Der Spieler – Teil 63

Der Spieler – Teil 63

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der dreiundsechzigste Teil und es könnte jetzt eine Erlösung kommen.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 29.03.2026

Inge sah mich überrascht an „Was willst du hier?“

„Gibt es hier nur zwei Menschen?“

Sie sah sich suchend um, lächelte und beugte sich zu meinem rechten Ohr hinunter.

„Bist du schon Paul und John begegnet?“

Ich trat einen Schritt zurück. „Wen meinst du? Die Beatles?“

Das Lächeln blieb wie angetackert in ihrem Gesicht haften, während sie mit dem Finger zu ihren Lippen ging. „Psst. Das hören sie gar nicht gerne. Ich glaube, schon seit ihrer Kindheit macht man Witze darüber. Sie finden das nicht komisch. Verständlich, oder?“

„Ich habe keine Ahnung, von was du sprichst.“

Im Gegensatz zu Blumscheids Papier-Archiv handelte es sich bei ihrem Raum weder um ein Büro, noch um irgendetwas, dass daran erinnert. Im Gegenteil, ich kannte Clubs, die hatten schlechtere Chill-Out-Areas. 

Sämtliche  Verweise auf eine Vergangenheit waren hier getilgt. Ich kam mir wie ein älteres Relikt vor. Zwar trug Inge einen ähnlichen Jogginganzug, aber bei ihr sah es eindeutig sportlicher aus. Während er an mir wirkte wie ein Sack, der mit Gummibändern zusammengehalten wurde.

Alles in diesem Raum war in einem blendenden Weiß gehalten. Die Lichtquellen waren verdeckt, so dass man den Eindruck gewann von Milchglasfenster umgeben zu sein. Überhaupt hatte man in diesem Raum auf alles verzichtet, was irgendwie nach einer Ecke aussah. So ein Design hatte man in den Siebzigern futuristisch genannt. Von der Decke bis zum Fußboden in einem kugeligen halbrund, gab es – verdeckt von Inge, die breitbeinig in der Mitte stand – mir gegenüber zwei weitere Türen. 

„Ich meinte die beiden jungen Männer, die sicherlich gerade nach dir suchen.“

„Hm.“ Ich zuckte die Schultern.

„Wie bist du ihnen entkommen?“

„Ich glaube nicht, dass ich ihnen entkommen bin. Wahrscheinlich überwacht ihr alle Gänge. Und wisst genau wo ich bin.“

„Klaus, was ist mit dir los? Hat dir Blumscheid kein Angebot gemacht?“

„Eines, das ich nicht abschlagen kann – weil er mir von diesem Nazi-Bockmist erzählt hat?“

Das Weiß blendete mich so sehr, dass ich gar nicht dem Sofa gewahr wurde, das sich am Rande der Halbkugel entlang schlängelte. Auch dieses war in einem blendenden Weiß gehalten.

„Ich muss mich setzen.“ Ich humpelte zu dem Sofa, liess mich in das Polster fallen und sah mich um. Die Tür, durch die ich gekommen war, unterschied sich nicht von jenen, die ich hinter Inge erkannt hatte. In dieser geräumigen Halbkugel wurde das Konzept der kompletten Verwirrung fortgesetzt. 

Inge setzte sich neben mich. Es erstaunte mich, wie wechselhaft, das Spiel aus Entfremdung und Vertrautheit in mir tobte. Diese Frau war mir genauso vertraut, wie ich sie nun nicht mehr kannte. Sie sah mich mitleidig an. 

„Konnte dir Blumscheid nicht erklären, um was es hier geht?“

Ihren bedauernden Unterton empfand ich als arrogant. Ich entgegnete nichts. Ich sah die Türen an. Hoffte, sie würden sich vor meinen Augen öffnen. Wie durch eine magische Hand.

Ich vermutete Toiletten dahinter.

„Es macht keinen Sinn zu fliehen. Es mag dir alles, wie ein wilder Traum vorkommen.“


„Inge, egal was du sagst – ich suche lediglich eine Toilette.“

Für einen Moment brachte sie das aus der Fassung – sie blickte mich zu lange an –  dann stand sie auf, bedeutete mir ihr zu folgen und steuerte eine der Türen an.

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