwo gefunden, daher gehört es zu den Alleinstellungsmerkmalen von 3345. Die Namen, die sich dort fanden, weisen auf Spezialisierung und tiefe Kenntnis hin. Dasselbe kann man auch durchaus über den Electronic-Bereich sagen.

Schön zu sehen war auch, das in in allen Sortierungen lokale Helden berücksichtigt werden. Etwas, das ich sehr schätze, auch wenn der Kauf meist ein Glücksspiel ist, da ich nicht die Geduld besitze in Läden etwas anzuhören.

Weltmusik, die allgemein in den niederländischen Plattenläden einen anderen Stellenwert genießt, wird hier „Regional“ genannt. Sie zeichnet sich ebenfalls durch Umfang, Tiefe und einem interessanten Variantenreichtum aus.

Der Abverkauf in 3345, der ein eigenes Regal mit Neuware füllt, folgt nicht unbedingt den gewohnten Regeln und scheint den eigenen Erfahrungen geschuldet. Was zur Folge hat, dass sich auch dort Platten finden, denen andernorts noch mehr Chancen eingeräumt werden. Für den Sammler und Fan also die Möglichkeit auf Schnäppchen und Entdeckungen. Vieles, was wirklich nicht typisch ist, und sehr individuell auch im Bezug zur hiesigen Szene steht.

Ausgesprochen freundliches Personal, sehr nett, hilfsbereit und gut für ein kurzes Gespräch. Man hat es etwas bedauert, dass aktuell ein Gerüst die Ladenzeile verdeckt, aber das soll das Interesse nicht mindern.

Was ich mitnahm, das waren natürlich auch zum Teil bekannte Namen: Amalia Rodrigues steht für Fado, und gehört zur Pflicht. Ihr Oeuvre ist immer wieder erstaunlich. Und jedes mal, wenn ich denke, dass ich schon alles haben müsste, taucht etwas neues auf. Folglich bin ich etwas wahllos im Kauf.

Sophie B. Hawkins ist eine frühe Liebe. Jemand, von dem ich mir immer noch mehr Songs erhofft hatte, und eigentlich hätte es auch das Potential gegeben, aber so bleibt es halt eine unbestimmte Treue und Hoffnung, die mich dazu bringt, weitere Platten zu kaufen.

Tim Knoll ist ein regionaler Bluegrass-Held. Ich sah ihn auf dem Bluegrass-Festival in Rotterdam, und war überrascht, wie traditionell und tief verwurzelt er klang. Kein Erneuerer, kein Erstürmer der heiligen Bastion, eher ein Bewahrer eines Grals wie ich ihn vor Ort nicht erwartet hätte. Bei 3345 stand er im Sales. Keine Chance daran vorbei zu kommen.

3345 ist in sehr angesagten Genres, sicher auch für DJs, eine wichtige Adresse. Auffallend ist das geräumige, ordentliche und damit freundliche Ambiente, dass dem Laden sehr viel Helligkeit und Offenheit zur Straße hin erlaubt. Das Publikum ist bunt gemischt – ich habe den Altersdurchschnitt entscheidend gehoben – und passt gut zur hiesigen Szene, die auch von der naheliegenden Kunsthochschule geprägt ist.

3345 gehört zu den Pflichtbesuchen, vor allem, wenn man etwas über die lokale Szene erfahren will. Electronic und Heavy Metal gehören zu den angesagten Themen, die man sich mal anschauen sollte.

3345 Den Haag
3345 Den Haag
3345 Den Haag
3345 Den Haag

Gekauft:

Amalia Rodrigues – Marchas de Lisboa

Tim Knoll – Long live your friends

Sophie B. Hawkins – Free Myself

NESS im Karlstorbahnhof, 23.05.2025

NESS im Karlstorbahnhof, 23.05.2025

NESS im Karlsrtobahnhof, 23.05.2025

Alle Hoffnung auf NESS. Oder anders gesagt: Wenn es so bleibt, dann kann es nur besser werden. 

NESS im Karlstorbahnhof. Fast ein Heimspiel. Selten ein Konzert erlebt, in dem das Publikum so textsicher war. Von der ersten Sekunden bis zur letzten Minuten. Viele mit dem richtigen T-Shirt. Erkennbar eine Rückkehr, ein Wiedererkennen, etwas wie ein Treffen.

Eine junger Österreicherin, textlich zwischen Zerbrechlichkeit und erfrischender Frechheit, angstlos im deutschen Text angesiedelt. NESS gehört zu jenen jungen, selbstbewußten Menschen, die die Klaviatur des Internets beherrschen, im Streaming und den Videos firm genug sind, um zu einem Phänomen zu werden. Eines, das nun einfach auftaucht und erstaunt. 

Ihre Lyrics erzählen von der Liebe, der Enttäuschung, sind trotzig, entschieden, schwankend und damit beeindruckend nahe dran. Ihre Fans, die sich tapfer sammelten, liebten sie, verehrten sie, unterstützten sie, wenn sie lachend den Text vergaß, sich entschuldigte und gemeinsam mit ihnen zusammen weiter sang. Ihr flogen dabei alle Sympathien zu. 

Selbstsicher, energisch, begleitet von einem Schlagzeug und einem Gitarristen/Keyboarder, griff sie hin und wieder selbst zur akustischen Gitarre, nutzte die Möglichkeiten des Raps, des Gesangs, aber auch der ruhigen Töne. NESS hatte – ohne Vorgruppe, mit einem entschlossenen Einstieg – eine beeindruckende und charmante Beziehung zu jenen, die ihre Lichter schwenkten und die Party unbedingt mit ihr feiern wollten.

