Der Spieler – Teil 28

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der achtundzwanzigste Teil, und – Himmel – es gibt endlich, endlich eine Dusche.Andreas Allgeyer, 19.02.2026
„Es ist undurchsichtig. Verschwommen. Dieser Stricher, der tote Junge…“
„Mike!“
„Der war ja gar nicht dort.“
„Woher ..?“
„Mike? Wie gesagt – Datingapp.“
„Ok, vergiss das mal.“ Ich versuchte ruhig zu bleiben, verständnisvoll. Ich spürte das verkrustete Blut auf meiner Haut, Hätte es gerne weggeknibbelt.
„Ich brauche Namen, Cörd! Ich habe keinen Anhaltspunkt, und du weißt mehr als ich. Wie ist der Name von dem Richter. Du hast ihm von der Platte erzählt, richtig? Du bist ein Angeber, und du warst froh, dass sich jemand dafür interessiert. Verständlich, aber ich brauche einen Namen. Sonst endet das alles mit einem Mord, den man mir in die Schuhe schieben will.“
„Hans-Jürgen Blumscheid!“
Ich war verwirrt. Mein Blick muss das verraten haben. Der Name sagte mir gar nichts. Ich hatte ihn noch nie gehört. Er war mir komplett unbekannt. Wer sollte das sein? Cörd tat so, als wäre er prominent, aber ich dachte, ich kenne diese Stadt und ihr Bewohner. Ihn kannte ich definitiv nicht.
Wer sollte das sein?
„Gib mir mal dein Handy!“
Er öffnete sein Handy, reichte es mir und sah mich dabei erwartungsvoll an. Als wäre er stolz darauf.
Mit zwei Klicks hatte ich ein Bild von Hans-Jürgen Blumscheid. Er war tatsächlich in Wikipedia.
Ich stand auf.
„Ich brauche Klamotten.“
„Was hast du vor?“
„Ich kann hier nicht bleiben. Klamotten. Verbandszeug, wenn du welches hast. Ich benutze deine Dusche. Ist okay, oder?“
Ich wartete gar nicht ab, was er mir antwortete. Ich war schon zu lange hier, musste das beschleunigen. Keine Ahnung, was draußen in dem Moment passierte.
Cörd rief mir von der Küche nach, als ich mich in seinem Bad bereits auszog.
„Jogginganzug?“
„Hast du nichts anderes?“
„Nichts was dir passt, Klaus. Sorry. Wir haben nicht die gleiche Größe und du hast ein bißchen zugelegt.“
Ich brummte, drehte die Dusche auf und hatte das Gefühl, als könnte jetzt alles zurückgespult werden, neu beginnen, Kraft in mich einfliessen und ich der Sachlage noch Herr werden. Irgendwie. Dieser Richter musste etwas wissen. Blumscheid. Der Name musste sich einbrennen.
Er bewegte sich in dieser Szene. Jene, in der auch Mike und Cörd sich aufhielten. Mit Sicherheit gab es Querverbindungen. Ich sah sie noch nicht. Aber es war naheliegend. Es war so naheliegend. Das Wasser rauschte an mir runter. Ich bewegte mich nicht, spielte nur mit dem Drehknopf. Ich durfte nicht zu wirr denken. Ich musste mich in Cörds Kreis aufhalten. Je weiter man über den Rand schauen wollte, umso nebliger wurde es.
Mit einer Hand griff ich zur Shampooflasche und kippte mir den Inhalt in einer Bewegung über den Kopf. Ich roch nach Schweiß, Entenkacke und und überhaupt nacht allem, was ich nicht an mir haben wollte. Das Shampoo roch nach Rosen, Mango und noch etwas essbarem. Ich würde wie eine Zuckerstange verführerisch duften.
Unter der Kruste auf meiner Backe kam das Blut wieder zum Vorschein. Tropfte an mir herab und und vermischte sich mit dem Schaum. All dem Dreck, der sich zu meinen Füßen sammelte. Das Wasser über dem Abfluss begann sich braun zu stauen. Ich verlor in der letzten Zeit meine Haare wie eine Katze im Frühling. Und nicht nur vom Kopf. Überall. In meinem eigenen Bad konnte ich kleine Häufchen zusammen scharren.
Als ich den Jogginganzug, grau, mit blauen Aufdrucken, überstreifte, kam ich mir frisch und fast wie neu vor. Bereit mich sofort aufs Sofa zu legen und einzuschlafen.
Ich musste hier raus, so schnell wie möglich. Ich griff nach der Waffe.