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Schlagwort: Folk

Tonspur Nr. 13: So Soon „Whether you like it or not“

Tonspur Nr. 13: So Soon „Whether you like it or not“

So Soon - Whether you Like it or not

Titelliste:

  1. It‘s just you getting older
  2. Now I‘m walking
  3. All about the sunshine
  4. Got you on my mind
  5. Elephant
  6. Can Nobody feel
  7. Tie my shoes
  8. Shattered and lonely
  9. In your Grasp

Was man so denkt: Die haben sich in ein Studio eingeschlossen, mit ihren Lieblingsplatten aus den Sechzigern und Siebzigern, so wie ein paar aus den Achtzigern und dann vor sich hingefrimmelt am „Wall of Sound“. Und das nächste: Läuft die Platte eigentlich auf der richtigen Geschwindigkeit?

So Soon haben nach ihrer EP eine LP herausgebracht, auf der das angestrebte Konzept noch mal verfeinerte wurde. Noch dichter, noch verliebter in die Details und Ebenen und noch mehr Spiel am einzelnen Ton. Maßgeblich bleibt: Man lässt sich Zeit, nähert sich langsam an, verstärkt, singt im Chor und obwohl ich Genres und Namen von anderen Bands vermeiden möchte, bleibt mir hier: Folk passt nicht, aber psychedelisch scheint schon ihr Ding zu sein.

Das hat etwas witziges, wenn sie so verschleppt durch die Melodien schleichen, aber gleichzeitig auf ihren Covern die Mitteldeutsche Langweile zelebrieren. Könnten auch Rap machen und den Aufstand planen, wenn man nach dem Design geht. Ist es aber nicht, wird es nicht – im Gegenteil es empfiehlt sich ganz genau hinzuhören, um die Zutaten alle zu erkennen, die zweihunderfünfzig Spuren, die sie für ihre Werke verwenden, zu identifizieren und dann hat das Teil alle Chancen der Welt. Die könnten gewaltig aus der Provinz kommen, wenn sie dranbleiben.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 12: Knut Kiesewetter „So sing‘ ich nur für dich“

Tonspur Nr. 12: Knut Kiesewetter „So sing‘ ich nur für dich“

Knut Kiesewetter - So sing‘ ich nur für dich

Titelliste:

  1. Annies Lied
  2. Ein Stück Holz
  3. Der Winter steht klirrend vorm Fenster
  4. Ein Fremder in der eignen Heimatstadt
  5. Willst du dein Herz mir schenken
  6. Wir Liebenden
  7. So sing ich nur für dich
  8. Der Lehrer
  9. Der Sommer geht über die Felder
  10. Öffne dein Fenster
  11. Mein Sinn ist mir vewirret
  12. Ich werde dich und uns‘re Zeit wohl nie vergessen

Die Wurzeln von Knut Kiesewetter lagen im Jazz. Trotzdem bewegte er sich zunehmenden, vom Jazz-Gesang, in die Interpretation amerikanisch orientierter Country- und Folksongs auf Deutsch. Im Grenzbereich zu den damals, in den Siebzigern, sehr populären Liedermachern, war Knut Kiesewetter schwer einzuordnen. In seiner späteren Phase war er mehr im Plattdeutschen daheim , und huldigte damit seine friesische Heimat.

Seine Stimme schien, durch das eher bass-orientierte Auftreten, passend für die Countrywelle. Es gab auch keine Scheu, die auch im Original teilweise sehr einfach gestrickten Texte, äquivalent ins Deutsche zu übersetzen bzw. ähnliches zu texten. Was Knut Kiesewetter auszeichnete, war eine einfühlsame, sehr glaubhafte Ehrlichkeit, so dass er trotz seines stabilen und geradem Auftreten, sehr gefühlvoll und sensibel wirkte. Er erzählte Geschichten, die in der nordischen Ebene angesiedelt waren. Die noch dazu mit dem Aufnahmeort „Friesenhof“ in ihrer Authenzität verstärkt wurden. 

Heute hat das Album einen nostalgischen, warmherzigen Bezug zu den Siebziger – in einer Tonlage, wie sie heute eher im Schlager vermutet wird. Trotzdem ist Knut Kiesewetter nahe beim irischen Folk und seinen Spielarten. In der, durchaus angenehmen Schlichtheit, kann man sagen, dass es musikalisch zwar nun aus der Zeit gefallen wirkt, aber Knut Kiesewetter es verdient hat, vor allem wegen seinem weiteren künstlerischen Gang, genauer betrachtet zu werden.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 10: Silvia Juncosa „Silvia Juncosa“

Tonspur Nr. 10: Silvia Juncosa „Silvia Juncosa“

Silvia Juncosa - Silvia Juncosa
  1. A House is not a Motel
  2. Fuse
  3. Sex & Violins
  4. Reconstruction
  5. Late Night Pay Phone
  6. Alhambra Monrovia

Gefunden auf der Freiburger Schallplattenbörse. Im heißesten Sonnenschein des Frühjahres auf dem Freigelände einer Bierbrauerei. 

