Der Spieler – Teil 47

Der Spieler – Teil 47

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der siebenundvierzigste Teil, indem Klaus sehr viel zugemutet wird. Ist ja auch nicht immer gut.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 21.03.2026

Bis zu diesem Augenblick war die Komplexität der ganzen Geschichte irgendwie überschaubar. Ich konnte mir einen Reim darauf machen. Glaubte zu verstehen. In diesem Moment jedoch überfiel mich ein Schauern, das – im wahrsten Sinne des Wortes- mein Blut zum Stocken brachte. Es schnürte mir den Hals zu. Ich bekam für einen Moment keine Luft mehr. Mein Atem setzte aus. Pure Angst kroch in mir hoch. Todesangst.

Ein Schrecken, der mich in vollkommener Hilflosigkeit verharren liess. Da war nur noch die kalte Furcht. Nichts sonst. Hatte ich mich bisher noch an irgend etwas geklammert – mochte es Hoffnung oder was auch immer sein – so war das nun verflogen. 

Als ob der Himmel auf die Erde stürzte. Und sie nun erstickend umarmte. Ich tat mich schwer mit Vergleiche. Was hieß – ich war sprachlos.

In der geöffneten Tür standen – eingerahmt von der barocken Verschwendung des Goldbesatzes und der entsprechenden Verzierungen – Inge und der Richter. Eine Kombination, die ich mir nicht erträumt hatte, aber auch keinen Sinn ergab.

Er, etwas kleiner als sie, ging voraus. Die Brust herausgestreckt, den Kopf nach oben gereckt, erhoben. Als gäbe es etwas, auf das er stolz sein konnte. 

Inge blieb einen Schritt hinter ihm. Mit einem bedauernden, aber verschmitzten Lächeln.  Zeugte von Selbstbewusstsein, aber auch davon, dass der Einzige, der der diese Selbstverständlichkeit nicht in den Kopf bekam, ich war. Sie bedachte mich mit einem Blick, der als vielsagend durchgegangen wäre , wenn ich darin einer Verheißung gesehen hätte. Das Gegenteil war der Fall. Es war mir ein komplettes Rätsel.

Ich starrte sie nur an. Aber konnte kein Wort sagen. Oder mir auch im Geringsten einen Reim darauf machen. Was hier geschah, stellte kein Puzzleteil dar, das ich ihn der Hand halten wollte. Es wollte an keiner Stelle passen, ging nirgendwo rein und ergab kein Gesamtbild.

Als ob alle Nervenenden emsig nach einer Erklärung suchten, begann mein Körper innerlich zu glühen und drohte daran zu verbrennen. Nicht in meiner, noch in irgendeiner Welt, konnte ich das vorhersehen.

So wie Inge hinter ihm herlief war das Verhältnis ein vertrautes. Mein Magen wollte sich nicht mehr beruhigen. Das musste ein Alptraum sein, aber konnte ich mir das nicht erklären. 

Ihr Lächeln war kaum auszuhalten. 

„ Hallo Klaus!“ und zu meinen Begleitern „macht ihn los, wir werden das wohl nicht mehr brauchen.“

Blumscheid nickte zustimmend mit dem Kopf. Sofort gaben sie mich frei und meine Beine knickten ein. Ich konnte mich nicht mehr halten, sackte zusammen wie eine Marionette, deren Fäden gekappt wurden. 

Ich lag auf Marmorboden, versuchte mich abzustützen und den Raum zu erfassen. Die Fenster waren rundherum angebracht. Das was man sah ließ keine Rückschlüsse auf den Ort zu. Es war einfach nur der Himmel zu sehen. Keine Wolken, keine Sonne, und aus meiner Position auch keine Landschaft. Als befände ich mich auf einem Berg oder Turm oder in einem Luftschiff. Letzteres konnte eher nicht der Fall sein. Alles schön ruhig. Geerdet. Ich befand mich definitiv nicht in einem Luftschiff.

Ich stütze mich vorsichtig auf. Das ging in Zeitlupe. Niemand sagte ein Wort. Die Blicke waren auf mich gerichtet, bis Inge die Situation wohl beschleunigen wollte. 

„Helft ihm hoch, das muss ja jetzt nicht sein. Holt ihm einen Stuhl. Ihr seht doch, dass der Mann am Ende ist. Was sollte das?“

Ich vernahm Blumscheids Stimme „Der Mann hat mich mit einer Waffe bedroht!“

„Der weiß ja noch nicht mal, aus welcher Seite der Kugel kommt.“ Inge lachte rau auf.

„Er hat sie immerhin entsichert!“

Hände griffen unter meine Arme, rissen mich hoch. Ich hing wie ein schlaffer Sack an ihnen. Auf einem herbei gebrachten Stuhl setzen sie mich ab. Als rechneten sie damit, dass ich gleich herunter fiel, stützten sie mich. Der Boden war mir näher als alles andere. Unten und oben waren in meinem Gehirn variable Begriffe. Alles, was ich nicht mehr mit bekam, war besser, als das, was folgen konnte.

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