Der Spieler – Teil 27

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der siebundzwanzigste Teil, in dem Cörd nicht glaubt, was er weiß. Und natürlich geht es um Sex. Diesem verstohlenen, unausgesprochenen, wilden, von dem wir alle nichts wissen wollen.Andreas Allgeyer, 19.02.2026
Es fiel mir zunehmend schwer die Ruhe zu bewahren. Meine Wunden schmerzten, meine inneren Verletzungen konnte ich nicht bewerten. Der komplette Bauch war ein einziges Chaos aus dumpfen Gefühlen, denen ich keine Beachtung schenken wollte. Ein Teil mochte an meiner verpfuschten Ernährung liegen.
Aber ich hatte noch nicht nachgeschaut, doch mit Sicherheit hatten sich bereits beachtliche Hämatome gebildet. Ich spürte das. Nichts fühlte sich mehr an wie gewohnt. Mein Körper hatte sich in etwas fremdes, schmerzendes verwandelt. Zerschlagen war der richtige Ausdruck. Aber auch ein schlechter Witz.
Mit Sicherheit lief im Hintergrund bereits eine Fahndung. Sehr naheliegend war dabei, dass Cörd nicht ausgelassen werden konnte. Ich spürte fast, wie sich die Stricke zusammen zogen, der Ring immer enger würde. Cörd saß wie eine umzingelte Spinne im Zentrum eines Netzes.
Er liess sich extrem viel Zeit. Das kam mir nicht entgegen. Es erschwerte alles. Ich schnaufte ungehalten. Natürlich hoffte ich, dass er es vernahm. Gleichzeitig wollte ich es vermeiden den Eindruck zu erwecken, ihn drängen zu wollen. Es brannte mir förmlich unter den Fingernägeln. Im wahrsten Sinne des Wortes am ganzen Körper. Doch Cörd gehörte nicht zu denen, dich sich von mir drängen liessen.
Im Gegenteil, ich sah es seiner Miene an. So unangenehm, wie alles für ihn war wäre er eher bereit dicht zu machen, als sich von mir hetzen zu lassen. Wir waren in seine private Hölle getreten. Gerade dabei seinen Dämonen zu begegnen. Das alles war ihm sichtlich peinlich. Sein Gesicht wandelte sich mehrmals zu einer schmerzverzerrte Grimasse. Angesicht seiner Verletzungen durchaus glaubwürdig. Wenn auch etwas sehr grotesk.
Das eine Auge fast zugeschwollen, das andere irrlichterte nervös hin und her.
„Auf solchen Treffen sind die Übergänge natürlich fliessend. Wie bereits erwähnt. Manche der Anwesenden kannte ich, andere nicht. Einige waren ja maskiert.“
„Du auch?“
„Nein! Bin ich Batman? Was soll der Scheiss? Gibt es was lächerlicheres als einen nackten Mann mit einer Maske? Das lässt sich ja kaum toppen!“
Er hob abwehrend die Hände und schüttelte gleichzeitig den Kopf.
„Nein, mit sowas wollte ich nie anfangen. Im Grunde ist mir das alles ziemlich egal. Auch wenn es extrem peinlich ist. Ich hatte nie vor, wirklich niemals vor, dir das zu erzählen.“
„Ist gut, Cörd!“
„Nein, nichts ist gut. Jetzt – im Nachhinein – verschwimmt alles. Und ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Wir hatten..ach, was, ich musste ihm doch vertrauen.“
Ich verzog ungewollt das Gesicht.
Er bemerkte es nicht. Fuhr einfach fort.
„Verdammt, es war ein Richter. Du erkennst seine Visage in Wikipedia. Wir sprachen uns nicht mit dem vollen Namen an. Vornamen reichte. Mehr nicht, aber ich ahnte etwas, und es war einfach. Sehr einfach. Zu einfach fast.
Macht Musik in einer Prog-Rock-Band. Erzählte er. Wahrscheinlich war er froh, dass er jemanden davon erzählen konnte. Ich sehe wohl so aus, als ob mich das interessiert. Natürlich unterhielten wir uns über Musik.“ Er stoppte abrupt. Fuhr dann leise fort. „Er war nicht unsympathisch.
Er kann es nicht gewesen sein, Klaus. Ein Mord. Nein.“
„Du kennst ihn doch überhaupt nicht.“
„Der Mann lebt eine bürgerliche Existenz. Frau, Kinder, Villa am Stadtrand. Hinter der Waldstadt. Er muss sich regelmäßig bei den Cops melden, damit sie ein Lebenszeichen von ihm haben. Der lebt in einer Bedrohungslage.“
„Trotzdem war er auf dieser Orgie.“
Cörd zuckte mit den Schultern.