Der Spieler – Teil 38

Der Spieler – Teil 38

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der achtunddreißigste Teil, und – Gottseidank – geht es endlich um Toiletten.

Andreas Allgeyer, 14.03.2026

Cörd kam langsam näher. Mit diesen schleppenden Schritten, die alles über seinen Zustand verrieten, aber nichts gutes verhießen. 

Er versuchte mich im Auge zu behalten, um zu verstehen, was ich von ihm wollte. Als er in meiner Höhe war, zog ich ihn zu mir, sah ihm in das eine Auge. Und flüsterte ihm ins Ohr. „Ich muss auf die Toilette, ernsthaft. Cörd, du musst übernehmen.“

Er wandt seinen Kopf ab, Richtung Blumscheid, sah dann auf meine Waffe. Das eine, nur das eine Auge weitete sich. Das andere konnte nicht.

„Ich gebe dir jetzt die Waffe. Und du hälst sie einfach in dieselbe Richtung, verstehst du? Einfach draufhalten, ist das klar? Nicht abdrücken, sie ist entsichert.“

Die Unentschlossenheit war ihm anzumerken. Der Fluchtversucht naheliegend. Cörds ganzer Körper schien sich zu sträuben. Ich nahm seine Hand, richtete seinen Arm zu Blumscheid aus und steckte die Waffe hinein. Es war einfacher als ich gedacht hatte. Mit seinem gesunden Auge fixierte er Blumscheid, hielt die Waffe starr und leckte sich die Lippen, als müsste er sich konzentrieren. Aber ich wußte, dass es um das Blut ging, dass wie die Glanzschicht eines Fettstiftes auf seinem Mund lag.

„Sie ist entsichert?“ Seine Stimme leise genug, um nur mich zu erreichen.

„Ja, wenn du abdrückst, dann reißt sie entsetzliche Löcher.“

Er rührte sich nicht, blieb so, während ich langsam, den Blick immer auf ihn gerichtet, in den Flur trat. Ich hatte kein Vertrauen in die Situation. Mein Gefühl riet mir ab, meine Blase bestand auf den Rückzug. Im Zweifelsfall gewann immer meine Blase. Ich gab das gerne erbarmungslos zu. Die Natur befand sich im Krieg mit mir. 

Aber ich wußte, ich war damit nicht alleine.

Die Toilette eines Palastes ist selten angemessen, meistens findet man auf den Boden der Tatsachen zurück. Damit an den einen Ort, an dem der König nicht mehr der König ist. Sie befand sich zwei Türen weiter. 

Als ich sie aufstieß wähnte ich mich in der Einfallslosigkeit eines Mietshauses. 

Die Aura des Wohnzimmers ließ ich hinter mir und trat in eine gekachelte Räumlichkeit, die an Fantasielosigkeit nicht zu überbieten war. Es gab alles. War auch von antiseptischer Sauberkeit, sogar das Toilettenpapier hatte das gefaltete Dreieck, aber es wirkte, als hätte ein Designer in den Siebzigern den Geist jener Tage einfangen wollen. Der Spiegel war rund, das Waschbecken die Hälfte davon, die Kacheln, wie das Porzellan in einem grellen Orange und selbst die Wände und Decke waren in diesem Ton gehalten. 

Hier hatte sich seit 50 Jahren  nichts mehr getan. Aber angesichts der guten Pflege landete ich in der Zeitreise. 

Während ich mich breitbeinig vor die Schüssel stellte, die Brille nach oben klappte und mit Erleichterung den Dingen ihren Lauf liess, hörte ich Geräusche, die ich nicht deuten konnte. Die mit einem ohrenbetäubenden Knall endeten. 

Ich erstarrte. Mit meiner rechten Hand verharrte ich, aber mein Körper krampfte, meine Füße wollten weg und mein Hirn weigerte sich zu erfassen, was ich gerade gehörte hatte. 

Das war ein Schuss. Und glaubt mir, ich hatte noch nicht all zu viele Schüsse gehörte. Eigentlich keinen einzigen aus einer polizeilichen Dienstwaffe. Nur Luftgewehre. Wenn es hochkam. Aber ich wußte sofort, keine Frage – das war ein Schuss.

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