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Kategorie: MusikerInnen

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

(Mit Interview)

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian Graber, vielen noch bekannt als Mitglied und Frontman der Band „We invented Paris“ ging die Dinge schon immer ein kleines bißchen anders an. War „We invented Paris“ unter anderem dafür bekannt, dass sie gerne unter dem Begriff Künstler-Kollektiv angesiedelt wurden, so versucht auch er selbst – nun auf Solopfaden – Wege und Möglichkeiten jenseits des gewohnten Kulturbetriebs zu finden. 

Wo „We invented Paris“ legendär die Möglichkeiten des Couch-Surfings für eine Tour nutzten, sind es nun bei Flavian sogenannte Küchentourneen oder Wander-Konzerte. Wie wichtig ihm diese gemeinsamen und verbindenden Erlebnisse sind, zeigte sich auch bei dem Konzert in den Räumlichkeiten von Dixigas-Records. So konnten sich Interessierte per Mail melden, um einen der raren Plätze zu ergattern, wurden aber auch gebeten, etwas zum Buffet beizutragen.


Dadurch entwickelte sich das kleine Ladenkonzert wie ein gemeinsames Fest, zu dem jeder etwas mitbrachte. Das Konzert selbst wurde allein auf Spendenbasis (also ohne Eintritt) finanziert. Unter diesem Gesichtspunkt lag Flavian Graber viel daran,  das Publikum mit ein zu beziehen, und somit zur gemeinsamen Gestaltung zu laden.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sprengte den bekannten Rahmen. Nicht nur, dass allerlei und sehr verschiedene Zutaten auf den bereit gestellten Tischen zum Gelingen beitrugen, es gab auch die Option in seinen Rezeptbüchern, dem Künstler die Beschreibung einer eigenen Kreation zu hinterlassen. Er versprach doch tatsächlich, sie hinterher nach zu kochen.

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Zusammen mit Nico Schnepf (Keyboard und Akkordeon, Mitglied des Vereinsheims) bestritt Flavian Graber einen Abend an der Gitarre mit schweizerdeutschem Gesang. Das er sie zuvor übersetzt vorlas, betonte die lyrische-poetische Komponente, aber zeigte auch, dass das Wort und ihre Verwendung für Flavian einen wichtigenTeil des Gesamtkonzeptes darstellte.

Es war die Bereitschaft und das Vermögen alle Sinne anzusprechen, die den Abend auszeichnete. Flavian nahm die Anwesenden auf eine Reise zu den Augenblicken und Momenten mit, die er mit eingängigen Kompositionen abrundete. Unterlegt wurden sie dabei  mit den Fotografien (auf einem Lichtkasten) von Nico Schnepf

Glich das Vortragen der gesprochene Teil seiner Texte einer Dichterlesung, so vermittelte der Charme seines Gesangs – in dem Timbre und Ton seiner Heimat – eine Färbung, die die Ruhe und Naturverbundenheit vermittelten. 

Auf diesem Weg zeichnete ihn vor allem die Offenheit aus, die den melancholisch-nachdenklichen Texten eine sympathische Natürlichkeit gaben. 

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian nutzt die Sprache gerne. Sein Spiel ,und die Gestaltung damit, verraten eine lange Liebe, die er mit der Gitarre zu betonen weiß.  In der Zusammenarbeit mit Nico Schnepf am Keyboard gewann es eine fast sphärische und liebevolle Basis – vor allem und auch wegen dem eingesetzten Akkordeon. Nico Schnepf wusste mit ruhiger Hand den Charakter der vorgetragenen Werke zu ergänzen und zu verdichten. 

Wie gesagt, die Anwesenden mitzunehmen, sie kennenzulernen und einzubinden, war ihm Anliegen. Somit kein Wunder, dass es sich am Schluss tatsächlich um eines seiner „vielgerühmten Küchenkonzerte“ handelte, als er den Abschluss genau dort hinverlagerte: In die kleine Küche des Plattenladens. Eine Gestaltung, die an tausendundeine Party erinnert. Jener Ort, an dem dann die besten Gespräche stattfinden, die coolsten Leute zusammenstehen und die Getränke am Nächsten sind.

Flavians Konzerte sind kleine, wunderbare Events, die die Musik wieder als kommunikatives Element pflegen wollen, und man darf gespannt sein, welche Ideen ihn für die Zukunft noch kommen. Denn einen Teil davon will ich gar nicht erzählen, damit es noch die überraschenden Momente für jene gibt, die ihn in den folgenden Monaten nicht verpassen sollten.

