Der Spieler – Teil 61

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der einundsechzigste Teil und es geht immer noch um Flucht. Sieht aber auch alles irgendwie gleich aus. Rot-Rot-Tot?
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 27.03.2026
Vermutlich gibt es keinen Namen für die Bewegungskombination, die ich bemühte. Mein Körper eilte meinen Füssen voraus, mein Schwanken war beträchtlich und mit den Armen ruderte ich wild um das Gleichgewicht zu halten.
Sicherlich glich ich damit so manchem flüchtenden Patienten, der einen Weg suchte, seinen Pflegern zu entkommen. Der Jogginganzug in der Farbe meiner Umgebung mochte für Betrachter das Bild abrunden, ich selbst war nur froh über die Dusche und die Turnschuhe.
Das waren die einzigen Multiplikatoren, die meinen Kräften überhaupt zu diesen Leistung verhalfen. Der Schlaf hatte mir die Erinnerung an mein Menschsein zurück gegeben, aber das Wasser, das ich genossen hatte, gab den Teilen meinen Körpers, die ich vergessen wollte, wieder ein angenehmes Gefühl.
Ich spürte allerdings, wie das alles wieder von mir abfiel. Der Lauf ging zu lange, die Treppen zu tief, und dieser rote Fluch schien kein Ende zu nehmen. Ich hatte nicht mitgezählt, aber gefühlt befand ich mich seit ca. 200 Türen in einem, immer wieder kehrenden, Albtraum aus roten Farbe und Gleichförmigkeit. Auch wenn die Treppen immer nach unten führten, erschloss sich es sich mir nicht, ob ich nun tiefer angekommen war, oder mich wieder am Anfang befand.
Es stach mich in die Seite, meine Muskeln drohten mir einen Krampf an und mein Atem suchte sich einen Rhythmus aus, der sich selbst überholen wollte. Leichte Panik überfiel mich. Diese fiese kleine Todesangst, die mit der Endlich- und Sterblichkeit spielte.
Aber vor allem das ganze System fragil und gebrechlich nannte. Ich humpelte erst, dann lehnte ich mich an eine Wand und harrte der Dinge. Der Schweiß rann mir von der Stirn, über den Rücken in die Pobacke, so dass ich mich fühlte, als ob meine eigene Wärme mich gerade einzukreisen und zu erdrücken drohte.
Ich schnaufte laut ein und aus, schluckte, schnaufte, hustete, stützte mich mit den Händen auf die Knie und sah den Boden an. Rot wie Blut, rot wie dieser ganze purpurnen Albtraum. Würde ich hier meine Eingeweide rauskotzen, dann könnte man sie kaum unterscheiden. Dachte ich.
In meinem Gehirn pochte es immer noch. Der Beat liess nicht nach. Er wollte nun den Takt angeben, und alle Ruhe vertreiben. Aber ich konnte nicht mehr. Tatsächlich, ich konnte überhaupt nicht mehr. Je länger ich hier stand, umso mehr beschlich mich eine Müdigkeit, die mich runterdrückte, und eine Schwere, die diese Müdigkeit begrüßte.
Der Kreislauf konnte sich nicht entscheiden, ob er nun eskalierte, mein Leben schnell mal beenden oder in die Knie gehen wollte. Ich schnaufte, atmete, schnappte nach Luft, und wunderte mich, dass ich keine Verfolger sah. Niemand verfolgte mich. Kein Schritte, keine Schnaufen, keine Geräusche drangen zu mir. Ich stand alleine auf einem Flur, umgeben von schweren Türen, die genau jener glichen, hinter der Blumscheid saß. Ich war mir sicher – würde ich nur eine öffnen – dann würde dahinter Blumscheid sitzen. Oder einer seiner Klone.
Oder Inge. Was war eigentlich mit Inge?
Vor meinen Augen tanzten Kreise. Sie färbten je nach Laune das Bunte in Schwarzweiß oder umgekehrt und versperrten mir die Sicht. Sie waren aufdringlich wie kleine Katzen, aber nichts anderes als ein Symptom dafür, dass das verdammte System kollabierte. War halt nicht mehr das Jüngste.