Der Spieler – Teil 19

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der neunzehnte Teil, in dem wir signalisieren, in Frieden zu kommen. Mit leeren, offenen Händen.Andreas Allgeyer. 05.02.2026
„Um von dem Risiko zu sprechen…“
„Ich habe sie in der Hand!“ entfuhr es mir.
Für einen kurzen Moment schien alles still zu stehen. Seine Zigarette verharrte vor seinem Mund.
„Ja.“ Fuhr er ruhig fort. „So können sie das sehen. Das wäre eine Option.“
Er warf sie auf den Boden. Trat sie aus. Die Glut zerbarst unter seinem Fuß.
Aus der Ferne, über den See, erklang ein schrilles, plötzliches Lachen. Dann herrschte wieder Ruhe.
„Es war ihre Gabel. Es sieht schlecht aus. Was hatten sie jetzt vor?“
„Ich will wissen was passiert ist.“
„Sie haben ihn umgebracht!“
Ich schüttelte den Kopf.“Nein!“
„Aber sie wissen es nicht! Und das ist der Punkt! In einem reinen Indizenprozess sind sie erledigt, keine Frage!“
„Der Türsteher, Pedro irgendwas. Der Türsteher muss mehr wissen.“
„Mit Sicherheit! Er hat sie davon abgehalten da drin ein Blutbad anzurichten!“
Hinter ihm löste sich etwas aus dem Dunkel. Eine Gruppe Schatten bewegte sich auf uns zu. Männliches Lachen klang herüber. Er schwieg, sah sich um. Sie kamen näher. Leise hörte ich seine Stimme, die er gesenkt hatte. „Seien sie ruhig, überlassen sie mir das Reden!“
„Hallo, ihr zwei Turteltäubchen, was treibt ihr denn so um die Zeit hier?“ Alkohol schwang in der Stimme mit. Den Klang war schwer, die Zunge kämpft schon etwas mit den Worten.
Er lies sie herankommen. Sprach kein Wort.
Es waren sechs. Ihr Gang war wiegend, fast locker, als schlenderten sie. Sie waren so hochgewachsen, dass ich wieder mal feststellte: Irgendwas hatte sich geändert. Entweder alle wurden größer, oder ich begann zu schrumpfen.
Die Äpfel wurden unruhig in meinem Magen. Mein Puls war spürbar, der Blutdruck stieg. Ich sah mich um. Wir waren allein, der Betonsteg, so breit wie eine Veranda, war vom Wasser umgeben. Hinter mir gab es nur noch den See. Dann lange nichts. Es war nicht die Position, in der ich sein wollte.
„Hattet ihr ein Date?“ Der Sprecher war jener, der ihnen allen vorausging. Die anderen folgten, die Hände in den Taschen, als wären sie Brüder. In der Breite versperrten sie automatisch jeglichen Fluchtweg.
Ich versucht die Situation, meine Chancen und den Rückzug einzuordnen. Das Wasser war nicht tief. In den ersten Metern ging es sicherlich nur bis zu den Knien. Danach, in der Mitte, senkte es sich auf ca. 1,80 ab.
Der See war wie eine Badewanne aufgebaut. In regelmäßigen Abständen wurde die Fische entnommen, das Wasser abgelassen und der Grund gereinigt. Dieser bestand aus einer Art Beton. War alles bekannt, trotzdem war die abgestandene Brühe keine Option.
Sie blieben einen Meter vor uns stehen.
„Ihr seid doch schwul, oder? Na, keine Frage. Wer trifft sich sonst um diese Zeit im Park. Ihr könnt es ruhig zugeben. Wir haben nichts gegen Schwulis.“ Ein hörbares Grinsen. Seine Begleiter fielen zustimmend ein.
Mein Gesprächspartner hatte noch nichts gesagt. Für jemanden, dem ich das Reden überlassen sollte, war das wenig. Ich wollte den Mund aufmachen, aber er deutete mir mit einer Hand an, das zu lassen. Die Reaktion war schnell. Er mußte es an meiner Atmung gemerkt haben.
„Ihr geht jetzt besser. Wir wollen keinen Ärger. Ihr liegt vollkommen falsch und könnte die Folgen wahrscheinlich nicht abschätzen.“ Er hob die Hände wie jemand, der bekunden möchte, dass er in Frieden kommt. Offene Handflächen, nach außen. Abwehrend, aber auch transparent. Keine Waffen. Frieden.
Und dann ging alles viel zu schnell.