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Kategorie: MusikerInnen

Sandie Wollasch im Laden Zwei, am 08.02.2025

Sandie Wollasch im Laden Zwei, am 08.02.2025

Wir sind schon fast darüber weg. Manche vergessen es schneller. Die Welt bewegt sich im Augenblick sehr geschwind und tagtäglich verändern sich genau die Dinge, an deren Normalität wir glaubten.

Während der Corona-Zeit gab es verschiedene Ideen und Initiativen. Einige dieser Ideen habe ich mir selbst auf die To-Do-Liste geschrieben, um sie noch mal näher zu betrachte. Interviews zu starten und sie hier zu verewigen. Was auf der To-Do-Liste steht, das verschwindet natürlich nicht, aber manches andere drängt sich in den Vordergrund. Daher noch mal ein paar Worte zum Laden zwei und Sandie Wollasch.

Auf YouTube finden sich Konzerte, die im Laden Zwei genau zu jener Zeit stattfanden, in denen eigentlich keine Konzerte möglich waren. #loveistheanswerMusik aus der Ladenecke (Externer Link: https://youtube.com/@loveistheanswer1803) war dabei ein Format, dass es bis auf 37 Folgen brachte, und regelmäßig andere Gäste aus der Region vorstellte. Die Videos sind weiterhin auf YouTube, zeigen kleine, intime Darbietungen im Rahmen eines Ladengeschäftes und erinnern immer ein bißchen, was die Enge, aber auch die Qualität anbelangt, an die Tiny Desk Concerts von NPR. Diese haben es in letzter Zeit zur Berühmtheit gebracht, waren aber qualitativ auch schon zu jenen Zeiten wegweisend, als große Stars unerreichbar waren.

Im Laden Zwei am Gutenbergplatz war der Rahmen für das Konzert mit Sandie Wollasch ähnlich angelegt wie bei jenen, die in den Videos zu betrachten sind. Allein, es gab nun Publikum, und wegen dem Andrang, zwei Konzerte hintereinander. Das war dem Publikum geschuldet, denn dieses wechselt dann.

Wenn man den Rahmen erwähnt, dann geht es um einen fast familiären Kreis, in dem sich Bekannte, andere KünstlerInnen und FreundInnen, sowie einfach von der Neugierde angezogene treffen.

Sandie Wollasch zeichnet dabei eine Professionalität aus, die auf jeder Art Bühne mit Sicherheit ihren Platz findet. Begleitet von drei Musikern, die ihr in Virtousität und lässiger Improvisationlust ihr in nichts nach standen, fanden sich Blues, Jazz und Soul zu einer facettenreichen Stunde. 

Klaus Wagenleiter an den Keyboards,Decebal Badila – Gitarre- und Guido Jöris -Drums – bewiesen auf beengtem Raum, dass sie wahrscheinlich auch im Fahrstuhl Großes leisten könnten.

Klaus Wagenleiter, Decebal Badila, Guido Jöris im Laden zwei

Eigentlich war es das Vorkonzert zu einer morgigen Videopremiere (Sonntag, den 09.02.2025 um 9:00 Uhr). Illustriert von Ilona Trimbacher wird der Song „And he could kiss“ vorgestellt. (Externer Link: https://youtu.be/xk49vA1khnk?si=ROAMLDxecy8VsIY9)

Dieser und auch die weiteren Songs, die sie im Kontext präsentierte, gleichen Klassikern des Genres. Jenes Gefühl, das einen Song zum Teil des eigenen Lebens machen möchte. 

Große Namen möchten einem einfallen. Es wäre ein Leichtes sie aufzuzählen und Sandie Wollasch und ihre Band mit einzureihen. Ganz fair wäre es jedoch nicht.  Das eigene Material, und ihr sehr klarer Ausdruck, sowie die Farbigkeit aus den verschiedenen Bereichen des Vokal Jazz zu interpretieren – das bedeutet eigentlich eher, dass Vergleiche nicht gescheut werden müssen, aber auch gar nicht mehr notwendig sind.

Es bleibt ein eigener Ausdruck, eine eigene Erkennbarkeit und eine überaus charmante und gekonnte Interpretation der Werke. Lässt allemal Platz für die solistischen Leistungen der Band. Natürlich war die Stunde zu kurz, natürlich möchte man mehr hören, Termine vorbuchen, Tonträger mitnehmen, aber, um es kurz zu sagen, die Möglichkeit die solch ein Ladenkonzert bietet – nämlich quasi in der ersten Reihe zu sitzen – lässt dankbar genug sein.  

