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Schlagwort: Konzert

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025
Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025

Finden in diesen Tagen Konzerte im KOHI statt, dann ist es für die Künstler fast normal, darauf zu verweisen, wie bedrohlich die Situation in Karlsruhe für Bühnen dieser Größe ist. Der Haushalt der Stadt und die derzeitige Debatte treibt die Menschen auf die Straße und die Clubs an den Rand der Finanzierbarkeit.

Es sind viele Themen, die aktuell die Kulturschaffenden – vor allem MusikerInnen – bewegen. Der Fortbestand von Einrichtungen, aber auch der Umgang mit dem Ergebnis kreativen Schaffens, verdient mehr Aufmerksamkeit. Nur wo der Boden fruchtbar bleibt, kann Großes wachsen. 

Bands wie „The green apple sea“ – dieses Mal im KOHI vertreten durch ihren Frontmann Stefan Prange – werkeln seit vielen Jahren an handgemachten Songs und beleben damit Orte wie das KOHI und NUN. Auch an dem gestrigen Abend zeigte sich, dass eine kleine Community aus der Nachbarschaft, aber auch angereiste Besucher aus der Umgebung und von außerhalb hier einen Anziehungspunkt sahen.

Stefan Prange konnte auch solo, ohne die Unterstützung der kompletten Band, überzeugen, in dem er die Songs herunter brach zu wohlklingenden Balladen, die irgendwo zwischen Bergen und Tälern ihre Wurzeln hatten. Erzählungen und Geschichten, verknüpft mit Anekdoten und Ansagen, die er mit einem feinen, selbstironischen Humor vortrug, dabei bewies, wie sehr er die Kommunikation mit den Anwesenden beherrschte.

Er zeigte damit, dass er einer der alten Hasen ist, die das Songwriting fast lässig präsentieren, während all das Können und die jahrelange Erfahrung die Dinge erst rund und stimmig werden liessen. „The Green Apple Sea“ haben das Glück und die Geduld in ihrer langen Geschichte nur eine Handvoll Tonträger hervorgebracht zu haben, die aber von einem ausgereiften Handwerk und einem schönen Umgang mit Lyrics zeugen.  Um die Melodien dann auf einen Punkt zu bringen. 

Das greift bei Americana zu, nutzt den Folk, funktionierte solo und lässt dennoch hoffen, ihn bald wieder mit Band zu sehen. Wo auch immer. Denn er kann es – und die Konzerte sind zu angenehm, um sie sich entgehen zu lassen.

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray hatte ich schon mal in einem Podcast zu Gast, und viel zu selten live gesehen. Obwohl er auf seinen ständigen Reisen und im andauernden Wechsel zwischen dem Norden und Karlsruhe, das KOHI fast als seine Heimat betrachtet. 

Joe Astrays Songs sind energisch, straßenerprobt. Seine Stimme trägt und funktioniert locker ohne Mikrofon. Seine Lieder beinhalten eine kraftvolle Melancholie, in der sein Gesang außergewöhnlich stimmungsvoll und rückhaltlos die Verletzlichkeit, aber auch Entschlossenheit präsentiert. Im Kohi war es daher nicht ungewöhnlich, dass er hin und wieder ohne Verstärkung und im Publkum sang. 

Er tat dieses selbstverständlich, mit dem Bewusstsein eines Könnens, dass wohl durch seinen Kontakt zur Straße –  und  den Begegnungen –  gestärkt worden ist. 

Joe Astray wußte das KOHI zu nutzen, seine Größe, die Gemeinschaft der Anwesenden, aber vor allem den Raum, der sich ihm dadurch bot. Seine Darbietungen – begleitet von Einführungen, Erzählungen und Hintergründe – wirkten teilweise ebenso rau und energisch, wie die Umgebung der Südstadt, die in ihrer Buntheit und Wärme Widersprüche pflegt und reizvoll macht. 

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray verwies eindrücklich auf die am Samstag stattfindende Demo – die Notwendigkeit zum Erhalt der Kultur am Werderplatz. Bewies dabei mit seinem Auftritt, dass es nur in diesem Rahmen die Möglichkeit gibt, ein alternatives Leben zu Spotify und Konsorten zu finden. Musik, die jetzt, live, im Moment stattfindet. Erfühlbar und in der Nähe der Schaffenden. Tauglich für Bier und mehr danach. Stoff für die Erinnerungen.

