Haphazard sind Wiedergänger oder die Erben einer großen, dicken und fetten Plattensammlung.
Es muss mehr als ein vollgestopftes Regal sein. Sie kommen aus dem Land der Schlaghosen und der ausufernden Solis.
Das Rockverständnis von Haphazard ist beachtlich und fußt irgendwo in einer tiefen und nostalgischen Vergangenheit und Liebe.
Der Sound ist nicht aus dieser Zeit, aber das Image sowieso auch nicht. Haphazard haben den Geist aus der Flasche, der Grube oder sonst wo wiedergeholt, um mit einem Flair zu bezaubern, den man verloren glaubte.
Wer sein den Rhythmus der frühen, goldenen Jahrzehnte der berühmten Jahre verloren glaubt, kommt an ihnen sowieso nicht vorbei. In einer Beschreibung zu dem, was sie auf der Bühne bieten, fließen automatisch jene Namen ein, die heute noch für Bewunderung sorgen. All die Gruppen, die aufgelöst oder mittlerweile schlicht zu alt sind, um eine solche Show zu bieten.
Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Sie haben, ohne Zweifel, große Vorbilder, aber auch das handwerkliche Können, um an sie ran zu kommen. Dass sie das so kompromisslos und enthusiastisch verfolgen, gebührt alleine schon Respekt. Muss man mal sagen.
Dabei sind sie so viel jünger als die Zitate, die sie nutzen – und so viel ernsthafter als die Altvorderen. Sie lehnen sich damit gegen den Trend und kreieren ihr eigenes Image. Vor allem sind sie eine entschlossene Liveband, die ihren Weg gehen wird.
Nicht geradlinig, schon wie eine Zeitreise, aber es macht einen Heidenspaß, Ihnen dabei zuzusehen.
Across the Border sind eigentlich so bekannt, dass man kein Wort mehr dazu verlieren muss. Folk-Punk der feinsten und wildesten Sorte, beheimatet in Remchingen, damit ganz tief in der Region und vor allem mit der ersten Sahne Musiker ausgestattet, die sich überall schon ihre Sporen verdient haben.
Bei Across the Border trifft aufeinander, was zusammen gehört: Eine unanständig wilde Liebe zur Musik, ein gutes Gefühl für den richtigen Rhythmus – und vor allem eine Haltung, die stabil und solide seit vielen Jahren gegen das Böse kämpft. Immer und überall.
Across the Border zu verpassen ist natürlich nicht drin, macht auch keiner. Insofern wird es voll, verschwitzt und die kraftvollste Einleitung, die das Fest braucht. Wenn Across the Border laden, dann kommen erstens alle und jeder tanzt. Muss so sein, gehört sich so und ist die richtige Einstellung.
Across the Border am 26 Dezember 2024 im Substage
Am Fest am See, zu einer der warmen Sommernächte, was will man mehr. Bewaffnet mit den typischen Folk-Instrumenten, reizen sie das Genre aus, haben soviel Punk im Blut, dass es schwer einzuordnen ist, aber bringen in der Regel auch eine ganze Riege an Gastmusikern mit, die mit allen Wassern gewaschen sind.
Lokalmatadoren eben. Jungs, die man immer wieder gerne sieht, die das schon seit 1991 machen und mittlerweile ein Jubiläum nach dem anderen feiern dürfen, aber dafür auch generationsübergreifend bejubelt werden. Das haben sie sich verdient.
Sie dürfen mittlerweile so viele Comebacks feiern wie sie wollen, sich neu besetzen, die Gegend immer wieder überraschen und weder sie noch ihre Fans werden müde, es jedes Jahr aufs neue krachen zu lassen.
Es ist uns eine Freude. Auf das Wiedersehen, die ewige Jugend und die richtige Haltung.
Das Fest am See (das Vorfest vor dem eigentlichen großen FEST in der Günter-Klotz-Anlage), ist ja immer die Chance neue Talente zu entdecken.
Daniel Klinger aka DAËNK gehört zu den Künstlern, die man sich merken kann. Geht er doch seinen Weg eigenständig, selbstbewusst und mit einer starken Präsenz.
Er überzeugt nicht nur durch seine Statur, denn vor allem seine Stimme ist ausdrucksstark und einprägsam.
DAËNK singt Deutsch, bodenständig, rockig, erdig und mit viel Gefühl.
Daënk bei Dixigas-Records in Karlsruhe am 23.09.2025
Hat dabei keine Scheu vor großen Gesten und tiefen Emotionen. All das dazu in einer verständlichen und nachvollziehbaren Sprache.
Seine Wurzeln zu dieser Stadt und der Region sind dabei spürbar und seine Liebe zum kantigen, ehrlichen Rock offensichtlich.
