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Schlagwort: Folk

Julie Malia im Folkclub Prisma im Pforzheimer Gasometer am 10.02.2026

Julie Malia im Folkclub Prisma im Pforzheimer Gasometer am 10.02.2026

Julie Malia im Folkclub Prisma in Pforzheim am 10.02.2026
Julie Malia im Folkclub Prisma in Pforzheim am 10.02.2026

Zu den interessantesten Einrichtungen, die es in Pforzheim gibt, gehört das Gasometer. Ein ehemaliger Gasspeicher, der gleich einem  breiten Turm aus Stahl am Rande der Enz zu einem Monument für Ausstellungen und Events umgestaltet wurde. 

Ein besonderes Augenmerk verdient dabei die Möglichkeit, die sich dem Folkclub Prisma bietet.  Der engagierte Club nutzt ihn für Konzerte. Er ist damit eine Institution in Pforzheim, die seit 1974 für ein breites Konzertangebot in allen Bereichen des Folks und der Volksmusik bietet. 

Am 10.02.2026 war die Songwriterin Julie Malia zu Gast. Nannte sie sich noch vor einigen Jahren Jule Malischka, hat sich ihr Name seit einiger Zeit in die Kurzform gewandelt. International hatte sich ihr Geburtsname zwar als Alleinstellungsmerkmal bewährt, jedoch zeigte sich auch, dass die Aussprache schon im Anglo-amerikanischen Raum mit Problemen verbunden war. 

Auf großen Spuren, mit umfassenden Kenntnissen hinsichtlich der Technik und des Vermögens moderner und klassischer Gitarrenkunst ausgestattet, begibt sich Julie Malia auf eine Reise, die ihr sukzessive die Anerkennung und das Wohlwollen bekannter Namen zusichert. So sind ihre Songs von einem feinen, detaillierten Spiel begleitet, dass in seinen schönsten Momenten Erinnerungen, Verweise und Zitate versteckt, die in der Vergangenheit auch einen Ralph Towner im Zusammenhang mit der Interpretation seines Stückes „If“ begeisterte.

Große Vorbilder, bekannte Namen, scheinen da durch. Sie zeichnten ein klares Bild von den Wurzeln und der Entwicklung. Zeigten aber auch, dass sie mit ihrer Spielweise einen ganz eigenen, prägnanten Stil entwickelte, der Staunen machte. Fand sich doch auf der Bühne in Pforzheim – in relativ nüchterner Umgebung – eine Künstlerin, die professionell und mit einer scheinbaren, beflügelten Leichtigkeit das Instrument beherrschte. 

Julie Malia im Folkclub Prisma in Pforzheim am 10.02.2026
Julie Malia im Folkclub Prisma in Pforzheim am 10.02.2026

Die Lehrtätigkeit als Fachdozentin in Dresden für die Gitarre erklärte auch die Verbundenheit mit dem Klangkörper. Gibt sie ihnen doch sehr persönliche Namen. Doch offenbarte sie sich vor allem in der Fingerfertigkeit, der instrumentalen Versiertheit und der Abstimmung mit ihrem Gesang. Dieser, ausgestattet, mit einem warmen Volumen, erzählte von melancholischen, besinnlichen, aber auch verärgerten Momenten, die sowohl in Englisch, wie Deutsch eine Sprache fanden.

Angelehnt am Americana und den großen HeldInnen des Metiers, beherrschte sie die Tiefe des Blues, ebenso wie die Liebe zum Jazz und den artverwandten Bereichen. Mit einer beeindruckenden Mischung aus dem Charme des Schwäbischen, verbunden mit der Unkompliziertheit, wie sie in Dresden gerne gepflegt wird, nahm sie das Publikum für sich ein, machte den Abend zu ihrem eigenen. Präsentierte damit ein Potential, dass aufgrund der Vielfalt ihrer Möglichkeiten, bestimmt noch für weitere Stunden reichen würde. 

Ihr Spiel ist gezeichnet von einer Farbigkeit und einem Können, wie man es oft nur bei instrumentalen Stücken kennt. Dargeboten mit einer Liebe, die bestrebt ist, dem Handwerk noch etwas hinzufügen, dieses zu erweitern und zu entwickeln.

