Durchsuchen nach
Schlagwort: Interview

Interview mit Anne Pe (zu ihrem Konzert im Mikado am 09.05.2026)

Interview mit Anne Pe (zu ihrem Konzert im Mikado am 09.05.2026)

Anne Pe & Moussa Cissokho im Mikado Kulturhaus am 09.05.2025
Anne Pe & Moussa Cissokho im Mikado Kulturhaus am 09.05.2025

Anne Pe fiel mir vor einigen Monaten als Songwriterin auf. Sie geht mit ihrem Konzept einen sehr eigenen Weg, der ihr in der hiesigen Musiklandschaft ein Alleinstellungsmerkmal gibt. So fließen verschiedene Sprachen in ihre Texte, aber auch afrikanische Elemente in die Musik ein. Ihre Stücke, präsentiert mit der Gitarre und der Kora, gespielt von Moussa Cissokho, sowie Tobias Hölscher am Kontrabass, gewinnen dadurch – neben einer überzeugenden Eingängigkeit – ein  durchaus interessantes Klangspektrum.

Durch die Vielseitigkeit der Kora ist es möglich, sowohl berührende Harfenklänge, wie auch rhythmische  Elemente einfliessen zu lassen. In der Kombination ein Glücksgriff für alle Beteiligten und das Publikum.

Eine Besprechung ihres aktuellen Albums „Songs and Lines“ findet sich, ebenso wie ein Rückblick auf ein Wohnzimmer-Konzert, weiter unten.

Am 09.05. ist sie in Karlsruhe im Mikado zu Gast, und im Vorfeld hatte ich schon mal die Möglichkeit mit ihr in ihrer Heimatstadt Offenburg ein Interview zu führen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Zum Einstieg etwas, dass mir auffiel, du singst auf dem Album in mehreren Sprachen?

Anne Pe:
Ja, im Song „John Bear“ singe ich überwiegend auf Deutsch, mit einigen Zeilen auf Englisch und am Schluss auf Französisch. In „Malinalli“, dem längsten Stück des Albums, gibt es einen spanischen Abschnitt. Ein neuer Song ist auf Italienisch. Und dann singe ich gelegentlich auch in der Sprache von Moussa Cissokho mit, die ich zwar nicht beherrsche, aber phonetisch gelernt habe.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wenn du sagst, dass du Moussas Sprache nicht beherrschst – wie sieht es mit den anderen aus?

Anne Pe:
Englisch spreche ich sehr gut, Französisch ebenfalls fließend, auch wenn es bei Spezialthemen anspruchsvoller wird. Spanisch beherrsche ich auf einem touristischen Niveau, sodass ich mich in einem spanischsprachigen Land gut verständigen kann. Italienisch verstehe ich ein wenig und kann mich im Alltag zurechtfinden.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist das Begabung oder hast du längere Zeit in diesen Ländern verbracht?

Anne Pe:
Ich war mit Anfang zwanzig zweieinhalb Monate in Spanien. In Berlin hatte ich zuvor spanischsprachige Freunde, von denen ich die Grundlagen gelernt habe. Vor Ort wurde ich dann ins kalte Wasser geworfen – etwa, als ich zehn Tage lang in einem Meditationszentrum mit einer Gruppe Spanier gekocht habe. Da musste ich die Sprache anwenden.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ich hatte den Eindruck, dass du Sprachen auch als klangliches Element einsetzt. Jede hat ja ihre eigene Farbe.

Anne Pe:
Ja, absolut. Es freut mich, dass du das bemerkt hast. Die Klangfarbe einer Sprache spielt für mich eine große Rolle und beeinflusst meine musikalischen Entscheidungen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie reagieren die Zuhörer darauf?

Anne Pe:
Bislang gab es nur positive oder neutrale Reaktionen. Das dreisprachige Lied „John Bear“ lief sogar mal im französischen Radio und auf einer brasilianischen Spotify-Playlist. Das zeigt, dass Musik oft über die Sprachbarrieren hinaus wirkt.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Bringt es dir etwas, auf Playlists vertreten zu sein?

Anne Pe:
Ja, definitiv. Dadurch erreicht man neue Hörer. Über den Artist-Account kann ich Statistiken einsehen und sehe, wo meine Musik gehört wird. Es ist schön zu entdecken, dass jemand in Stockholm oder Vancouver ein Lied hört.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist das nachhaltig? Wird man durch Playlists populär?

Anne Pe:
Das ist schwer zu sagen. Vieles hängt vom Algorithmus ab. Aber die Präsenz sorgt für Sichtbarkeit und neue Kontakte. Wenn etwas im Radio gespielt wird, erfährt man meist davon – etwa über Promoter oder Musikredakteure.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Welchem Genre würdest du deine Musik zuordnen?

Anne Pe:
Am ehesten dem Folk. Allerdings mit Einflüssen aus Indie, Pop und World Music. Ich sehe mich als Singer-Songwriterin mit einer klaren folkigen Heimat.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Welche Einflüsse haben dich geprägt?

Anne Pe:
In meiner Kindheit hörte ich durch meine Mutter Künstler wie Joan Baez, Leonard Cohen, Cat Stevens, Joni Mitchell und Hannes Wader. Später kamen Tracy Chapman, Suzanne Vega und Elliott Smith hinzu. Auch die Grunge-Ära der 90er hat mich geprägt.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du hast Hannes Wader erwähnt. Das Genre der Liedermacher gerät zunehmend in Vergessenheit.

Anne Pe:
Ja, und es hat mich stark beeinflusst – auch in meiner Wahl der Gitarre. Bei einem Auftritt habe ich sogar ein kleines Hannes-Wader-Set mit neu arrangierten Liedern präsentiert.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Moussa Cissokho und der Kora?

