Der Spieler – Teil 25

Der Spieler – Teil 25

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfundzwanzigste Teil, und wenn man das alles richtig verstehen will, dann geht es jetzt um wilde Dinge.

Andreas Allgeyer, 14.02.2026

Cörd räusperte sich. Strich sich bedächtig übers Kinn und nahm die Haltung eines Großvaters ein.  Der seinen Enkeln etwas erzählen will. Es war ihm sichtlich unangenehm, aber er nahm Anlauf.

„Weißt du, es ist nicht einfach. Ich werde alt.“

„Das geht uns allen so, Cörd. Wirklich. Schau mich an. Ich sehe mittlerweile aus, als seien wir verwandt.“

„Keine Witze, Klaus. Ich meine es Ernst. Was mir heute noch Vergnügen bereitet, dass ist mir peinlich und kostet außerdem Geld.“

„Du meinst diesen Stricher?“

Er winkte ab. In seinem unverletzten Auge bildet sich ein Glanz, in seinem verletzten sowieso. Seine Stimmlage senkte sich.

„Niemand bekleckert sich mehr mit Ruhm.“

„Ist es nicht das, was uns scheißegal sein kann? Auf der dritten Beerdigung, auf der ich war, hatte ich beschlossen, dass mich das nichts mehr angeht. Ehre, Ruhm, und all der ganze Quatsch. Einige unserer besten Freunde hatten nichts davon gehabt. Die Enkel wollen nur dein Geld.“

„Ja,“ er seufzte. „Ist schon okay. Wenn ich mit dir nicht darüber reden kann, mit wem sollte ich es sonst tun. Meine Katze weiß schon Bescheid.“

Er drehte das Glas in seiner Hand, hob es hoch, betrachte es, nahm aber keinen Schluck. Schien nur die Lichtbrechung zu beobachten. Als denke er darüber nach.

„Du kennst das Musikerviertel?“

„Ja.“

„Heißt so, wegen den Straßennamen.“
„Ich weiß.“

„Begehrte Wohngegend. Die Villen, nicht wahr? Ich war ganz überrascht. Hatte ich nicht mit gerechnet, bis ich die Adresse las.“

„Wie bist du an die Adresse gekommen?“

„Schwieriges Thema, ich weiß es nicht mehr, wie das genau lief. Es gibt Gruppen, innerhalb der Sozialen Medien für Spezialthemen. Manche sind geschlossen. Manche sind offen. Geht es um LGBT-Themen sind sie geschlossen. Logisch, man will ja den Rechten kein Futter liefern.“

„Verstehe.“

„Bist du in einer dieser Gruppen, dann werden dir andere angeboten. Algorithmus, nicht wahr? Deine Interessen sollen ja abgedeckt werden. Also bin ich in einer Unzahl von Gruppen. Die meisten sind leer und tot. Oder voll Spam. Ich verstehe manchmal nicht mal, in welche der Gruppen ich gerade bin. Manche sind lokal orientiert, manche für die ganze Republik. Das übliche, ich denke du kennst das. Für mich ist das nicht anderes als in den Schallplattenbereichen. Viel Gelaber, massiv viel dummes Zeug. Aber irgendjemand lud mal ein. In eine Villa im Musikerviertel.“

„Damit ich das verstehe, du bist in einem Forum, dort lädt man dich ein. Und weil alle so nett sind, gehst du dort hin? Warum hast du mich nicht informiert, du Verrückter. Hast du keine Sorgen, kein bißchen Angst? Oder ist dir das alles egal?“

„Wenn du ein halbes Jahr mit bestimmten Charakteren online abhängst, dann kommen die dir wie alte Bekannte vor. Die Adresse hatte nicht nur ich. Gab keinen Grund, dem zu mißtrauen.“

„Eine Privatdresse, ich bitte dich..“

„Ja, scheiß drauf, es ist jetzt nicht gerade die Zeit, in der öffentliche Orgien gut angesehen sind. Da trifft man sich lieber privat.“

„Wie stelle ich mir das vor?“

„Du stellst dir am Besten gar nichts vor. Darum geht es nicht!“ 

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