Der Spieler – Teil 68

Der Spieler – Teil 68

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der achtundsechzigste Teil und wer war jetzt nochmal Hans Dominik?

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 13.04.2026

Als wir den Umkleideraum verliessen veränderte sich alles. Es wurde laut, es tauchten aus allen Ecken Menschen auf, die ähnlich gekleidet waren, liefen an uns vorbei, trugen Kaffeetassen oder Computer mit sich herum, setzten sich hinter Tische, Monitore und beachteten uns nicht weiter.

Im ersten Moment war es mir unmöglich weiter zu gehen. Wie in einem Schockzustand versuchte ich Inge zu folgen, die zielgerichtet den Raum durchschritt. Ich hatte Mühe ihr zu folgen. Meine Augen kreisten im Raum umher und versuchten die Dimensionen zu erfassen, aber es gab keine wirklichen Begrenzungen. Es war im Gegenteil so, dass ein System aus Waben und überdachende Segel und Schirmen in einer unendlichen Anzahl wirkten, als befände man sich in einer natürlich gewachsenen Struktur, deren Ausmaß nicht abzuschätzen ist. 

So sah ich immer nur Teile, die darauf hindeuteten, dass wir uns in einer großen Halle oder einem unterirdischen Saal von gigantischen Ausmaßen befanden. Ich fragte mich, ob das schon der Ort war, den sie „Hans-Dominik-Saal“ nannte.

Als ob sie meine Gedanken erraten hatte, erläuterte sie in einem fast beiläufigen Plauderton.

„Hans Dominik ging davon aus, dass wir 2054 zur Venus reisen würden. Mit der Electron II. Er nahm an, dass es sich um den erdnächsten, bewohnbaren Planeten handelt. Mit üppiger Vegetation. Das war 1934. Die Venus erschien verheißungsvoll. Fast wie eine zweite Erde. Der Gedanke war verlockend.“

„War er ein Autor?“

„Science Fiction. Es gab damals ja ein hohen Glauben an die Technologie, zumindestens bis zum dritten Reich. Hans Dominik war in Deutschland quasi derjenige, der den Gegenpol zu Jule Verne und H.G. Wells darstellte.“

„Nationalsozialist?“

„Mitläufer, wir hätten nicht den Saal nach ihm benannt.“

„Es gab nur Mitläufer, oder?“

„Hm.“ Sie warf mir einen kurzen Blick zu, der mir wieder bewusst machte, wie abhängig ich von ihren Launen war, aber auch wie angeschlagen ich mittlerweile unterwegs war.

Eine junge Frau löste sich aus der Menschenmenge. Unter ihrem Arm trug sie ein zusammengeklapptes Notebook, dessen Markenlogo von einem Sticker mit einem fremden Design überdeckt wurde. Als ob eine TV-Station Werbung vermeiden wollte, dachte ich. Sie kam direkt auf Inge zu, lächelte und sprach sie formlos an. Ich konnte sie kaum verstehen, da die Umstehenden in einem ständigen Wispern und Raunen verfallen waren, dass wie ein Teppich über den kompletten Saal lag. 

Überall standen Tische in großen und kleinen Gruppen, an den sich Menschen versammelt hatten, die auf Monitore schauten, die in allen Richtungen angebracht waren. Einige oben in der Nähe der Decke, andere flach auf den Tischen, aber sie reichten sich auch Tabletts hin und her, und diskutierten eifrig.

Eine junge Frau löste sich aus der Menge. „Inge?“

Sie kam auf uns zu. Ihre Kleidung glich der unseren, bis auf einige Details. Ihr Shirt schien nicht ganz so schmucklos wie das unsere. Zwei blaue Streifen hafteten an ihren Schultern. Geradlinig, parallel verlaufend, untereinander. Sie hatte ein schmales, helles, fast weißes Gesicht, dass sich kaum von der Mütze unterschied, die auch sie trug. Ihre Haare waren so darunter versteckt, dass ich sie nicht erkennen konnte. Ihre Stirn wirkte hoch , zwei Falten zogen sich darüber, die ihr ein ernsthaftes Antlitz verliehen. 

„Judith“ Inge begrüßte sie. 

Sie trat an uns heran, lächelte mir kurz und unbestimmt zu, holte dann aber gleich das Tablet unter ihrem Arm hervor. Es hatte eine außergewöhnliche, unhandliche Größe, schien aber leicht und unproblematisch zu bedienen. Ich konnte weder eine Typenbezeichnung, noch eine verräterische Form erkennen.

„Wir haben ein Problem, Inge.“ Die beiden Frauen senkten ihre Köpfe über dem Display, so dass ich nichts erkennen konnte.

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