Es war klar. Wenn der Drummer das Bett hüten muss und daher ausfällt – dann wird es ruhig. Aber bei St. Moon wirkte es wie die Manifestation eines Konzeptes. Mit Gitarre und Keyboard standen im NUN zwei Musiker auf der Bühne, die die Langsamkeit zelebrierten, alles noch eine Stufe tieferlegten und den Grundtakt eines Schlagzeuges fast nicht vermissen liessen. Mag es für andere eine Aufgabe sein, hier trafen sich die Atmosphäre mit der Ambition, und St. Moon verfingen sich im Geschwindigkeitsverlust, atmeten ihre Stücke in einer Gemächlichkeit aus, die passend zur Location einen weiten, tiefen Klangteppich ausbreiteten.
St. Moon stammen zu einem Teil aus zwei Mitglieder der Band „Lambs and Wolves“, die mit Alex Keiling vereint, dem Slowcore huldigten und sich in ihm die Zeit gönnten, die alles braucht. Mit Julian Tröndle an den Vocals (abgewechselt mit Alex), formten sie Balladen zu verlorenen, fast endlosen Wanderungen, in den sie die Geige genauso wie Loops einfliessen ließen, um ein Sound zu kreieren, der in der langen Nacht den Blick schärfen mag. Irgendwo über die Berge hinaus hat man dann die Zeit alles nochmal zu fokussieren. St. Moon gibt einem die Zeit ganz locker – das ist alles drin.
Ohne Percussion ging es dann doch nicht, und so sprang Nick Wheeldon ein. Nur leicht und zurückhaltend formte er einen Rhythmus, der seine Anwesenheit zwar zeigte, aber sich fast nahtlos der ruhigen Trägheit der Kompositionen anschloss.
Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon, ein Singer-Songwriter, beherrscht eine ausdrucksstarke, brüchige Stimme, die er verwegen einsetzte um ein Bündel Songs mit einem eigenen Charakter zu belegen. Im Gesang offenbarte sich daher eine Klage, die er leidenschaftlich in einem Umfeld aus Folk als ganz eigenen Blues, etablierte.
Kraftvoller als seine Vorgänger, entschlossener im Detail und nur im letzten Drittel von der Band St.Moon begleitet, zeigte sich Nick Wheeldon als ein Interpret, dessen Charme und Ernsthaftigkeit von purem Understatement geprägt war, aber in der Wucht seiner Aussage Respekt einflösste. Man konnte sich das gut vorstellen, in einem Raum – ganz anders als im NUN – in dem Gläser gehoben, die Gespräche nicht verstummen und Nächte lang sind. Nick Wheeldon würde seine Aufmerksamkeit bekommen.
Er offenbart eine Kraft, die ihm Platz verschaffte. Prägnant, erkennbar – im NUN wäre tatsächlich kein Mikrofon notwendig gewesen, um sein Publikum zu erreichen. Im Zusammenhang St.Moon erreichte er nochmal weitere Optionen. Die zeigten dann, dass der Mann mit einer Band seine Songs nochmal veredeln kann.
Zurück bleibt der Eindruck seiner markanten Stimme, die mit seinen melancholischen Songs, einer Richtung frönt, die der Melancholie aufzeigte und die Story trotzdem mit einem leisen Witz erzählte.
Am 16.05.2026 ist es wieder soweit: Der Vinylexpress präsentiert den 8ten Vinylflohmarkt in der Kulturküche Karlsruhe. In der Kombination handelt es sich um eine einmalige und liebenswerte Tradition, über die schon auf jazznrhythm.com berichtet wurde.
Der Vinylflohmarkt ist eine Institution für Plattensammler, Vinyl-Liebhaber, aber vor allem für jene Sorte Mensch, die sich freut auch ein bißchen neben dem Mainstream zu fischen und die Händler persönlich kennen zu lernen. Dabei in einer sehr gemütlichen Atmosphäre den Tag zu verbringen.
