Misa Teil 20

22.Februar 1778. Mannheim. George stand vor dem trockenen Brunnen des Paradeplatzes und schaute sinnierend drauf. Im diesem Winter hatte sich eine dünne Eisschicht auf dem Boden der Brunnen gebildet. Es war trotzdem ersichtlich, dass diese Brunnen nur das Regenwasser sammelte. Und selbst keinen Wasserlauf hatte. Die Eisschicht war wellig, gebrochen und x-fach zersplittert. Kinder warfen…

Misa Teil 19

Amanda war unruhig, Zuckungen liefen durch ihren Körper. Ihr Messer hielt sie vor sich  in einem rechten Winkel. Bereit zu zustechen. Auf was auch immer. Karl und George hielten jeweils einen großen Ast vor sich. Beide waren vornüber gebeugt, und fixierten den Beutel, den Mario zu drehen begann. Wie einen Sack Murmeln leerte er ihn vor sich aus. Die Augen sprangen auf den Boden und suchten ohne zu Zögern verschiedene Richtungen auf. Sie jagten direkt auf uns zu. Ein jeder von uns mußte sich auf eine ganze Horde Augen konzentrierende durch das Grass schoßen. Sie bemühten  sich ganz offensichtlich , sich unsere Blicken zu entziehen. Sie glänzten in der Sonne, aber schon größere Halme machten es schwer sie zu verfolgen. Sie verbargen sich fast dahinter. Ich sah es an den Bewegungen der Gräser, musste aber schnell feststellen, dass ungefähr die Hälfte der Augen, die mir galten, schon verschwunden waren, bevor ich die Taktik richtig verstand. Sie waren clever. Oder gut programmiert. Oder beides.

Misa Teil 18

Und plötzlich sprang ich vor. Und weiß nicht, was mich da geritten hatte. Wie ich auf die verdammte Idee kam. Und dabei sah ich seine feuchten Augen. Nochmal. Ganz nahe. Seinen verwirrten Blick, als er das Gewehr blitzschnell dreht, und mir den Kolben ins Gesicht schlug. Ich hörte etwas krachen, fühlte für eine Moment nichts. Es war als ob mich ein Sturm beiseite fegte. Dann lag ich im Waldboden, spuckte Blut, hörte Bald John stöhnen, und Amanda zu mir rennen. Mario schrie. Und erst in den nächsten Momenten, die mir den Wald wieder brachten, hörte ich seine Worte. „Fesselt ihn. Mit irgendwas, nur fesselt ihn.“

Ich dachte, er meinte mich. Ich wollte mich wehren, aber Amanda drückte mich runter, zeigte mir ihr blutiges Messer und flüsterte mir viel zu nahe ins Ohr: „Danke!“

Misa Teil 17

Die Zentauren betranken sich. Sie trank mit ihnen. Sie lag sturzbetrunken auf der Wiese, starrte und den Himmel, kotzte ins Gras, stand wieder auf, und fluchte.  Sie war stinksauer, sie wurde wütende, sie wollte eine Änderung. Sie schlug einen Ork. Er wehrte sich nicht. Sie trat einem verdammten Troll in den Rücken. Er liess es geschehen. Sie gab einem Zwerg eine Ohrfeige und er lief taumelnd davon. Sie zeigten den Zentauren ihre Brüste. Sie tranken weiter.

Misa Teil 16

Sie fühlte die Waffe in ihrer Tasche, und es kam ihr vor, als ob sich ihre Haltung geändert hatte. Die Waffe wurde zum Mittelpunkt ihrer Gedanken. Alles drehte sich um sie. Sie spielte den Abend durch. Sie wollte sie wegschmeißen, sie behielt sie bei sich. Spätestens morgen, dachte sie, würden die Zeitungen über den Mord in der Champs-Elyse berichten. Sie zu beschreiben fiel den anderen Gästen sicherlich leicht.

Misa Teil 15

Karl war bei jeder Schlacht dabei. Es gab ihm einen Schub. Er wirkte wie ein Fremdkörper inmitten er schmächtigen Jungs aus der Großstadt. Herausragend aus jeder Gruppe, fiel er auf, darum trug er den Helm, eine Pilotenbrille, und das Tuch aus Palästina. Auf dem Rücken seiner Lederjacke hatte er mit weißer Farbe ein Fadenkreuz gemalt.

Darunter stand. „Schieß doch, Bulle!“

Er tanzte die ganze Nacht durch Pogo, trank Bier, spuckte es auf der Straße regelmäßig aus, und ging zurück in den Club. Nach einem Monat hatte er seine erste Freundin. Ein kleines, zerbrechliches Wesen, das am laufenden Band Zigaretten drehte, alles in Frage stellte, und erst in seinen Armen ruhiger wurde. Sie war brüsk, unentschlossen, von daheim fortgelaufen und nannte sich Desaster. Die meisten nannten sie aber Desi. Das machte es einfacher. 

Misa Teil 14

Chrutschtschow war wütend, die Fronten verhärtet, und in einigen Geheimdienstkreisen gingen die wildesten Gerüchte herum. Auch Amanda, die die meiste Zeit in einem Cafe an der Champs-Élysées verbrachte, hatte davon gehört. Sie beobachtete das Kommen und Gehen der Reporter, schlug die Beine übereinander, und machte sich hin und wieder eine Notizen. Die Begleitung der sowjetischen Delegation hatte es tagsüber vorgezogen, Paris zu erkunden. Nun saßen sie unweit von Amanda, lasen das Menu und betrachteten den Verkehr.

Misa Teil 13

Und wieder griff sich Karl eine Elfe, drehte ihr den Kopf um, riss ihr die Flüge aus, quetschte die Augen in Georges Beutel und schmiss den erschlaffenden Körper nach hinten. Ich wich ihr aus. Amanda sah mich kurz an, strahlte, wischte sich den Schweiß von der Stirn und stürzte sich schreiend auf eine Gruppe Zentauren. Sie sprang dem Anführer, einem großen, edlen Burschen mit wallender Mähne, auf den Rücken, griff in sein Haar, und zog im das Messer über die Kehle. George rannte herbei, stellte sich unter den Kopf und fing abermals die Augen auf. Der Zentaure sank zu Boden. Sie schienen Spaß zu haben. Alle zusammen.

Misa Teil 12

Im Westen der Estancia, wo die Weideflächen fast schon übergingen in die Ausläufer der Anden, fanden sich einige tote Rinder. Zumeist Kühe, die trächtig waren. Ihnen war der Bauch aufgeschnitten, aber man fand nirgendwo die Kälber. Die Kühe verbluteten auf der Weide, und Vögel rißen sich Stücke aus den Gedärmen. Mario zog sich ein Tuch vor den Mund, sprang von seinem Pferd und besah sich die toten Tiere. Hier lebten kaum Menschen. Und die, die hier lebten standen in Lohn und Brot bei seinem Vater. Es ging ihnen gut. Ihre Eltern hatten unter seinen Eltern gearbeitet. Alles hatte seine Ordnung. Keiner von ihnen würde es wagen, seine Rinder zu töten.

Nova Orleans (vormals “Ach, Bankea!” bzw. “Bankea reloaded”)

Bis zum Januar 2016 pflegte ich in unregelmäßigen Abständen eine Webseite mit einem Blogroman. Das Projekt hatte verschiedene Namen (“Ach, Bankea!”, “Bankea reloaded” und “Nova Orleans”). Da ich immer wieder dazu neigte, alles zu überarbeiten, an allen Ecken und Enden weiter zu schreiben, ohne es fertig zu bekommen, erstarb irgendwann das komplett Projekt und wurde…

Scroll to top