Der Spieler – Teil 20

Der Spieler – Teil 20

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der zwanzigste Teil, und das wird böse enden.

Andreas Allgeyer.12.02.2026

Wenn sich die Ereignisse überstürzen, dann ist das manchmal nur scheinbar. Die Abfolge hektischer Momente ist abhängig von der Situation, in der man sich befindet, sowie von der eigenen Beteiligung. Was nun passierte, passierte auf verschiedenen Zeitsträngen, die parallel liefen und sowohl das Gefühl unfassbarer Geschwindigkeit aufzeigten, aber gleichzeitig in einem endlosen, gedrosselten Tempo verliefen. Das mich vor allem erstarren liess.

Ich hörte nur noch, wie die Worte wiederholt wurden. Dann fiel ich zu Boden. Dabei versuchte ich mich an dem Stuhl zu halten. Das führte jedoch nur zu einer eingeklemmten Hand. Schmerzte wie bei einem elektrischen Schlag. Ich schrie auf. Als ob der Schmerz sich in tausend Farben manifestierte, explodierte er vor meinen Augen. Ich sah nichts mehr, ich hörte nichts mehr, ich war in meiner Hand und ein Schrei. Der zu einem Wimmern wurde.

Jemand trat in meine Seite. Ich versuchte zu rollen. Kam nicht voran. Versuchte zu robben. Die Schläge prasselten herab. In den unablässiger Folge. Die Vielzahl erstaunte mich, die Folgen erschreckten mich, die Angst nahm in kürzester Zeit zu.  Ich war komplett blockiert, zu erkennen, wer und wieviele daran beteiligt waren. Ich fühlte nur noch eine zunehmende Wunde, die sich auf und unter meiner Haut, in meiner Gedärmen, meinen Armen, meiner Lunge ausbreitete. Die Angst hier und jetzt zu sterben, zu zerbrechen und einfach zu verschwinden, war nur noch verbunden mit der Hoffnung, das es dann vorbei wäre. All das stürzte in einem Augenblick auf mich ein. 

Die Wut, die Angst, die Hilflosigkeit, die Verachtung nichts, aber auch gar nichts tun zu können, das Bewusstsein, das unbedingt schwinden wollte und alles aufnahm. Mit aller Wucht. Alles jetzt sofort. Ich konnte nicht mal schreien.

 Meine Ohren nahmen alles wahr. Ich hörte Flüche. Wütende und schmerzvolle Schreie. Rollte mich auf die Seite. Versuchte mich zu decken. Die Arme vor meinem Bauch zu platzieren.

Ich hatte eine unbeschreibliche, in jeder Faser spürbare Angst, die mich brach, bevor ich überhaupt an Widerstand denken konnte. Es gab zu schnell nach. Es war erstaunlich, dass der Verlust an Würde und jeglicher Verteidigung mit ähnlich die Tränen in die Augen trieb, wie die Tatsache, dass ich keine Luft mehr bekam und den Tod zu schmecken glaubte. Dieser metallische Blutgeschmack, der sich in den Speichel mischt, als würden Messer die Innereien zerstückeln.

Ich fand nichts in mir, was mir helfen konnte. Nur den Versuch irgendwie auszuweichen.  Mit einer Hand halte ich mich in eine Betonkante, zog mich weiter vor. Robbte vorwärts. 

Es fühlte sich schmierig an. Wie Fett, Öl oder etwas anderes dickflüssiges . Die Finger griffen kaum richtig. Gehorchten nicht, als müsste ich alle Kraft gegen tausend Nadeln einsetzen, die meine Muskeln verformten.  Das alles gehörte nicht mehr mir. Ich musste meinen Körper zwingen, mir irgendwie zu gehorchen. Er gehörte nicht mehr mir. Man hatte ihn mir genommen, ihn zerschlagen, zerbrochen wie ein altes Spielzeug. Ich war hilflos.

Waren es auch nur Sekunden, sie wollten nicht vergehen. Als mein Körper kraftlos aufgeben wollte, kippte ich über den Rand, tauchte ein und meine Lungen füllten sich mit Wasser.  Ich hustete, rang nach Luft und mehr Wasser drang ein, durchströmte mich, griff man mir und rief den Tod herbei.

Ich bekam keine Luft mehr. Ich werde hier und jetzt in dieser Brühe ertrinken. In einem Fußbreit Wasser. In einer Pfütze hinter dem Schloss. Einem See, der so niedrig war, das wahrscheinlich noch niemand darin ertrunken ist. Ich schnappte nach Luft. Die Stimmen über mir waren undeutlich, dumpf. Jemand ergriff mich. Zog mich an den Schultern. Hievte mich unsanft auf die Platten.

„Was machst du?“

„ Der Typ ertrinkt!“

„Ja und?“

„Irgendwann ist genug. Ich will wegen der Scheisse nicht in den Knast.“

„Ach was..“

„Schau ihn dir an. Der kratzt ab.“

Sie sprachen über mich und ich fürchtete, sie hatten recht. Ich kratzte ab. Definitiv. Ich sah nicht das Licht am Ende des Tunnels, aber ich merkte, dass es mir nicht mehr wichtig war, was ab jetzt passierte. Schlimmer konnte es nicht werden.  Tränen rannen an mir runter. Sie hätten alles mit mir machen können. Ich war zerstört, gebrochen.

Ich werde sie morden, vierteilen, in ihrem Blut baden.

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