Das Fest am See (das Vorfest vor dem eigentlichen großen FEST in der Günter-Klotz-Anlage), ist ja immer die Chance neue Talente zu entdecken.
Daniel Klinger aka DAËNK gehört zu den Künstlern, die man sich merken kann. Geht er doch seinen Weg eigenständig, selbstbewusst und mit einer starken Präsenz.
Er überzeugt nicht nur durch seine Statur, denn vor allem seine Stimme ist ausdrucksstark und einprägsam.
DAËNK singt Deutsch, bodenständig, rockig, erdig und mit viel Gefühl.
Daënk bei Dixigas-Records in Karlsruhe am 23.09.2025
Hat dabei keine Scheu vor großen Gesten und tiefen Emotionen. All das dazu in einer verständlichen und nachvollziehbaren Sprache.
Seine Wurzeln zu dieser Stadt und der Region sind dabei spürbar und seine Liebe zum kantigen, ehrlichen Rock offensichtlich.
Noch sind seine Konzerte rar gesät, aber es gibt keinen Grund, vor der großen Bühne zurückzuschrecken.
Hat seine Stimme doch das Volumen und die Kraft zu beeindrucken.
Vor kurzem kam sein Debüt-Album heraus, einige Release-Acts folgten, also sind die Weichen richtig gestellt.
Daenk – Alles hat einen Sinn (Vinyl)
Der Zug rollt, und daher handelt es sich hier um einenTipp, den man sich also nicht entgehen lassen sollte.
Viktor Pashnyk auf dem ukrainischen Charity-Festival am 4.07.2026 auf dem Hofgut Scheibenhardt
Die erste Begegnung vor einigen Monaten mit der Musik von Viktor Pashnyk war geprägt von der Neugierde. Die Bandura, ein typisches ukrainisches Instrument, dass oft mit dem Wort „Lautenharfe“ umschrieben wird, erregt Aufmerksamkeit.
Bauchig, mit einem großen Klangkörper ausgestattet, und einer Vielzahl an Saiten wirkt es ungewohnt, erinnert aber in seinen melodiösen Tönen durchaus an jene zwei Instrumente, die gerne für die Beschreibung genutzt werden. Von der Laute hat sie den gitarrenähnlichen, folkloristisch anmutenden Klang, von der Harfe das große Spektrum der Möglichkeiten.
Viktor Pashnyk befindet sich aktuell auf einer langen Tournee durch Deutschland, die ihn nun zum zweiten Mal nach Karlsruhe führte. Im Hofgut Scheibenhardt, jenem Golfclub, der sich auf der Rückseite der Kunstakademie, dem Schloss Scheibenhardt am Rande von Karlsruhe (auf dem weg nach Ettlingen) befindet, fand das alljährliche Charity-Festival des Deutsch-Ukrainischen Vereins statt.
Mit dem Charity-Festival wird versucht, zum einen Spenden für Hilfsgüter und Unterstützung der Menschen in der Ukraine zu sammeln, und zum anderen, die ukrainischen Initiativen, die Kultur, aber auch die kulinarischen Genüsse des Landes zu präsentieren.
In der Atmosphäre des Golfclubs versammelte sich daher eine erstaunliche Vielfalt der ukrainischen Kulturszene, die fast unbeachtet mittlerweile einige interessante MusikerInnen aufzuweisen hat.
Viktor Pashnyk auf dem ukrainischen Charity-Festival am 4.07.2026 auf dem Hofgut Scheibenhardt
So war es nicht nur Viktor Pashnyk, sondern z.B. auch Bloshka & The Love Spirits (demnächst auf dem Unifest in Karlsruhe vertreten) und Nik Prana, die im Laufe des Tages auftraten. Beide hätte ich gerne gesehen, aber es ist Sommer, die Feste und Konzerte liegen so nahe beieinander wie das ganze Jahr sonst nicht.
Viktor Pashnyk ist ein ukrainischer Liedermacher und Interpret traditioneller Weisen. Seine Lieder, zumeist in ukrainisch, mit einem Schmunzeln und einem lockeren Dialog vorgetragen, transportieren die Witz und die menschliche Wärme jener Region. Sein Auftritt ist charmant, nahbar und wurde spontan von dem Geigenspiel einer der Anwesenden unterstützt.