Zu loben sind die beiden Beteiligten: Der Vinylexpress als Veranstalter, und die Kulturküche als Location, die ebenfalls ein sehr gelungenes, eigenständiges Konzept anbieten kann. Bei der Kulturküche handelt es sich um ein soziales Angebot für die Gemeinschaft. Untergebracht in einem der ältesten Häuser der Innenstadt bietet die Kulturküche einen Treffpunkt für alle an, an dem keine festen Preislisten ausliegen, sondern mit gespendeten Kuchen das gezahlt wird, was angemessen ist bzw. das Portmonee hergibt.
Es war also an an der Zeit mit Lucas vom Vinylexpress über das Konzept und die Idee hinter dem kleinen Vinylflohmarkt zu sprechen. Da er sowohl mit der Ausrichtung, aber auch der Gestaltung sehr eigene Wege geht – und der Erfolg ihm Recht gibt -war es sehr interessant, einmal die Unterschiede zu den bekannten Schallplattenbörsen aufzeigen.
Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe
Andreas (Jazznrhythm.com): Ich habe viele Jahre nicht in Karlsruhe verbracht und deine Vinylexpress-Zeit gar nicht mitbekommen. Ich stelle mir das so vor: Du bist mit dem Fahrrad zu Flohmärkten gefahren und hast dort Platten verkauft. Stimmt das?
Lucas (Vinylexpress): Halb. Ich bin tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren, aber es war ein altes Lastenrad, so eine frühe „Long John“-Variante mit Ladefläche vorne. Die wurden früher für Post oder Bäckereien genutzt. Die Idee kam von jemandem aus der Schweiz, den ich auf Instagram gesehen habe – der hat genau so Platten verkauft. Ich fand das super und habe mir innerhalb einer Woche selbst so ein Rad besorgt.
Wir haben dann eine Box draufgebaut und ich bin damit auf Flohmärkte gefahren. In der Praxis war das aber ziemlich anstrengend. Mit 200 Platten, Box und meinem eigenen Gewicht war das kaum noch fahrbar. Es sah gut aus und hatte einen starken Werbeeffekt, aber praktisch war es nicht. Deshalb hat oft ein Freund meine Platten mitgenommen und ich bin nur hinterhergefahren.
Andreas: Warst du nur in Karlsruhe unterwegs?
Lucas: Ja, hauptsächlich lokale Märkte, Messplatz, Stephanplatz oder kleinere Aktionen wie Hof-Flohmärkte. Aber es war insgesamt überschaubar. Später hat sich das Ganze ohnehin verlagert, weil ich einen Platz im Laden in der Südstadt bekommen habe. Dort wurde der Raum zum eigentlichen Anlaufpunkt, das Fahrrad stand eher als Blickfang davor.
Irgendwann habe ich es verkauft – kurz vor der Geburt meines Kindes. Es war schön, aber stand am Ende mehr rum, als dass ich es genutzt habe.
Andreas: Dein Schwerpunkt liegt klar im Hip-Hop-Bereich, oder?
Lucas: Ja. Ich komme ursprünglich aus dem Hip-Hop, habe über ein Schulpraktikum eine Radiosendung gemacht und darüber viele Künstler kennengelernt. Später habe ich auch Konzerte organisiert, vor allem im Bereich 90er-Hip-Hop. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden, und so hat auch das Sammeln angefangen.
Mein Musikgeschmack ist privat inzwischen breiter – viel Gitarrenmusik, auch Elektronisches, ein bisschen Jazz. Aber beim Verkaufen konzentriere ich mich bewusst auf wenige Genres, vor allem 90er-Hip-Hop. Das ist der Bereich, in dem ich mich auskenne.
Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Andreas: Warum diese klare Fokussierung?
Lucas: Weil alles andere mich überfordern würde. Wenn du auf Flohmärkten einkaufst, müsstest du sonst jede Kiste komplett durchgehen. Das ist extrem anstrengend. Ich konzentriere mich lieber auf das, was ich kenne – da weiß ich, was Sinn ergibt, was gefragt ist und was Qualität hat.
