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Lara Hulo (Support: Akryl) im Substage am 12.11.2025

Lara Hulo (Support: Akryl) im Substage am 12.11.2025

Lara Hulo im Substage am 12.11.2025
Lara Hulo im Substage am 12.11.2025

Die Tourankündigung lag fast ein Jahr zurück. Die Karte ploppte fast das ganze Jahr kontinuierlich im Smartphone auf, wenn ich mich in der Nähe des Substages befand. 

Das Substage ist gerade um die Ecke von meiner Wohnung. Daher war das Ticket über Wochen präsent und mein Begleiter. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Lara Hulo hatte wie kaum eine andere KünstlerIn täglich und tapfer daran gearbeitet, ihr Ding zum Laufen zu bringen. 

Dabei war sie unermüdlich, omnipräsent, unglaublich aktiv auf den sozialen Medien und so vielfältig – eigentlich dauerhaft sichtbar. Ich war ziemlich sicher: Die Location wird voll. 

So voll wie befürchtet, war es dann doch nicht. Dennoch zeigte sich –  auf dieser ersten eigenen, größeren Tournee von ihr. – dass sich hier etwas entwickelt hat, was bleiben kann. 

Akryl im Substage als Vorprogramm von Lara Hulo am 12.11.2025
Akryl im Substage als Vorprogramm von Lara Hulo am 12.11.2025

Im Vorprogramm Akryl, eine junge Songwriterin, die – begleitet von ihrem Notebook  – nur mit einer Gitarre ihre Stücke präsentierte. 

Die Band, die in der Regel mit ihr auf Tour ist, blieb daheim. Ein Umstand, der die Stücke zerbrechlich, nahe und energisch präsentierte. Akryl zeigte sich damit sensibel und schwungvoll zugleich. Ihr Texte glichen Skizzen und lyrischen Betrachtungen der Coming-of-Age-Phase. Sie schilderten schmerzhafte und zugleich melancholische Entwicklungen. 

Akryl ist eine beachtenswerte, junge Songwriterin, deren warmer Stimme die deutschen Texte unterstrich. Die die Gratwanderung zwischen Trauer und Aufbruch meisterte, und damit durchaus zum Tanzen aufforderten. Eine Mischung, die Mut und Energie bedarf, aber auch zeigt, was sich daraus entwickeln kann.

Lara Hulo im Substage am 12.11.2025
Lara Hulo im Substage am 12.11.2025

So zurückhaltend und eher ruhig der Auftritt Akryls war, so enthusiastisch startete Lara Hulo mit ihrer Begleitband. Umgeben von einem kräftigen Bass, Keyboard und Schlagzeug bekam sie den Rückhalt, der ihr und ihren Songs guttat. Kraftvoll, energisch, trotz Erkältung und Aspirin C präsentiert sich eine der begabtesten Sängerinnen, die aktuell im Social Media-Bereich vertreten sind. 

Ihre Songs sind zu Hymnen geworden, entschlossene Statements, die gerne mitgesungen werden. Frustrationen, Wut und Trotz vermischen sich dabei mit Trauer, unerfüllter Liebe und Sehnsucht. Immer begleitet von einführenden Statements, kleinen Anekdoten und Geschichten, die Mut machen sollen, die Nähe beweisen, und gefeiert werden.

Lara Hulo schreibt Songs, die sich anfühlen, als würden sie schon ewig zu den Begleitern gehören.. Sie schafft es dabei, Klischees zu umgehen und Strukturen zu ihren eigenen zu machen, die bekannt und vertraut scheinen. 

Der Sound blieb dabei klar, transparent, die Stimme und ihr Gesang herausragend und unverkennbar persönlich. Lara Hulo beherrscht die Balance zwischen Spott, Hohn, Trotz und einer  fragilen Verletzlichkeit, die sie befähigt Liebeslieder zu schreiben, auf die so viele gewartet haben. Die Kommunikation mit ihrem Publikum fiel ihr erstaunlich leicht, irgendeine mögliche Distanz war schon mit den ersten Strophen verschwunden. Keine Chance eine solche aufzubauen, und so fand sie sich plötzlich zwischen allen wieder, und sang am anderen Ende, am Tonpult weiter. 

Es zeichnet sie aus, und belohnt ihren Mut, dass sie keine Sorge hat Vicky Leandros wieder zu Ehren kommen zu lassen („Ich liebe das Leben“) und ohne Berührungsängste zum Teil ihrer Show zu machen. Was erstaunlich gut funktionierte. Sich nahtlos ins Programm einfügte.

Lara Hulo bewies, dass sie die Kraft und das Ziel hat, die Hürden zu nehmen, eine Tournee zu meistern, und man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Und es wird weiter gehen.

Externe Links:

Lara Hulo – Instagram : https://www.instagram.com/larahulo/?hl=de

Akryl – Instagram: https://www.instagram.com/akrylmusik/?hl=de

Substagehttps://substage.de

Lawrence (Support: Dylan Chambers)  im LKA, Longhorn, Stuttgart am 08.11.2025

Lawrence (Support: Dylan Chambers)  im LKA, Longhorn, Stuttgart am 08.11.2025

Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Jemand besseren als Dylan Chambers hätten sie für diesen Job wahrscheinlich nicht finden können. Lawrence traten im LKA-Longhorn auf. Dylan Chambers absolvierte seinen dritten Auftritt in Deutschland und überraschte wahrscheinlich alle. 

Das LKA Longhorn hat schon einige Jahre hinter sich. Von seiner einstigen Bestimmung, die auch für den Namen sorgte, ist nicht mehr viel zu sehen. 

Einst die längste Westerntheke diesseits von allem was sich amerikanisch nennt, hat es sich zu einer Veranstaltungslocation für alles und jeden gemausert. So sah ich in den letzten 30 (oder 40?) Jahren dort u.a. Michelle Shocked, Alex Clare, Tom Odell, aber auch Asaf Avidan. 

Mittlerweile ist die Theke nicht mehr ganz so lange, die Pokertische, die einst im Raum standen, sind wahrscheinlich schon vor vielen Jahren im Speermüll gelandet und es dürfen Wetten darauf angenommen werden: Square Dance Abende finden hier schon lange nicht mehr statt.

Das LKA Longhorn liegt etwas abseits von dem Zentrum Stuttgarts. Eingeklemmt zwischen Büros, Lagerhäuser, einer Schnellstraße, sowie religiöse Zentren und Discounter, ist es atmosphärisch im Stadtrandklima. Hat dadurch aber sicher ein bißchen Narrenfreiheit bezüglich der Lautstärke. 

Lawrence sind eine jener Namen und Gruppen, die man das ganze Jahr erwähnen kann, aber keiner kennt sie. In Amerika mittlerweile in den wichtigsten Talkshows zu Gast, ist es hierzulande noch schwer Tonträger jenseits vom Streamingformat zu finden. 

Dann kommt man zum LKA und die Schlange ist 100 Meter lang, die Leute tragen die T-Shirts der aktuellen Tour und kennen die Songs auswendig.

Das ist der Vorteil für all jene, die an den strategischen Konzertpunkten wohnen. Städte mit einem Flughafen. Orte, die eine schnelle Verbindung zur nächstgrößere Stadt anbieten. Tatsächlich waren Lawrence schon regelmäßig in Stuttgart zu Gast.

Dylan Chambers im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Dylan Chambers im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Doch zuerst: Dylan Chambers. Der Mann, der zu dritt auf der Bühne auftauchte. Einen Bassisten und einen Schlagzeuger anbei, und den Saal zum rocken brachte. Er nahm das Ding an, wandelte es in einer erstaunlichen Geschwindigkeit und ieferte alles mit, was man an Funk, Bluesrock und Rock’n’Roll brauchte. Dabei ausgestattet mit einem selbstbewußten Charme, der einfing, was einzufangen war.

Er hatte die Riffs großer Funklegenden genauso im Gepäck, wie die Standards des Rhythm’n’Blues. 

Und das so, als wären sie gerade aus der Jukebox in New Orleans entsprungen. Ein Glücksgriff für Lawrence.  Schließlich brachte er das Longhorn innerhalb kurzer Zeit zum Mitsingen, tanzen und swingen. 