Anne Pe:
Ich habe ihn 2018 im Spitalkeller gehört und war vom Klang der Kora fasziniert. Als ich mein neues Album plante, fragte ich ihn an. Er war interessiert, und so entstand die Zusammenarbeit.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du kombinierst Folk mit einem westafrikanischen Instrument. Das ist ungewöhnlich.

Anne Pe:
Ja, aber es passt sehr gut. Moussa bringt die World-Music-Elemente ein, aber vorallem passt es sehr gut, weil wir ähnliche „musikalische Werte“ und Vorstellungen haben. So auch mit meinem longtime Musikerkollegen dem Kontrabassisten Tobias Hölscher. Diese Mischung ergänzt sich wunderbar.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Dein neues Album ist dein zweites. Das erste erschien 2017. Warum hat es so lange gedauert?

Anne Pe:
Es gab Verzögerungen durch Terminprobleme und die Pandemie. Rückblickend war es gut, denn einige Stücke konnten reifen. So entstand beispielsweise die Zusammenarbeit mit Famoudou Konaté erst in dieser Zeit.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Was kommt zuerst – Text oder Melodie?

Anne Pe:
Meist entstehen beide gemeinsam, immer mit der Gitarre. Nur selten schreibe ich zuerst den Text.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist Songwriting für dich eine Eingebung?

Anne Pe:
Ja, oft. Es ist ein besonderer kreativer Zustand, der viele Künstler fasziniert und glücklich macht.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du arbeitest auch beruflich mit Musik. Was genau machst du?

Anne Pe:
Ich arbeite als Musiktherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleite Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Und ich gestalte Klangreisen und Singkreise

Andreas (Jazznrhythm.com):
Beeinflusst diese Arbeit deine Musik?

Anne Pe:
Ja. Mir ist wichtig, Musik zu schaffen, die berührt und beruhigt. Meine Lieder sollen Menschen ansprechen und ihnen Raum zur Identifikation geben.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie stehst du zu Social Media?

Anne Pe:
Ich nutze es bewusst und dosiert. Es ist eine wertvolle Plattform, um mit meinem Publikum in Kontakt zu treten, darf aber nicht zu viel Raum einnehmen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie beurteilst du die heutige Musiklandschaft?

Anne Pe:
Sie hat zwei Seiten. Streaming erschwert es, vom Verkauf zu leben, bietet aber gleichzeitig große Chancen, unabhängig Musik zu veröffentlichen und ein internationales Publikum zu erreichen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Das bedeutet viel Eigenarbeit.

Anne Pe:
Ja, das Do-it-yourself-Prinzip ist anstrengend, schenkt aber kreative Freiheit und Selbstbestimmung.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Was habe ich vergessen zu fragen?

Anne Pe:
Ich freue mich, wenn du erwähnst, dass wir im Mikado auftreten werde und dass man uns auch für privat organisierte Wohnzimmerkonzerte buchen kann.

Externe Links:

Anne Pe-https://annepe.de

Kulturhaus Mikado – https://mikadokultur.de

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

(Mit Interview)

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian Graber, vielen noch bekannt als Mitglied und Frontman der Band „We invented Paris“ ging die Dinge schon immer ein kleines bißchen anders an. War „We invented Paris“ unter anderem dafür bekannt, dass sie gerne unter dem Begriff Künstler-Kollektiv angesiedelt wurden, so versucht auch er selbst – nun auf Solopfaden – Wege und Möglichkeiten jenseits des gewohnten Kulturbetriebs zu finden. 

Wo „We invented Paris“ legendär die Möglichkeiten des Couch-Surfings für eine Tour nutzten, sind es nun bei Flavian sogenannte Küchentourneen oder Wander-Konzerte. Wie wichtig ihm diese gemeinsamen und verbindenden Erlebnisse sind, zeigte sich auch bei dem Konzert in den Räumlichkeiten von Dixigas-Records. So konnten sich Interessierte per Mail melden, um einen der raren Plätze zu ergattern, wurden aber auch gebeten, etwas zum Buffet beizutragen.


Dadurch entwickelte sich das kleine Ladenkonzert wie ein gemeinsames Fest, zu dem jeder etwas mitbrachte. Das Konzert selbst wurde allein auf Spendenbasis (also ohne Eintritt) finanziert. Unter diesem Gesichtspunkt lag Flavian Graber viel daran,  das Publikum mit ein zu beziehen, und somit zur gemeinsamen Gestaltung zu laden.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sprengte den bekannten Rahmen. Nicht nur, dass allerlei und sehr verschiedene Zutaten auf den bereit gestellten Tischen zum Gelingen beitrugen, es gab auch die Option in seinen Rezeptbüchern, dem Künstler die Beschreibung einer eigenen Kreation zu hinterlassen. Er versprach doch tatsächlich, sie hinterher nach zu kochen.

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Zusammen mit Nico Schnepf (Keyboard und Akkordeon, Mitglied des Vereinsheims) bestritt Flavian Graber einen Abend an der Gitarre mit schweizerdeutschem Gesang. Das er sie zuvor übersetzt vorlas, betonte die lyrische-poetische Komponente, aber zeigte auch, dass das Wort und ihre Verwendung für Flavian einen wichtigenTeil des Gesamtkonzeptes darstellte.

Es war die Bereitschaft und das Vermögen alle Sinne anzusprechen, die den Abend auszeichnete. Flavian nahm die Anwesenden auf eine Reise zu den Augenblicken und Momenten mit, die er mit eingängigen Kompositionen abrundete. Unterlegt wurden sie dabei  mit den Fotografien (auf einem Lichtkasten) von Nico Schnepf

Glich das Vortragen der gesprochene Teil seiner Texte einer Dichterlesung, so vermittelte der Charme seines Gesangs – in dem Timbre und Ton seiner Heimat – eine Färbung, die die Ruhe und Naturverbundenheit vermittelten. 