Mir ist auch wichtig, keine Massenware zu haben. Lieber eine kleine, gut kuratierte Auswahl. Ich habe meist vier Kisten dabei, und die sollen so zusammengestellt sein, dass man nicht überfordert ist. Qualität statt Masse.
Andreas: Du hast dich bewusst für einen Vinyl-Flohmarkt entschieden und nicht für eine klassische Börse. Warum?
Lucas: Weil mir Börsen oft zu stressig und ungemütlich sind. Es geht dort hauptsächlich ums Verkaufen, die Atmosphäre ist häufig hektisch. Ich komme aus dem Veranstaltungsbereich und habe einen anderen Anspruch: Für mich muss ein Event als Ganzes funktionieren.
Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich gern aufhält. Gute Location, Essen, Getränke, Musik – und natürlich Platten. Aber eben nicht nur als Verkaufsfläche, sondern als Treffpunkt. Auf Börsen gehst du rein, kaufst und gehst wieder. Bei mir sollen die Leute bleiben.
Andreas: Das Konzept ist also bewusst kuratiert?
Lucas: Ja. Ich schaue genau, wer kommt. Keine großen Händler mit riesigen Ständen, sondern eher kleinere Anbieter, Semiprofis und Privatleute. Unterschiedliche Genres, aber keine Massenware.
Mir ist wichtig, dass es eine Mischung gibt: Spezialisten, Plattenläden und auch private Verkäufer. Gerade die privaten sind spannend, weil man nie weiß, was sie dabeihaben. Das macht für mich den Flohmarkt-Charakter aus.
Andreas: Man merkt auch, dass Händler aus dem Ausland kommen, etwa aus Frankreich. Das ist ungewöhnlich.
Lucas: Ja, viele davon trifft man sonst nirgends. Die kommen gezielt, weil sie das Konzept mögen. Und umgekehrt wissen die Besucher auch: Da sind Leute, die man nicht überall sieht. Das schafft eine andere Dynamik als auf klassischen Börsen.
Andreas: Ist dein Publikum anders als bei klassischen Börsen?
Lucas: Ja, deutlich jünger und gemischter. Viele Studenten, viele Leute aus der Szene, auch Menschen, die zum ersten Mal Platten kaufen. Dazu kommen natürlich auch erfahrene Sammler, aber insgesamt ist es weniger dieses klassische „Nerd-Publikum“.
Das liegt auch daran, wie ich werbe – viel über Social Media und weniger über klassische Plakate.
Andreas: Bleibst du bei der Kulturküche als Location?
Lucas: Ja, solange es für alle passt. Das Konzept dort finde ich sehr besonders – viele Nischenangebote, viel Engagement, ein offener Rahmen. Das passt gut zum Flohmarkt.
Die Einnahmen aus den Standgebühren gehen komplett an die Kulturküche. Ich verdiene daran nichts, das ist bewusst so. Für mich ist das ein Hobby und ein Projekt, das sich inhaltlich stimmig anfühlen muss.
Andreas: Planst du Erweiterungen, etwa größere Events?
Lucas: Ich habe überlegt, im Sommer etwas Größeres oder auch draußen zu machen, vielleicht in Kombination mit anderen Veranstaltungen. Aber das ist organisatorisch nicht so einfach. Viele Locations überlegen genau, ob sich so etwas lohnt.
Grundsätzlich will ich das Format aber bewusst klein halten. Sobald es zu groß wird, verliert es seinen Charakter.
Andreas: Wie wählst du die Teilnehmer aus?
Lucas: Es gibt Stammleute, die ich früh informiere. Dazu kommen neue Anfragen, sowohl von Privatleuten als auch von Händlern. Ich schaue mir immer an, wer sich bewirbt und was angeboten wird.
Private Verkäufer ziehe ich oft vor, weil sie den Flohmarkt-Charakter stärken. Wichtig ist mir eine gute Mischung. Wenn es zu einseitig wird, verwässert das Konzept.
Andreas: Also bewusst Auswahl statt „jeder kann kommen“?
