Der Spieler – Teil 39

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der neununddreißigste Teil, und alles geht auf Cörds Kosten. (Mal zwischendurch: Liest das eigentlich jemand?)Andreas Allgeyer, 16.03.2026
Was nun passierte, das kann man in wenigen Worten erzählen. Ich verstaute alles, aber empfand es als zu langsam. Klemmte dabei ein bißchen Haut in den Reißverschluss. Sehr schmerzhaft. Riss die Türe fast auf, was diese mit Widerstand beantwortet. Egal, was ich gerade tat – ich wähnte mich in einer Zeitlupe, die die Sekunden dehnte, kostbare Momente fraß und mir das Gefühl gab, dass mir alles aus der Hand glitt. Was schief gehen konnte, das ging gerade schief. Mein Herz raste, mein Hirn pochte, meine Angst fraß sich in die Lunge und ich schrie fast, als Cörd vor mir lag.
Verdammte Scheiße, dachte ich, was denn noch alles? Und starrte den Burschen mit dem Trikot an. Er hielt die Waffe in seinen Händen, war aschfahl, als wolle das Leben gerade von ihm weichen, aber hielt die Waffe tapfer in der Hand. Und richtete sich nun auf mich.
Ich fragte nicht, was oder warum oder wieso, denn es war ganz offensichtlich, was gerade passiert war. Irgendwie hatte Cörd die Kontrolle verloren, der junge Blumscheid sah seine Chance und nun lag Cörd auf dem Boden und starrte fassungslos die Decke an.
Immer noch die Waffe auf mich gerichtete, stammelte der Bursche: „Ich wollte das nicht!“
Aber hielt daran fest, mit dem Ding auf mich zu zielen.
Mein Gesichtsausdruck musste alle Fragen beinhaltet haben, die trotzdem in meinem Kopf rum kreisten.
So wiederholte er seine Worte, gleichbleibend, in der selben Stimmlage, als wäre er eine angeknackste Schallplatte: „Ich wollte das nicht!“
Ich hatte überhaupt keine Lust mit ihm zu reden. Nichts lag mir ferner. Ich sah auf Cörd, und beobachtete, wie sich eine rote Spinne an seiner Schulter mehr und mehr vergrößerte. Er atmete noch, doch das eine Auge war aufgerissen, als verstünde er die Situation nicht. Das andere, wir wissen es, konnte nicht mithalten.
Ich hätte den Jungen gerne windelweich geprügelt. Nur die Waffe war im Weg, ich verharrte. Hob vorsichtig die Arme und machte beschwichtigende Zeichen.
„Nicht bewegen!“ Der Junge hatte einen Befehlston drauf, als würde er beweisen wollen, dass die Fassung und alles wieder kam.
Ich hasste ihn, die Situation, aber hatte riesige Angst um Cörd. Wenn die Geschichte so weiterging, kam er nur noch stückweise da raus. Oder eben tot. Beides ergab keinen Sinn.
Ich ballte die Hände. Beherrschung und kühle Überlegung sind nicht mein Ding. Ich war kurz davor, auf die beiden zu zustürmen. Mir war fast egal, was dabei passiert. Aber es ging um Cörd. Ich spürte ein Zittern und ein leichtes Schwindelgefühl. Ganz abgesehen von dem Reissverschluss, der mir wirklich Schmerzen verursachte. Ganz im Ernst.
„Es ist noch nicht zu spät!“ Ich glaubte, ich klang wie die personifizierte Vernunft. „Er lebt noch. Sieh ihn dir an.“ Blumscheid und der Junior folgten meinem Finger. Der Vater hatte sich bisher ruhig verhalten, aber sah mich fragend an. „Wollen Sie aufgeben?“
„Ich will, dass sie meinen Freund nicht verrecken lassen, Herrgottnochmal!“
„Wir können die Polizei rufen.“
„Lassen Sie mich ihn doch erstmal ihn ansehen.“
„Verstehen sie etwas davon?“
Ich log (Was sollte ich auch sonst tun?) „Sicher!“