Interview mit Flavian Graber (vor dem Konzert)

Interview mit Flavian Graber Graber (ChatGPT- clean Fassung)

Andreas (Jazznrhythm): Hallo, Flavian. Willkommen in Karlsruhe.

Flavian Graber: Danke.

Andreas (Jazznrhythm): Im Vorfeld habe ich mich ein wenig über dich informiert – unter anderem über deine Website und Wikipedia. Dabei ist mir ein Begriff aufgefallen: „Feinkost“. Das kennt man ja eher vom Metzger oder aus dem Delikatessenladen. Was bedeutet das in deinem Zusammenhang?

Flavian Graber: Ich glaube, es hat tatsächlich genau damit zu tun. Feinkost bedeutet ja nicht einfach nur, etwas zu essen zu haben, sondern etwas Besonderes zu genießen. Und so verstehe ich auch meine Musik: nicht als „Fast Food“, das nur sättigt, sondern als etwas Eigenes, Spezielles, das man bewusst hört und genießt.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast früher mit We Invented Paris auf Englisch gesungen, jetzt singst du auf Schweizerdeutsch – und zwar ausschließlich. Wie kam es dazu?

Flavian Graber: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass es Zeit war, We Invented Paris zu beenden. Ich bin älter geworden und an einem anderen Punkt im Leben.
Dann habe ich mich gefragt, wie es weitergehen soll, und vieles ausprobiert. Unter anderem wollte ich herausfinden, ob ich einen Song in meiner Muttersprache schreiben kann, der mir nicht peinlich ist. Ich hatte lange eine ambivalente Beziehung zum Schweizerdeutschen. Es gab einzelne Dinge, die ich mochte – etwa Züri West oder Stefan Eicher – aber insgesamt hatte ich keinen richtigen Zugang dazu.
Als ich dann angefangen habe, auf Schweizerdeutsch zu schreiben, hat mir das unglaublich viel Freude gemacht. Ich kann viel differenzierter ausdrücken, was ich sagen will, und auch den soziokulturellen Hintergrund  mitnehmen, was mir im Englischen so nicht möglich waren. Und gesungen fühlt sich das einfach am direktesten an.

Andreas (Jazznrhythm): Wie reagieren denn deutsche Zuhörer darauf?

Flavian Graber: Ich war selbst überrascht. Anfangs dachte ich, das funktioniert wahrscheinlich gar nicht. Deshalb habe ich auch versucht, auf Hochdeutsch zu schreiben. Aber wenn ich zwischendurch einen schweizerdeutschen Song gespielt habe, kam oft das Feedback, dass der sogar besser ankommt.
Ein wichtiger Punkt war dann der Tipp, die Texte vorher übersetzt vorzulesen. So bekommen die Leute einen Zugang, fast wie bei einem Gedicht. Danach finden sie sich viel leichter in der Sprache zurecht.

Andreas (Jazznrhythm): Ihr habt ja immer wieder ungewöhnliche Tourkonzepte entwickelt – zum Beispiel Couchsurfing-Konzerte oder jetzt deine Wanderkonzerte. Ist das aus der Pandemie entstanden oder ein Konzept, das du weiterverfolgst?

Flavian Graber: Es ist tatsächlich in der Pandemie entstanden. Zum einen, weil klassische Konzerte nicht möglich waren. Zum anderen, weil meine neuen Songs ein aufmerksames Publikum brauchen.
Ich hatte schon früher die Erfahrung gemacht, dass unverstärkte Momente mitten im Publikum oft die intensivsten sind. Daraus ist die Idee entstanden, Konzerte in die Natur zu verlegen.
Man läuft gemeinsam mit einer Gruppe – etwa 30 bis 50 Menschen – durch die Landschaft und hält unterwegs an verschiedenen Orten an, um Lieder zu spielen. Das Besondere ist, dass währenddessen nicht gesprochen wird. Die Leute hören zu und nehmen die Umgebung sehr bewusst wahr. Dadurch entsteht ein durchgehender Spannungsbogen.
Das hat sich inzwischen etabliert – ich gehe jetzt in die sechste Saison und lade auch immer wieder Gäste ein, etwa aus dem Bereich Spoken Word.

Andreas (Jazznrhythm): Wie lang sind diese Wanderungen?

Flavian Graber: Eher Spaziergänge. Meist fünf bis sechs Kilometer, also etwa eine Stunde reine Gehzeit. Es gibt leichtere und etwas anspruchsvollere Strecken, aber alles bleibt im Rahmen.