Als ob er mit seinem Instrument schlafen und aufwachen würde, lieferte er sich mit seinem Bassisten die harmonischsten Duelle und Solis, die in der knappen Zeit möglich waren. Wie gesagt, Vorband, Job, und diesen vollkommen – mit unbändiger Freude und Einfallsreichtum – erfüllt. 

Zuvor hatte ich Lawrence in Rotterdam auf dem North-Sea-Jazzfest gesehen. In einem komprimierten Programm, gebündelt und gestrafft auf Festivalgröße. Nicht mit einer Vorband gerechnet. Und am Schluss (in Stuttgart) das Gefühl gehabt, ich hätte zwei große Bands gesehen.

Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Für Lawrence war es der richtige Opener am richtigen Ort. Die Erwartungshaltungen sind seit dem letzten Album „Family Business“ gewachsen. Angeführt von den Geschwistern Lawrence (Gracie und Clyde) klettern sie momentan in Amerika in der Beliebtheit, befinden sich gerade am höchsten Punkt in ihrer Karriere und es ist kein Ende in Sicht. Eine Grammy-Nominierung für „Something in the Water (acoustic)“ wurde gerade verkündet.

Sie kamen in gewohnt breiter Besetzung: Eine dreiköpfige Brass-Section, Vocals bei Gracie und Clyde (während er noch die Keyboards bedient), Schlagzeug, Bass, Gitarre und ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Denn die Bühne war voll, und gab sich im Gesamtbild als Büro mit Stühlen, Tischen, Utensilien, Telefon, Uhren und stilisierten Akten. Alles Teil der Show, alles eingebaut. 

Lawrence sind Profis. Daher war das, was sie ablieferten, wie immer eine, verwegene, wilde Mischung, aus Soul, Pop, Funk und Broadway. Sie nahmen die Bühne in ihrer Breite in Beschlag, boten eine gekonnte Choreographie, die Raum für alle und jeden liessen.

Lawrence können mittlerweile auf vier Alben zurückblicken. Das Material ist so vielfältig und breitgefächert, das Team so eingespielt, dass es ihnen möglich ist, spontan auf die Wünsche des Publikums zu reagieren. 

Die Gratwanderung zwischen der Pop-Ballade, der ausgelassenen Soulnummer und den Funk-Elementen, die ihnen den Spagat zwischen Rock und Discobestandteilen erlauben, beherrschen sie. Gracie wirbelte, im angedeuteten Business-Outfit über die Bühne, die Band begleitete sie mit klassischen Bläsersätzen, ungestümen Solis und einem guten Gefühl für Effekt und Einlagen.

Selbst, herunter gebrochen auf akustische Versionen, offenbarten die Songs ein gekonntes Gefühl für den Aufbau und Struktur, den ein Hit, ein Bestseller und ein erinnerungswürdiger Goldie haben sollte. 

Dass Lawrence ein gutes Händchen und Gefühl, aber auch eine versierte Ausbildung, haben, war daher nicht nur bei der Auswahl ihrer Vorband zu spüren, sondern auch in dem Aufbau der Show, sowie der Kommunikation mit dem Publikum.

Lawrence boten eine Show, mit einem Programm, das satt und fesch seine zwei Stunden erreichte – etwas, was nicht mehr allzu oft passiert. Zu erwarten ist: Nächstes Jahr muss man noch früher kommen, die Schlange vor der Tür wird wahrscheinlich die ganze Straße vom Longhorn einnehmen. Wenn der Laden dann nicht schon zu klein ist.

Externe Links:

Dylan Chambers https://www.dylanchambersmusic.com

Lawrencehttps://lawrencetheband.com

LKA Longhornhttps://lka-longhorn.de

Sophia Blenda und Pauls Jets im Kohi am 07.11.2025

Sophia Blenda und Pauls Jets im Kohi am 07.11.2025

Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Die Karlsruher Musikszene befindet sich in einer bedrohlichen Lage. Vor allem kleine Klubs, die ehrenamtlich und mit viel Engagement an dem Thema arbeiten, müssen aktuell ernsthaft um ihre Existenz bangen. 

In der Haushaltsdebatte von Karlsruhe wurden Kürzungen im Kulturetat beschlossen, die für alle Veranstaltungsorten zu empfindlichen Einsparungen führen werden. Im Rahmen der momentan Diskussion gibt es viel begleitendes Material in der örtlichen Presse, aber auch am 15.11. 2025 eine Demonstration auf dem Stephansplatz unter dem Motto: „Geht’s noch, Karlsruhe?“ (Eine Petition findet sich auf: https://gehtsnochkarlsruhe.de/)

Über ein Konzert zu sprechen, aber die momentane Situation zu verschweigen, macht wenig Sinn. Denn es sind genau diese kleinen, aber wichtigen Events, die dann verschwinden werden.

Die Musikszene in Karlsruhe ist breit gefächert. Aber jede Location hat – abhängig von der Örtlichkeit und dem Publikum – ein ganz eigenes Spektrum, dass es bedient. Bestimmte Genres funktionieren nur, wenn die Vorarbeit – die teilweise über Jahre gehen muss – geleistet wurde. Auch das KOHI ist daher etabliert, bekannt und wichtig, und eine Basis und Station für Bands und Talente, die aufstrebend, experimentell, auch mal laut und unter Umständen sperrig daher kommen. Die Toleranz, die das KOHI sich verdient hat, ist zum einen sein Kapital, wenn es darum geht, solche Acts und Namen überhaupt in die Stadt zu bringen, aber auch etwas, was schon Beachtung und Anerkennung, sowie einen Preis, eingebracht hat.

Wenn in einer Haushaltsdebatte von Einsparungen gesprochen wird, dann wirkt alles, was nicht in einer zweistelligen Prozentzahl liegt, erstmal harmlos. Das KOHI, das durchaus gegen kommerzielle Veranstaltungen konkurrieren muß, gehört jedoch zu den Einrichtungen, die – da nicht gewinnorientiert und als Verein organisiert – grundsätzlich mit den niedrigsten Kalkulationen arbeitet. 

Die Konzerte, die man im KOHI erlebt, sind für die BesucherInnen nicht nur bezahlbar – sie liegen, gerechnet an der Menge, die man für einen monatlichen Mitgliedsbeitrag erlebt – unter einem Vinyl-Preis. Damit auf derselben Ebene wie Streaming-Angebote und sind konkurrenzlos günstig, aber auch für jeden erschwinglich. 

Darum geht es in der Kultur: Sie muss erlebbar, live und teilbar sein. Für uns alle. Daher haben engagierte Stätten wie das Kohi nicht die Kürzung, sondern die Förderung, die Spende und den Soli-Beitrag verdient.

Es ist abzusehen, dass – wenn es zu einem Sterben der Klubs wie das KOHI, das NUN, die Alte Hackerei oder ähnlichen Orten kommt – es auf absehbare Zeit keine Alternativen, Neueröffnung oder Gründungen geben wird. Kürzungen im Kulturetat, die eine lebendige Szene betreffen, führen immer zu einem langfristigen Sterben, das viele Jahre braucht, um zu einer Neubelebung zu führen. 

Manche Städte konnten sich davon nie erholen. Es ist auch nicht so, dass Etats sich in den späteren Jahren erhöhen wird. Wenn die Szene es verkrafte, dass ihre Förderung gekürzt wird, gibt es keinen Grund in den nächsten Jahren an dem Betrag etwas zu ändern. Im Gegenteil: Der Beweis, dass es auch mit weniger geht, führt in der Regel dazu, es als Bestätigung des eingeschlagenen Weges aufzufassen, dabei zu bleiben, oder eine weitere Senkung in Betracht zu ziehen.

Wenn es also nun darum geht, dass am gestrigen Abend Sophia Blenda und Pauls Jets aus Wien das KOHI besucht haben, dann darf man nicht vergessen, dass eine siebenstündige Autofahrt, der unbezahlte Einsatz von Tontechnikern, Thekenkräfte, Einlasskontrolleure, Bookern, Admins – und wie man die Jobs zwischen Plakaterstellung und Webseitenbetrieb noch nennen will – für die Möglichkeit gesorgt haben, dass zwei Bands an einem Abend in der Südstadt für ein Highlight gesorgt haben.

Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Sophia Blenda im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Sophia Blenda, eine junge Songwriterin am Keyboard – begleitet von Geige und einem Percussionisten, bot in diesem Rahmen, eine zerbrechliche Palette mutiger Songs. Mehrsprachig, pendelnd zwischen Englisch und Deutsch, zeigte die 3 köpfige Band eine moderne Variante dunkler Chansons. 

Geflochten aus der Lyrik, die,  nach ihren Aussagen , die Auswirkungen patriarchaler Strukturen und dem queeren Lebensgefühl aufzeigen, baute Sophia Blenda sehr persönliche und transparente Songstrukturen. Gaben ihrer Stimme damit Raum, und unterstrichen in Wirkung und Begleitung, die Aussagen. Skizzen, Beschreibungen, oftmals Bilder, durchaus mehrdeutig, formten gefühlvolle Strukturen, in denen über das reine Liedermachen, nicht nur Worte, sondern der gesamte Komplex aus instrumentaler Begleitung, Stimme und Ausdruck das Werk waren.  

Der Chanson drängt sich auf, denn die Beschäftigung mit komplexen Themen, deren poetische Verarbeitung, aber auch der Vortrag in dem sich so viel Ausdrücke vereinen und von Trotz, Wut, Verletzlichkeit erzählen, ist eine Spannbreite, die den Begriff Pop nach links und rechts ausfransen. Mut und Entschlossenheit, aber auch die entsprechende Sensibilität beim Setzen der Worte und dem Vortrag prägten ihren Beitrag.

Pauls Jets im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025
Pauls Jets im KOHI, Karlsruhe am 07.11.2025

Ganz anders Pauls Jets. Geradeheraus, bereit sich zu bedienen, mit viel Gefühl für Wumms, Kalkül und Tanzbarkeit, haben die drei eine Menge Spaß. Und diesen selbstverständlich auch mit ihrem Publikum. Pauls Jets bewegen sie mit einer lausbubenhaften Ironie im Synthesizergerausche früher Krautrocker, um das Ding dann frechweg mit Gitarrensound aufzufrischen. Das hat Charme, die richtige Portion Unruhe und eine ganze Menge Humor. Aber auch Selbstbewusstsein, das Staunen macht. 

Allein der Aufbau – ein Tisch vor ihnen, zwischen den Musikern und dem Publikum – wirkte schon mutig genug. Doch trotzdem den Kontakt nicht zu verlieren, dran zu bleiben und den Laden zum schwingen zu bringen, ist Chuzpe und nötigt Respekt ab.

Pauls Jets verkündeten, dass mittlerweile vier Alben vorliegen, und das möchte man ihnen locker glauben, schließlich scheint das Ding von alleine zu funktionieren. Die richtigen Knöpfe kannten sie, und rockten entschieden durch bekanntes und gut eingespieltes Material.

Da ist die Anspielung auf das Jazzfestival, mit einem Dialog der schmunzeln lässt, Verweise und Zitate, die an die Aufbruchjahre der deutschen Welle erinnern, und Bassläufe, die entschlossen funky alles unterstreichen. 

Eigentlich, und fraglos, alles was man sich von Pop wünscht, lieferten Pauls Jets ab. Sie sind die, die irgendwann eine Hymne haben werden, die wir dann alle kennen und jene, die wir gerne auf Festivals sehen möchten. Gitarre, Bass und Keyboard reichen vollkommen aus, um das Herz zu erfreuen. Haben sie gezeigt. Mit Witz, und Remmidemmi. 

Dickes Blech im JUBEZ (Support:Skullrose) am 31.10.2025

Dickes Blech im JUBEZ (Support:Skullrose) am 31.10.2025

Skullrose im Jubez am 31.10.2025
Skullrose im Jubez am 31.10.2025

Halloween. Überall fette Partys. Auf der Suche nach einer Alternative landete ich im Jubez. Das Jugend- und Begegnungszentrum am Kronenplatz pflegt ein eigenes, zurückhaltendes Understatement in seinen Ankündigungen. Ich verpasse in der Regel fast alles, aber hier bot sich das Konzert von Dickes Blech und dem Support-Act Skullrose an. 

Skullrose liegen schon seit einigen Tagen im Regal, Dickes Blech taucht sowieso überall dort auf, wo man sie nicht vermutet. Scheinbar auch jedes Jahr um dieselbe Zeit im Jubez. Traditionell laden sie dazu als Vorband ein.

