Zum Abschied von Oliver „Oli“ Brandt (Heaven Records in Worms)

Zum Abschied von Oliver „Oli“ Brandt (Heaven Records in Worms)

Oliver Brandt in den Räumen von Heaven Records (Worms)
Oliver Brandt in den Räumen von Heaven Records (Worms)

Eine traurige Nachricht wurde heute von Heaven Records in Worms auf Facebook verkündet: Oliver Brandt, der Inhaber des traditionsreichen Plattengeschäftes ist verstorben. 

Mein erstes und einziges Treffen mit Oli, wie er liebevoll von allen genannt wurde, liegt schon einige Monate zurück. Seinen Werdegang verfolgte ich eher in den sozialen Medien, in denen er vor allem in den letzten Jahren verstärkt aktiv war.

Heaven Records ist weit über die Grenzen von Worms bekannt. Der Ruf des kleinen Plattenladens eilte ihm voraus, und ist sehr mit dem Engagement und der Umgänglichkeit des Besitzers verbunden.

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich in Heppenheim auf einer Plattenbörse war, in der fast alle Anwesenden von ihm sprachen. Es war der Zeitpunkt, als sein Lebensgefährte verstarb, und die Betroffenheit und Anteilnahme bei Allen auf der Börse spürbar war. Die Veranstaltung in Heppenheim ist klein, fast familiär. Sie ist fest verankert in der Region und damit in dem direkten Wirkungsbereich von dem Plattenladen in Worms. Fast schien es folgerichtig, dass sein Verlust eine solche Welle der Sympathie und Herzlichkeit verursachte.

Heaven Records steht nicht nur für ein fast unübersichtliches und umfangreiches Sammelsurium an Platten aus allen Richtungen, sondern auch für die Hingabe mit der sich Oli für das Thema einsetzte. In Worms hat Heaven Records eine einsame Stellung als einziger, existenter Plattenladen seit über dreißig Jahren. In dieser Funktion dient er als Anlaufstelle für Menschen allen Alters, damit jeder musikalischen Generation, und mit etwas Stolz sprach er davon, dass auch aktuelle Neuerscheinungen von Dua Lipa , Taylor Swift und Billie Eilish bei ihm gekauft werden.

In den letzten Monaten sah man Oli im Fernsehen. Erlebte immer wieder auf Facebook und Instagram, wie er von seinen Reisen auf Börsen berichtete – auf denen er oft und gerne war, aber las vor allem auch von seinem sozialen Engagement und lernte in seinen langen Artikeln auf den sozialen Medien einen feinfühligen, sensiblen Menschen kennen, der noch für viele andere Themen brannte. Texte, die so gar nichts mit Vinyl zu tun hatten, und dennoch alle berührten, die ihn kannten.

Oli verkörperte damit eine Persönlichkeit, die unabhängig davon, ob man zu seinen regelmäßigen Kunden gehörte, in der Szene zu einem Begriff geworden war, weil man ihn schätzte, selbst aus der Ferne mochte und froh war, dass es welche wie ihn gab, die einen so weiten und offenen Blick haben.

Der Tod kommt immer zu früh. Ist nie fair. Und mit ihm hat es einen der Guten getroffen, die man noch lange in Erinnerung behalten wird. Weil es einfach leicht war, ihn sofort zu mögen, mit ihm ins Gespräch zu kommen und eine Verbundenheit aufzubauen, die noch lange nachwirkt.

Ich wünsche allen seinen Freunden und Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Ankündigung: Park Walker (Support: How I left und Tom Mess)am 23.01.2026 im P8

Ankündigung: Park Walker (Support: How I left und Tom Mess)am 23.01.2026 im P8

How I left - Birds in the City
How I left – Birds in the City

Park Walker releasen ein neues Album und stellen es am 23.01.2026 im P8 vor. Sind als Slowcore-Helden angekündigt, aber für mich tatsächlich der unbekannte Act des Abends, daher zwei-drei Worte zu den Support Acts.

Beides Bands, die mir in den letzten Wochen immer wieder in den sozialen Medien, auf Platte, und zum Teil auch live begegnet sind. TOM MESS spielen Americana wie es sein sollte. Kernig und sentimental. Spannend und sensibel, verwurzelt im US-Folk, und nahe genug an der Seite des Countrysongs, der seine Verwandtschaft zum Blues stolz mit sich trägt. 

Das ist rau und erdig, beherzt und authentisch genug um nicht in den hiesigen Landen angesiedelt zu sein. TOM MESS gehört zu den Bands, bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht öfters schon live gesehen habe. Schon von daher Grund genug, das P8 zu besuchen.

Zu HOW I LEFT ist zu sagen: Alles bisher verpasst. Leider noch nie begegnet. Das Album „Birds in the City“ verrät ein ruhiges Händchen für stimmige Songs, die cool und frisch auf den nächsten Sommer einstimmen können. 