Auf diesem Weg zeichnete ihn vor allem die Offenheit aus, die den melancholisch-nachdenklichen Texten eine sympathische Natürlichkeit gaben. 

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian nutzt die Sprache gerne. Sein Spiel ,und die Gestaltung damit, verraten eine lange Liebe, die er mit der Gitarre zu betonen weiß.  In der Zusammenarbeit mit Nico Schnepf am Keyboard gewann es eine fast sphärische und liebevolle Basis – vor allem und auch wegen dem eingesetzten Akkordeon. Nico Schnepf wusste mit ruhiger Hand den Charakter der vorgetragenen Werke zu ergänzen und zu verdichten. 

Wie gesagt, die Anwesenden mitzunehmen, sie kennenzulernen und einzubinden, war ihm Anliegen. Somit kein Wunder, dass es sich am Schluss tatsächlich um eines seiner „vielgerühmten Küchenkonzerte“ handelte, als er den Abschluss genau dort hinverlagerte: In die kleine Küche des Plattenladens. Eine Gestaltung, die an tausendundeine Party erinnert. Jener Ort, an dem dann die besten Gespräche stattfinden, die coolsten Leute zusammenstehen und die Getränke am Nächsten sind.

Flavians Konzerte sind kleine, wunderbare Events, die die Musik wieder als kommunikatives Element pflegen wollen, und man darf gespannt sein, welche Ideen ihn für die Zukunft noch kommen. Denn einen Teil davon will ich gar nicht erzählen, damit es noch die überraschenden Momente für jene gibt, die ihn in den folgenden Monaten nicht verpassen sollten.

Interview mit Flavian Graber (vor dem Konzert)

Interview mit Flavian Graber Graber (ChatGPT- clean Fassung)

Andreas (Jazznrhythm): Hallo, Flavian. Willkommen in Karlsruhe.

Flavian Graber: Danke.

Andreas (Jazznrhythm): Im Vorfeld habe ich mich ein wenig über dich informiert – unter anderem über deine Website und Wikipedia. Dabei ist mir ein Begriff aufgefallen: „Feinkost“. Das kennt man ja eher vom Metzger oder aus dem Delikatessenladen. Was bedeutet das in deinem Zusammenhang?

Flavian Graber: Ich glaube, es hat tatsächlich genau damit zu tun. Feinkost bedeutet ja nicht einfach nur, etwas zu essen zu haben, sondern etwas Besonderes zu genießen. Und so verstehe ich auch meine Musik: nicht als „Fast Food“, das nur sättigt, sondern als etwas Eigenes, Spezielles, das man bewusst hört und genießt.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast früher mit We Invented Paris auf Englisch gesungen, jetzt singst du auf Schweizerdeutsch – und zwar ausschließlich. Wie kam es dazu?

Flavian Graber: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass es Zeit war, We Invented Paris zu beenden. Ich bin älter geworden und an einem anderen Punkt im Leben.
Dann habe ich mich gefragt, wie es weitergehen soll, und vieles ausprobiert. Unter anderem wollte ich herausfinden, ob ich einen Song in meiner Muttersprache schreiben kann, der mir nicht peinlich ist. Ich hatte lange eine ambivalente Beziehung zum Schweizerdeutschen. Es gab einzelne Dinge, die ich mochte – etwa Züri West oder Stefan Eicher – aber insgesamt hatte ich keinen richtigen Zugang dazu.
Als ich dann angefangen habe, auf Schweizerdeutsch zu schreiben, hat mir das unglaublich viel Freude gemacht. Ich kann viel differenzierter ausdrücken, was ich sagen will, und auch den soziokulturellen Hintergrund  mitnehmen, was mir im Englischen so nicht möglich waren. Und gesungen fühlt sich das einfach am direktesten an.

Andreas (Jazznrhythm): Wie reagieren denn deutsche Zuhörer darauf?

Flavian Graber: Ich war selbst überrascht. Anfangs dachte ich, das funktioniert wahrscheinlich gar nicht. Deshalb habe ich auch versucht, auf Hochdeutsch zu schreiben. Aber wenn ich zwischendurch einen schweizerdeutschen Song gespielt habe, kam oft das Feedback, dass der sogar besser ankommt.
Ein wichtiger Punkt war dann der Tipp, die Texte vorher übersetzt vorzulesen. So bekommen die Leute einen Zugang, fast wie bei einem Gedicht. Danach finden sie sich viel leichter in der Sprache zurecht.

Andreas (Jazznrhythm): Ihr habt ja immer wieder ungewöhnliche Tourkonzepte entwickelt – zum Beispiel Couchsurfing-Konzerte oder jetzt deine Wanderkonzerte. Ist das aus der Pandemie entstanden oder ein Konzept, das du weiterverfolgst?

Flavian Graber: Es ist tatsächlich in der Pandemie entstanden. Zum einen, weil klassische Konzerte nicht möglich waren. Zum anderen, weil meine neuen Songs ein aufmerksames Publikum brauchen.
Ich hatte schon früher die Erfahrung gemacht, dass unverstärkte Momente mitten im Publikum oft die intensivsten sind. Daraus ist die Idee entstanden, Konzerte in die Natur zu verlegen.
Man läuft gemeinsam mit einer Gruppe – etwa 30 bis 50 Menschen – durch die Landschaft und hält unterwegs an verschiedenen Orten an, um Lieder zu spielen. Das Besondere ist, dass währenddessen nicht gesprochen wird. Die Leute hören zu und nehmen die Umgebung sehr bewusst wahr. Dadurch entsteht ein durchgehender Spannungsbogen.
Das hat sich inzwischen etabliert – ich gehe jetzt in die sechste Saison und lade auch immer wieder Gäste ein, etwa aus dem Bereich Spoken Word.

Andreas (Jazznrhythm): Wie lang sind diese Wanderungen?

Flavian Graber: Eher Spaziergänge. Meist fünf bis sechs Kilometer, also etwa eine Stunde reine Gehzeit. Es gibt leichtere und etwas anspruchsvollere Strecken, aber alles bleibt im Rahmen.

Andreas (Jazznrhythm): Findet das hauptsächlich in der Region Basel statt?

Flavian Graber: Die regulären Touren ja – etwa 17 Konzerte über den Sommer. Aber ich werde auch immer wieder eingeladen, das an anderen Orten zu machen, zum Beispiel in den Alpen oder am Bodensee.

Andreas (Jazznrhythm): Du spielst hier heute im Plattenladen mit Keyboardbegleitung. Wie sieht das sonst auf Tour aus?

Flavian Graber: Meistens sehr reduziert. Ich nenne das „Küchenkonzerte“. Ich reise mit der Gitarre und spiele unverstärkt, oft in privaten Wohnungen.
Die Konzerte sind öffentlich zugänglich, aber die Adresse bekommt man erst nach Anmeldung. Die Gäste bringen Essen mit, sodass eine gemeinsame Tafel entsteht.

Andreas (Jazznrhythm): Finden diese Konzerte tatsächlich auch in Küchen statt?

Flavian Graber: Ja, durchaus. Der Begriff ist für mich auch inhaltlich wichtig. Er knüpft wieder an das Thema „Feinkost“ an, aber auch an den Küchentisch als Ort.
Für mich ist das ein zentraler Ort – dort passieren Gespräche, Konflikte, Alltägliches. Viele meiner Texte entstehen gedanklich an so einem Tisch. Und es ist ja oft so: Wenn man bei jemandem zu Besuch ist, endet alles in der Küche.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast schon bei We Invented Paris mit Fotografie, Film und Design gearbeitet. Spielt dieses Gesamtkonzept für dich weiterhin eine Rolle?

Flavian Graber: Ja, auf jeden Fall. Ich sehe mich zwar als Singer-Songwriter im klassischen Sinne, aber eigentlich versuche ich eher, Räume und Momente zu schaffen, in denen Menschen etwas erleben können.
Mich interessiert es sehr, verschiedene Kunstformen zu verbinden. Oft sprechen unterschiedliche Disziplinen ja über ähnliche Dinge – nur auf ihre eigene Weise.

Andreas (Jazznrhythm): Wenn man deine Musik einordnen möchte – fällt das überhaupt leicht?

Flavian Graber: Nicht wirklich. Am ehesten ist es wohl Popmusik, vielleicht irgendwo zwischen Indie und Folk. Aber durch die Sprache und die Art der Präsentation kommt noch eine andere Ebene dazu, etwa durch die gesprochenen Texte.

Andreas (Jazznrhythm): Zum Schluss noch eine Frage zu Social Media: Wie stehst du dazu?

Flavian Graber: Sehr ambivalent. Ich merke, dass es mir persönlich nicht immer gut tut. Es hat oft etwas Oberflächliches oder auch Toxisches.
Gleichzeitig ist es natürlich ein wichtiges Werkzeug. Wenn ich es professionell betrachte, geht es darum, die Menschen zu erreichen, die wirklich etwas mit der Musik anfangen können.
Ich glaube nicht, dass es einfacher geworden ist als früher – nur anders. Früher gab es klarere Kanäle. Heute kann man theoretisch sehr viel machen, aber es ist auch ein Fass ohne Boden.
Für mich funktioniert es am besten, wenn ich Social Media als Werkzeug begreife und nicht versuche, dort ständig präsent zu sein.

Andreas (Jazznrhythm): Hast du deinen Frieden damit gemacht?

Flavian Graber: Für den Moment, ja. Wenn ich gar nicht präsent wäre, würde ich den Menschen, die meine Musik entdecken könnten, auch keinen Gefallen tun.

Andreas (Jazznrhythm): Vielen Dank für das Gespräch.

Flavian Graber: Danke dir.

Externe Links:

Flavian Graberhttps://flaviangraber.com

Dixigas-Recordshttps://dixigas-records.de

Interview: Amber & the Moon

Interview: Amber & the Moon

Amber & the Moon waren mit Rhonda als deren Support auf der Tour. Amber & the Moon sind eine relativ junge Band, die ich bereits das zweite Mal in dieser Kombination erlebte. Für Rhonda war es bedauerlicherweise die Abschiedstournee. Für Amber & the Moon die Möglichkeit sich einem größeren Publikum bekannt zu machen. Vor allem in Regionen, in denen sie in der Regel nicht unterwegs sind. Ihr Auftritt fand in der Alten Hackerei statt. Für Rhonda schon eine bekannte Location, für Amber & the Moon ein neuer Ort. Sie wurden begeistert gefeiert, hatten ihre Chance charmant genutzt und sind sicherlich wieder gerne gesehen. Ich hatte kurz vorher die Möglichkeit eines Gespräches mit Ronja Pöhlmann (Gitarre, Gesang) und Jonathan Riedel (Bassgitarre und Gitarre, Gesang), und sprachen dabei über die Herkunft des Bandnamens, die bisherige und die kommende Platte, wie präsent eine Band allgemein sein muss. (Rhonda/ Support: Amber & The Moon in der alten Hackerei 27.11.2024)

… über den Namen Amber & the Moon

Jazznrhythm: Wenn ihr möchtet, dürft ihr einfach mal erklären, woher der Name Amber & the Moon kommt.

Ronja: Also Amber & the Moon ist mittlerweile eine vierköpfige Band und wir sind in Hamburg ansässig.

Ich komme eigentlich aus dem Süden Deutschlands, und bin vor fünf oder sechs Jahren nach Hamburg gezogen, um dort Musik zu machen und eine Band für mein Projekt zusammenzustellen. Doch leider bin ich bereits nach ein paar Monaten mitten in das Pandemie-Loch gefallen, gefolgt vom Lockdown. Und das muss ich ja nicht erklären. 

Jazznrhythm: Jaja, den Lockdown musst du nicht erklären. 

Ronja: Ich wollte nicht, dass mich das daran hindert, Musik zu machen. Ich habe in dieser Zeit den ersten Song namens “El Dorado” unter dem Namen Amber & the Moon veröffentlicht. 

Da war ich noch alleine, ohne Band, und habe mich zu Hause in die technische Seite der Musikproduktion eingearbeitet, und diesen Song solo veröffentlicht.

Da brauchte ich natürlich dennoch einen Namen, der irgendwie nach Band klingt. Weil ich wusste, ich veröffentliche den ersten Song jetzt zwar alleine, aber irgendwann darf man wieder in die Welt gehen und Menschen und Musiker:innen kennenlernen. Daraus sollte sich ja schließlich eine Band ergeben.

Letztendlich ist Amber & the Moon eine Metapher für meinen gefühlten Songwriting-Prozess. Amber, Bernstein und der Mond: Der Bernstein, der durch den Einfluss der Gezeiten erst nach mehreren Jahrzehnten an die Meeresoberfläche gespült wird.

Das ist eher so ein Sinnbild: Wenn ich merke, das irgendwas in mir gefühlsmäßig rumort, ist das meistens der Moment, in dem ich zur Gitarre greife und dann versuche, diese Emotionen herauszuarbeiten.

Dann wirble ich den Sand auf und gucke, was da eigentlich in mir schlummert. Am Ende hat man dann plötzlich einen neuen Song und vor allem neu gewonnene Klarheit.

… über das Songwriting

Jazznrhythm: Du schreibst alle Songs und komponierst die alle? 

Ronja: Genau. 

Jazznrhythm: Oder ist das irgendwie Co-Working ? 

Ronja: Ich schreibe die Songs zunächst alleine und irgendwann kommt der Moment, da ist die Idee weit genug. Dann teile ich diese Momentaufnahme mit der Band und setze mich dann meistens zuerst mit Jonathan zusammen und wir arbeiten die Gesangsharmonien gemeinsam aus.

Jonathan: Genau, früh zusammen, aber den Grundstein legst schon immer du.

Jazznrhythm: Und wenn du sagst fünfköpfige Band? 

Ronja: Vier. 

Jazznrhythm: Vier. Aber da ist dein Vater dabei, oder?

Ronja: Nee, nee. Mein Papa macht zwar auch Musik, aber mein Papa …..

Jazznrhythm: Irgendwie hatte ich gedacht, aber das Akkordeon ….wer spielt das Akkordeon noch?

Ronja: Achso, also mein Papa spielt Akkordeon auf einem Song auf dem ersten Album. 

Jazznrhythm: Genau. Ich hab’s mir vorhin nochmal angeguckt, weil ich es irgendwann mal bestellt habe. Ich habe es nicht mitgenommen in Bad Canstatt. Und habe mir dann hinterher gedacht, warum hab ich es  eigentlich nicht mitgenommen? Und dann doch bestellt bei dir.

Als ich das  durchgelesen habe, wer spielt da alles mit, habe ich mich sehr gefreut, dass ein Akkordeon dabei ist. Und dann habe ich mir gedacht, Pöhlmann? 

Ronja: Genau, kenne ich.

Jazznrhythm: Wer ist das? Da habe ich gedacht, ja, das wird er sein. 

Okay, er ist also nicht Mitglied der Band, aber hat das Akkordeon gespielt. 

Ronja: Ja, irgendwie hat das ganz gut gepasst. Ich dachte, das wäre ganz schön, das so zu vereinen. Ich bin in einem Haushalt groß geworden, in dem überall Musikinstrumente waren und das war, glaube ich, auf jeden Fall prägend.

Das war irgendwie so ein schöner Full-Circle-Moment. 

Jazznrhythm: Du spielst eine ganze Menge Instrumente, wenn ich das richtig gesehen habe.

Ronja: Hauptsächlich Gitarre. Aber im Studio passiert es des Öfteren, dass jeder mal zu unterschiedlichen Instrumenten greift. Je nachdem, was gebraucht wird – das Nötigste kriegt man als Instrument-Laie meistens schon irgendwie hin.

Jonathan: Auf jeden Fall.

… über die Verbindung zu Rhonda

Jazznrhythm: Und wie war jetzt die Connection zu Rhonda? Weil ihr seid jetzt zum zweiten Mal mit ihr auf Tour. Also gibt es ja da eine Verbindung. 

Ronja: Genau, Ben, Ben Schadow, der auch bei Rhonda produziert und Gitarre spielt, hat auch unsere Platte produziert und ist mittlerweile Teil der Band und spielt bei uns Bass.

Jazznrhythm: Er ist Teil der Band? 

Ronja: Ja.

Jazznrhythm: Das heißt, man sieht ihn auf jeden Fall, auch wenn Rhonda sich jetzt auflöst, in Zukunft wieder mit euch zusammen. 

Ronja: Genau.

Ronja: Ben hat zum Beispiel auch das Artwork von unserer Platte gemalt und ist kreativ sehr involviert.

