Der Spieler – Teil 60

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der sechzigste Teil und jetzt wird gerannt, gerannt, gerannt. Wo, zum Fux, ist eigentlich der Ausgang?
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 27.03.2026
Es mag wie bei einem Pinguin auf der Flucht ausgesehen haben. Meine Bewegungen waren alles andere als sportlich. Ich machte sowas nie. Nicht mal Yoga oder Ähnliches. Keine Ausreden.
Aber ich rannte, schneller als gedacht. Mal abgesehen davon, dass ich keine Schritte meiner Verfolger hörte. Ich ging ich davon aus, dass ich ihnen weit voraus war. Ich wagte es nicht mich umzudrehen.
An der ersten Treppe – es gab immer Treppen am Ende eines Ganges – sprang ich zwei Stufen auf einmal hinunter. Es war einst – in meinen wilden Jugendjahren – so, dass ich mich mal für Parkour begeistertet habe. Doch es hat nicht funktioniert, weil Parkour nie mit Parkour beginnt. Ich aber wirklich daran glaubte. So dass ich erstmal fünfmal abstürzen zu müssen, bevor ich einen Erfolg verbuchen konnte. Aber fünfmal war dann aber für mich genug. Ich ging davon aus, dass die Hämatome nie mehr verschwinden.
Was übrig blieb war eine Art gesunder Wagemut. Mit diesem sprang ich nun die Treppe hinunter. Als wäre ich knapp der Jugend entwachsen. Ich flog, stolperte, flog, bekam meine Geschwindigkeit nicht mehr in Griff, hielt mich am Handlauf und schaffte es irgendwie in die nächste Ebene.
Das komplette Konstrukt war aufgebaut wie ein Spiel, dass über verschiedene Gangsysteme zum Ziel führen musste. Ich wusste nicht, wo ich mich befand. Im Gegensatz zum Zugang war hier das Lüftungssystem perfekt. Geradezu ausgeklügelt schien es dieses Gebäude auf einem Niveau zu halten. Damit waren die leidlichen Orientierungspunkte wie weggeblasen. Ich hätte mich gerne näher mit den Türen befasst, aber es blieb mir nicht die Zeit das System zu verstehen. Zumal mein Gehirn in einem unsteten Rhythmus lediglich noch einen Takt, aber kein Denken vorgab.
Wie getrieben von einem dumpfen Beat hastete ich vorwärts und war mir sicher, wenn ich tief genug bin, oder überhaupt ein Ende finde – von der Treppe oder diesen entsetzlichen Gängen – dann bliebe mir am ehesten die Chance eine Art Ausgang auszumachen.
In diesem verwinkelten System aus Fluren, die einer sehr eigensinnigen Struktur folgen, schien mir das unmöglich. Diese Gleichförmigkeit, die einem das Gefühl vermittelte, mehrmals wieder dieselbe Situation zu erleben, ermüdete und bot keinen wirklichen Fluchtpunkte an.
Ganz im Gegensatz zu meinem kompletten Verständnis von Architektur, verhielten sich die Gänge wie Uhrzeiger und die Treppen wie ein Kreisverkehr. Trat man oben von Links in das Treppenhaus, öffnete sich ein Stock tiefer der Gang nach Rechts. Würde es sich um ein Haus handeln, dann wären die Flure also freischwebend, kreuz und quer ausgestreckt. In einem massiven Berg – an den ich auf jeden Fall glaubte – war dieses Konzept möglich. Auch wenn es keinen Sinn ergab. Außer dass ich restlos verwirrt war. Ich konnte mich tatsächlich nur an eine Richtung halten. Nach unten.
In der Konsequenz führte alles, wie ein langer Stollen – der immer wieder über das Treppenhaus eine neue Stufe erreichte – einen Weg entlang. Mir wurde das erst langsam klar, dass ich mich eben nicht in einem Gebäude, sondern in einem gewachsenen Schachtsystem befand, dass entweder zu hartem Gestein auswich oder einer Bergader folgte. Um so logischer war es für mich – und ich glaubte fest daran – dass es nach unten zu einem Ende führen musste. Was dann, wenn ich Glück hatte, einen Ausgang bedeutete.