Externe Links:

The Green Apple Sea bei Bandcamp – https://greenapplesea.bandcamp.com/album/directions-presale-ep

Joe Astray – https://joeastray.com/

KOHI – https://kohi.de/

Yasmo & die Klangkantine im KOHI, Karlsruhe am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine im KOHI, Karlsruhe am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025
Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025

Vielleicht muß man es einfach feststellen: Österreich ist doch ein bißchen anders. Yasmo & die Klangkantine haben das KOHI besucht. 

Die Band um der Sängerin und Poetry Slammerin Yasmin Hafedh stammt aus Wien. Also aus aus dem Herzen der Kaffehaus-Kultur und einer ganz eigenen Lässigkeit. So zeigte es sich wieder mal, wie eine regionale Variante dieser Musikrichtung eine Prägung erhält, die kunstvolle Lyrik österreichischer Gangart mit einem ausgesprochen satten Groove vermischt.

Die Klangkantine präsentierte sich damit als versierte, kraftvolle, aber vor allem relaxte Band. Ausgestattet mit Gitarre, Bass, Drums und Keyboard und Yasmins Sprechgesang, traten zwar nur fünf Mitglieder der bis zur neunköpfigen Band auf – daheim blieben die Bläser – , aber trotzdem vermittelten sie einen guten Eindruck von dem, was möglich war. 

Entschieden, fordernd, engagiert, und vor allem mit  schlagkräftigen Interpretation ihrer eigenen Texte schon über zehn Jahre auf den Bühnen, beherrschte Yasmin eine charmante Wortgewandheit. In kleinen Portionen eingebaut – und erklärt – war der Wiener Dialekt, jenes bunte Element einer liebenswerten Sprachfarbe, natürlich ein sympathischer Weg in die Herzen des Publikums. 

Aber es scheint den österreichischen Rap auszuzeichnen, dass die Musik handgemacht, zwischen Jazz, Soul und lockeren Disco-Reminiszenzen angesiedelt ist. Es bewegte sich auf leichten Füßen, forderte zum Tanz auf, ließ den Fuß wippen, der Cooleness ihren freien Lauf.

Yasmo und die Klangkantine haben eine Botschaft, eine Message und ein Ziel. Ganz klar für Gleichheit, auf jeden Fall gegen die Unterdrückung und immer für die Freiheit. Doch so entschieden ihre Sprache ist, so klar und deutlich ihre Worte gewählt sind, scheint es eine Tradition der gewählten, akzentuiert  und gut gesetzten Reime zu geben. Die österreichische Variante, so wirkt es,  ist ein Bemühen um Verständlichkeit und ein Weg in die Herzen und Beine.

Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025
Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025

Yasmo & die Klangkantine machten Lust auf mehr. Der Sound enthielt Versprechen, die die Abwesenheit der Bläser zwar verkraften liess, aber eine Vorstellung bot, wie fett es wohl klingen mag, wenn sie dabei sind.

Sie wagten  dabei den Kunstgrif,  einen sehr entspannten, aber dennoch vor allem aufbauend Abend zu bieten. Bewegte die Grenzen in den Köpfen. Erfreute die Seele. Aber blieb vor allem beschwingt. In den Ansagen, aber auch in den kurzem Ausflug, des reinen Vortrags – ohne musikalische Begleitung – auf den Punkt und die Stimme gebracht, konnte Yasmin mit dem Gesamtkonzept aus  natürlicher Überzeugungskraft, einer guten Modulation, verbindlichen Sprache, sowie klugen Punkten überzeugen.

Die Verbindung aus einer Band, die durchaus instrumental zur Größe gereicht, und in einem solchen Part die Wurzeln aufzeigte, mit eindrucksvollen Texten, die bühnenerprobt und dementsprechend geschliffen, dargeboten werden, sind ihr Vermögen und ihre Kunst. Und natürlich das, was den Abend ziemlich rund machte. 

Dürfen gerne bleiben. Wollten ja sowieso ins KOHI einziehen. Können sie machen. Hausband. Willkommen.

