Der Spieler – Teil 40

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der vierzigste Teil, in dem Klaus irgendwas verliert. Das Heft in der Hand? Die Geduld? Cörd?Andreas Allgeyer, 16.03.2026
„Wir rufen trotzdem die Polizei!“ Rief der Richter entschlossen und drehte sich um. Viel zu spontan. Ich konnte nichts dagegen sagen.
Natürlich ruft ihr die Polizei, dachte ich. Und liess alle Vorsicht fahren. Ich ging zu Cörd – und in die Knie. Das knackste gefährlich. Hatte auf den Reissverschluss ebenfalls nachhaltige Auswirkungen. Aber ich war schon in jenem Modus, der wie eine Drohung über mir schwebte.
Mir begann alles egal zu werden. Das Ding war verfahren. Vielleicht ein Fehler. Vielleicht häuften die sich nun. Aber Cörd war wichtiger.
Der Fleck auf seiner Schulter nässte, und verbreitete sich stetig. Er verlor massiv Blut. Soviel Ahnung hatte ich.
„Rufen Sie einen Krankenwagen.“ Gab ich Blumscheid auf den Weg. In der Hoffnung, dass er mich noch vernahm.
Ich hatte schon mal jemand zurück gelassen, und dessen Waffe lag jetzt in der Hand eines nervösen Radfahrers. Mit Cörd sollte ich vorsichtiger umgehen.
Der sah mich verwundert an. „Ich kann mich nicht bewegen.“
„Spürst du was?“
„Das ist eine blöde Frage, meine Schulter hat es zerrissen. Wie sollte ich da nichts spüren?“
„Was kannst du nicht bewegen?“
„Keine Ahnung, Klaus, frage mich nicht so Zeug. Ich habe das Gefühl eine gigantische Faust drückt mich auf den Boden.“
Das war eine sehr blumige Antwort. Die ich nicht erwartet hatte.
„Die rufen einen Krankenwagen. Hoffe ich.“
„Wer?“ Er sprach erstaunlich flüssig, trotzdem troff Blut aus seinem Mund.
Seine Kleidung konnte den Fluss aus seiner Schulter nicht mehr abfangen. Es bildete sich eine Lache.
„Blumscheid!“
„Den interessiert nicht, ob ich hier verrecke. Scheisse, Klaus, du musst mich hier wegschaffen.“
„Das geht nicht.“
„Wie – das geht nicht?“ Er wollte sich aufstützen, brachte aber sofort ab und starrte auf die Decke. Seine Stimme wurde brüchiger, fast fragil im Ton und er hauchte wie knisterndes Papier: „Wieso geht das nicht?“
„Cörd, ich bekomme dich hier nicht weg. Du bist zu schwer, der junge Blumscheid hat eine Waffe, und du überlebst nicht, wenn dich hier wegschaffe. Das geht nicht. Du blutest, als hätten sie eine Arterie getroffen.“
„Haben sie wahrscheinlich auch.“ Er gluckste etwas, ein Schwall Blut kam mit den Worten aus seinem Mund. Ich wandt mich ab. Der Junge beobachtete uns, die Waffe stützte er nun mit beiden Händen auf einer der Sessellehnen.
Es war anstrengend, dieses Eisen zu heben. Ich kannte das.
„Nicht flüstern!“ Er klang etwas unentschlossen, als wäre es ihm peinlich Befehle zu erteilen.
Ich deutete auf Cörd. Die Pfütze unter ihm wurde immer größer.
„Er verliert Blut, wir müssen das abbinden.“ Vermutete ich.
„Ich sterbe nicht.“ Röchelte Cörd. „Den Gefallen tue ich nicht.“
Allein der Klang seiner Stimme sagte etwas Anderes.
Der Bursche schwankte. Die Waffe zitterte. Er suchte wohl nach Worten. Ich musste nachhaken.
„Wir haben keine Zeit. Gibt es hier Handtücher? Irgendwas. Laken, T-Shirts. Kleidung?“
„Küche!“ Er deutete hinter sich, in jene Richtung, in der sein Vater verschwunden war.
„Ok, ich hole welche.“ Setzte mich in Bewegung, wurde von ihm gestoppt.
„Was soll das?“ Fuhr ich ihn an. „Wenn sie ihm nicht helfen, dann wird er sterben. Wollen Sie das?“
Ich siezte ihn, obwohl ich das nicht wollte. Aber es hatte sich etwas gedreht. Er war am Zug.