Noch sind seine Konzerte rar gesät, aber es gibt keinen Grund, vor der großen Bühne zurückzuschrecken.
Hat seine Stimme doch das Volumen und die Kraft zu beeindrucken.
Vor kurzem kam sein Debüt-Album heraus, einige Release-Acts folgten, also sind die Weichen richtig gestellt.
Daenk – Alles hat einen Sinn (Vinyl)
Der Zug rollt, und daher handelt es sich hier um einenTipp, den man sich also nicht entgehen lassen sollte.
Viktor Pashnyk auf dem ukrainischen Charity-Festival am 4.07.2026 auf dem Hofgut Scheibenhardt
Die erste Begegnung vor einigen Monaten mit der Musik von Viktor Pashnyk war geprägt von der Neugierde. Die Bandura, ein typisches ukrainisches Instrument, dass oft mit dem Wort „Lautenharfe“ umschrieben wird, erregt Aufmerksamkeit.
Bauchig, mit einem großen Klangkörper ausgestattet, und einer Vielzahl an Saiten wirkt es ungewohnt, erinnert aber in seinen melodiösen Tönen durchaus an jene zwei Instrumente, die gerne für die Beschreibung genutzt werden. Von der Laute hat sie den gitarrenähnlichen, folkloristisch anmutenden Klang, von der Harfe das große Spektrum der Möglichkeiten.
Viktor Pashnyk befindet sich aktuell auf einer langen Tournee durch Deutschland, die ihn nun zum zweiten Mal nach Karlsruhe führte. Im Hofgut Scheibenhardt, jenem Golfclub, der sich auf der Rückseite der Kunstakademie, dem Schloss Scheibenhardt am Rande von Karlsruhe (auf dem weg nach Ettlingen) befindet, fand das alljährliche Charity-Festival des Deutsch-Ukrainischen Vereins statt.
Mit dem Charity-Festival wird versucht, zum einen Spenden für Hilfsgüter und Unterstützung der Menschen in der Ukraine zu sammeln, und zum anderen, die ukrainischen Initiativen, die Kultur, aber auch die kulinarischen Genüsse des Landes zu präsentieren.
In der Atmosphäre des Golfclubs versammelte sich daher eine erstaunliche Vielfalt der ukrainischen Kulturszene, die fast unbeachtet mittlerweile einige interessante MusikerInnen aufzuweisen hat.
Viktor Pashnyk auf dem ukrainischen Charity-Festival am 4.07.2026 auf dem Hofgut Scheibenhardt
So war es nicht nur Viktor Pashnyk, sondern z.B. auch Bloshka & The Love Spirits (demnächst auf dem Unifest in Karlsruhe vertreten) und Nik Prana, die im Laufe des Tages auftraten. Beide hätte ich gerne gesehen, aber es ist Sommer, die Feste und Konzerte liegen so nahe beieinander wie das ganze Jahr sonst nicht.
Viktor Pashnyk ist ein ukrainischer Liedermacher und Interpret traditioneller Weisen. Seine Lieder, zumeist in ukrainisch, mit einem Schmunzeln und einem lockeren Dialog vorgetragen, transportieren die Witz und die menschliche Wärme jener Region. Sein Auftritt ist charmant, nahbar und wurde spontan von dem Geigenspiel einer der Anwesenden unterstützt.
Eingerahmt von den Darbietungen junger Sängerinnen (angeleitet von Bloshka, die zwei der Formationen leitete) und weiteren Aufführungen, zeigte sich Viktor Pashnyk nicht nur als Spieler der Bandura, sondern auch auf der Gitarre. Mag sich lyrisch nicht alles erschließen – weil man der Sprache nicht mächtig ist – so bleibt das universelle der Musik, die es leicht macht, seine Fertigkeiten zu bewundern.
Vor allem in der Begleitung, mit den jenen Geigenklängen, die ihn bei 3 Stücken unterstützten, offenbarte sich ein Aspekte, dem man gerne länger gelauscht hätte.
Das Charity-Festival dient dazu, die Kriegsleiden des Landes zu mildern, die Menschen, die dort verblieben sind, zu unterstützen, aber auch um jenen, die in der Migration sind, einen Ort zu geben, an dem sie ihre Kultur erleben und feiern können. Angesichts des reichhaltigen Angebotes, der Organisation und den Bildern, die hinterher in Social Media einflossen, ist ihnen das sehr gut gelungen.
Wer die Chance hat, die erwähnten Künstler in den nächsten Monaten zu sehen, sollte sie nutzen. Mit Bloshka und Nik Prana hatte sich in den letzten Wochen die Chance für ein Interview ergeben. Siehe unten. Wahrscheinlich wird man sowieso noch einiges von ihnen hören.
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