Externe Links:

Yasmo & die Klangkantinehttps://www.yasmo-klangkantine.com

KOHI https://Kohi.de

Árstíðir in der kleinen Kirche, Karlsruhe am 3.12.2025 (ein NUN-Konzert)

Árstíðir in der kleinen Kirche, Karlsruhe am 3.12.2025 (ein NUN-Konzert)

Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025
Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025

Verlässt das NUN seine Räume, dann hat das gute Gründe. Arstidirs letztes Konzert im NUN zeigte schon, dass der Andrang beträchtlich war. So war es nicht verwunderlich, eine Stunde vor dem Konzert in der kleinen Kirche in der Kaiserstraße Menschen, die bis zur Mitte der Fußgängerzone standen, anzutreffen.

Die kleine Kirche, ursprünglich aus dem Jahr 1722 – in der heutigen Form fertig gestellt 1776 -ist das älteste Gotteshaus der Stadt und gehört damit zu den Gebäuden, die noch aus der Zeit der Gründung stammen. Ihre Größe und der historische Erhalt des Platzes, an dem sie etwas zurückgesetzt in der Innenstadt Raum für Ruhe bietet, macht sie zu einem Schmuckstück in der eher geschäftigen Einkaufszone um den Marktplatz.

Konzerte in ihrem hell ausgestatteten, zurückhaltend geschmückten Innenraum gehören daher zu den kammermusikalischen Ereignissen, sind gut besucht und finden fast regelmäßig statt. Ungewöhnlicher ist dennoch das Gastspiel einer isländischen Band, die in einem Zwischenbereich aus rockigen Anklängen, Wurzeln in der heimischen Volksmusik und vielstimmigen Acapellagesang angesiedelt ist.

Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025
Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025

Früh war abzusehen, dass das Konzert ausverkauft sein würde, hatten Arstidir doch schon bei ihrem letztjährigen Gastspiel überzeugt. In schlichtem Weiß gehalten, rücksichtsvoll ausgeleuchtet, bot ihnen der Altarbereich die Möglichkeit dieses ein weiteres Mal zu vollbringen und ihren Sound zu entfalten.

Es gehört zu den geschätzten Eigenheiten Islands, eine Musiktradition entwickelt zu haben, die vor allem den mehrstimmigen Gesang in der Gemeinschaft zu einer Kunstform machte. Innerhalb der Bevölkerung gepflegt, und im familiären und Freundeskreis als Bestandteil der Treffen und Feste erhalten, gehört es zum Repertoire der Gruppe. 

Arstidir beherrschen die Rhythmen, lassen viele Einflüsse in ihren Stücken zu, aber es gehört eindeutig zu den schönsten und gefühlvollsten Momenten, wenn sie den Bühnenbereich verlassen und sich ohne Instrumente vor ihr Publikum stellen. Hier zeigt sich, welch gute Wahl die  Location des Abends war. Wie sehr sich eine kleine, geschichtsträchtige Kirche für die Werke einer weit gereisten Band anbietet.

Die aktuelle Tour nennt sich „Vetrasól“, und kann aus dem isländisch mit „Wintersonnenwende“ übersetzt werden. Dieses ist – so erklärte Ragnar Olafsson (Klavier, Gesang) – der kürzeste Tag im Jahr, ein Zeitraum, in dem die Dunkelheit überwiegt, aber gleichzeitig ihr Höhepunkt ist und damit der Beginn für den Wiedereintreffen des Lichtes.

Die Kontraste Islands, die überschaubare Bevölkerungszahl, die harten Winter und der Wechsel zwischen Sonne und Dunkel, sind sicherlich auch ein Grund, warum der Hang zur Dramatik in ihrem Liedgut stark verankert ist. Die Band kokettiert damit, erwähnte es schmunzelnd, aber wußte damit auch den Hall und Möglichkeiten des sakralen Gebäudes zu nutzen. 

Begleitet von den beiden Mitspielern an Cello und Geige, unterstrich Arstidir  (neben Ragnar Olafsson gehören auch Daníel Auðunsson -Gitarre Gesang und Gunnar Már Jakobsson – Gitarre, Baritongitarre, Gesang – zur Stammbesetzung) das Variantenreichtum ihrer Musik.

Im Gitarrenspiel gekonnt,  waren – wie auch in der kammermusikalischen Begleitung –  Bezüge zur Klassik, aber auch verwandten Spielweisen aus anderen Regionen erkennbar. Mit klarer Stimme, aber in ganz unterschiedlichen Tonlagen, vermittelten sie Weite und die passende Atmosphäre zur kühlen Jahreszeit. Transportierten damit ihr Publikum in die kleinen Kirche an ganz andere Orte. 

