Der Spieler – Teil 62

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der zweiundsechzigste Teil und um das einzige, was es jetzt gerade geht, ist eine Toilette. Sorry. Aber das muss jetzt sein.
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 29.03.2026
Das mein Magen rotierte hatte ich schon erwähnt. Durch die Anstrengung und Aufregung wurde es nicht besser. Die Zutaten erreichten einen Punkt, der Handlung erforderte. Meine Flucht liess zwar meinen kompletten Chemiebaukasten wirbeln, aber es befreite mich nicht von der unsteten Braukunst in meinem Gedärmen. Ich krümmte mich leicht. Es gehörte noch nicht zu meinen vordringlichsten Problemen.
Aber es entwickelte sich dazu. Was auch dazu führte, dass ich wirklich nicht mit herunter gelassenen Hosen vor meinen Verfolgern stehen wollte. Ich musste mich mit den Türen beschäftigen. Es war wie bei einem Adventskalender. Es war fast unmöglich von außen festzustellen, was sich dahinter verbarg. Es gab Träume, die genau so verliefen. Aber just diese wollte man nicht haben.
Ich sah ich um. Das System schien einfach, aber keinen Bezug zu dem Gang zu haben. Die Türen waren einfach durchlaufend nummeriert. Was ich als Vorteil betrachtete, das war, dass sie – so wie sich mir präsentierten – abwärts führten. Also, die Zahlen und die Flure. Sie wurden niedriger, ich gelangte offensichtlich zu ihre Ursprung, dort wo alles beginnen sollte. Nach meinem Verständnis musste sich genau dort auch der Ausgang befinden. Denn es konnte ja nicht sein, dass man so einen Bau mit der höchsten Zahl begann.
Das war das, zu was ich noch fähig war. Logik wie bei einem Abzählreim. Ich schnaufte durch. Warum mein Magen vor allem mit säurehaltigen Lebensmittel bei Nervosität zu einer explosiven Bombe wurde, war mir nicht bekannt. Wollte ich auch nicht wissen. Aber ich musste eine Toilette finden. Ich ging davon aus, dass irgendeine Tür dafür taugen musste. Keine Frage. Nirgendwo ein Hinweis.
Ich lehnte mich an die Wand, hielt meinen Bauch und stöhnte. Ich schnaufte laut ein und aus. Ich versuchte wieder mal, mich mit Atmung zu beruhigen. Ganz so, als stünde ich vor einer Geburt. Dieses rhythmische Schnaufen, das die volle Konzentration erforderte, konnte gute Dienste erweisen. Aber es wollte nicht funktionieren. Ich warf den Kopf zurück, versuchte zu überlegen, aber es half nichts, ich riss an der Klinke der Tür neben mir.
Sie war verschlossen. Ich versuchte es an der nächsten. Verschlossen. So versuchte ich es Tür für Tür. Den kompletten Gang bis zur nächsten Treppe nach unten. Die Schmerzen ließen mich humpeln. Meine Hoffnung auf Erlösung wurde zu einer Mahnung solche Fehler zukünftig zu vermeiden.
Diese wühlte wie eine feste Faust in mir. Öffnete, schloss sich, griff in meine Gedärme, riss an ihnen herum, und liess mich zu einem Spielball der immer wieder kehrenden Schmerzen werden.
Innerlich heulte ich den Mond an, schrie gegen Himmel und Hölle, lauschte einem Taktgeber und sah mich Sekunden vor der Aufgabe. Aber schaffte es die nächste Ebene hinunter. Die Treppe war dabei ein boshaftes Konstrukt, eine Hürde, eine Falle und der pure Gegner. Ich keuchte. Nicht weil ich außer Atem war, mein Leben Kühlung benötigte, sondern weil ich versuchte, Kontrolle über etwas zu gelangen, dass in mir gegen mich arbeitete.
Die Zahl, die ich von der Tür ablas, an der ich hoffnungslos die Klinke runterdrückte, war 98. Ich fiel beinahe hintenüber. Sie ging auf.