Lucas: Genau. Nicht aus Arroganz, sondern weil es sonst nicht funktioniert. Der Rahmen ist klein, und ich möchte, dass das Gesamtbild stimmt – für die Verkäufer und für die Besucher.
Mit ziemlicher Sicherheit wird auch der aktuelle Vinyl-Flohmarkt auch wieder über die Grenzen von Karlsruhe Sammler anziehen, und man darf gespannt sein, wer sich alles einfindet. Soweit bekannt wird auch der Podcast „Vinyl und“ anwesend sein und Live vom Flohmarkt berichten. Auch hier handelt es sich um ein sehr neues, für Karlsruhes Szene interessantes Konzept.
Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords
(You’re the) Ringo Starr
Esoteric Love
Cramps
Change your ways
Sunday on my mind
My Way
Overexposed
Girls
Transistor Radio
Leibstandarte Traci Lords
Uptown Weekend Cruiser
Rubber Doll
Orgeln sich durch den Beat als kämen sie aus der Garage. Ganz dem hippen Sound der vergangenen Jahrzehnte verpflichte klopfen die Real Turds auf einer Vergangenheit rum, die nostalgisch einem ungestümen Jugendkult anhängt. Gewagt im Cover und Titel sind die meisten Titel geschicktes Namedropping. Der Gesang (Tex Dixigas) kommt dabei ungehobelt und frech geradeaus. Punk’n’Roll in bester Tradition. Die Real Turds stehen für Partys, schnelle Zitate und hohe Geschwindigkeiten. Immer Richtung Horizont, immer unter Dampf, trashig genug für jeden Spaß.
Heute der Kult-Kram. Steht bei Dixigas-Records noch im Schrank. Archivware, die fast vergessen ist und nur auf den Seiten von Jazznrhythm.com noch gerne gepflegt wird. Sie holzen und bolzen sich durch 12 Titel als hätten sie vorgehabt einen Stapel Singles rauszuschmeissen. Immer den Fuß auf dem Gas, akzentuierte Gitarrenintros, die sich auf „Hey!“ Und „All right“ etwas zusammen reimen. Passt locker zwischen Bubble-Gum-Bildchen und schreiende Poster.
Die Real Turds beziehen sich dabei auf die Götter der Bewegung , haben die richtig Vokabeln zusammen gemischt, die Regler an den Anschlag gedreht und gnadenlos alles malträtiert, was an Instrumenten im Proberaum rumlag. Das klingt dann entsprechend ungehemmt nach der Geburtsstunde des Beats, stammt aber aus den Gefilden Karlsruhes im Jahre 2006.
Mag der Titel provokant sein, das Cover nicht durch die Zensur kommen, doch die Produktion ist so sauber, dass die Ohren klingeln dürfen. Wenn ihr das Ding findet, dann dürft ihr es euch ruhig gönnen. Die Schweineorgel schwelgt auch noch schön unter dem aufgeregten Chorgesang z.B. wenn die Jungs von den „Girls“ schwärmen. Für die nächste Fete mit dem richtigen Rückblick auf jeden Fall eine nette Sache, die dem Pogo die Würze geben kann.
Das Artwork, in aller Auffälligkeit, ist von Ray Ahn, mitgewirkt hat damals: Jan Hecking, Patrick Bader,Reinhard Beck, Tex Dixigas (himself) und Tobias Graf Carl.
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Mittlerweile ist es eine Institution, ein wiederkehrendes Ereignis und ein Versprechen für Qualität: Das Vereinsheim. In Gestaltung, Aufführung und überhaupt der ganzen Konzeption einmalig, behauptet sich das Künstlerkollektiv um Nico Schnepf (Tasten), David Maier (Moderation und Gesang) und Rouven Eller (Technik und Multimedia) tapfer gegen den regulären Konzertbetrieb. Machen sie doch alles anders, und vollkommen gegen die Regeln.