Andreas (Jazznrhythm): Findet das hauptsächlich in der Region Basel statt?

Flavian Graber: Die regulären Touren ja – etwa 17 Konzerte über den Sommer. Aber ich werde auch immer wieder eingeladen, das an anderen Orten zu machen, zum Beispiel in den Alpen oder am Bodensee.

Andreas (Jazznrhythm): Du spielst hier heute im Plattenladen mit Keyboardbegleitung. Wie sieht das sonst auf Tour aus?

Flavian Graber: Meistens sehr reduziert. Ich nenne das „Küchenkonzerte“. Ich reise mit der Gitarre und spiele unverstärkt, oft in privaten Wohnungen.
Die Konzerte sind öffentlich zugänglich, aber die Adresse bekommt man erst nach Anmeldung. Die Gäste bringen Essen mit, sodass eine gemeinsame Tafel entsteht.

Andreas (Jazznrhythm): Finden diese Konzerte tatsächlich auch in Küchen statt?

Flavian Graber: Ja, durchaus. Der Begriff ist für mich auch inhaltlich wichtig. Er knüpft wieder an das Thema „Feinkost“ an, aber auch an den Küchentisch als Ort.
Für mich ist das ein zentraler Ort – dort passieren Gespräche, Konflikte, Alltägliches. Viele meiner Texte entstehen gedanklich an so einem Tisch. Und es ist ja oft so: Wenn man bei jemandem zu Besuch ist, endet alles in der Küche.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast schon bei We Invented Paris mit Fotografie, Film und Design gearbeitet. Spielt dieses Gesamtkonzept für dich weiterhin eine Rolle?

Flavian Graber: Ja, auf jeden Fall. Ich sehe mich zwar als Singer-Songwriter im klassischen Sinne, aber eigentlich versuche ich eher, Räume und Momente zu schaffen, in denen Menschen etwas erleben können.
Mich interessiert es sehr, verschiedene Kunstformen zu verbinden. Oft sprechen unterschiedliche Disziplinen ja über ähnliche Dinge – nur auf ihre eigene Weise.

Andreas (Jazznrhythm): Wenn man deine Musik einordnen möchte – fällt das überhaupt leicht?

Flavian Graber: Nicht wirklich. Am ehesten ist es wohl Popmusik, vielleicht irgendwo zwischen Indie und Folk. Aber durch die Sprache und die Art der Präsentation kommt noch eine andere Ebene dazu, etwa durch die gesprochenen Texte.

Andreas (Jazznrhythm): Zum Schluss noch eine Frage zu Social Media: Wie stehst du dazu?

Flavian Graber: Sehr ambivalent. Ich merke, dass es mir persönlich nicht immer gut tut. Es hat oft etwas Oberflächliches oder auch Toxisches.
Gleichzeitig ist es natürlich ein wichtiges Werkzeug. Wenn ich es professionell betrachte, geht es darum, die Menschen zu erreichen, die wirklich etwas mit der Musik anfangen können.
Ich glaube nicht, dass es einfacher geworden ist als früher – nur anders. Früher gab es klarere Kanäle. Heute kann man theoretisch sehr viel machen, aber es ist auch ein Fass ohne Boden.
Für mich funktioniert es am besten, wenn ich Social Media als Werkzeug begreife und nicht versuche, dort ständig präsent zu sein.

Andreas (Jazznrhythm): Hast du deinen Frieden damit gemacht?

Flavian Graber: Für den Moment, ja. Wenn ich gar nicht präsent wäre, würde ich den Menschen, die meine Musik entdecken könnten, auch keinen Gefallen tun.

Andreas (Jazznrhythm): Vielen Dank für das Gespräch.

Flavian Graber: Danke dir.

Externe Links:

Flavian Graberhttps://flaviangraber.com

Dixigas-Recordshttps://dixigas-records.de

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Micor "Redemption"
Micor „Redemption“
  • Redemption I
  • It’s everywhere
  • Love is deeper
  • Cat’s wouldn’t do it
  • After all
  • I saw the land
  • All in my head
  • Peace of mind
  • Redemption II

Micor nehmen sich alle Zeit der Welt, steigen langsam ein, verdichten es stark und erschaffen damit ein vielschichtiges Werk, dass sich mit orchestralen Klängen einschleicht. 