Der Karlstorbahnhof hatten die Halle zur Hälfte abgegrenzt, aber ihr die ganze Größe der Bühne gelassen. Was sie gerne nutzte. Daher im Kontakt zu den ersten Reihen, hin und hersauste, sprang, außer Atem geriet, aber mit Charme alles ausglich.

Die Eingängigkeit und Hittauglichkeit, aber auch ihre Bühnenpräsenz, die auf Freundlichkeit und Authenzität beruhte, offenbarten ein nachvollziehbares Potential. NESS hatte sie Alle auf ihre Seite. 

Ohne Zweifel könnten es auch mehr sein. Festivals, große Stadien, die richtigen Vorprogramme und es wird noch einiges folgen. 

Bisher aufgefallen durch Kooperationen (Kontra K, Unheilig etc.) gibt es vieles, was noch kommen kann. NESS hat die Energie, die Möglichkeiten, die Entschlossenheit und die Bereitschaft, sich auf all das ein zu lassen. 

In diesem Jahr eines der Konzerte, das vor allem durch seine Freundlichkeit auf beiden Seiten aufgefallen ist. Wer die Chance hat, sie in einem solchen kleinen, liebenswerten Rahmen zu sehen – mitnehmen. Wenn es größer wird, bleibt es spannend. Aber dann geht alles viel schneller. 

Externer Link:

NESS- Instagram – https://www.instagram.com/eyitsness/?hl=de

Karlstorbahnhof – https://www.karlstorbahnhof.de/

Queer Festival Heidelberg – https://queer-festival.de/programmuebersicht-2025/

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Wenn man Make a Move über die Jahre beobachtet, ihre Konzerte besucht – immer wenn sich die Gelegenheit bietet – dann zeichnet sich eine Entwicklung ab. Es sind die Clubtouren, die ihr Profil schärfen. Und, was sich auch schon in Karlsruhe (meinem ersten Konzert von ihnen) früh zeigte: Sie bekommen langsam aber sicher ihr Publikum. 

Wer sie einmal sah, kommt wieder. Denn was bleibt, das sind fette Events, breite Beats, und eine ganze Menge Animation. 

Das erste Konzert, im Tollhaus vor zwei Jahren, war noch eines der typischen, günstigen Veranstaltungen, die man gerne mitnimmt. Zum Probierpreis. Geradezu ungewöhnlich günstig, zögerlich besucht, um dann in einem wilden Fest zu enden. Die Studenten hatten es wohl schon gewußt. Standen am Schluss im eigenen Schweiß.

Sah man die Anwesendend – wie auch in Reutlingen – bis Konzertbeginn eher vereinzelt im Saal, so drängte sich spätestens nach dem zweiten Song alles vor der Bühne. Es wurde getanzt, geklatscht, gefeiert und war Wiederkennen, Zurückkommen, Party.

In Bereich der Brass-Musik hat sich viel getan. Vorreiter von allem war bestimmt Labrassbanda. Aber wenn es um Popularität geht, dann liegt Meute aus Hamburg mit ihrem Techno-Sound weit vorne. Gefolgt schließlich von Moop Mama mit Alice, die  im Rap daheim sind.

In der Nische, zwischen all den Variante, haben sich Make a Move platziert. Aus Berlin und ungleich stärker im Funkbereich – breit, basslastig und zu siebt auf der Bühne – probieren sie alles aus. Was ihr Sound so erlaubt. Fordern nicht nur sich selbst, sondern vor allem ihr Publikum.

Ihre dritte Vinylscheibe „Hol mich ab“ (zweite LP – gibt‘s auch als CD) stellten sie im Franz K. In Reutlingen vor. Mit einer Bläsersektion aus drei individuellen Talenten, dazu Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard. 

Make a Move schöpften ihr Potential aus. Die Stärken der einzelnen Musiker sind ihr Kapital. Das Saxophon, dass im Duett auf den Tanzboden springt, Sofia, die das Keyboard bedient und rappt, sowie der Schlagzeuger Jürgen Meyer, der moderiert, rappt und den Laden zusammenhält. Alles choreografiert, stimmig bis ins Detail, ist auch der französische Part von Matthieu, der nicht nur singt, die Trombone spielt, tanzt, und die Zugabe fast alleine zum Siedepunkt brachte.

Make a Move beherrschen die Bassline, den puren Funk, die HipHop-Geraden, die klare Linie in „Laber mich nicht voll“ und jene Gradwanderung zwischen Erkennen, Erstaunen und Abtanzen.

Sie sind noch zu entdecken. Erstaunlicherweise. Saßen vor dem Konzert verwundert mit einem Bier vor dem Franz K. Beobachteten, wie langsam die Menschen eintrudelte. rätselten, wer ist BesucherIn. Wer geht weiter. Und warum überhaupt?

Gib ihnen einige Festivals, und sie werden ihren Weg gehen, die Hallen werden den größer und die Springkreise ganz andere Dimension erreichen. Seid gewarnt, die Band überwindet den Graben, und dann brechen sie aus, aus den kleinen hübschen Locations von hier bis Buxtehude. Das Franz K. war erstaunlicherweise noch zurückhaltend besucht, aber lange kann das nicht mehr gehen.

Externer Link: Make a move – https://make-a-move.net/de/

Externer Link: Franz K. – https://www.franzk.net/