Das Vereinsheim gründet – so beschrieben sie es nun selber – für fünf Tage eine Band aus kreativen Individuen, die fast sessionartig miteinander proben, und jeweils zwei Auftritte an zwei Abenden in Mannheim und Karlsruhe bestehen bleibt. Danach löst sich das Vereinsheim wieder auf. Was passierte ist Geschichte. Was jedoch genau in diesem Zeitraum geschieht, ist genauso Plattform, wie Experiment und wird von der unglaublichen Lässigkeit der Präsentation getragen.
Der Charme des Vereinsheim liegt in der Vorstellung der Talente, die aus ganz anderen Konstellationen bekannt sind und hier mit der Wucht eines kleinen Orchesters Großes leisten. So zauberte Nico Schnepf an seinen Keyboards einen groovigen, fast nostalgischen Sound, der im Soul beheimatet ist, mit Disco flirtet und im schönsten Clubjazz verharrt. Ein dicker, fetter Klangteppich, der von David Maier gerne mit Charme und einer schlafwandlerischen Professionalität genutzt wurde.
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Unterstützt von Multiinstrumentalisten wie Lui Hill (Drums), Joel Fonsegrive (Bass und mehr), Tomek Witiak (Gitarre und mehr) und Julian Meyer-Hauff (Blasinstrumente und mehr), sowie Liv Solveig (Geige und Vocals) formten sie aus dem swingenden Gemenge etwas Fettes, das auch gerne für die Füße und die schnippenden Finger funktionieren wollte.
Doch das Vereinsheim brachte – wie immer – sein eigenes Wohnzimmer mit. Platzierte die Musizierenden in Sesseln. In einer Runde, in deren Mitte der Platz für die eingeladenen Interpreten frei blieb. So wurde das Publikum zu anwesenden Gästen, die sich um die Spielenden versammelten, ihnen nahe war, auf der gleichen Ebene agierte und keine Bühne, keine Absperrung, keine Distanz mochte dabei stören.
Neben einem jovialen Ton, der Fähigkeit durch ein Programm zu führen – als würde es lässig aus dem Ärmel geschüttelt – ist es diese Nähe, die mit einer beeindruckenden Multimedia-Show, den Reiz des Vereinsheim ausmacht. Das Publikum fühlt sich beteiligt, aufgenommen und als Teilnehmer einer Konstellation, die es nur zweimal im Jahr gibt.
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Dieses Mal war Liv Solveig dabei, die mit ihrer Geige und Stimme einen Teil ihres neuen Albums präsentieren konnte. So kraftvoll, energisch und druckvoll im Detail, aber vor allem mit dem richtigen Material, um zu überzeugen. Eine Songwriterin, die im Wechselspiel mit ihrem Saiteninstrument, die Unterstützung sichtlich genoß. In dieser Kombination ist es auch eine der Eigenschaften des Vereinsheims, den Songs jene Farbigkeit zu verleihen, die ihnen gebührt. Hier sei vor allem auch die Leistung Julian Meyer-Hauff zu erwähnen, dessen Töne swingend Akzente setzte.
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Wie rund und gleichzeitig flexibel sich diese Arbeit gestalten konnte, zeigte sich auch bei den Songs von „Das Paradies“. Der – keine Band, sondern ein einzelner Interpret mit Gitarre – eine fast fröhliche, leichtfüßige Version seiner Songs präsentierte. Und damit einen Ton traf, der sich in das Vereinsheim einfügte, als gehöre er genau dahin.
Überhaupt ist es der harmonische, satte Sound, der ein homogenes, rundes Ding schuf. Als gehörte alles zusammen, genau hierher und jetzt und sofort. Instinktiv schaffen es die beiden musikalischen Köpfe hinter der Geschichte sich genau die Namen zu schnappen, die sie ergänzen und das Thema veredeln.
Angekündigt hat sich das Vereinsheim mit einer neuen Show für den 5/6 Dezember diesen Jahres. Wer es verpasst, an dem wird das Unwiederholbare vorbeiziehen. Ist dann halt so. Aber kann man ja vermeiden.
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