Der Spieler – Teil 11

Der Spieler – Teil 11

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der elfte Teil, indem eine Zeitungsmeldung viel zu ungenau ist, eine Hose zu dreckig und Mike zu jung aussieht. Der See zu verschlammt. Und allsowas.

Andreas Allgeyer, 02.02.2026

Als ich meine Nachrichten las, kam mir das wie umgekippter Zettelkasten vor. Mir gefiel das nicht. Ich wusste nicht, was Cörd von mir wollte. Das gab mir keinen Aufschluss. Das erklärte keine fehlende Stunde. Schon gar keine Nacht.

Ich sah Inge an. Sie trank einen Schluck von ihrem Kaffee. Die Ruhe selbst. Unerschütterlich. Das war das, was mich damals an ihr fasziniert. Das war das, was mich gerade irritierte.

Inge war ein raues, ungehobeltes Mädchen und später eine wilde, ungestüme Frau. Ich war mal sehr begeistert.

„Cörd hat mir einen Screenshot von einem Zeitungsartikel gesandt.“ Ich schüttle den Kopf. „Ist mein Geld vorhanden? Ich meine, fehlt irgendwas?“

Inge hob die Schultern, ließ sie fallen und stellte die Tasse auf das Fensterbrett. Es war die Tasse mit dem Aufdruck von Cörds verzogener Katze. Sie löste sich etwas vom Fensterbrett. Stand fester auf ihren Beinen. Beobachtet mich.

„Ich habe keine Ahnung. Dein Geldbeutel ist in der hinteren Hosentasche. Du hattest wohl diese hässliche Cargojeans an.“

Die Cargohose. Die Gabel. Ich trug die Cargohose, aß den Dönerteller, ließ eine Gabel mitgehen. Was hatte ich mit der Gabel vorgehabt? 

Inge verließ kurz die Küche. Kam wieder.

„Hier!“ Sie reichte mir die Hose. „Ich habe keine Ahnung, ob was fehlt.“

Meine Hand griff mechanisch zu, aber wenn das meine Hose war, dann hatte sie eine Nacht auf dem Schrottplatz verbracht. Und danach ein Schlammbad genommen.

„Die anderen Sachen sind in der Wäsche. Standen vor Dreck. Die Taschen waren leer, sorry. Bei der Hose…ich wusste nicht so recht.“

„Sahen die anderen Sachen auch so aus?“

„Hmm.“

„Was hmm?“

„Ja, sie sahen auch so aus.“

Cörd hatte mir Romane zu seiner Katze geschrieben. Am Schluss, so verstand ich das, hatte er sie wieder gefunden. Sie war bei den Nachbarn. Wo sie immer war. Leckerbissen bekam, einen Schlafplatz hatte und jeder sie liebte. Immer. Immer wenn das Leben zu einem Chaos wurde und Cörd sie vergaß, flüchtete sie zu ihnen.

Morgens um vier hatte er sich schlaflos durch die Seiten des Lokalblattes bewegt. Es konnte die Augen nicht zu machen. Das eine schmerzte fürchterlich. Das andere war tauglich genug zum Lesen. 

Das Bild von Mike1516 war unscharf und schon einige Jahre alt. Es war merklich jünger, grinste in die Kamera, aber wesentlich entschlossener als er es gestern mir gegenüber tat. Alles in allem wie ein Abiturient im Abschlußjahr. Der See, der auf dem zweiten Bild war, glich einem der typischen Altrheinarme. Von denen gab es hier viele. Im Sommer ein Hort für Stechmücken. Verwachsenes Grünzeug, verschlammte Ufer. Orte an denen sich nur Reiher und Angler wohlfühlen. Jahrhundertealte Bäume, die im Schlick und Matsch verrotteten. Inge sah mir über die Schulter. 

„ Was hast du gemacht, Klaus?“

Klaus werde ich genannt, wenn die Kacke am dampfen ist. Wenn es gut läuft, dann vergesse ich meinen Namen. Wenn es schlecht läuft, rufen mich die falschen Menschen mit ihm. Wenn es beschissen läuft, sprechen mich meine Freunde so an.

Michael K.,25, – sie schrieben den Namen nicht aus –  wurde erstochen von einem Angler gefunden, der noch vor Sonnenaufgang mit  seinen Stiefeln im Schlamm herum watete und hoffte den Wels seines Lebens zu fangen. Daraus wurde nichts. Der junge Mann lag unter einer Weide und war tot.

Mit der Hose in der Hand wurde mir schlecht. Die Luft blieb weg. Als ob mir jemand den Hals zudrückte. 

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