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Schlagwort: Folk

Tonspur Nr. 26: Agnes Obel „Philharmonics“

Tonspur Nr. 26: Agnes Obel „Philharmonics“

Agnes Obel - Philharmonics
  1. Falling, Catching
  2. Riverside
  3. Brother Sparrow
  4. Just so
  5. Beast
  6. Louretta
  7. Avenue
  8. Philharmonics
  9. Close Watch
  10. Wallflower
  11. Over the Hill
  12. On Powdered Ground

Die Stücke von Agnes Obel schleichen sich wie kleine kammermusikalische Ereignisse ins Ohr. Man ist geneigt, von sphärisch und fragil zu schreiben, aber das wird ihr nicht gerecht. Angelehnt an minimalen Folk-Werken, aufbereitet mit feinjustierten Chorstimmen und einer zurückgelehnten Ruhe orientiert sie sich an zeitgenössischen Komponistinnen und grandiosen Handwerker der Akustik. 

Ohne Aufgeregtheit oder gar Aufdringlichkeit, mit Tönen, die wie in einem barocken Gemälde vielseitig und aufeinander abgestimmt sind, kommt „Philharmonics“ in ruhigen, sanftbraunen Farben daher. Da stimmt schon das Cover ein, dass einem historischen Frauenporträt nachempfunden ist, dass uns ernsthaft und empfindsam gleichermaßen ansieht. Programm bei diesem Album. 

Etwas was womit man Sonntagsmorgen, wenn die Verandtüren zum Garten geöffnet werden, die Natur und die Vögel begrüßen möchte. Agnes Obel hat eine Stimme, die in ihrer Jugend und Mädchenhaftigkeit, sowie der Inspiration vom Kunstlied,fern an Kate Bush erinnern mag, auch, wenn die Höhen und die frühe Aufgeregtheit nicht angestrebt wird. Doch die Liebe zur vielschichtig Verzwickheit der Melodieentwicklung, der Überlagerung mit Instrumenten, die wir aus der Klassik kennen, ist beiden innen. Auch die Ernsthaftigkeit, die sie antreibt. Kann man öfters hören. Kann man entdecken und wieder entdecken.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 13: So Soon „Whether you like it or not“

Tonspur Nr. 13: So Soon „Whether you like it or not“

So Soon - Whether you Like it or not

Titelliste:

  1. It‘s just you getting older
  2. Now I‘m walking
  3. All about the sunshine
  4. Got you on my mind
  5. Elephant
  6. Can Nobody feel
  7. Tie my shoes
  8. Shattered and lonely
  9. In your Grasp

Was man so denkt: Die haben sich in ein Studio eingeschlossen, mit ihren Lieblingsplatten aus den Sechzigern und Siebzigern, so wie ein paar aus den Achtzigern und dann vor sich hingefrimmelt am „Wall of Sound“. Und das nächste: Läuft die Platte eigentlich auf der richtigen Geschwindigkeit?

So Soon haben nach ihrer EP eine LP herausgebracht, auf der das angestrebte Konzept noch mal verfeinerte wurde. Noch dichter, noch verliebter in die Details und Ebenen und noch mehr Spiel am einzelnen Ton. Maßgeblich bleibt: Man lässt sich Zeit, nähert sich langsam an, verstärkt, singt im Chor und obwohl ich Genres und Namen von anderen Bands vermeiden möchte, bleibt mir hier: Folk passt nicht, aber psychedelisch scheint schon ihr Ding zu sein.

Das hat etwas witziges, wenn sie so verschleppt durch die Melodien schleichen, aber gleichzeitig auf ihren Covern die Mitteldeutsche Langweile zelebrieren. Könnten auch Rap machen und den Aufstand planen, wenn man nach dem Design geht. Ist es aber nicht, wird es nicht – im Gegenteil es empfiehlt sich ganz genau hinzuhören, um die Zutaten alle zu erkennen, die zweihunderfünfzig Spuren, die sie für ihre Werke verwenden, zu identifizieren und dann hat das Teil alle Chancen der Welt. Die könnten gewaltig aus der Provinz kommen, wenn sie dranbleiben.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 12: Knut Kiesewetter „So sing‘ ich nur für dich“