Julie Malia ist damit auf einem Kurs, den es zu beobachten gilt. Ein Wiedersehen ist wünschenswert, und wird – so sieht es jetzt schon aus – viele Neuigkeiten mit sich bringen.

Externe Links:

Julie Malia – https://juliemalia.com/

Folkclub Prisma –https://www.folkclub-prisma.de/startseite.html

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025
Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025

Finden in diesen Tagen Konzerte im KOHI statt, dann ist es für die Künstler fast normal, darauf zu verweisen, wie bedrohlich die Situation in Karlsruhe für Bühnen dieser Größe ist. Der Haushalt der Stadt und die derzeitige Debatte treibt die Menschen auf die Straße und die Clubs an den Rand der Finanzierbarkeit.

Es sind viele Themen, die aktuell die Kulturschaffenden – vor allem MusikerInnen – bewegen. Der Fortbestand von Einrichtungen, aber auch der Umgang mit dem Ergebnis kreativen Schaffens, verdient mehr Aufmerksamkeit. Nur wo der Boden fruchtbar bleibt, kann Großes wachsen. 

Bands wie „The green apple sea“ – dieses Mal im KOHI vertreten durch ihren Frontmann Stefan Prange – werkeln seit vielen Jahren an handgemachten Songs und beleben damit Orte wie das KOHI und NUN. Auch an dem gestrigen Abend zeigte sich, dass eine kleine Community aus der Nachbarschaft, aber auch angereiste Besucher aus der Umgebung und von außerhalb hier einen Anziehungspunkt sahen.

Stefan Prange konnte auch solo, ohne die Unterstützung der kompletten Band, überzeugen, in dem er die Songs herunter brach zu wohlklingenden Balladen, die irgendwo zwischen Bergen und Tälern ihre Wurzeln hatten. Erzählungen und Geschichten, verknüpft mit Anekdoten und Ansagen, die er mit einem feinen, selbstironischen Humor vortrug, dabei bewies, wie sehr er die Kommunikation mit den Anwesenden beherrschte.

Er zeigte damit, dass er einer der alten Hasen ist, die das Songwriting fast lässig präsentieren, während all das Können und die jahrelange Erfahrung die Dinge erst rund und stimmig werden liessen. „The Green Apple Sea“ haben das Glück und die Geduld in ihrer langen Geschichte nur eine Handvoll Tonträger hervorgebracht zu haben, die aber von einem ausgereiften Handwerk und einem schönen Umgang mit Lyrics zeugen.  Um die Melodien dann auf einen Punkt zu bringen. 

Das greift bei Americana zu, nutzt den Folk, funktionierte solo und lässt dennoch hoffen, ihn bald wieder mit Band zu sehen. Wo auch immer. Denn er kann es – und die Konzerte sind zu angenehm, um sie sich entgehen zu lassen.

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray hatte ich schon mal in einem Podcast zu Gast, und viel zu selten live gesehen. Obwohl er auf seinen ständigen Reisen und im andauernden Wechsel zwischen dem Norden und Karlsruhe, das KOHI fast als seine Heimat betrachtet. 

Joe Astrays Songs sind energisch, straßenerprobt. Seine Stimme trägt und funktioniert locker ohne Mikrofon. Seine Lieder beinhalten eine kraftvolle Melancholie, in der sein Gesang außergewöhnlich stimmungsvoll und rückhaltlos die Verletzlichkeit, aber auch Entschlossenheit präsentiert. Im Kohi war es daher nicht ungewöhnlich, dass er hin und wieder ohne Verstärkung und im Publkum sang. 

Er tat dieses selbstverständlich, mit dem Bewusstsein eines Könnens, dass wohl durch seinen Kontakt zur Straße –  und  den Begegnungen –  gestärkt worden ist. 

Joe Astray wußte das KOHI zu nutzen, seine Größe, die Gemeinschaft der Anwesenden, aber vor allem den Raum, der sich ihm dadurch bot. Seine Darbietungen – begleitet von Einführungen, Erzählungen und Hintergründe – wirkten teilweise ebenso rau und energisch, wie die Umgebung der Südstadt, die in ihrer Buntheit und Wärme Widersprüche pflegt und reizvoll macht. 