Ausgestattet mit der Stimme von Robert Besta, der auch Gitarre und Violine spielt, wagen sich Micor in die Gefilde, die zwischen dunklem, schleppenden Liedgut und der Weite des amerikanischen Folk angesiedelt sind. Das kommt mit dunklem Timbre, einer ausgewählten Instrumentierung (mit Marcus Franzke fliessen auch Trompete und Posaune, neben dem Keyboard ein), aber auch mit dem Mut aus dem Vollen zu schöpfen, daher. 

Micor haben sich aufgemacht, den Chanson schwarz zu färben, die Hymne zu feiern und in der Ruhe den Halt zu finden. Das ergibt ein erdiges, festes Konzept, dass unplugged, und auf der wilden Bühne funktionieren kann, aber vor allem viel Raum für Abende mit einem Blick zum Horizont bietet.

Verwurzelt im amerikanischen Songwriting der großen Individualisten, leisten sie sich die Freiheit, einfach die Dinge mal zu verzögern, noch eine Spur verhaltener angehen zu lassen, um eine Färbung aus Fragilität, schwierigen Wahrheiten und einer eigenen Spielart des Blues zu finden.

Für die Reise im Zug, für den Hobo ohne Ziel, den Rast und die Hütten am Wegesrand. Angenehm in der Produktion, tief im Detail und dem Ideenreichtum. 

Ein Album für das man sich die Zeit nehmen kann, aber auch sollte. Es gibt einiges zu entdecken, und die vierköpfige Band hat sich genug Hilfe geholt, um das Ding angenehm rund zu machen. 

Zur Stammbesetzung gehört noch Stefan Breuer am Schlagzeug, und Johannes Frisch, die zeigen, wie man einen Rhythmus unauffällig drunter schippt, aber dann auch nachdrücklich betont. Können sie alles. 

Für alle, die auch schon mal Cowboy Junikes, Lambchop und ähnliches gehört haben.

Externe Links:

Micor https://www.micor.band

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026
Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

In einigen seltenen Fällen lädt das NUN zu sogenannten Hut-Konzerten an. Das sind jene Konzerte, die vor allem jungen KünstlerInnen eine Plattform geben, bekannt zu werden. Denn der Eintritt entfällt und die Entlohnung findet auf Spendenbasis statt.

Das dieses qualitativ keinen Abbruch tut, und dem wunderbar zusammen gestellten Programm des NUN entspricht, bewiesen die beiden KünstlerInnen Mikk und Slavinski, die am Samstag, dem 28.03.2026 dort gastierten. 

Dabei bestritt die  österreichische Sängerin Mikk nicht nur das Hauptprogramm, doch stellte sie den Headliner des Abends dar, während die Pianistin und Sängerin Slavinski sich als Support präsentierte.

Slaviniski im NUN am 28.03.2026
Slaviniski im NUN am 28.03.2026

Charmant angekündigt von den Kindern des begleitenden Musikers, entwarf Slavinski ein emotional dichtes, aber feingewebtes Konstrukt aus komplexen Melodien. Angelehnt an Folk-Elementen entspannte sich in ihren Werken eine eine atmosphärische Wirkung, die in Dramatik und Ausdruck viele Bezüge und Verweise erkennen liessen. 

Slavinsikis Pianospiel verriet einen großen Erfahrungsschatz, dem ein Sinn für Dramatik, aber auch eine kraftvolle Stimme beiwohnte, mit der sie in der Lage war großflächige Bilder in aller Pracht zu entwerfen. Unterstützt von dem Gitarrenspiel Mikks zeigte sich damit eine Künstlerin, die als Entdeckung zu werten ist, aber aber auch in der Lage war, das ruhige, lauschende Publikum des NUN zu faszinieren.

Die Situation im NUN gleicht damit jenen Konzerten, die ungewohnt für viele MusikerInnen, fast eine Studioatmosphäre nachbilden. Die Intensität, die Teil des Konzepts der kleinen Location ist, wirkte sich auch auf das ruhige Format aus, als Mikk die Bühne übernahm.

Kleine, runde, stimmige Geschichten – „Break-Up“-Songs von ihr selbst genannt – die in einem poppig Gewand mit akzentuierten Americana-Anklängen, allein mit Gitarre, Bass und dem Pianospiel von Slavinski ihren Weg in die Herzen fanden. 

Mikk im NUN am 28.03.2026
Mikk im NUN am 28.03.2026

Mikk hatte das NUN schon mal vor Jahren besucht. Eine gemeinsame Zuneigung formten den Auftritt zu einem intimen Highlight. Der österreichische Klang ihrer Ansagen mit den sympathischen Geschichten aus dem zwischenmenschlichen Bereich taten dabei ihr übriges. 