Faszinierend – trotz dem Einsatz von Trommeln und der rhythmischen, durchaus schwungvollen Interpretation –  war die  feierliche, fast sakrale Grundstimmung. Wie geschaffen für den Rahmen, der in einer ruhigen Adventszeit einen Höhepunkt darstellte. 

Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025
Aristdir in der Kleinen Kirche in Karlsruhe (ein NUN-Konzert) am 3.12.2025

Arstidir sind damit eine Band, zu deren Vermögen es gehört, die Moderne mit den bestehenden Traditionen fliessend zu verbinden. In einer Harmonie zu präsentieren, die den Kirchenraum mit all der Höhe und den Möglichkeiten, die er beinhaltet,  ausfüllte. 

In Erinnerungen bleiben wird, wie sie inmitten des Kirchenschiffs, zwischen den Bänken der Anwesenden ohne Instrumente und elektronischer Unterstützung, ein fest verankertes Trinklied aus dem Isländischen besangen. Aber auch, wie sie aus dem Publikum einen Chor bildeten, der in in einer Variante des Kanon – zweigeteilt nach den Bänken –  ihre Stimmen begleiteten. Als wäre es ein fein justiertes Instrument, das sie gerade, spontan geformt haben. 

Arstidir sind nicht das Jahresabschlusskonzert des NUN – es folgen noch ein paar – aber mit Sicherheit eines, das in dieser Kombination im Gedächtnis verankert sein wird.

Externe Links

Árstíðir – https://arstidir.com/

NUN – https://nun.cafe/

Die kleine Kirche – https://www.stadtkirche-karlsruhe.de/unsere-kirchen/kleine-kirche/

Das Vereinsheim im Tollhaus am 2.12.2025

Das Vereinsheim im Tollhaus am 2.12.2025

Das Vereinsheim mit Henny Herz am 02.12.2025 im Tollhaus, Karlsruhe
Das Vereinsheim mit Henny Herz am 02.12.2025 im Tollhaus, Karlsruhe

Eigentlich ein Projekt, dass man Gesamtkunstwerk nennen will. Das Vereinsheim gehört zu jenen Bands, die das Tollhaus zum Wohnzimmer und sich selbst zum Interieur machen. Seit 13 Jahren stellen die Musiker David Maier (Gesang), Nico Schnepf (Keyboards) und der „Visual Artist“ Rouven Eller ein Konzept auf die Beine, dass so ungewöhnlich wie flexibel ist.

Mit ständig wechselnden Gästen gestalten sie, immer zu ähnlichen Zeiten im Frühjahr wie Winter, eine kleine Reihe Konzerte, die sowohl in Mannheim, wie in Karlsruhe, aber auch Mainz, stattfinden. Was sich so unspektakuläre gibt, ist die Zusammenkunft der verschiedensten Musiker, die sich innerhalb kürzester Zeit – quasi von heute auf morgen -auf Arrangements und Spielweisen einigen, die es in dieser Kombination noch nicht gab. Sessions könnten es sein, Events sind es.

Schon im Aufbau, der sich von der regulären Bühne verabschiedet, und die Nähe zum Publikum sucht, unterscheidet sich die Konzertreihe von den üblichen Veranstaltungen. Eingebettet, quasi umgeben von den Menschen, die ihnen beiwohnen, befinden sich die Musiker in deren Mitte. Ausgelegte Teppiche, Lampenschirme, und dazwischen alle Mitglieder sitzend im Kreis – mit dem Rücken zu den Anwesenden – gestalten sie einen Abend, der die intime Atmosphäre zum Programm hat. 

Und dabei erstaunlich beschwingt mit einem satten Groove daherkommen kann.

Die Kombination macht neugierig, die Namen sowieso. Als Gäste waren dieses Mal Tomek Witiak an der Gitarre, David Mette an den Drums, Joel Fonsegriven am Bass, aber auch Bartleby Delicate, ein kraftvoller Singer-Songwriter mit ausdrucksstarker Stimme aus Luxemburg, sowie Henny Herz, eine junge Sängerin, die ihre eigenen Stücke vortrug, anwesend. 

