Der Spieler – Teil 66

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der sechsundsechzigste Teil und auf einmal ist Klaus ein Gast. Warum auch immer. Wo auch immer. Was immer das soll.
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 11.04.2026
Wir standen uns etwas unschlüssig gegenüber. Bis sie sich gezwungen sah zu reagieren.
„Geht’s dir jetzt besser?“
Ich winkte ab. „Die Frage ist unnötig. Daran ist euch nicht wirklich gelegen.“
Sie senkte ihre Stimme etwas. „Wir sollten nicht die Zeit vertrödeln, Klaus.“
Ich wußte ehrlich gesagt nicht, was ich darauf antworten sollte. Ich war es nicht, der hier etwas zu verantworten hatte. Die Bestimmung der Zeit war mir aus den Händen genommen. Ich hatte nicht einmal die Chance etwas zu vertrödeln.
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Meine beiden Verfolger, John und Paul, traten gehetzt ein. Sichtlich aus der Puste. Obwohl ich bezweifelte, dass sie mich tatsächlich verfolgt hatten. Ich hatte sie nicht mehr wahrgenommen. Aber möglicherweise waren sie, ähnlich wie ich selbst, durch die Gänge geirrt.
Wahrscheinlich auf Drängen Blumscheids. Sie schienen gutmütig, beflissen und diensteifrig. Aber auch – alles in allem – mehr bemüht, als tatsächlich motiviert.
Auch wie sie nun in der Tür standen – etwas unschlüssig, fast zurückhaltend – deutete daraufhin, dass ihnen die Situation unangenehm war. Aber sie wußten wohl sehr genau, wo ich mich befand. Jeder meiner Schritte wurde überwacht. Von Blumscheid selbst, oder jemanden, der mit ihm in Verbindung stand.
Ihrer beider Blick blieb mit großen Augen auf Inge haften. Sie sah die Beiden wiederum erwartungsvoll an. Es lag etwas in der Luft, das nach Weisung und Befehl roch.
In der Hierarchie mochte Inge über ihnen sein, aber welchen Befehl befolgten sie?
Sie deuteten auf mich. Und jener, den ich Paul nannte, sagt in einem bestimmenden Ton: „Er ist geflohen!“
„Aber nicht sehr weit gekommen.“ Inge machte eine Pause. Nicht ohne mich vertrauensvoll anzusehen. „Vielleicht, als Vorschlag von mir, sollten wir ihn nicht so sehr als Gefangenen ansehen.“
John und Pauls Minenspiel wurden unruhig. Sie zwinkerten, als stünden sie im Licht der Sonne. Dann sahen mich an, wieder Inge und schienen sich nicht entscheiden zu können. Warten oder protestieren.
„Sehen wir ihn doch als Gast an.“ Fuhr Inge fort. „Lassen wir ihm doch die Möglichkeit hier alles zu betrachten. Wir haben doch gemeinsame Ziele, oder?“
Keine Ahnung, von was sie sprach. Mir waren keine gemeinsamen Ziele bekannt. Ein Rätsel. Mehr als ähnliche Kleidung trugen wir nicht. Und alleine das bedrückte mich bereits sehr. Von was mochte sie sprechen?
Paul und John waren schwer zu unterscheiden. Sie sahen sich an um die Worte in sich einfließen zu lassen. Nach einer Weile, die mir länger vorkam als sie wohl war, zuckten sie mit den Schultern und verliessen wortlos den Raum. Auf leisen Sohlen. Wie gewohnt. Ihr Blick auf mich war rätselhaft.
Sie akzeptierten die Entscheidung.
Inge stand auf. „Bitte begleite mich.“
„Wohin?“
„Ich wurde gerufen. Wir sollten uns in den Hans-Dominik-Saal begeben.“
„In den was?“
„Folge mir einfach.“
Ich war nun also Gast. Konnte ich gehen?
Als schien sie meine Gedanken zu erraten.
„Komme nicht auf die Idee. Du hast keine Chance.“
Und mit einer Stimme, die kaum wahrnehmbar war. „Jeder unserer Schritte. Denke daran. Keine Chance.“