Eingerahmt von den Darbietungen junger Sängerinnen (angeleitet von Bloshka, die zwei der Formationen leitete) und weiteren Aufführungen, zeigte sich Viktor Pashnyk nicht nur als Spieler der Bandura, sondern auch auf der Gitarre. Mag sich lyrisch nicht alles erschließen – weil man der Sprache nicht mächtig ist – so bleibt das universelle der Musik, die es leicht macht, seine Fertigkeiten zu bewundern.
Vor allem in der Begleitung, mit den jenen Geigenklängen, die ihn bei 3 Stücken unterstützten, offenbarte sich ein Aspekte, dem man gerne länger gelauscht hätte.
Das Charity-Festival dient dazu, die Kriegsleiden des Landes zu mildern, die Menschen, die dort verblieben sind, zu unterstützen, aber auch um jenen, die in der Migration sind, einen Ort zu geben, an dem sie ihre Kultur erleben und feiern können. Angesichts des reichhaltigen Angebotes, der Organisation und den Bildern, die hinterher in Social Media einflossen, ist ihnen das sehr gut gelungen.
Wer die Chance hat, die erwähnten Künstler in den nächsten Monaten zu sehen, sollte sie nutzen. Mit Bloshka und Nik Prana hatte sich in den letzten Wochen die Chance für ein Interview ergeben. Siehe unten. Wahrscheinlich wird man sowieso noch einiges von ihnen hören.
Orchestra Mondo bei „Schriesheim Jazzt!“ Am 05.07.2026 (Schriesheim)
Einst als Zydeco Annie mit viel Liebe zur Musik Louisianas unterwegs war, war Anja Baldauf als eine der kenntnisreichsten Botschafterinnen dieser Richtung in Deutschland bekannt. Seit einigen Jahren jedoch gibt es für die aktive Akkordeonistin ein weiteres Standbein, das mehr und mehr in den Vordergrund rückt.
Das Orchestra Mondo ist ebenfalls von ihrem Instrument geprägt, geht das Thema aber von einer anderen Seite an. Ist das Thema doch „Tango meets Gypsy“ und erlaubt damit mehr als nur einen Blick über den Tellerrand.
Orchestra Mondo gehören als vierköpfige, akustische Formation damit zu jenen Gruppierungen, die den Bogen weit zu spannen vermögen, um all die Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, die sich quer durch die Stilrichtungen ziehen. Wie der Name schon verspricht handelt es sich um eine Reise. Ein musikalischer Trip, der die ganze Welt vereinnahmt.
Argentinien, das Heimatland und der eigentliche Ursprungsort des Tangos vermischt dabei die Kompositionen Astor Piazzolas mit den Chansons in Paris, und dort mit dem charakteristischen Gitarrenspiel eines Django Reinhardt. Das alles zusammengerührt – mit den Elementen des Ostens, den ungestümen Rhythmen des Balkans und die Improvisationsfreiheit des Jazz.
Material, das auch Raum lässt für Selbstkomponiertes oder quasi auf den Straßen gefundenes Liedgut, das sich nahtlos zu einem Ganzen zusammenfügt. Um dann schließlich verwandtschaftliche Bezüge zu entdecken.
Orchestra Mondo lassen die Klänge der unterschiedlichsten Regionen dabei swingen. Sie transportieren die Melancholie und gleichzeitige Aufbruchstimmung der 20-30er Jahre.
„Schriesheim Jazzt!“ Ist eine der kleinen, engagierten Veranstaltungen, die im Sommer die Höfe der Altstadt für einige Formationen, kulinarische Köstlichkeiten und dem regionalen Wein öffnen. Eines jener Events, das am Rande der großen Namen versierten MusikerInnen eine Plattform bietet. Die Konzerte finden parallel statt, so daß das Publikum aufgefordert ist, zu durch die Altstadt zu schlendern, Entdeckungen zu machen und den lauen Abend zu genießen.
Auf einem der Höfe, unter einem großen schattigen Baum, umgeben von historischen Mauern, präsentierten sich die vier Musiker (Anja Baldauf – Akkordeon, Raffael Müller – Gitarre, Dennis Wendel – Kontrabass und Stefan Baldauf – Drums).
Am Fuße der Weinberge, die in Schriesheim mit einer bewirtschafteten Burg gekrönt sind, war alles nachvollziehbar: die lauen, sommerlichen Abende in Pariser Cafés, die warme Luft, der süffige Wein, die Saitenklänge begabter Musiker und die Lebensfreude, wie man sie auf den Gassen im Balkan vermutet.
