Der Spieler – Teil 55

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfundfünfzigste Teil und es geht jetzt auch mal um den Reim. Den man sich darauf vielleicht machen kann.
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 26.03.2026
Mit Sicherheit überwachten sie mich. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem fensterlosen Raum Kameras angebracht waren, war so hoch, dass ich es nicht wagte, etwas zu machen, das ihren Verdacht erregen könnte. Ich legte mich rücklings zurück auf das Bett und harrte der Dinge.
Kein Mensch wußte, wo ich mich befand. Niemand hätte die Zusammenhänge auch nur ahnen können. Es gab keine Spur, die zu dem Richter deutete. Allein der Zusammenhang mit der ominösen Platte ergab nur für mich einen Sinn.
Es ging ihnen nur um die Platte. Die scheinbar wichtige, einmalige Aufnahme, die mit den Beatles und Elvis zusammen stattgefunden hatte, hatte nur ausschmückende Wirkung.
Die Tatsache, dass diese Platte immer in einem Sammlerbestand bleiben würde, liess einen ausgeflippten Toningenieur ein wirres Konzept mit zwei parallel verlaufenden Rillen entwerfen. Da die zweite Rille erst nach einer bestimmten Zeit begann, aber keine Berührungspunkte zur eigentlichen Tonspur hatte, war es sehr unwahrscheinlich, dass jemand zufällig auf sie stieß.
Um die komplette Aufnahme zu hören, musste man die Nadel sehr genau aufsetzen. Es war mir ein technologisches Rätsel, wie man das machte. Was man dann hörte, das waren – so hatte ich das verstanden – die Koordinaten von Bauten, die die Nazis unter der Erde angelegt hatten. Warum auch immer, wozu auch immer.
Mir fielen verschiedene Zusammenhänge ein, die ich tief in meinem Gedächtnis vergraben hatte. Das waren Bruchstücke aus Dokumentationen. Material, dass ich eher nebenbei aufgenommen hatte. Ich konzentrierte mich stark, um in Winkel meines Gehirns zu gelangen, die mir normalerweise nicht so einfach offen standen. Es war erstaunlich, mit welchen Stichworten man etwas anfangen konnte.
Ich hatte keine Notizblock, der mir normalerweise zur Verfügung stand, also versuchte ich mit meinen Fingern, die Fakten zu sortieren. Ich hielt sie vor meine Augen.
Finger eins: Bekannt ist die Mittelwerk GMBH. Eine Anlage, die die Nazis zum Bau der A4-Rakete angelegt hatten.
Finger zwei: A4 war eine Abkürzung für Aggregat 4 oder auch Vergeltungswaffe V2.
Finger drei: Die Vergeltungswaffe 2 war eine der ersten Raketen, die den Weltraum erreichten.
Finger vier war vollkommen unwichtig, aber blieb irgendwie haften: Hergé, der Zeichner und Erfinder von Tim und Struppi , kreierte 1950 das Comic, die „Reise zum Mond“ in der eine putzige, ikonische Rakete in Rot-Weiß abbildete. Hierbei handelte es sich im Grunde um die V2 der Nationalsozialisten.
Bestückt mit einer möglichen, angestrebten Atombombe, hätte das verdammte Ding die Welt aus den Angeln heben können.
Ich senkte die Hand, sah an die Decke. Das Gefühl seit Tagen mal wieder in einem richtigen Bett, umgeben von Mauern, zu liegen wirkte beruhigend. Einschläfernd. Das war nicht viel, was ich wußte.
Wer kümmerte sich jetzt um Cörds Katze? Wenn er im Krankenhaus lag und Inge mit Blumscheid im Bunde war?
Ich machte mir Sorgen um Cörd.
All dieses Rot um mich, und dieser Jogging Anzug, suggerierte Blut.
Ich stand auf. Versuche ein paar Kniebeugen, lief auf und ab. Nichts gelang wirklich. Manchmal musste der alte Motor erst in Fahrt kommen. Der Kreislauf stabilisiert werden, das Herz seinen Rhythmus finden, also ging ich langsam hin und her. Bis das leichte Schwindelgefühl wich.
Nach ca. zwanzig engen Runden öffnete sich wieder die Tür. Der riesige Pfleger sah mich verwundert an. „Was machen sie da?“
„Ich versuche meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen.“
„Brauchen sie ein Medikament? Fühlen sie dich nicht wohl.“
Mein Magen begann zu rumoren. Die Unterhaltung machte mich nervös.
„Nein, ich brauche kein Medikament. Mir geht es gut.“
„Sicher?“ Er lächelte gütig.
Ich mochte ihn nicht. Jetzt noch weniger.
„Ganz sicher.“
„Wenn sie jetzt bereit sind. Man möchte sie sehen.“
„Ich wäre bereit, wenn ich meine Kleidung hätte.“
„Das tut mir leid, ich fürchte da kann ich ihnen nicht helfen. Wir haben sie verbrannt.“
„Sie haben sie was?“
„Verbrannt. Sie war verschmutzt, kontaminiert. Möchten sie mir nun folgen?“ Er trat von der Tür zurück, zeigte mit einer Handfläche in den Flur und wies mir den Weg.