Unterm Strich war es ein sehr angenehmes, unaufgeregtes und freundliches Konzert, dass handwerklich und im Umfang ein begeistertes Publikum entließ. Sandie Wollasch hat den Soul und den Blues, aber auch die Fähigkeiten Material zu präsentieren, das einfach bleiben will. 

Externer Link: Laden Zwei- Ladenzwei.com

Externer Link: Sandie Wollasch – Sandiew.de

Julie Kuhl im NUN, Kulturraum in Karlsruhe, 01.02.2025

Julie Kuhl im NUN, Kulturraum in Karlsruhe, 01.02.2025

Februar. Es ist ein schwieriges Jahr. Der Januar hat schon geliefert. Und uns alle atemlos gemacht. Wir beobachten noch, und beginnen uns erst langsam damit anzufreunden, was noch vor uns liegt. Der Februar hat alle Chancen den Januar zu übertrumpfen. Und er macht das gut. Auftakt im NUN, am 01.02. Im NUN hat die Konzertsaison wieder begonnen. Es ist das zweite Konzert im neuen Jahr, und alles fühlt sich noch frisch an.

Julie Kuhl gehört zu jenen Talenten, die mein Vertrauen in das Booking des NUNs stärken. Jung, charmant, auf der Bühne einer Location, die alles nahbar macht und es mit der Rücksicht des Publikums in ein Erlebnis wandelt.

Mit Ihrem Bruder Lasse Kuhl  (Gitarre/Bass/Vocals), verstärkt mit Drummer Felix Lothwesen und sie selbst an Keyboard und Gitarre, teilte sich das Set in zwei Teile. Zum einen in eine rhythmische, Keyboard- und Drumlastige, aber durchaus zurückhaltenden, Stunde, zum Anderen, nach einer Pause in eine – fast unplugged und vornehmlich akustische – Variante ihrer Songs. Den letzten Teil bestritten sie ohne den Drummer. Auch um die Möglichkeiten des NUNs voll auszuschöpfen.

Immer wenn irgendjemand auf dieser Welt sagt, dass nichts Neues, Schönes und Angenehmes in der Musik mehr gibt, geschieht ein Wunder, das uns eines Besseren belehrt und Musikerinnen wie Julie Kuhl hervorbringt. Man mag es fast nicht glauben, wenn Sie von früher spricht, und dabei Songs spielt, die scheinbar perfekt und ausgereift aus einer Phase stammen, in der sie wohl 12 oder 14 Jahre alt war. 

Mit einer erstaunlich, in ihren Facetten beruhigenden, Stimme,  modulierte sie Ihre Songs zu relaxten Pop-Erzählungen. Melodiöses Material, dass sich vor allem im zweiten Set, reduziert auf den Kern, in vollem Glanz zeigen konnte. 

Julie Kuhl, die ihren Abend mit einem frischen, einnehmenden Charme moderierte, präsentierte ein komplexes Songwriting, das verhaltene Anklänge an vieles bot, aber vor allem liebenswertes Liedgut präsentierte. Vieles, was man Wiederhören möchte, davon einiges, was man Wiederhören wird. 

Im zweiten Set, das abwechselnd von ihr alleine, aber auch mit ihrem Bruder zusammen präsentiert wurde, war das NUN wieder das, was es immer wieder gerne sein kann und darf: Ein Ort für sehr persönliche und intime Momente, in denen man den Eindruck hat, die Musik sei nur einem selbst gewidmet. 

Julie Kuhl, die ausschließlich englisch singt, hat eine berührende Stimme, die in ihrem Ausdruck und der Betonung, eine Nahbarkeit erreicht, die man nicht unterbrechen möchte. Da liegt Kraft und Stärke drin. Eine Form von Soul, die nicht hervorbricht, aber schmeichelt, lockt und einnimmt.

Und somit blieb: Andächtige Ruhe und darauffolgende Begeisterung.  Die Zugabe blieb aus, was aber eher daran liegt, dass das zweite Set schon weit reichte und die Möglichkeiten der Bühne voll ausgeschöpft hatte.

Externer Link: Webseite Julie Kuhl: juliekuhl.com

Externer Link: Webseite NUN : nun.cafe

Triosence im Tempel Karlsruhe, 31.01.2025

Triosence im Tempel Karlsruhe, 31.01.2025

Das Trio war schon immer eine klassische Jazzformation. Es gab und gibt auch Quartette. Aber kleine Bühnen, sowie enge Locations, doch vor allem die Möglichkeit drei Solisten einen angemessenen Raum zu lassen, das bietet ein Trio.

Triosence schwelgen im Guten, Reinen und Schönen. In ihren Melodien sind die Akzente klug gesetzt, dabei respektvoll im Umgang und harmonisch im Gesamtbild. Selbst wenn das Piano an der Ballade hängt, das Bass vorantreibt und das Schlagzeug lustvoll im Swing davon rollt. Es bleibt stimmig. Und dabei faszinierend angenehm und sauber.