Mikks Repertoire eröffnete sich als gutdurchdachtes, wohlgeformtes Songwriting, dass stimmig und rund für den Abend, den Morgen, den Tag auf dem Balkon oder Spaziergang durch aufblühende Laubwälder taugt. 

Ausgestattet mit englischen Lyrics fällt die Verortung schwer, gereicht die Qualität doch locker zum internationalen Vergleich und einige Namen mögen in diesem Zusammenhang herum schwirren. Doch hat Mikk eine klare, prägnante, gut verständliche Stimme, die sie leicht erkennbar macht, und auch damit die Eigenständigkeit beweist. 

Mit ihr zeigte sich eine Musikerin, die eingängiges Material scheinbar im Vorbeigehen aus dem Ärmel schüttelt, so leicht und lässig trug sie ihre Stücke vor. Alles in einer verhaltenen, transparenten Umgebung, die sie zu nutzen wußte. 

Zwei Alben liegen auf Bandcamp, aber auch den Streamingportalen vor. Für die schönen Augenblicke. Könnte man nicht nur, sollte man vor allem.

Externe Links:

Mikkhttps://mikkmusik.com/

Mikk (Facebook)https://www.facebook.com/mikkmusik/?locale=de_DE

Mikk (Instagram)https://www.instagram.com/mikkmusik/

Slavinski (Facebook) https://www.facebook.com/p/Slavinski-100071333320962/

Slavinski (Instagram)https://www.instagram.com/slavinski_music/

NUNhttps://nun.cafe

Tonspur Nr. 33: Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Tonspur Nr. 33: Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“
Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Birdy SanJazz ist ein Soundtüftler. Einer Bastler, der in einem wilden Sammelsurium aus vergessenen Klängen lebt. Alles was er irgendwo zusammenklaubt wird zwischen seinen Fingern zu Ton, Erde und formbarem Material.

Man mag sich ihn vorstellen, wie er abgegriffene Cover durch die Finger flippen, das Mikrofon an  und die verschleppten Loops laufen lässt.

Dort wo sich vielleicht andere nicht hinwagen, aber genau der Rhythmus abhängt, mit dem die Lässigkeit über die Straße und in den Club schlurft.

Es ist die Liebe zum Detail, die dieser Platte ihre Würze gibt. Sie also sowohl im Hintergrund, wie auch als Tagesrhythmus funktionieren lässt. Ganz locker scheinbar, und doch ungewohnt in der Tiefe und im Fokus. Der „Goldene Schnitt“ wird eingangs erklärt, zieht sich wie ein roter Faden durch und verdeutlich eine Philosophie, die so angenehm wie mystisch ist. 

In der Zusammenarbeit mit Hydrogenii und Johannes Onetake präsentiert sich hier ein übergreifender Flow, der sich vom Jazz nährt, in der Zukunft angelehnt ist und in seinen Lyrics konkret-verspielt in einem Level bleibt, um  – farbig und fett – unbedingt das aufkommend Jahr zu feiern.

Kannst du hören, wenn du die Sonne im Baggersee versinkt, aber auch, wenn du mit dem Roller durch die warme Stadt cruist.

Wer Quellenforschung machen will, ist hoffnungslos verloren. Es wimmelt vor Zitaten, Verweisen, Versatzstücken, Samples, aber greift so ineinander, dass die Eigenständigkeit alles überlagert, und in der Stimmung so rund wie die Scheibe bleibt. 

Die Wörter fließe, als würden sie auf den Beats reiten. Gesurft wird in Zeitlupe, das Stakkato bleibt erhalten. Der Jazz unterlegt den Gang durch die Gassen und die Betrachtung der Szene. Es macht Sinn, das alles noch mal zu hören. Oder drei mal, vier mal. Wird nicht langweilig. Weder im instrumentalen, noch in seinen Zeilen. Ein Werk, dem man anhört, das an den Ecken geschliffen , die Schichten einzeln betrachten wurden und es einfach gereift ist.  

Ein Angebot an alle, die mal was entdecken wollen. Geht auch am Schreibtisch, und mit dem Bier in der Küche sowieso.

Externe Links:

Birdy SanJazzhttps://birdysanjazz.bandcamp.com

Johannes Onetakehttps://johannesonetake.bandcamp.com

Hydrogeniihttps://www.instagram.com/hydrog3nii/