Tonspur Nr. 12: Knut Kiesewetter „So sing‘ ich nur für dich“

Knut Kiesewetter - So sing‘ ich nur für dich

Titelliste:

  1. Annies Lied
  2. Ein Stück Holz
  3. Der Winter steht klirrend vorm Fenster
  4. Ein Fremder in der eignen Heimatstadt
  5. Willst du dein Herz mir schenken
  6. Wir Liebenden
  7. So sing ich nur für dich
  8. Der Lehrer
  9. Der Sommer geht über die Felder
  10. Öffne dein Fenster
  11. Mein Sinn ist mir vewirret
  12. Ich werde dich und uns‘re Zeit wohl nie vergessen

Die Wurzeln von Knut Kiesewetter lagen im Jazz. Trotzdem bewegte er sich zunehmenden, vom Jazz-Gesang, in die Interpretation amerikanisch orientierter Country- und Folksongs auf Deutsch. Im Grenzbereich zu den damals, in den Siebzigern, sehr populären Liedermachern, war Knut Kiesewetter schwer einzuordnen. In seiner späteren Phase war er mehr im Plattdeutschen daheim , und huldigte damit seine friesische Heimat.

Seine Stimme schien, durch das eher bass-orientierte Auftreten, passend für die Countrywelle. Es gab auch keine Scheu, die auch im Original teilweise sehr einfach gestrickten Texte, äquivalent ins Deutsche zu übersetzen bzw. ähnliches zu texten. Was Knut Kiesewetter auszeichnete, war eine einfühlsame, sehr glaubhafte Ehrlichkeit, so dass er trotz seines stabilen und geradem Auftreten, sehr gefühlvoll und sensibel wirkte. Er erzählte Geschichten, die in der nordischen Ebene angesiedelt waren. Die noch dazu mit dem Aufnahmeort „Friesenhof“ in ihrer Authenzität verstärkt wurden. 

Heute hat das Album einen nostalgischen, warmherzigen Bezug zu den Siebziger – in einer Tonlage, wie sie heute eher im Schlager vermutet wird. Trotzdem ist Knut Kiesewetter nahe beim irischen Folk und seinen Spielarten. In der, durchaus angenehmen Schlichtheit, kann man sagen, dass es musikalisch zwar nun aus der Zeit gefallen wirkt, aber Knut Kiesewetter es verdient hat, vor allem wegen seinem weiteren künstlerischen Gang, genauer betrachtet zu werden.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 10: Silvia Juncosa „Silvia Juncosa“

Tonspur Nr. 10: Silvia Juncosa „Silvia Juncosa“

Silvia Juncosa - Silvia Juncosa
  1. A House is not a Motel
  2. Fuse
  3. Sex & Violins
  4. Reconstruction
  5. Late Night Pay Phone
  6. Alhambra Monrovia

Gefunden auf der Freiburger Schallplattenbörse. Im heißesten Sonnenschein des Frühjahres auf dem Freigelände einer Bierbrauerei. 

Silvia Juncosa fiel irgendwann Anfang der Neunziger mit einem groben, hingerotzten Gitarrenwerk au, das frechweg einen Song enthielt der sich „Lick my pussy, Eddie van Halen“ nannte. Das war provokant, aber auch verflixt einprägsam. Die traut sich was, und tatsächlich malträtierte sie ihre Gitarre fachgerecht. Man könnte sie ehren, als eine der Ersten, die am Denkmal zu rütteln begann.

Diese EP, fachgerecht in Rot gepresst, und auf 999 Exemplare begrenzt, kommt dagegen etwas hölzern und geradezu brav daher. Alles im günstigen Sound eines Badezimmers, aber mit einer Spannbreite aus lakonischen Songs, zurückhaltendem Gesang und Storytelling. Viel weiter von dem, was sie später ausmachte entfernt, und näher an Folk und Straße. Ein kleines, scheinbares, vergessenes Werk, das wohl 1991 erschien, und sich noch an der Welle der Akustik-Alben orientierte. Das sie schnell und geschwind spielen konnte, bewies sie, aber alles ist noch verhalten. Geeignet für kleine Clubs, späte Nächte und dylaneske Lauschereien. Interessant im Kontext und hinsichtlich ihrer Zukunft.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert