Der Spieler – Teil 35

Der Spieler – Teil 35

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfunddreißigste Teil, und Cörd geht es gar nicht gut, aber Radfahrer sind einfach nervig. Manchmal.

Andreas Allgeyer, 03.03.2026

Was ich machen wollte, entsprach natürlich nicht dem, was in den folgenden Minuten geschah. Cörd knallte nochmal gegen die Scheibe. Diese schepperte gewaltig. Der Rennradfahrer  nahm ein zunehmend aggressive Haltung an. Er schien weitere Schläge anzudrohen. Das bedeutete Dringlichkeit. Egal, wie ich es deuten wollte. Mein Spielraum wurde kleiner. 

Von Blumscheid wollte ich gar nicht reden, aber der grinste sowieso nur. Das Vorhaben war nicht mehr das Vorhaben. 

Blumscheid gehörte immer mehr zu den Menschen, die ich schon aufgrund ihrer bloßen Existenz nicht leiden konnte.

„Ich gehe nun raus, und wenn sie sich rühren: Ich drehe ihnen den Hals um.“

„Aber sicher.“ Er konnte das Grinsen nicht lassen. Er begann mich wahnsinnig zu machen. Wirklich.

Ich zog die Verandatür auf und sprang hinaus. Es wirkte wirklich wie ein Sprung. Ging mir ins Rückgrat. Ich stöhnte leicht. Aber versuchte mir nichts anmerken zu lassen. 

Der Radfahrer wandt sich mir zu. Erstaunen hinterließ Spuren in seinem Gesicht. Vorsichtig ausgedrückt. Er wirkte verblüfft. Und im Vergleich zu Cörd wirklich mager.

In seinem Gesicht zeichnete sich bereits die Spuren der Knochen ab. Was die Augen in Höhlen treten liess, die Zähne entblösste und für eine Augenblick alte Ängste in mir hervorrief. 

Seine Pupillen waren vergrößtert, wie eingefasst in weiße Kugeln. Er funkelte mich an. Dabei formte sein Mund ein kreisrundes „OH“, dass es den Eindruck des Erstaunens verstärkte. 

Er schien wirklich nicht mit mir gerechnet zu haben. Seine Haltung war immer noch die eines Box-Praktikanten. Die Fäuste geballt, vorgestreckt. Neben ihm sank Cörd mehr und mehr in eine ungünstige Position. Er konnte sich nicht mehr halten. Wurde ausgezählt.

„Was?“ Fragte ich. Und weil ich darauf keine wirkliche Antwort erwartete, vervollständigte ich den Satz. „Was soll das?“

„Verdammt, Mann! Hier stimmt doch was nicht!“ Seine Stimme war rau, als würde er täglich mit Salzsäure gurgeln. „Wer sind sie? Wo ist mein Vater?“

Zwei Kinder, dachte ich, verdammt noch mal, zwei Kinder. Das lief nicht gut. Ich sah zu Blumscheid. Der war schon dabei aufzustehen, und herumzulaufen. Ich richtete die Waffe wieder auf ihn. Er machte eine Pistolenbewegung mit seiner Hand und drückte ab. Scheiße. Ich schwenkte die Waffe zu dem Radfahrer.


„Hoho, was soll der Mist? Was haben sie vor?“

„Was könnte ich den vorhaben?““

Blumscheid hielt die Hände trichterförmig an den Mund und rief zu dem Radfahrer.

„Das sind Loser!“

Der Radfahrer sah mich unverwandt an.

„Wer sind sie?“

„Tut nichts zur Sache. Wir wollten nur eine Information!“

„Hören Sie auf, die Waffe auf meinen Sohn zu richten, Sie Versager!“

„Halt’s Maul, Blumscheid, oder du hattest mal einen Sohn!“

Der Junge kam näher. Cörd röchelte vor sich hin, Speichel rann aus seinem Mund. 

„Das wäre nicht nötig gewesen!“ Ich deutete auf Cörd.

Der Radfahrer winkte ab, und begann nun zu lächeln. „Ich kenne sie nicht, er stand vor mir, erzählte mir einen Unsinn. Mal im Ernst – was hätte ich machen sollen? Der wird wieder. Alles gut. Kenne mich da aus.“

„In seinem Alter?“

„Sollte man sowas halt nicht machen, oder?“

Er kam mir bedrohlich näher. Ich hatte keine Lust, neben Cörd zu liegen. Die Waffe hielt ich höher, entdeckte einen kleinen Hebel und dachte: Einfach mal ausprobieren. Arg viel mehr kann ja jetzt nicht mehr passieren.

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