Die kommen so lässig und leicht daher, als sei sie schon immer dabei gewesen. Schmeicheln sich ein und begleiten mit kleinen, feinen Melodien und  einem zurückhaltenden, erzählenden Gesang durch den Tag. HOW I LEFT haben viel dafür getan, dass die Dinger rund sind und eine spröde Schönheit ausstrahlen. Pop, den es zu entdecken gilt. Grund genug fürs P8.

Abendkasse: 10-15 Euro

Externe Links:

P8 – https://p-acht.org/

How I left (instagram) – https://www.instagram.com/how_i_left/

Tom Mess – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Park Walker – http://www.parkwalker.de

Dobranotch (Support: Black Sea Shipping Company)  im KOHI am 10.01.2026

Dobranotch (Support: Black Sea Shipping Company)  im KOHI am 10.01.2026

Dobranotch im KOHI, Karlsruhe am 10.01.2026
Dobranotch im KOHI, Karlsruhe am 10.01.2026

Es war fast klar. Es war zu erwarten. Und zeigte: Es gibt in Karlsruhe eine Gemeinde, die sehr aktiv das Thema Klezmer, Balkan und Swing belebt.

Dobranotch waren im KOHI. Und es zeichnete sich schon sehr früh ab: Eine fast legendäre, russische Gruppe fand den Weg in den Kulturraum. Ihnen eilte ein Ruf voraus, der den kleinen Saal füllte und Gäste von weither anlockte.

Die Black Sea Shipping Company als Support waren die richtige Wahl. Mittlerweile fast Lokalhelden, in der Szene schon berüchtigt und bekannt, gehören auch sie zu den Bands, die durch unzählige Live-Auftritte, Mundpropaganda und unbändiger Spielfreude, ihr Publikum erobert haben. 

Black Sea Shipping Company im KOHI am 10.01.2026
Black Sea Shipping Company im KOHI am 10.01.2026

Vor zwei, drei Jahren noch ein Geheimtipp, gibt es – schaut man zurück – kaum eine Location, kaum ein Venue in der sie noch nicht präsent waren. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich mehr und mehr die Vielseitigkeit und Eigenständigkeit der Band heraus, so daß sie nun auf ein eigenes Repertoire zurück greifen können, das eine Melange aus den verschiedensten Richtungen darstellt, aber im Kern dem Folk, mit Jazz-Anklängen und großen Swing-Swinganteilen verpflichtet ist. 

Im KOHI, ausgestattet mit Klarinette, Saxophon, Stehbass, Geige, Gitarre und Schlagzeug, präsentierten sich die Fünf professionell, selbstsicher vor allem mit eigenen Songs vor einem Publikum, das in der ersten Minute einstieg und fortan nicht mehr von ihnen lassen wollte. 

Dobranotch waren das Zugpferd, und russisch durchaus eine der vorherrschenden Sprachen, aber die Black Sea Shipping Company schaffte es überzeugend, den Boden zu bereiten, die Stimmung hochzukochen und den Rhythmus vorzugeben. 

Die Black Sea Shipping Company erlaubt es sich, sowohl in den verschiedenen Gesangparts, die ganz unterschiedliche Richtungen unterstützen (mal singt die Saxophonistin in mehreren Sprachen, mal der Gitarrist in einem eher rauen Singer-/Songwriter-Stil, eher vom Blues geprägt), wie auch der Anbindung an die differentesten Einflüsse, eine fesselnde Spannbreite aufzuzeigen, der man schwerlich entgehen kann. 

Für Dobranotch, für die die Bühne fast leer geräumt wurde, war es daher ein stabiles Fundament, das sie nutzen konnten. Ein Publikum, das sie von der ersten Minute an liebte und eine Vorband, die stilistisch den Boden bereitet hatte. Da war es ein furioser, kraftvoller Auftritt, den die Fünf von Dobranotch schon zu Beginn hinlegten.

Dobranotch im KOHI, Karlsruhe am 10.01.2026
Dobranotch im KOHI, Karlsruhe am 10.01.2026

Klarinette, Geige, Drums – wie sie in einer marschierenden Band getragen werden -, ein Hackbrett und ein Stehbass – geradezu reduziert, aber daher auch flexibel und schwungvoll. Dobranotch verwandelten das KOHI in einen Polkaabend, ließen die Anwesenden wirbeln, zeigten Kunststücke an ihren Instrumenten, wechselten Richtungen und Stile in furioser Weise, aber präsentierten vor allem eine Kunstfertigkeit und einen Enthusiasmus, der beeindruckte. 

Das KOHI wurde zu einem Festsaal, einer Gesellschaft, einem Ort, in dem Traditionen ausgelebt wurden, wo aber vor allem jedes Stück zum Tanz aufforderte. Die unbändige Ausgelassenheit von Dobranotch, angetrieben von der Virtuosität der einzelnen Protagonisten, zog die Anwesenden in den Bann und zeigt, dass die Band ihrem Ruf gerecht wird. 