Jazznrhythm: Stimmt. Die Platte ist jetzt von 2022? 

…über Vinyl

Jonathan: 23.

Ronja: Januar 23. 

Jazznrhythm: Macht ihr eine neue, eine weitere? 

Ronja: Ja, wir arbeiten gerade am zweiten Album. Heute spielen wir auch neue Songs, die noch nicht veröffentlicht sind.

Das soll auf jeden Fall nächstes Jahr erscheinen.

Jazznrhythm: Ihr seid ja noch recht am Anfang, wenn man das mal so sagen darf. Ihr habt jetzt schon eine Vinylplatte rausgebracht. Ihr habt sie dann noch in digitaler Form. Wie viele Vertriebswege muss man denn jetzt eigentlich beachten, wenn man jetzt so eine junge Band ist und damit startet?

Ronja: Das ist, glaube ich, total individuell. Also ich denke, jetzt rein finanziell gesehen, ist es natürlich ein Unterfangen zu sagen, man produziert heutzutage eine Vinylplatte. Da der digitale Weg ja durchaus das neue Medium ist.

Es geht uns aber allen so, dass wir es sehr schön finden, was in der Hand halten zu können, und es dadurch sehr viel mehr Wert hat. Für mich zumindest. Ich finde die bloße, wenn auch utopische, Vorstellung verrückt, dass das Internet plötzlich zusammen crasht und dadurch alle Platten weg sein könnten.

Jazznrhythm: Das freut mich natürlich sehr, weil ich speziell auf Vinylplatten stehe und die auch kaufe. Und wenn ihr eine zweite rausbringt und die auch wieder als Vinylplatte, finde ich das auch toll.

…über Social Media

Aber man macht sich schon so die Gedanken, wie geht das? Also ihr müsst auf Spotify präsent sein, ihr müsst Bandcamp haben, ihr müsst irgendwas mit Instagram wahrscheinlich auch noch machen.

Wie viel würdet ihr sagen, ist eigentlich der Einsatz für Marketing und einfach Social Media jetzt  für euch? 

Ronja: Du meinst jetzt Kapazitäten? 

Jazznrhythm: Kapazitätsmäßig, finanziell überhaupt nicht,  ich meine es kapazitätsmäßig. Ich merke es selber, ich muss momentan für die Webseite, die ich mache, auf der das Interview dann später enthalten ist … muss ich eigentlich jeden Tag irgend etwas machen.

Ich bin aber nur auf ein oder zwei Plattformen aktiv und sage mir, die anderen kann ich nicht bedienen, da gebe ich auf. Die Frage ist auch, wie viel seid ihr aktiv, was macht ihr?

Ronja: Also, Instagram, Facebook, YouTube, offiziell haben wir einen TikTok-Kanal, aber der ist gerade etwas inaktiv… Ich habe gerade nicht mal mehr die App auf dem Handy.

Sagen wir mal so, meine Online-Aktivitäten finden primär auf Instagram statt, aber natürlich auch auf unserer Website und unserem Newsletter.

Ich glaube, das Hauptding ist schon der Newsletter. Da versuche ich immer, eine persönlichere Komponente mit einzubringen. Das ist ein Medium, auf dem man noch Geschichten erzählen kann – was jetzt auf Social Media irgendwie ein bisschen untergeht, beziehungsweise ist dort die Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht sehr groß.

Und ich finde dieser Newsletter ist ein ganz schöner Weg. So sammelt man auf Konzerten neue Kontakte, baut eine persönliche Bindung auf und kann sie weiterführen.

Und es gibt auch immer mal wieder Menschen, die dann auf den Newsletter reagieren. Dadurch, dass es diesen Raum zum Austausch gibt, mache ich es ganz gerne.

Social Media ist natürlich ermüdend. Wir sind da, aber man hat immer das Gefühl, man könnte viel mehr machen und macht zu wenig. Und es ist natürlich schwierig, wenn Online-Zahlen den scheinbaren Wert und die Qualität der Musik festlegen. 

Also, Festivals buchen dich oftmals nur, wenn du so und so viele Abonnent:innen hast. Das kann schon etwas ermüdend sein. 

Jonathan: Ich glaube, es gibt keine Grenze nach oben, wie viel Aufwand man reinsteckt.

Solange man noch Zeit hat, zwischendurch auch noch Musik aufzunehmen, glaube ich, kann man so viel machen, wie man schafft. 

Jazznrhythm: Ja, das ist eben der Gedanke. Gleichzeitig wollt ihr ja Musik aufnehmen, ihr wollt noch Songs schreiben.

…über die Elphilharmonie

Ich habe mitgekriegt, ihr habt Konzerte in der Elbphilharmonie gehabt, oder? 

Ronja: Eins, aber das war sehr schön. 

Jazznrhythm: Ja, aber, hey, die Elbphilharmonie sehe ich vielleicht einmal oder zweimal im Jahr, dann denke ich, wow, sie sind in der Elbphilharmonie gewesen. 

Ronja: Ja, das war schon sehr toll. Es war auch eine große Ehre dort zu spielen und es war wirklich besonders. Lustigerweise gab es auf der letzten Rhonda-Tour, bei der wir auch komplett dabei waren, einen Tourstopp in der Elbphilharmonie. Und bei dieser Konzertreihe, “Made In Hamburg”, sind keine Support-Acts erlaubt. Das heißt, das war auf der letzten Tour das einzige Konzert, bei dem wir nicht mitspielen durften und “nur” hinten in den Publikums-Reihen saßen.

Ich weiß noch gut, wie wir da hinten saßen und ich mir vorgestellt habe, wie toll es sein müsste, irgendwann mal selber dort zu spielen. Es war reine Fantasie, entweder passiert es gar nicht oder vielleicht in zehn Jahren, wenn alles gut läuft.

Es war echt verrückt, dass ein Jahr später ein E-Mail von der Elbphi kommt à la “ Hey, wollte ihr da spielen?“ 

Jazznrhythm: Und war es schön voll?

Jonathan: Ja, auf jeden Fall. Wir hatten auch viele extra Leute auf der Bühne. Wir haben uns noch vergrößert. Wir hatten noch drei Streicher und einen Pianisten …

Jazznrhythm: …und davon gibt es jetzt keine Aufnahmen? Und die macht ihr jetzt nicht auf die nächste Platte drauf ? Oder sowas eben wie so einen Live-Mitschnitt ? So einen kleinen?

Ronja: Wollten wir ursprünglich. Tatsächlich wären da dann aber noch ganz viel versteckte Kosten angefallen. Das wäre dann zu teuer für uns geworden.

Der Plan für die zweite Platte ist nun, die Streicher:innen und den Pianisten auf jeden Fall aufzunehmen, weil dieses Konzert wirklich schön war und die Arrangements gibt es ja jetzt auch schon.

Jazznrhythm: Ja und ich kann mir vorstellen, dass es sehr, sehr gut passt. -In der Vorbereitung habe ich mir ja alles nochmal angehört.

… über das Genre Neo-Indie-Folk (usw.)

Wenn man jetzt eure Musik beschreiben müsste, fängt man natürlich erstmal wahrscheinlich mit dem Wort ruhig an.

Jonathan: Ja, wahrscheinlich.

Jazznrhythm: Bei Genre wüsste ich jetzt gar nicht, wie ich es bezeichnen würde. Wüsstet ihr es, wie ihr es bezeichnen würdet? 

Jonathan: Wissen? Ne, aber man kann sich immer irgendwas aus der Nase ziehen. 

Jazznrhythm: Aber irgendwie schreiben doch die ganzen Veranstalter irgendwelche Genres auf?

Ronja: Ja, Indie-Folk. 

Jazznrhythm: Oh, toll, gut.

Jonathan: Es geht meistens in die Folk-Richtung. Wobei ich dann immer empfinde, dass es zu elektronisch für Folk ist. Zu viele E-Gitarren für Folk, für meinen Begriff. 

Ronja: Aber vielleicht deshalb das Indie davor? 

Jonathan: Ja genau, das macht dann das Indie-Folk. 

Ronja: Oder Neo-Indie-Folk. 

Jazznrhythm: Neo-Indie-Folk. Okay, was immer das auch ist. Na gut, also prima.

… über Auftrittsmöglichkeiten und die kommende Tour (in Planung)

Jazznrhythm: Das Thema Auftrittsmöglichkeiten allgemein. Wie seht ihr das? Gibt es zu wenige? gibt es Zu Viele? Müßte für junge Künstler noch mehr getan werden?

Jonathan: Ja, ich meine, das schadet nie. Es ist auf jeden Fall so, dass es schwierig ist, vor allem für kleine Clubs.

Jazznrhythm. Also sagen wir es mal so, wir haben hier in Karlsruhe, glaube ich,  so 10, 12 Möglichkeiten aufzutreten. Die sind natürlich nach bestimmten Genres gegliedert und auch nach der Größe.

Und die haben jetzt schon das Problem, dass sie sich gegenseitig Konkurrenz machen. 

Jonathan: Ah, krass. Das ist ja auch gar nicht so wenig… 

Jazznrhythm: Ja, ja, genau. Also die versuchen alle natürlich Freitags und Samstags irgendwelche Artists ranzuholen, schaffen das auch ganz gut. Dann stehe ich auch als Besucher  vor der Situation und denke, oh Gott, da würde ich jetzt gerne hingehen. Und in einen bestimmten Club gehe ich dann eben nicht.

Aber wie ist es denn für euch? Ich sehe euch jetzt zum zweiten Mal hier in der baden-württembergischen Gegend. Ist das einfach eine Tour selber zu gestalten? Könntet ihr das alleine auch machen? 

Ronja: Das ist jetzt tatsächlich die Idee, wenn das Album dann im Herbst nächsten Jahres kommt, dass wir dann zum ersten Mal auf unsere eigene Tour gehen wollen. Und auch mit ganzer Band. Das hier ist jetzt die zweite Duo-Tour. Ich war einmal im Sommer noch Solo unterwegs. Eine eigene Tour zu buchen, ist finanziell auf jeden Fall nicht ohne. Man muss einen Tour-Bus mieten, Unterkünfte, Sprit. Da muss es sich schon irgendwie rechnen, damit eine Tour kein finanzielles Minus bedeutet. Und natürlich ist man in vielen Städten zum allerersten Mal – da weiß man oft nicht, wie viele Leute am Ende überhaupt kommen.

Deshalb ist es toll, in Gegenden zu spielen, in denen man merkt, es existiert eine gewisse Offenheit oder Dankbarkeit für Livemusik. Wenn Leute auch mal sagen: “hey, ich kenne die Band vielleicht nicht, aber ich gehe trotzdem hin und gucke mir das an.“

Jazznrhythm: Ich würde gerne mal die ganze Band sehen? 

Ronja: Ja, also wenn du Empfehlungen hast, ist das hier der offizielle Aufruf, dass die Clubs sich bei uns melden dürfen. 

Jonathan: Ja, genau so. 

Jazznrhythm: Okay, wie läuft das ab? Also die Clubs melden sich dann in der Regel bei euch oder ihr meldet euch bei den Clubs? Ich glaube, es gibt alle Möglichkeiten, oder?

Ronja: Ja, genau.