Silvia Juncosa fiel irgendwann Anfang der Neunziger mit einem groben, hingerotzten Gitarrenwerk au, das frechweg einen Song enthielt der sich „Lick my pussy, Eddie van Halen“ nannte. Das war provokant, aber auch verflixt einprägsam. Die traut sich was, und tatsächlich malträtierte sie ihre Gitarre fachgerecht. Man könnte sie ehren, als eine der Ersten, die am Denkmal zu rütteln begann.

Diese EP, fachgerecht in Rot gepresst, und auf 999 Exemplare begrenzt, kommt dagegen etwas hölzern und geradezu brav daher. Alles im günstigen Sound eines Badezimmers, aber mit einer Spannbreite aus lakonischen Songs, zurückhaltendem Gesang und Storytelling. Viel weiter von dem, was sie später ausmachte entfernt, und näher an Folk und Straße. Ein kleines, scheinbares, vergessenes Werk, das wohl 1991 erschien, und sich noch an der Welle der Akustik-Alben orientierte. Das sie schnell und geschwind spielen konnte, bewies sie, aber alles ist noch verhalten. Geeignet für kleine Clubs, späte Nächte und dylaneske Lauschereien. Interessant im Kontext und hinsichtlich ihrer Zukunft.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

An einem einzigen Tag gönnt sich der Aufbau des Festes auf der Günther-Klotz-Anlage etwas Ruhe, um die letzten Dinge vor der Eröffnung am Donnerstag noch zu testen und auf den besten Stand zu bringen.

Das traditionelle „Fest am See“, das in der Zeit vor dem Festival stattfindet, wird dann in die Räumlichkeiten des alten Schlachthofs verlegt. Der „Alte Schlachthof“ entwickelt dabei eine eigene Dynamik und Tradition, die alle Spielstätten und Lokalitäten vor Ort mit einbezieht. 

In diesem Sinne öffnet auch das Tollhaus seine Pforten, verlagert das Zeltival, das zur Zeit stattfindet, in den Innenhof und baut eine Open Air Bühne auf. Tatsächlich fühlt sich alles noch mal an, als ginge es zurück zu den Wurzeln. 

„Das Fest goes Schlachthof“ vermischt dabei in angenehmer Weise das Publikum der Events. So kommt es, das FEST-Besucher in Berührung mit den Aktiven der kleinen Veranstaltungsorte kommen, aber auch im umgekehrten Fall, das FEST seine Vorteile hinsichtlich der Vielfalt ausspielen. 

In diesem Rahmen ist die Black Sea Shipping Company bestens angesiedelt. Seit 2021 erspielen sie sich ein bunt gemischtes Publikum, das die Bandbreite der jungen Band zu schätzen weiß. Auch im Tollhaus ist die Mischung aus Swing, Balkan, Klezmer und Americana die Aufforderung zum Tanz.

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Es geht mitllerweile wild und ungestüm auf den Konzerten her. Es wird gewippt, geschnippt, die Menge wird unruhig, springt herum und feuert die Band an. Ein fester Stamm an Fans hat sich etabliert. Darunter Lindy-Hop-Tänzer, Folkfans und alle die, raue Songs, ukrainische Poesie und handgespielte Instrumente mögen. 

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Freude der Band darüber anzusehen, und so ist das Wechselspiel zwischen den MusikerInnen und ihren Fans, ein wachsendes Potential. Ihr Ruf wird ihnen voraus eilen. Die Freunde ihnen folgen. 

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis die Konzerte voller, die Räume größer werden und die Black Sea Shipping Company ihren Namen und ihre Zugkraft voll einsetzen kann. Musikalisch sind sie eingespielt, beherrschen die Vielzahl ihrer Instrumente und bieten dabei eine Spannbreite an Möglichkeiten, die scheinbar von Konzert zu Konzert erweitert wird. 

Ich konnte sie leider nur bis zur ersten Hälfte verfolgen, denn das Angebot auf dem „Fest goes Schlachthof“ läuft weitgehend parallel ab. Das heißt, es gab unweit noch weitere Gruppen, auf die ich gerne einen Blick werfen wollte. Die Black Sea Shipping Company werde ich wieder sehen. Empfohlen ist das Konzert am 24.10.2025 im Tempel. Vermutlich wird es voll. Und sicher wird getanzt. Macht euch auf was gefasst.

Die Black Sea Shipping Company hat übrigens im englischen Wikipedia einen legendhaften Eintrag über eine einst real existierende Schiffahrtsgesellschaft. Es ist fast an der Zeit, dass dieser Eintrag um einen berühmten zweiten Punkt für eine weitere Bedeutung ergänzt wird, denn die Karlsruher Gruppe macht gerade ihren Weg.

Externer Link: Black Sea Shipping Company – blackseashippingcompany.de

Externer Link: Tollhaus – Tollhaus.de