Es ist eine schwierige Zeit. Dobranotch gehören aktuell zu den wenigen Gruppen, die aus Russland stammen und hierzulande die Authentizität der musikalischen Vielfalt aus dem Balkan und den anliegenden Staaten transportieren können. Hinter ihnen liegt eine Flucht. Aber sie zeigen in diesen Zeiten wie verbindend Musik sein kann, wie sehr die verschiedensten Einflüsse aufeinander wirken und dass es am Schluss eine große Beziehungen zwischen allen Richtungen gibt. Und vor allem: Es bedarf nicht viel, um den Saal zum Tanzen zu bringen. Dobranotch machen das im Handumdrehen, mit Leichtigkeit und der entsprechenden Begeisterung.

Externe Links:

Dobranotch –https://dobranotch.com

Black Sea Shipping Company – https://www.blackseashippingcompany.de

KOHI – https://kohi.de

Pippa (Support: Nina Jacob) im Kohi, Kulturraum am 09.01.2026

Pippa (Support: Nina Jacob) im Kohi, Kulturraum am 09.01.2026

Pippa im KOHI-Kulturraum, Karlsruhe am 09.01.2026
Pippa im KOHI-Kulturraum, Karlsruhe am 09.01.2026

Die Konzertsaison ist wieder eingeläutet. Damit hat das Jahr 2026 offiziell begonnen. Auch für das KOHI. Am Freitag, dem 09.01.2026 waren daher Nina Jacob und Pippa zu Gast in deren Räumlichkeiten.

Mit Nina Jacob präsentierte sich ein junges Talent, dass mit charmanter Unbefangenheit seit einem Jahr den Weg in die Musikwelt eingeschlagen hat. In der Kommunikation und den Melodien überraschend nahe am Publikum, zeigte sie sich deutschsprachig, tanzbar und eingängig. 

Begleitet von einem Gitarristen, der den Begleitsound, sowie die Einspielungen unterstützte, wirkte Nina Jacobs Performance frisch und wie die angenehmste Form des Pops. Party, wo sie passt, durchaus tauglich für den Dancefloor, aber vor allem mit einem guten Gefühl für das, was im Ohr haften bleibt.

Nina Jacob im KOHI,Kulturraum am 09.01.2026
Nina Jacob im KOHI,Kulturraum am 09.01.2026

Für die Feier, die Autofahrt, zum Mitsingen, und allem was dazwischen passiert. Genau das, was honoriert, gefeiert wird und auch an diesem Abend funktionierte. Ausgestattet mit der Energie und dieser Begeisterung, wird sie sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten wieder auftauchen, denn die Bühne nimmt sie locker. Genauso wie die Tanzenden. Da kommt noch was. Die Songs sind clevere, kleine Popgeschichten, die sich einschmeicheln. Und irgendwie hängenbleiben.

In Wien muss es eine kleine Talentschmiede geben. Es ist angenehm, beachtlich –  und wirklich zu würdigen- , wie farbenreich und lyrisch sich die Gruppierungen aus der Region präsentieren.

Pippa im KOHI-Kulturraum, Karlsruhe am 09.01.2026
Pippa im KOHI-Kulturraum, Karlsruhe am 09.01.2026

 Pippa pflegt einen spröden, aber berührenden Sound, der stark im unabhängigen Verständnis der deutschsprachigen Bands der letzten Jahrzehnte angesiedelt ist. Wurzeln also im Idependent-Bereich – sowohl was die Sprache, wie auch die melodiöse Basis, und damit das Fundament, anbelangt. 

In der klassischen Konstellation einer Gitarrenband (Bass, Gitarre, Vocals, Schlagzeug) schnörkellos, geradeaus, mit einem großem Verständnis für alles, was der Club braucht, der Rock will und im Pop funktioniert, wagten sich Pippa sowohl in die Tanzbarkeit, aber auch in die akustischen Momente. 

Mit vier Alben im Gepäck, das Fünfte in der Vorbereitung, hatten sie ein Programm, das ihnen die Erfahrung und Sicherheit erlaubte, ein bündiges Set mit kleinen Hits, abzuliefern. Da nahm in der zweiten Hälfte das Tempo zu. Wurde entschieden kraftvoller, und mit dem Schwung griffiger Rhythmen stand kaum jemand still.

Pippa bewies ein gutes Händchen in der Zusammenstellung und Einbindung des Publikums. Sie ergriff die richtigen Chancen und kommunizierte entwaffnend sympathisch. Sie zeigte sich dabei, von Song zu Song, als  versierte Komponistin, die es schaffte einen eingängigen Sound zu kreieren, der seinen authentischen Wurzeln aus dem Club und Probenraum nicht versteckt. Rau genug um der Lyrik einen entschlossenen Druck zu geben, Pop genug, um sich ein Wiederhören und – sehen zu wünschen, schnell genug um in die Beine zu gehen. 

Externe Links:

Pippa (Instagram) – https://www.instagram.com/pippa.musik/?hl=de

Nina Jacob – https://ninajacob.de

KOHI – https://kohi.de