Der Spieler – Teil 48

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der achtundvierzigste Teil, indem es definitiv nicht um die Beatles geht. Oder um Elvis. Oder um ihr Zusammenspiel. Gar nicht.
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 21.03.2026
Es gibt immer diesen einen Moment. Jener, in dem alles kippt. Ich kannte das bei mir. Ich bezeichne das gerne als einen Notfallmodus. Tatsächlich ist es aber wahrscheinlich einfach so, dass eine bestimmte, sehr individuelle Schmerzgrenze überschritten wurde, was dazu führte, dass meine eigene Chemie so sehr ihre Anteile vermischte, dass ich nichts mehr spürte.
Mir aber auch alles egal war. Ich vermutete mich schon viel früher an dem Punkt. Doch es handelte sich wohl eher um eine Sehnsucht. Wunschdenken. Das Gefühl, etwas einfacher handhaben zu können. In der Regel, seien wir ehrlich, war das nie so. Es wurde nicht einfach.
Aber wie gesagt, das war mir schließlich egal.
Ich hob meinen Kopf. Mochte mein Körper etwas sein, auf das ich mich gerade nicht verlassen konnte. Meine Stimme funktionierte wieder.
„Was hat das alles zu bedeuten?“
„Es ist immer komplizierter, als man denkt, Klaus.“ Sie kam auf mich zu. Sie hatte eine Haltung angenommen, die ich so nicht an ihr kannte. Vielleicht war es gar nicht Inge. Vielleicht eine Zwillingsschwester. Ihr Selbstbewusstsein, dass -zugegeben – schon immer stärker als meines und ausgeprägter war, war weit über das bekannte Maß hinaus gewachsen. Ihr Blick verriet alles, Distanz, eine Belustigung, die ich nicht verstehen konnten, und überhaupt nichts, dass auf Freundschaft und Mitgefühl schliessen liess. Diese Frau war mir absolut fremd.
Dennoch war es Inge.
„Es geht um eine beschissene Schallplatte.“ Brach es aus mir raus. „Was, zum Teufel, ist mit euch Verrückten los? Wo bin ich? Was soll das?“
„Gemach, gemach.“ Der Richter winkte ab. „ Kommt der Zeitpunkt, werden sie alles verstehen.“
„Hör mal, du Drecksack“, schrie ich ihn an. „Ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht mehr verstehen muss. Irgendwann ist Ende Gelände. Oder wollt ihr mich, wie den kleinen Stricher, einfach umbringen? Nur zu. Nur zu. Inge, verdammt, was hast du damit zu tun?“
Wollte ich noch etwas wissen? Keine Ahnung. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich dadurch irgendwas verbessern konnte. Inge, so glaubte ich, kannte ich mein ganzes Leben. Sie unterstützte Cörd seit Jahren.
„Du wolltest die Platte schon immer, oder? Du bist es? Du wolltest die Platte?“
„Ruhig, Klaus!“
„Ihr wolltet beide die Platte? Du wolltest sie? Er wollte sie? Warum nicht gemeinsam? Aber was ist der Scheiß den überhaupt wert?“
„Nichts!“
„Wie nichts?“
„Die Aufnahme ist praktisch nichts wert. Es gibt keine Käufer, die Existenz ist kaum bekannt und man wird sowieso anzweifeln, dass es sie jemals gegeben hat.“
„Ich verstehe nicht.“
„Der Punkt ist nicht, ob die Beatles mit Elvis jemals zusammen gespielt haben, oder ob es davon eine Aufnahme gibt. Wer interessiert sich heute noch für Elvis? Oder die Beatles?“
Ich schüttelte den Kopf. Konnte meine Blick aber nicht von ihm abwenden. Er wirkte wie jemand, der sukzessiv auf den Höhepunkt zusteuerte. Er machte strategische Pausen, fixierte mich an, sah triumphierend zu Inge und ich wußte ich würde ihn zerreißen, über eine Abgrund hängen oder langsam verbrennen. Dieser Mensch glaubte sich in einer Situation, die er alleine in der Hand hatte.
„Elvis, die Beatles sind eine Fußnote der Geschichte, ein Moment und Augenblick, der nur etwas markiert hat. Um sie ging es nie…..“