Der Spieler – Teil 49

Der Spieler – Teil 49

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der neunundvierzigste Teil, indem es nicht um Bob Dylan geht, aber da wir bald den fünfzigsten lesen können, muss das jetzt nochmal richtig Wendungen erleben und Fahrt aufnehmen.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 22.03.2026

Der Nebel lichtete sich nicht. Seine Züge nahmen aber einen freudigen Ausdruck an.

„Dachten sie wirklich, es ging darum? Wäre es das wert? Jahrelange Beschattung von Kurt?“

„Heißt das, dass Inge ..“

„Genau das. Das heißt es, sie scheinen endlich zu begreifen.“

„Sie haben Kurt mit Inge beschattet, obwohl es nie um die Platte ging.“

„Doch es ging um die Platte. Nur um die Platte, aber nicht um die Aufnahme.“

„Ich verstehe ihre Worte, aber sie sprechen nicht meine Sprache. Bedingt das eine nicht das andere? Was ist die Platte ohne die Aufnahme? Das macht doch ihren Wert aus….“

Inge legte ihren Finger auf die Lippen. „Höre doch einfach zu, Klaus.“

Blumscheid sah sie verärgert an. Seine Worte wirken wie einstudiert und oft geübt. Er ging in die Hocke, um zu mir auf zu sehen. Er sprach leiser. 

Das ist die Stelle, dachte ich, in der der Superschurke seinen Plan erklärt. Wenn alles geklärt ist, musste unweigerlich etwas folgen. Ich würde ihn umbringen.

„Meinetwegen könnte auch ein Kinderlied auf der Platte sein. Das würde nichts ändern.“

„Ob das der junge Mann auch so sieht.“

Der Richter zuckte mit den Schultern. „Glauben sie, ich habe etwas damit zu tun?“

„Ganz ehrlich? Ich traue ihnen alles zu.“

„Vergessen sie nicht, sie sind in mein Haus eingedrungen und haben mich mit der Waffe bedroht.“

„Angesichts der Situation hätte ich es nicht dabei belassen sollen.“

Er winkte ab. „Ach, Geplänkel. Teilen sie mir mit, wenn sie an der ganzen Geschichte interessiert sind.“

Ich fixierte ihn. Meine Chancen standen schlecht. Meine Arme, meine Handgelenke, ja, mein ganzer Körper glich einer offenen Wunde. Ich war von den Fesseln befreit, aber nicht in der Lage mich zu rühren. Es pochte in meinen Kopf, als wäre da ein Taktgeber verschraubt.

Ich konnte ihn nur verärgert anblicken. Mehr war nicht möglich. Ich knirschte mit den Zähnen wie ein wildes Tier.

Er bemerkte es, grinste. „Nachhaltig, nicht wahr?  Bemühen sie sich nicht. Es ist ihnen anzusehen, dass sie mir am liebsten an die Gurgel wollten. Selbst wenn – vergessen sie die Beiden hinter ihnen nicht. Und vor allem, unterschätzen sie Inge nicht. Denken sie immer daran, sie ist nicht ihre Freundin. Wirklich nicht.“

„Warum?“

„Ich muss etwas ausholen. Die Platte ist ein Unikat. Eine Privatpressung, die auf der Bandaufnahme von der Session zwischen den Beatles und Elvis stattfand.“

„Es gab diese Session nicht, und schon gar keine Aufnahme.“

„Das mag stimmen, ist aber faktisch egal, denn im Grunde ist nur wichtig, dass diese Platte existiert. Sie kennen sich mit Vinyl aus?“

„Ich bin mit dem Scheiß aufgewachsen! Was glauben sie, wen sie vor sich haben?“

„Ich mache es einfach. Vinyl ist analog. Eine Nadel bewegt sich durch eine Spur, eine Rille. Die Unebenheiten, auf die die Nadel trifft, erzeugt den Klang. Die Nadel setzt man an dem äußeren Rand ab und sie wird zur Mitte der Platte bei einer festen Geschwindigkeit geführt. Richtig?“

„Jaja!“

„Es handelt sich also pro Plattenseite um eine einzige Rille. Richtig?“

„Ja, verdammt!“

„Was passiert bei zwei Rillen? Stellen sie sich vor, es gäbe zwei Rillen. Parallel verlaufend.“

Ich schwieg. Er nickte.

„Also, zwei Rillen, nicht eine. Neben einander. Sie verstehen? Das würde bedeuten, dass sie aus Versehen, eventuell die Nadel in die zweite Rille setzen. Sie können nicht bestimmen, welcher Inhalt gespielt wird. Die Lösung ist, sie setzen den Beginn der zweiten Rille auf 1:32 Minuten. Wo sie den Abstand zwischen den Rillen künstlich vergrößert haben, so dass es die Treffsicherheit erhöht.“

„Das heißt die Platte enthält noch irgendeine Scheissaufnahme von Bob Dylan, wie er Blowin in the Wind furzt, oder was?“

Er lachte laut auf. Fiel fast hinten über. 

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