Im Spiel offenbarte das Quartett eine überraschende Tiefe, und einen kenntnisreichen Umgang mit ihren klar erkennbaren Vorbildern. Anja Baldauf, die schon mit dem Akkordeon die unterschiedlichsten Varianten, Stile und Formen dieses Instrumentes beherrscht, nutzte, vor allem in einem Anklang zu den französischen Zitaten auch die Melodica. Raffael Müller dagegen wußte das Spiel auf den Stahlseiten mit Bravour zu meistern, ohne das Handikap eines Django Reinhardt zu teilen.
Es war mir nicht vergönnt alle Gruppen in Schriesheim zu erleben, doch angesichts der Qualität der musikalischen Miniaturen, die ich mitbekommen habe, war nicht nur das Orchestra Mondo ein Grund dem kleinen Festival beizuwohnen. Qualitativ gehört es auf jeden Fall zu einem der bemerkenswerten Jazz-Feste, die die Region zu bieten hat.
Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026
Geht man unbedarft an Blind Delon ran, muss man anerkennen: Andere haben mehr Ahnung und sind näher dran. Das KOHI war gut besucht, das Publikum bunt gemischt und die Stimmung auf dem besten Level, dass man sich wünschen konnte. Was immer da in der Luft lag, dass war schon eine gute Ahnung von dem was kommen durfte.
Eröffnen konnte Roma Deserta, allein, nur mit der Gitarre, aber unterstützt von einem Sammelsurium an Klängen, Sounds und eingespielten Instrumenten. Material, das komplex und dicht wirkte. Ein eigenes, kleines Reich, in dem sich sein orchestralen Wave-Verständnis widerspiegelte.
Roma Deserta verfolgte ein Konzept. Eine Art Plan, der sich nicht nur in einer Multimedia-Show hinter ihm manifestierte, sondern auch in ausschweifenden, tanzbaren Rhythmen, den langen Einleitungen, und die fehlende Angst vor Überlängen.
Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe
Das offenbarte eine sympathische Sturrheit, die der aktuellen Zeitbegrenzung nicht unterliegen wollte – aber vor allem auch eine Akribie, die aus einem Song so viel wie möglich heraus holen mochte.
Nicht der Balladensänger, sondern der Multiinstrumentalist und Tüftler standen auf der Bühne. In diesen Rollen holte er sein Publikum mit einem breiten, fetten Sound ab.
Wurde zwar nur zum Teil live dargeboten wurde, aber bot in seinem dichten Konstrukt eine rhythmische Grundlage für Variationen.
Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe
Roma Deserta befindet sich damit in einem anspruchsvollen Spannungsfeld, bot aber genug Bodenständigkeit, um die Beine zu bewegen, die Hüften zu schwingen und den Abend kraftvoll einzuleiten.
Blind Delon kamen mit all der Wucht und Kompromisslosigkeit, die diese Mischung aus harten Gitarren, metallenen Percussions, elektronischen Beats und tiefem Gesang zuliessen. Was sich abzeichnete, wurde durchgezogen. Ekstatische Monotonie gepaart mit enthusiastischen Riffs. Wildes Gemenge aus den Besten aller Teile.
Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026
Mathis Hauray und Corentin Thibur, beide an den Saiten, liessen die Beats einspielen, arbeiteten konzentriert am Rhythmus und schoben alles mit Kraft und Würde in die Nacht. Kernige, akzentuierte Botschaften, die auf die Füße zielten und dem Kopf Pause gönnten.
Eine Verweis auf alles, was schon da war, was noch kommen kann, und damit so viel zeitgemäßer als viele andere Protagonisten, wenn sie zitieren. Eben jene Momente, die in den Clubs geboren wurden, dorthin gehören und genau an diesen Orten ihren Impuls erleben.
Mit einer bewundernswerten Energie, und der richtigen Entschlossenheit, dem Ding keine Ruhe zu gönnen, präsentierten Blind Delon eine rasante Mischung, die begeistern konnte. Das zuckte, das krachte, das lebte, dass hatte den richtigen Schlag und die Konsequenz um in die Beine zu gehen, im Nacken spürbar zu bleiben und nicht mehr los zu lassen.
Blind Delon gehören zu jenen Bands, die die Nacht dunkler machen, die Kühle vertreiben und für all das in Erinnerung bleiben. Rock’n’roll der elektronischen Jahre, selbständig genug um im Gedächtnis zu haften . Hat ja auch bisher gut funktioniert.
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