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray verwies eindrücklich auf die am Samstag stattfindende Demo – die Notwendigkeit zum Erhalt der Kultur am Werderplatz. Bewies dabei mit seinem Auftritt, dass es nur in diesem Rahmen die Möglichkeit gibt, ein alternatives Leben zu Spotify und Konsorten zu finden. Musik, die jetzt, live, im Moment stattfindet. Erfühlbar und in der Nähe der Schaffenden. Tauglich für Bier und mehr danach. Stoff für die Erinnerungen.

Externe Links:

The Green Apple Sea bei Bandcamp – https://greenapplesea.bandcamp.com/album/directions-presale-ep

Joe Astray – https://joeastray.com/

KOHI – https://kohi.de/

Tonspur Nr. 28: Amber & the Moon „Are we alright?“ (Rückblick auf 2025 – Part 1)

Tonspur Nr. 28: Amber & the Moon „Are we alright?“ (Rückblick auf 2025 – Part 1)

Amber & the Moon "Are we alright?"
Amber & the Moon „Are we alright?“

Die ursprüngliche Idee war, dass ich am Jahresende – zur Adventszeit – pro Tag jeweils eine Platte kurz rezensiere. Wie die Türchen eines Adventskalender. Ganz so wird es nicht verlaufen. Dennoch werde ich im Dezember in unregelmäßigen Abständen eine Neuerwerbung aus 2025 besprecen. Unabhängig davon, ob es sich um eine neue oder schon ältere Veröffentlichung handelt.

Side A:

  • How it feels
  • Cavale
  • Lines I draw
  • Winter’s Day
  • Draw me in

Side B:

  • Our House
  • Black Swarms
  • All is well
  • Summertime Silence
  • Where everything comes together

Die Band Amber & the Moon aus Hamburg hat vor einigen Monaten ihr zweites Album „Are we alright?“ herausgebracht.  Dabei wurden Ronja Pöhlmann (Vocals, Guitar, additional guitar and synthesizer), sowie Jonathan Riedel (Vocals, Guitar, additional guitars, mandolin, synthesizer and banjo) im Studio von ihren Bandkollegen Ben Schadow (Bass, Guitar and vocals) und Torben Sdunek (drums and perucssions) unterstützt. 

Die Band präsentiert sich dabei akustisch und vor allem Folk-orientiert, mit einem Schwerpunkt auf dem harmonischen Gesang der beiden Duettpartner Ronja und Jonathan. Maßgeblich bleibt die Art der Instrumentierung, die vor allem auch durch den Einsatz der Bläser und Streicher im Studio an Vielschichtigkeit und Volumen gewinnt. 

Die Musik Amber & the Moons zeichnet eine Zerbrechlichkeit aus, die sich langsam in den Alltag schleicht und dort verbleiben möchte. Sie lassen sich Zeit, geben den Erinnerungen Raum und die Möglichkeit der Interpretation. Das geht einher mit immer neuen Entdeckungen, die sich durch den akzentuierten Einsatz der einzelnen Instrumente ergeben. 

Die Einflüsse sind dabei mannigfaltig. Verwehte Americana-Spuren stark natur-verbunden und sphärisch in den Vocals . Das wird ergänzt durch den kammermusikalischen Klang, der den intimen, zurückgezogenen Studion-Sessions entsprungen sein mag. 

Die Worte sind dabei Metaphern, der Gesang ein unterstützender Dialog. Daraus ergeben sich leicht schwebende Pop-Songs, die gemacht sind für den Spaziergang am Morgen, oder die Rückbesinnung am Abend. Es flackern Erinnerungen an den Sommer und die Freude auf den nächsten Frühling auf. 

Amber & the Moon sind der Soundtrack, der wie geschaffen dafür ist, den Abstand von all dem zu gewinnen, was uns derzeit viel zu sehr beschäftigt.

Vielleicht daher das erste Album in diesem Adventsmonat, das ich besprechen wollte. 