In fast klassischer Besetzung (2 Gitarre, eine mit Gesang, Bass und Schlagzeug) preschen Skullrose erstaunlich altklug und forsch vor. Es gab mal eine Zeit, in der Punk noch kein Thema war, GlamRock glitzerte, und die amerikanischen Jungs den Garagenrock entwarfen. 

Um es mal gleich zu sagen: Das machen sie nicht. Aber sie klingen, als hätten sie die Platten ihrer Väter gehört, und sie mit einer respektlosen Attitüde runtergerotzt,.

Bis es so etwas wie ihr eigener Sound war. Eine Mischung aus dem poppigen Hardrock, der Ernsthaftigkeit des Heavy Metal und der Schnoddrigkeit des Punks. Heraus kommt dabei ein sehr straighter, lauter Wurf, der schon auf dem Album klingt als möchte er alle Banger mitnehmen. 

Live bedient sich die Band auch beim Blues. Fett und wild – und rockt sich dabei dreckig durch die Zeit. Das ist keine schlechte Mischung, kommt wunderbar geradeaus. Und verwurstet selbst Beatles-Songs zu kernigem Material. Man möchte ihnen alles Gute wünschen. Vor allem, dass sie so bleiben. In diesem Mittelding aus verhaltenerem Trotz, spürbarer Energie und dem Entschluss keine Ehrfurcht vor Klassikern zu haben. 

Im Gesang druckvoll, kerniger als man es ihrer Jugend zutraut,. Auf dem Weg daraus was zu machen. Das ist nicht der Zeitpunkt um perfekt zu sein, sondern eben jener, um ein Statement abzugeben. 

Dickes Blech am 31.1ß.2025 im Jubez
Dickes Blech am 31.1ß.2025 im Jubez

Zu Dickes Blech muss man ein paar Worte sagen. Die Band ist kurz vor der Vollendung ihres 20 Jahres, Damit gehören sie mit zu den Bands, die ihre schwierigste Zeit überlebt haben und nun die Lorbeeren ernten. Dickes Blech läuft sozusagen unter der Schirmherrschaft der Lebenshilfe. Ihr stehen Betreuer zur Seite, aber die Freude auf der Bühne zu sein, die vermitteln sie selbst. 

Was sie auszeichnet, das ist ihr Herzblut und Begeisterung. Der Enthusiasmus, den sie ausstrahlen, wenn sie auf der Bühne stehen – darin kann ihnen kaum jemand das Wasser reichen. Für Dickes Blech ist der Auftritt ein Fest, die Fans sind ihre Familie, dem Team sind sie in Dankbarkeit verbunden. Und sie werden nicht müde, diesen Geist, der über dem Projekt schwebt, zu betonen und wertzuschätzen. 

Ihre Musik ist eine spannende Mischung aus Neuer Deutscher Welle und Pop, mit einigen Rockzitaten, aber ihr eigentliches  Kapital sind die Refrains, die ihr Publikum mitsingt, feiert und von Konzert zu Konzert trägt.

Mit einem großen Sympathiebonus entzieht sich dieses Herzensprojekt der formalen Konzertkritik – aber bleibt ein Ereignis, dass man erlebt haben muss. Selten sind MusikerInnen so in der Beziehung mit ihrem Publikum und allen Beteiligten verstrickt und erfüllen alles mit einer gemeinschaftlichen Wärme, die schmunzeln und teilnehmen lässt.

Nächstes Jahr wird es also – wie bereits erwähnt – 20 Jahre rund. Termin und Ort stehen noch nicht fest, aber es ist natürlich vollkommen klar : wird es nur mindestens so wie im Jubez, dann ist es schon Grund genug hin zu gehen.  Um ein paar Menschen zu erleben, die den Spaß, den sie damit haben, verdammt gut vermitteln können.

Ihre Songs drehen sich um die kleinen Dinge, den Arbeitstag, die Freundin, ihr Verhältnis zum Publikum . Sie beschreiben all das mit einem Augenzwinkern, und einem unschuldigen Witz, den sie gerne teilen. Sie machen einfach Spaß, und den sollte man sich gönnen.

Externe Links.

Skullrosehttps://www.instagram.com/skullrose.official/

Dickes Blechhttps://www.dickes-blech.de

JUBEZhttps://jubez.de