Die charmante Lässigkeit der Präsentation, die David Maier als Gastgeber und Moderator des Abends bewies, ging einher mit dem breiten und fast nostalgischen Sound der Orgel, die Nico Schnepf bediente. So zurückgelehnt die Musiker in ihren Sesseln saßen, und das Publikum in der bestuhlten Halle lauschte – so rhythmisch, geradezu tanzbar konnte es werden. Das waren die coolsten Elemente des Jazz, ebenso vertreten, wie die relaxten Disco-Rhythmen, der frühen Souljahre.  Wo David Mette seine Vielseitigkeit am Schlagzeug bewies, ergänzte ihn Nico Schnepf mit einem verspielten Klang, der die Wärme der frühen Jahre vermitteln konnte.

Die Abende, die das Vereinsheim gestaltet, sind eingepackt in ein visuelles Lichtdesign, dass den kompletten Saal je nach Stimmung ausleuchtet, begleitet – dabei mit Bildern, Symbolen von allen Seiten flutet und ihn dadurch erweitert, begrenzt oder konzentriert. Je nach Song, je nach Farbe, nach Arrangement.

Die SängerInnen wechselten sich ab, hatten vor der ersten Pause jeweils ein Set mit 2-3 Songs, umgeben von einer sanften Art des poetischen Chansons, die humorvoll von David Maier vorgetragen wurde. Ein Spektrum zwischen Sommerregen und Klimakleber, mit viel Sinn fürs Detail und mutigen Ausflügen in alle möglichen musikalischen Anleihen. Hingebungsvoll in der Dramatik, leise und berührend an den ruhigen Stellen mit einer schmunzelnden Ironie im Detail.

Bartleby Delicate hatte dabei die Kraft und Entschlossenheit dem Karlsruher Publikum in Erinnerung zu bleiben. Geradezu klassisch war er – so berichtete er – es gewohnt, seine Aufnahmen zwar mit Band einzuspielen, aber auf der Bühne in der Regel alleine vorzutragen. Um so mehr genoss er die Vielfalt der Möglichkeiten, das versierte Spiel seiner Mitstreiter, und den vollen Umfang eines Sounds, der seinen Songs das richtige Fundament und viel Wirkung gaben. 

Seine melancholischen Rocksongs, die vor allem durch seine stimmliche Interpretation hervorstechen, bewiesen damit eine Qualität, die ein Wiedersehen nicht nur wünschenswert, sondern sicherlich möglich machen. Das Vereinsheim zeigte mit ihm, aber auch mit Henny Herz, und überhaupt allen anwesenden Künstlern einen guten Instinkt für ein gelungenes Zusammenspiel. 

Zugegeben: Henny Herz war sowieso mit ein Grund, das Konzert zu besuchen. Bisher nur bekannt durch ihr letztes Album, war ich gespannt auf ihren Auftritt. Das Vereinsheim schuf ihren Stücken dichte Räume, eine starke Dramatik und weite Landschaften. Henny Herz zeichnet sich durch eine sehr ruhige, zurückhaltende Instrumentierung aus, bewies aber mit „Weirdo“ und dem Hintergrund durch das Vereinsheim eine  spannende Richtung, die dem Blues eine tiefe Färbung verliehen.

Sie gehört mit ihren gesanglichen Möglichkeiten, der Modulation und Gestaltung ihrer Songs zu einer der interessantesten Interpretinnen im Songwriting-Genre. Ihre Songs, die sowohl zerbrechlich, geradezu berührend fragil wirken, mögen sich hin und wieder durchaus in eine rockige Richtung steigern, aber sind vor allem sehr gefühlvolle Erzählungen und Betrachtungen, die dem Abend viel gaben und damit die beste Wahl waren.

Die Kunst, eine solche Konzertreihe von einem Samstag auf einen Sonntagabend zu schaffen, mit Musikern, die aus allen Ecken der Republik anreisten, und damit den vorgetragen Stücken neues abzugewinnen – und ungehörte Fehler einfliessen zu lassen, die sowieso niemand bemerkt – machte allen Beteiligten spürbar Spaß. 

Ist das, was den Reiz ausmacht. Zum Wiederbesuch einlädt. Vielleicht schon für den nächsten Abend. Den jeder ist angeblich anders. 

So wie es aussah, kamen alle Besucherinnen wieder. Seit Jahren. Hat Gründe.

(Dieses war übrigens der 200ste Artikel auf Jazznrhythm.com)

Externe Links:

Henny Herzhttps://www.hennyherz.com

Bartleby Delicatehttps://www.bartlebydelicate.live

Das Vereinsheim https://www.dasvereinsheim.com

Das Tollhaushttps://www.tollhaus.de/