Der Spieler – Teil 69

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der neunundsechzigste Teil und wieso geht es jetzt um eine Ankunft? Und wer ist Judith? Und überhaupt – was passiert hier gerade?
(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)
Andreas Allgeyer, 13.04.2026
„Bist du dir sicher? Eine Ankunft?“ Inge klang erstaunt.
„Ziemlich. Es gleicht den Aufzeichnungen.“
„Es gab keine Ankündigung.“
„Nein, keine Warnung, keine Anomalie und keine Ankündigung. So, wie du es sagst.“
Die junge Frau sprach akzentfrei. Kein Dialekt verriet ihre Herkunft. Ihr Aussprache war unbelastet von jeder regionalen Färbung. Sie sah Inge erwartungsvoll an.
„Beobachte das. Bleibe bitte dran. Sollte es auf der Bahn verharren, dann möchte ich beim ersten Kontakt informiert werden. Aber bitte auch, wenn sich etwas ändern sollte. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Wer ist informiert?“
„Du.. was soll…“
„Wir sollten uns immer an das Protokoll halten. Wir warten noch, aber mehr als vier Stunden können wir uns nicht leisten. Spätestens dann tritt das Protokoll in Kraft.“ Und leise – eher zu sich selbst – fuhr Inge fort: „Die vier Stunden werden wir benötigen, um zu verifizieren, um was es sich handelt.“
„Ist das gut?“
„Ich weiß es nicht, Judith.“ Inge seufzte „Wir haben daraufhin gearbeitet, aber jetzt weiß ich es nicht. Der Abstand ist zu groß und wir wissen nicht, wie sie das machen. Wenn sie es überhaupt sind. Wenn die es nicht sind – dann haben wir vielleicht ein Problem.“
Sie fuhr mit zwei Fingern über das Tablet, als würde sie etwas verwischen. Schaute genauer, wiederholte die Bewegung.
„Wir brauchen alle Aufnahmen. Falls es irgendwo doch noch Anomalien gibt, sind diese wichtig. Es kann sich um Staub handeln….wir müssen immer auch daran denken. Oder Sand oder ähnliches. So profan sich das anhört. Diese Technologie ist genau dafür geschaffen.“
Judith nickte. Nahm das Tablet, schaute es sich an, drückte einen seitlichen Knopf und ging. Sie kam mir bekannt vor. Doch ich hatte sie noch nie gesehen. Inge beobachtete mich. Als ob sie in Gedanken wäre, wirkte der Satz : „Sie ist sehr begabt!“ wie etwas Flüchtiges. Nicht an mich gerichtet. Doch ihr Blick blieb auf mir haften.
„Eine Ankunft?“ Fragte ich.
„Nichts worüber du dir Gedanken machen musst.“
„Inge!“
„Hast du Judith beobachtet? Sie wußte genau, was zu tun ist. Ich hätte es ihr nicht sagen müssen. Sie hält sich an alle Regeln, fällt ihre Entscheidungen und lässt sich das von mir bestätigen. Aber eigentlich bräuchte sie mich nicht.“
„Sie schien sich nicht sicher.“
„Sie tut nur so. Sie wußte genau, wie ich reagiere. Fluch und Segen zugleich. Eines Tages wird sie die Entscheidungen fällen. Ich befürchte, das dauert nicht mehr lange.“
„Die Ankunft…“
„..kommt von außen. Du hast das schon richtig verstanden.“
„Von wo außen?“
„Ganymed?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Klaus, ich weiß es nicht.“
„Wenn irgendetwas von Ganymed auf dem Weg zur Erde wäre, dann sollte uns das doch schon seit Jahren bekannt sein.“
„Nicht wahr?“ Sie lächelte. „Komm, ich möchte dir noch mehr zeigen.“
„Was ist das hier?“
„Der Hans-Dominik-Saal?“
„Ja. Was machen diese Leute hier?“
„Ganz unterschiedliche Sachen. Recherchieren, Beobachten und manche sind Designer. Sie arbeiten in kleinen Gruppen zusammen. Sehr effizient, wenn wir die Bereich nicht zu stark von einander trennen. Die Problematik der einen Gruppe führt zur Lösung in der Anderen. Die einen werten also die Daten aus, die anderen haben dazu Ideen. Effektiv daran ist, dass jede Gruppe eine relativ genaue Kenntnis von der Tätigkeit der Anderen hat. Wir können dadurch Kräfte austauschen, und an unterschiedlichen Arbeitsplätzen einsetzen.“
„Das funktioniert?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Natürlich machen wir auch Fehler, aber es geht hauptsächlich darum Talente zu fördern. Die meisten Menschen kennen ihre Talente nicht oder unterschätzen sich. Wenn wir ihnen eine Chance geben, etwas neues auszuprobieren, dann bemerken wir sehr schnell den Unterschied zwischen erlerntem Wissen und intuitivem Handeln. Was uns weiter bringt, das ist das Letztere. Was uns verharren lässt ist oft das, was sich Menschen mal für einen gewissen Zeitraum aneignen, weil sie sich leidenschaftslos und phantasielos einen Fachbereich ausgesucht haben. – Schaue dich an. Bist du Detektiv? Was machst du hier? Es gibt nichts, was deine Nachforschungen rechtfertigt. Trotzdem bist du hier.“