Jonathan: Aber ich würde sagen, wenn man jetzt eine Tour plant, dann ist die Chance höher, dass man sich bei den Clubs meldet oder wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, der beim Booking helfen kann oder das macht, im besten Fall. Dann melden die sich bei den Clubs. Das ist noch besser.

Ronja: Beides existiert auf jeden Fall. Eine Tour muss die Band oder das Booking-Team auf jeden Fall selbst buchen. Zwischendrin kommen aber auch immer mal Konzertanfragen rein und es zeigt sich durchaus hin- und wieder, dass wir uns im norddeutschen Raum einen kleinen Namen gemacht haben. Dass Leute an einen denken, wie “ Hey, wir haben dieses kleine Festival oder wir haben einen Slot frei, habt ihr Lust zu spielen?“ Das passiert auf jeden Fall auch.

Aber die erste eigene Tour…das ist ja auf jeden Fall spannend. 

Jazznrhythm: Kann ich mir vorstellen.

Ronja: Wir müssen jetzt erst noch in die Planung gehen und gucken, was da so zusammenkommt. Sodass sich das irgendwie rentiert. 

Jazznrhythm: Dann kommt ihr als komplette Band?

Jonathan: Auf jeden Fall. Wenn wir es irgendwie schaffen, auf jeden Fall. So lautet der Plan. Wir wissen es natürlich nicht, aber aus anderen Projekten kennt man das schon, dass es öfter mal so ist, dass kleine Clubs sagen, oh, mit Schlagzeug, das ist schwierig, das ist immer eng oder so.

Aber das ist die Ausnahme. Der Plan ist auf jeden Fall Band. 

Jazznrhythm: Es ist tatsächlich so, dass wenn ich mir das überlege, in welchem Bereich das hier möglich wäre, dann sind es die kleinen Clubs.

Also in der Kombination, wie ihr momentan seid, kein Thema. Wäre kein Ding.

Aber wenn es dann, glaube ich, vier Leute auf der Bühne werden, dann fangen die schon langsam an, unruhig zu werden. Und wenn sie dann hören, Schlagzeug, dann sagen die sich, naja, dann müssen wir um 22 Uhr aufhören.

Ronja: Ich meine, mit unserer Musik ist es Gott sei Dank der Fall, dass die Songs in allen Formationen funktionieren. Also: Solo, zu zweit, zu dritt oder natürlich auch zu viert. 

Es ist aber noch mal gewaltiger, wenn man mit der ganzen Band auftreten kann. Wenn es dann vielleicht nicht nur ganz ruhig in die Indie-Folk Richtung geht, sondern man auch mal ein bisschen mehr Variationen hinsichtlich Dynamik hat und alles mehr Energie trägt. 

Jonathan: Ja, und wir sind zu viert näher am Album, natürlich. Auf dem Album ist ja auch die ganze Band.

Und wir haben auch einen ganz disziplinierten Schlagzeuger, der kann ganz sanft spielen, wenn er möchte.

Jazznrhythm: Okay, ich nehme es mit, ich trage es weiter. Ich sage es den Jungs. Der sanft spielende Schlagzeuger, der muss da natürlich dabei sein.

Ronja: Weiß nicht, ob er sich darüber freut, haha. 

Jonathan: Doch, das ist ein Kompliment, glaube ich.

Jazznrhythm: Sie ist noch nicht fertig, die Tour. Ihr seid noch in der Planung?

Ronja: Genau, wir gehen jetzt in die konkrete Planung. Wir haben jetzt ein paar Leute an Bord, die uns unterstützen wollen.

Ein paar Veranstalter:innen, die ein paar Kontakte haben.

Jazznrhythm: Aber ihr wisst noch nicht, ob ihr in den Süden kommt.

Ronja:  Hoffentlich schon, ja. Aber es ist natürlich ideal, wenn man Veranstaltungsorte findet, wo bereits ein gewisses Stammpublikum existiert, auf das wir uns ein bisschen verlassen können, sodass sicher genug Leute kommen. 

Jonathan: Ja, da ist man einfach angewiesen auf Veranstalter, auf örtliche Veranstalter und Clubbetreiber, die das Publikum einschätzen können. Das ist immer gut, wenn jemand sagen kann, ich weiß, hier gibt es Laufpublikum, die kommen immer.

Zum Beispiel, wenn man Glück hat. Da hat man ja keinen Einblick, man wohnt da ja nicht.

Ronja: Oder dass die Leute wissen, die Kuration des Club-Programms entspricht ihrem Musikgeschmack. Sodass Menschen einfach mal auf ein Konzert von Künstler:innen gehen, die sie noch nicht kennen, aber hoffentlich danach gerne mögen.

Jazznrhythm: Ich glaube, das wäre schon zu machen. Kennt ihr die alte Hackerei? Habt ihr schon mal irgendwas von der gehört? Habt ihr das Programm von denen gesehen? 

Ronja: Ja, wir haben gesehen, was draußen steht. Punkrock.

Jazznrhythm: Ja, genau. Es ist tatsächlich einer der härteren Läden hier. 

Ronja: Da passen wir super rein. 

Jazznrhythm: Da passt ihr auf jeden Fall super rein. Das wird bestimmt gut. Aber Rhonda war schon mal da. 

Jonathan: Ja, die kennen das.

Jazznrhythm: Ich habe sie da schon mal gesehen. Und von daher, das wird funktionieren, das wird gut. 

Jonathan: Ich mach mir gar keine Sorgen. Das ist bis jetzt immer schön gewesen auf der Tour.

Und auf der letzten auch.

Jazznrhythm: Wunderbar. Perfekt. Ich danke euch.

Externer Link: amberandthemoon.de