Anspieltipp: All is well

Externe Links:

https://www.amberandthemoon.de

https://www.instagram.com/amberandthemoon

https://www.youtube.com/@amberandthemoon

Micor im KOHI am 29.11.2025

Micor im KOHI am 29.11.2025

Micor im Kohi am 29.11.2025
Micor im Kohi am 29.11.2025

Sie sagten es frühzeitig an. Sie hätten auch ein paar Uptempo-Nummern. Man dürfte ruhig tanzen, wenn man wollte. Dabei ist es die doch dunkle Entschleunigung, die die Musik von Micor prägt.

Sie stellten ihr erstes Album vor. Eine Premiere im Kohi. Eine Geburtstagsparty also. Für ein Werk, dass sich aufmachte, sein Publikum zu erobern. 

Spürbar ist eine ausgiebige, vielschichtige Beschäftigung mit den Arrangements. Konstruktionen, die den Musikern Zeit und Raum liessen, die Dinge langsam, fast geruhsam anzugehen. 

Den Stücken eben das zu geben, was sie brauchten. Und den Instrumenten einen Spielraum zu verschaffen, der der Dramatik ein Fundament – für die Lyrik und die damit verbundenen Stimmungen –  zu schaffen. 

So erzählen sie von den Katzen, die uns in ihren Entscheidungen voraus sind.  Auch der Liebe, wie sie Brecht einst beschrieb. Als temporäre, wichtigste Quelle des Lebens. 

Transportieren in ihren Worten eine durchaus positive Botschaft, die sie in einem Soundgewand kleideten, das eine Spannbreite zwischen Americana und dem rührigen Gitarrengewitter großer Barden aufwies. 

Sie traten zu fünft auf. Drums, Bass, Geige, Stimme mit Gitarre, sowie Keyboard und Posaune. Präsentierten auf diesem Weg eine instrumentale Breite, die die prägnante Stimme von Robert Besta ein Konzept mit oft sehr verhaltenen Drums, klagenden Geigentönen und akzentuierten Keyboardklängen schufen.

In den intimsten Phasen von Tragik durchzogen, konnte man durchaus Vergleiche wagen. Die schleppenden Rhythmen, die Verlangsamung als Element – das zeichnet auch all jene aus, die detailverliebt die Methodik der Rockmusik in ihre Bestandteile zerlegen. Um zurück zu den Wurzeln des Schreibens eines Songs zu kommen. Wo einem die Melancholie übermannt, und die Uhr einfach stehen bleibt. So lange bis es zur Erlösung führt. „Redemption“ (Erlösung) ist auch der Titel des Albums. Diese kann dann ja durchaus in einer Eruption erfolgen.

Micor nutzen die Möglichkeit, mit Bläsereinsatz und Geige, in verschiedenen Graustufen und Schattierungen, ihrer Melodik eine bestimmte Farbigkeit zu geben. Sie verlieh den Brüchen in der Stimmung eine wichtige Fragilität. 

Micor im Kohi am 29.11.2025
Micor im Kohi am 29.11.2025

So könnte es der langsame Walzer sein, ein verhaltener Two-Step oder das Verharren vor einer Steigerung, das den angekündigten Tanz ausmachte. 

Aber doch, sie hatten recht, der Tanz ist möglich. 

In den Zugaben noch mal beschleunigt, verarbschiedeten sich Micor mit einer Entschlossenheit, die sie krachend, lautstark, und einer anderen Facette präsentierte. Uptempo. Tatsächlich, das geht. Sie können auch das. 

Besetzung:

Robert Besta (Voc, Vl, Git)

Johannes Frisch (B)

Stefan Breuer (Dr)

Marcus Franzke (TRB,B)

Aktuelles Album:

Redemption

  1. Redemption I
  2. It’s everywhere
  3. Love is deeper
  4. Cat’s wouldn’t do it
  5. After all
  6. All in my head
  7. I saw the land
  8. Peace of mind
  9. Redemption II

Externe Links:

Websitehttps://www.micor.band/

Bandcamphttps://micor.bandcamp.com/album/redemption

YouTubehttps://www.youtube.com/@micor_band

Instagram https://www.instagram.com/m_i_c_o_r/

KOHIhttps://kohi.de