Der Spieler – Teil 65

Der Spieler – Teil 65

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der fünfundsechzigste Teil und bringt etwas Erleichterung. Ein bißchen.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 11.04.2026

Ohne Übertreibung,  kann ich sagen, dass es an der Zeit war. Nicht um in das Detail zu gehen, aber um es zu beschreiben, möchte ich betonen, dass mein Magen in der Zerkleiner- und Zerfaserung ganze Arbeit vollbracht hatte. Und der Gärung entsprechend Vorschub leistete. 

Fruchtzucker, Laktose, Getreideprodukte, sowie Hefe taugen auf jeden Fall zur Herstellung explosiver Stoffe. Das ist nicht zu unterschätzen. 

Ich hatte davon gehört, dass es in Asien Toiletten gibt, deren Intelligenz unseren Porzellanschüsseln weit überlegen ist. Ich ahnte sehr schnell, dass ich es hier mit einer innovativen, ausgereiften Technik zu tun hatte. Um es kurz zu machen: Toilettenpapier wurde nicht benötigt.

Mit einer ausgefeilten Düsenkonstruktion, die wahrscheinlich einem Bidet sehr ähnlich war, wurde der Gebrauch der Papiersorte obsolet. Es ging auch ohne. Ich fühlte mich frisch gewaschen, zu meinem Wohlgefallen gereinigt und komplett sauber. 

Meine Schmerzen, die nicht nur vom Magen kamen – sonder sich auch meines Gesäßes bemächtigt hatten – waren wie weggeblasen. 

Auch wenn es sich alles um eine Entführung handelte, meine Lage grundsätzlich sehr bedrohlich war, die Zusammenhänge nebulös und draußen eine Inge wartete, die ich nicht kannte – ich fühlte mich erfrischt und gerüstet.

Ich stand auf, zog die Hose hoch und sah mich um. 

Ich hatte keinen der Knöpfe betätigt. Nachdem alles in der korrekten Reihenfolge abgelaufen war, sah ich dazu auch keine Notwendigkeit. 

Wie überall, so ging ich auch in diesem Raum davon aus, dass mich ihre Augen – wessen auch immer – hier ebenso beobachteten. Es konnte nicht sein, dass meine Anwesenheit unentdeckt war. Mein Flucht hatte keinen Alarm hervorgerufen. John und Paul hatten mich nicht weiter verfolgt. Überhaupt schien es allgemein nun sehr ruhig zu sein.

Mit Sicherheit war die Anwesenheit von Inge tauglich für eine Ruhepause. Bevor ich aus dem Raum trat, ging eine Schublade mit Armaturen und einem Wasserstrahl in ein Becken auf. Seife tropfte ebenfalls aus der Quelle des Strahls, so hielt ich meine Hände darunter, reinigte sie und eine Frage, die mich schon immer beherrschte, ging mir wieder mal durch den Kopf.

Wenn ein geheimes Projekt zu einem Neubau führt – wo findet man dann Installateure, Fliesenleger, Elektriker und Fachleute für die Belüftung, und wie erkaufte man sich ihr Schweigen?

Ich schüttelte meine nassen Hände ab, denn etwas zum Trocknen sah ich nicht. Natürlich, mit Sicherheit, gab es eine durchdachte Lösung. Allein, ich sah sie nicht. Und wollte mir nicht die Blöße geben, sie zu suchen. Ich rieb die Hände an der Hose ab. Die Spuren der Nässe wurden dunkelrot.

Als ich wieder aus der Toilette zurück zu Inge trat, saß sie gegenüber auf dem Polster des Sofas und sah mich irritiert an. Sie blickte auf meine Hose und schien Fragen zu haben, die sie mir nicht stellen wollte. 

Aufgrund des zurück liegenden Chaos, meine Flucht und dem ganzen Nazi-Unsinn wußte ich den aktuellen Stand nicht mehr, und lächelte sie bewußt an. Ich traute ihr kein bißchen mehr über den Weg. Dabei hatte ich sie gemocht. Sie war mir mal so nahe wie mein Unterhemd. Ich hätte mein Leben in ihre Hände gelegt.

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