Bernhard Schüler, als Komponist und Arrangeur der Stücke, berichtete dem Publikum im Tempel von den Hintergründen, der Kultur in Kassel und der Faszination für seinen Onkel. Dessen Werke von ihm  als Cover der Triosence-Alben verewigt wurden.

25 Jahre spielen die drei Musiker mittlerweile zusammen. Durchaus in wechselnder Besetzung, aber geprägt von Bernhard Schülers Kompositionen. Heute sind es also Bernhard Schüler am Piano und Omar Rodriguez Calvo am Bass, sowie Tobias Schulte an den Drums. 9 Alben haben sie bisher heraus gebracht. Ein Repertoire, dass reich an Geschichten und Eigenheiten ist. So sind ihre Stücke Beschreibungen der Landschaft, ihrer eigenen Beziehungen und werden damit zu Bildern. Zu kleinen Roadmovies. Zu an und abschwellenden Liebeserklärungen und ganz neuen Dingen, wenn sie sich in der Gruppendynamik oder mit einer Sängerin verändern.

Was auf einer Platte von Sara Gazareks Stimme begleitet wurde, ist nun instrumental. Wie alle Triosence-Stücke. Triosence bieten innerhalb von Schülers feinsinnigen Kompositionen, Raum für verspielte Jazzzitate, Abweichungen und einem Wiederkehren. Müßte ich jemanden erklären, was Jazz auch sein kann, wie Jazz Melodien erzeugen, verwandeln und Teilen erobern und zurück kehren kann, ich würde eine Triosence-Album auflegen. Und es wäre ein entspannter Abend, mit einem rhythmischen Nicken und ein Glas Wein..

Im Tempel war also der Genuß angesagt. Zurücklehnen, entspannen und fasziniert beobachten. Während die Lightshow geradezu zurückhaltend ausleuchtete und alles in allem Platz und Möglichkeiten für Erklärungen und Pausen blieb, wurde der Abschluss mit Standing Ovations und einer ausgedehnten Zugabe belohnt. Triosence überzeugten mit ihrer Interpretation und Auslegung der Möglichkeiten die zwischen Jazz und Neo-Klassik zu pendeln vermochten. Kompositionshandwerk vom Feinstern, und in der Kombination der Musiker mit humorvollen Aspekten, aber auch angenehmen Uptempo-Einflüssen verwoben. Und wenn sie jetzt nochmal 25 Jahre so weiter machen, dann werde ich das so lange wie möglich verfolgen, und immer wieder sehen.

Externer Link: Webseite der Band: Triosence.com

Externer Link: Webseite des Tempels: Kulturzentrum-Tempel.de

Mae.Sun – „Vol. 3 Reverence“

Mae.Sun – „Vol. 3 Reverence“

Zu Vol.3 Reverence, der dritten Platte von Mae.Sun, muss ich eine kleinere Geschichte erzählen. Mae.Sun ist ein Projekt von Hailey Niswanger, einer jungen, sehr begabten Saxophonistin aus Los Angeles. Auf Vol.3 Reverence spielt sie jedoch nicht nur Saxophone, auch der Gesang, Flöten, Klarinetten, Synthesizer und Piano wurden von ihr eingespielt.

Mitgewirkt an dem Album haben Nikara Warren, Vipraphone,  Asher Kurtz an der Gitarre, Axel Tosca an den Keyboards und Synthesizer, sowie Kyle Miles am Bass und David Frazier Jr an den Drums.

Hailey Niswanger fiel mir das erste Mal auf, als ich sie 2024 mit Kinga Glyk auf dem NorthSeaJazz-Festival in Rotterdam sah. In einem bemerkenswerten Auftritt begeisterte Kinga ihr Publikum auf einer relativ kleinen Außenbühne. Derselben Bühne auf der ich schon vor vielen Jahren Jon Batiste auf einem seiner wenigen Auftritte in Europa sah.

Hailey Niswanger, die nicht zur festen Band von Kinga gehörte, begleitete sie auf dem Saxophone. Mit einer auffallenden Begeisterung und Präzision unterstützte sie den Bass von Kinga und war eine der herausragenden Musikerinnen innerhalb des Sets. Kingas Spiel ist sowieso immer von einer besonderen Wärme und Sympathie gezeichnet.

Die Nahbarkeit, die ihre Bühnenpräsenz ausmacht, wurde durch Hailey verstärkt. Um es einfach und kurz zu machen, Kinga Glyk mit ihrer Band, in der Kombination mit Hailey Niswanger gehörten zu einem der Highlights des Rotterdamer Jazz Festivals.

Haily Niswanger in Rotterdam auf der Bühne des Northsea Jazz Festivals mit der Band von Kinga Glyk (2024)

Das Jahr 2025 dagegen begann nicht gut. In Los Angeles kam es zu einigen katastrophalen Feuern, deren Auswirkungen immer noch aktuell sind, während ich diese Zeilen schreibe. Noch immer schwellen Brände auf. Noch immer sind die Feuer aktiv. Das Thema scheint noch nicht vorbei zu sein. Und es ist abzusehen, dass es in Kalifornien ein wachsendes Problem bleiben wird.

Hailey Niswanger berichtete auf Instagram davon, dass bei den verschiedenen Feuern auch Altadena betroffen war. Hierzulande wurde hauptsächlich von den Pacific Palisades berichtet, einem Stadteil, der ebenfalls stark unter den Flammen gelitten hat. Altadena war dabei in der Berichterstattung gar nicht so sehr im Focus. Und es wurde der Eindruck erweckt, als seien die Feuer vor allem in den Vierteln aktiv, in den begüterte Stars leben. Das konnte natürlich nicht so stimmen. Nach den momentanen Schätzungen betraf es über 12.000 Häuser. 

Altadena ist eine relativ mittelständische Gegend. Das Haus von Hailey Niswanger brannte dabei komplett nieder. Es blieb, außer der Garage und den Grundmauern nichts übrig. Ihr komplettes Leben, ihre Instrumente, Erinnerungen, ihr Auto, alles wurde ein Opfer der Flammen.

Auf Instagram postete sie Videos und Fotos des Unglücks. 

Seit ihrem Auftritt in Rotterdam hatte ich mir überlegt ihre Platte zu bestellen und tat es nun spontan über Bandcamp. Aber ich schrieb sofort dazu, dass sie mir die Platte nicht senden muss, es ja wohl wichtigeres gäbe und ich die Music digital von Bandcamp zum Kauf der Platte dazu bekam. Das würde reichen. Bitte nicht senden. Ich wollte wirklich nicht, dass sie sich damit belastet. Mir ging es einfach nur darum, irgendetwas zu tun. Das veranschlagte Porto war sowieso höher als der Preis selbst. Insofern dachte, alles okay. Soll sie einfach annehmen.

Einige Tage später erreichte mich eine Mail, in der sie sich bedankte, und meinte, sie würde mir aber wirklich gerne die Platte senden. Ihre Mutter, die in einem anderen Staat lebt, hätte noch Exemplare.

Ich war überrascht und berührt, aber bekräftigte nochmal, dass alles okay sei, ich Ihre Musik genieße und hoffe, dass sie ein neues Zuhause findet.

Die Platte kam eine Woche später.

Ich drücke ihr wirklich die Daumen, dass sie in Kalifornien ein neues, sicheres Haus findet, dass ihr und allen anderen Betroffen geholfen wird.

Vol 3. Reverence“ ist ein sehr einfühlsames, naturverbundenes Werk, mit einem angenehm ruhigen Rhythmus. Wie schon bei der Vorstellung der Stücke auf den sozialen Medien, zeichnet es sich durch ein Liebe zu der Umgebung und den grundsätzlichen Werten aus.

Die Stücke heißen denn auch Eternal, One, Complete, Rising, Nutur, Worthy, Elemental und Honest. Das Album gewinnt nach mehrmaligen Hören, denn es gibt in den Arrangements viel zu entdecken.

Ich muss zugeben, dass ich mich einige Tage nicht an die Rezension gewagt hatte, weil ich nicht wusste, wie ich die Geschichte erzählen soll. Immer wieder wurde in den Nachrichten davon berichtet, dass die Winde, die Feuer neu entfachten. Gleichzeitig sah ich, dass Hailey wieder Konzerte gab. Also war es an der Zeit sie darin zu unterstützen. Wie alle ihre Platten, die unter dem Projektnamen Mae.Sun erschienen, handelt es sich bei „Vol. 3 Reverence“ um den Versuch ein Entwicklung in einem Gesamtwerk zu schaffen, dass sich anschließt an das Vorangegangene, aber vor allem die Liebe zeigt, die sie für die Dinge empfindet, die sie umgeben. 

Es ist ihr, und allen anderen in der Region zu wünsche, dass sie jede Unterstützung bekommen, die sie gerade benötigen. Auch damit wir sie bald wieder auf europäischen Bühnen begrüßen können.

Externer Link: Mae Sun – maesunmusic.com

Externer Link (Instagram): Mae Sun – https://www.instagram.com/mae.sun.music/?hl=de