Der Spieler – Teil 59

Der Spieler – Teil 59

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der neunundfünfzigste Teil und was soll ich sagen: Jetzt ist Schluss mit Lustig.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 27.03.2026

Ab einem bestimmten Punkt – das kann das Alter, die Situation oder etwas ganz anderes sein – sollte einem alles egal sein. Dieser Punkt, der sich immer mal wieder gefährlich ankündigt, und meist Folgen mitbringt, deren Wirkung eigentlich nicht bedacht wird, war erreicht.

Alles deutete daraufhin, dass dich dieses Gebäude, was immer es auch war, nie mehr verlassen würde. Jedenfalls, so war ich mir sicher, nicht lebend. Das war nicht einmal die logische Überlegung, obwohl ich die hätte auch anstellen können. Aber eine logische Überlegung war mir faktisch sowieso nicht möglich.

Setzt man einen Menschen einem permanenten Stress aus, und dabei ist ganz egal, wie der aussieht, dann passieren die unerwarteten Dinge. Nicht die, die man vorher gesehen hatte. Mein Körper war zerschunden, die Folgen nachhaltig. Man hätte mich auch in den Straßengraben schmeißen können – es wäre grundsätzlich egal gewesen und genauso ausgegangen.

Der Notbetrieb, so eine Art reiner Überlebenswille, hätte sich angeknipst, und alles andere wäre runtergefahren worden. Gehirn, Verstand, Logik und was auch immer. Purer Blödsinn konnte dann in meinen Windungen frei zirkulieren. Das war ausreichend, und liess mich toben, als gäbe es kein Morgen mehr.

Nach meiner Überzeugung gab es den auch nicht mehr.

Die Genugtuung, die es mir bereitet, dass zwei von meines Pflegers Sorte von Nöten waren, um mich zu bändigen, erreichte mich erst viel später, blieb aber als bestimmendes Gefühl vorhanden. Sie hatten ihre liebe Mühe. Ungeachtet von allem, den Schmerzen und möglichen Schädigungen, den Muskelrissen und Verzerrungen, tobte ich wie ein Wilder, in einem Rausch .Versuchte um mich zu schlagen und stieß dabei vehement Laute aus, die ich für unmöglich gehalten hätte. 

Es war meine feste Überzeugung, dass es um mein Leben ging. Das ist der Punkt, an dem alle anderen Verluste schlagartig an Bedeutung verlieren. Man muss sich das klar machen. Will man das Biest, dann muss man den Menschen dazu bringen, dass er seine Existenz in Gefahr sieht. Dann und nur dann, bekommt man das verdammte Biest.

Ich war alt genug um der Vater dieser Burschen zu sein. Meine Haut war an der falschen Stelle zu sehnig, an der anderen hing sie zu stark herab und der Bauch hatte Reserven angebaut, die man ihm ansah. Blickte ich in mein Spiegelbild, dann hätte ich Landkarten in meinem Gesicht vollenden können.

Ich hatte das Leben immer so gelebt, das ich mich auf jeden Fall daran erinnern konnte. Also hatte es mich gezeichnet. Da brauchte es kein Tattoo. Die Spuren waren offensichtlich und auch nicht mehr zu vertuschen. 

Trotzdem, wenn die Verzweiflung dich überfällt – und das sage ich jetzt so einfach – dann erinnern sich die Muskeln an Dinge, die dir einst mal in einem vergangenen Kurs beigebracht hatten. Das passiert automatisch, nicht mit Bedacht. Aber ich konnte mich verdammt starr machen, Kräfte bündeln und fixieren. Nicht lange, alles war nicht mehr lange möglich. Die Ausdauer ist ja fast das Erste, an dem man sich selbst spürt, aber lange genug, um mich für einen Moment loszureißen.

Ich schaffte es nicht, meine Arme nach vorne zu bewegen. Sie fühlten sich an, als wären sie endgültig verbogen und nicht mehr in Form zu bringen, aber meine Füße rannten. Selbst wenn das Stolpern immer ein Teil davon war. Ich rannte. Verdammt, ich rannte.

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