Der Spieler – Teil 46

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der sechsundvierzigste Teil, der nun ganz woanders spielt. Aber wirklich ganz woanders.(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 21.03.2026
Unmöglich zu sagen, wie viele Stockwerke wir hinauf fuhren. Die Geschwindigkeit war erfassbar, aber ich konnte sie nicht abschätzen. Der Druck war erstaunlich, und ungewohnt. Ich spürte, dass es ein Fahrstuhl war, aber wir schienen ohne großen Halt eine Höhe zu überwinden, die ich nicht vergleichen konnte. Bedingt durch die Kopfhörer wirkte es lautlos, aufgrund meiner Haltung unendlich lang, und dennoch stoppten wir sehr bald. Fast erschütterungsfrei. Nur an einer Veränderung der Luft, die plötzlich sauberer und trockener wirkte, waren neue Räumlichkeiten zu bemerken.
Sie stießen mich voran. Der Boden hatte seit dem Fahrstuhl seine Unebenheiten und Rauheit verloren, soweit ich das mit meinen naßen Füßen feststellen konnte.
So traten wir nicht mehr in Pfützen oder kleinere Bäche. Auch die klaustrophische Enge schien verschwunden.
Taumelte ich, um zu testen, ob am Rand eine Befestigung oder Wand war, so fingen sie mich auf, dirigierten mich geradeaus und ich konnte keinerlei Begrenzung zu meinen Seiten feststellen.
Wir waren nicht mehr in einer Höhle, nichts stickiges hielt sich in der Atmosphäre, die ich wahrnahm.
Sie nahmen mir abrupt die Kopfhörer ab.
„Hast du einen Tracker?“
„Bitte?“
„Es wird dir nichts nützen, aber wenn du einen hast, dann werden wir ihn jetzt finden. Besser du rückst ihn gleich raus. Könnte unangenehm werden.“
„Hören Sie, ich werde von der Polizei gesucht. Mir wird ein Mord angehängt. Ich wäre verrückt irgendetwas an mir zu haben, dass meinen Standort verrät. Sie können das sein lassen.“
„Hm!“ Er brummte nicht sehr überzeugt, taste meine Taschen ab.
„Sie sind etwas spät dran, oder? Ich meine, wäre das nicht vor der Fahrt notwendig gewesen?“
„Der Wagen ist abgeschirmt, hier geht auch nichts durch. Mach dir keine Sorgen. Du wirst hier nicht gefunden.“
„Wo bin ich?“
Er gab keine Antwort. Ich hörte einen leisen Pfeifton, glaubte ein Gerät in meiner Nähe zu spüren. Aber da es mich nicht berührte, versuchte ich die Geräusche zu zuordnen. Es gelang mir nur grob.
Sie nutzten auf jeden Fall Technik von der ich nichts verstand. Scheinbar war es ihnen ernst mit der Trackersuche.
„Sauber.“ Sagte die Stimme. Die Geräusche erstarben. Man nahm mir die Maske ab, und ich blinzelte.
Tiefstehendes Sonnenlicht, aus einem gegenüberliegenden Fenster, traf meine Auge. Es blendete kalt und weiß. So wandte ich meinen Blick ab, nach unten.
Mamorboden. Weißer Marmorboden, glänzend, mit grauen Schattierungen. Die steinernen Platten waren unhandlich groß, spiegelten die Decke, die gewölbt eine Himmel präsentierte, der in einem barocken Stil gezeichnet war. Putten, die heuumschwebten, viel Gold an den Rändern und wo immer man es für notwendig hielt. Ich hob vorsichtig wieder den Kopf. Die Fenster waren in ihrer Größe beeindruckend, aber auch leicht uneben und gewölbt. Ihre Rahmen waren kunstvoll verziert , ebenfalls mit Gold und Schnitzereien, die den Saal – ein solcher war es – fast wie eine Bühnendekoration wirken liessen.
Der komplette Raum wirkte historisch, erstaunlich gut gepflegt und dementsprechend eingerichtet Der Fahrstuhl war dagegen ein Stilelement, das nicht passen wollte. Ich hätte mich gerne umgedreht. Allein, es war mir nicht möglich. Wie in einem Schraubstock musste ich in meiner gebeugten Haltung verharren. Als wäre es notwendig, die Ehrerbietung gegenüber den Kommenden einzuhalten. Links von mir, ich nahm es nur aus den Augenwinkeln wahr, öffnet sich die Tür.