Der Spieler – Teil 34

Der Spieler – Teil 34

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der vierunddreißigste Teil, und wenn das Ding aus den Fugen gerät, dann aber richtig. Wer – zum Fux – hält hier das Heft eigentlich in der Hand?

Andreas Allgeyer, 02.03.2026

„Ein Rennradler!“ Cörd sprach vollkommen ausdruckslos.

„Wimmel ihn ab!“

„Wie, bitte, soll ich das machen?“

„Frag ihn, was er hier zu suchen hat, und dann weg mit ihm. Himmel, das kann doch nicht so schwer sein.“

Cörd wirkte unentschlossen. Er sah mich fragend an.

„Na, mach schon“, forderte ich ihn auf. „ Wer, wenn nicht du?“

„Wer, wenn nicht ich!“ Murmelte Cörd „Was für ein Scheißspruch!“

Er schob die Verandatür auf. Trat hinaus. Ich zog sie wieder zu, ließ Blumscheid nicht aus den Augen. Der wirkte – wider Erwarten – kein bißchen verängstigt.

„Ihnen ist nicht klar, wie das hier weiter geht, oder?“ Er sah mich herausfordernd an.

Ich sagte nichts. Deutete ihm nur an, aus dem Sichtfeld zu gehen. Zu einer Sesselgruppe, die etwas entfernt stand. Nicht von der Veranda einsehbar war. Er grummelte etwas, aber sagte nichts verständliches. Er verhielt sich kein bißchen besorgt. 

„Gibt es hier noch jemanden?“

Sein Blick hatte etwas irritiertes. Ich hatte das Gefühl, ich müsste ausholen. Aber, zugegeben, es beruhigte mich. Es schien nicht so , als wüßte er von was ich rede.

„Ein Kind? Eine Haushälterin? Irgendjemand?“

Er schüttelte den Kopf. Verwundert sah ich kurz zu Cörd. Ich dachte, Blumscheid hätte zwei Kinder. Was hatte Cörd mir da erzählt?

Der stand auf der Veranda und sprach mit dem Rennradfahrer.  Nickte, nickte, schüttelte den Kopf. Ich konnte kein Wort hören, die Scheiben liessen nichts durch. Respekt. Vor meinen Augen spielte sich ein Stummfilm ab. 

Die Waffe hielt ich nahe an mein Hosenbein. Etwas abgewinkelt. Eine wirkliche Bedrohung stellte ich für Blumscheid nicht dar. Ich durfte meine Aufmerksamkeit nicht von ihm abwenden. Wie ein Mantra versuchte ich einen Plan aus der Wiederholung der Kleinigkeiten zu formen.

Blumscheid grinste.

„Warum grinst du?“

„Sie sind wie ein offenes Buch. Das ist ihnen vielleicht nicht bewußt, aber man kann nicht nur sehen, was in ihrem Kopf abgeht. Man sieht auch, wie es weiter geht. Und das scheint ihnen nicht bewußt zu sein. – Ich möchte sie daran erinnern, dass so verfahren wie die Situation ist, sie noch immer keine Forderungen gestellt haben und ich keinen Schimmer habe, was sie eigentlich von mir wollen. Ginge es ihnen um Geld oder Wertsachen, so wären sie schon wieder weg. Würden sie mich erpressen wollen – und daran dachte ich zuerst, als ich Kurt sah – dann wäre der Aufwand nicht notwendig gewesen.“

Irgendwas krachte gegen die Scheibe. Es schepperte kurz. Ich sah hin, erblickte Cörd wie er taumelte, und der Radfahrer ihn an die Verandatür drückte. Eigentlich war der ein dünnes Kerlchen. Radfahrer haben einen Hang zur Windschnittigkeit. Gegenüber des massiven Volumens von Cörd wirkte er schmächtig, aber auch schnell. Und Cörd sah man sein Alter stark an. 

Von der Haltung, wie er an der Scheibe klebte, machte er einen überraschten, aber auch atemlosen Eindruck. Er wollte die Hände heben, aber, der Radfahrer schlug sie einfach runter, hielt einen gesunden Abstand und betrachtete meinen Freund mitleidig. 

Was ich gerade auch tat.

Es gab nicht all zuviele Möglichkeiten. Im Grunde konnte man noch nicht mal von Möglichkeiten sprechen.

„Kein Mucks!“ Rief ich Blumscheid zu. Und wollte die Verandatür öffnen.

„Aber niemals.“ Hörte ich seine belustigte Reaktion. 

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